Die Ästhetik in der Philosophie beruht im Grunde auf den gleichen Gesetzmäßigkeiten, wie sie der Mensch auf alle zu betrachtenden Objekte und Subjekte anwendet. Dem Begriff der Ästhetik liegt das Streben nach Harmonie zugrunde. Darum wird in der Philosophie genau so wie im realen Leben auf die Gleichmäßigkeit geachtet.


 

Ein harmonisches Gesicht strahlt Ästhetik aus

Ein harmonisches Gesicht strahlt Ästhetik aus

Das zueinanderpassen. Wann ist zum Beispiel ein Gesicht schön? Wenn es zwei zueinanderpassende Gesichtshälften besitzt. Das bedeutet aber keineswegs, dass beide Gesichtshälften gleich sind. Im Gegenteil, das wäre unharmonisch oder unästhetisch. Sie weichen voneinander ab und harmonisieren genau dadurch. Genau das gleiche Prinzip wird in der Philosophie angewandt. Ein Gedicht harmoniert durch passende Reime, die nur in bestimmten Bezugspunkten identisch sind, aber niemals im Ganzen. Ein Gemälde harmoniert in Symmetrie und Perspektive. Dabei spielt der Inhalt nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist die richtige Proportionierung. In der fernöstlichen Lehre des Feng-Shui besteht das Ying und Yang, zwei Gegensätze, die zueinander gehören und harmonieren, weil sie im Gleichgewicht zueinander sind. Das ist Ästhetik.

Besteht im hässlichen Ästhetik?

Ohne Zweifel unterliegen auch vordergründig hässliche Dinge der Betrachtungsweise der Ästhetik, die hier oft erst im zweiten Blick erkennbar wird. Hässlich kann ein Gesicht sein und trotzdem besitzt es eine gewisse Harmonie. Der Krieg ist hässlich und besitzt in bestimmten Momenten eine unglaubliche Ästhetik, die nicht vom Inhalt, Morden und Töten, getragen wird, sondern von der Form der Dinge. Ein berühmtes Beispiel für die Ästhetik des Hässlichen ist Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame“. Im Verlauf der Geschichte wird aus dem vordergründig hässlichen Quasimodo das ästhetisch schöne und reine Herz und aus dem vordergründig schönen und vermeintlich ästhetischen Offizier Phöbus der egoistische Hauptmann ohne jede Harmonie.

Ästhetik ist der Grundpfeiler der Philosophie

Seit der Mensch lernte, abstrakt zu denken und dadurch einen technischen Vorsprung vor allen anderen Lebewesen dieser Erde erhielt, begleitet ihn auch die Frage nach dem Dasein. Da bis heute darauf keine exakte und wissenschaftlich belegbare Antwort gegeben wurde, bleibt nur die Philosophie, die dem Menschen erlaubt, das gesamte Leben, in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft als ein komplexes System zu betrachten, dessen Grundlage eine ästhetisch ansprechende Form ist. Auch der Glaube an ein höheres Wesen ist eine Form der ästhetischen Philosophie. Es mag sich in unserem hoch technisierten Zeitalter merkwürdig anhören, aber ohne Ästhetik würde nichts funktionieren. Der Mensch ist ständig auf der Suche nach dem Gleichgewicht, denn ohne dieses ist das Leben selbst mit noch so viel Technik unbefriedigend.