Eine Blinddarmentzündung (lat: Appendizitis) ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes, dem sogenannten Appendix vermiforis. Dieser liegt in der Nähe der Dünndarmeinmündung und ist eine Aussackung des Dickdarms. Der Wurmfortsatz leistet keinen Anteil an der Verdauung, hat jedoch verschiedene Funktionen bei der Immunabwehr inne. Die Blinddarmentzündung kommt in allen Altersstufen vor, jedoch sind häufig Kinder und junge Menschen betroffen. Etwa 7 % der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens, damit ist die Blinddarmentzündung eine der häufigsten Darmerkrankungen.


Eine Blinddarmentzündung ist äußerst schmerzhaft und muss schnellstens behandelt werden. © Fotolia.com

Eine Blinddarmentzündung ist äußerst schmerzhaft und muss schnellstens behandelt werden.
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Die häufigste Ursache für eine Appendizitis ist eine Verstopfung des Ausgangs. Die dadurch entstandene Kotstauung verursacht die Entzündung. Sehr selten wird die Verstopfung auch von Fremdkörpern wie Kirschkernen, Tumoren oder Würmern verursacht. Eine weitere Ursache für eine Appendizitis ist eine Entzündung des gesamten Darms. Dies ist etwa bei Erkrankungen wie Morbus Crohn der Fall. Eine dritte mögliche Ursache ist eine bakterielle Infektion des Wurmfortsatzes. Hierbei vermehren sich Enterokokken, Proteus- oder Kolibakterien an dieser Stelle und führen zu einer Entzündung.

Als erstes Symptom macht sich ein dumpfer Schmerz im Bereich des Bauchnabels oder der oberen Bauchhälfte bemerkbar. Später beginnt auch der rechte untere Teil des Bauches zu schmerzen. Die Schmerzen verstärken sich bei Bewegung, vor allem beim Gehen. Weitere Symptome einer Blinddarmentzündung sind Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Auch kann es zu Fieber kommen, meist ist die Temperatur jedoch nur leicht erhöht. Stuhlverhalt tritt auf, wenn als Ursache eine Verstopfung vorliegt und der Betroffene den Stuhl nicht entleeren kann. Bei Kleinkindern sind die Schmerzen stärker, bei älteren Menschen schwächer ausgeprägt.

Die Therapie besteht in erster Linie aus der operativen Entfernung des Wurmfortsatzes. Mithilfe einer minimal invasiven Operation, bei der die Bauchdecke mit lediglich drei Schnitten geöffnet wird, wird der Blinddarm mit dem Endoskop eingesehen und schließlich entfernt. Diese Methode wird auch Schlüssellochchirugie genannt. Bei einer fortgeschrittenen Entzündung empfiehlt sich jedoch die Behandlung durch eine offene Operation mit Bauchschnitt.

Ursachen für eine Appendizitis

Die Ursachen für eine Blinddarmentzündung sind sehr vielfältig, doch liegt meist lokal ein Verschluss oder eine Verengung des Darmlumens unterschiedlichster Äthiologie vor.

In der Regel ist direkt der Eingangsteil des Wurmfortsatzes verlegt und der Speisebrei in dem blinden Ende sitzt jetzt regelrecht in dem Appendix fest. Durch diesen Kotstau und den ursächlichen Auslöser selbst kommt es erst zu einer mechanischen Reizung und schließlich durch die massenhaft vorhandenen Darmbakterien zu einer sekundären Entzündung. Diese Infektion schreitet nun entlang der Darmwand ungehindert fort und führt nach und nach zu einem Absterben des Gewebes. Diese Nekrose macht das Gewebe so brüchig, dass es zu dem gefürchteten Durchbruch (Perforation) kommen kann.

Am häufigsten wird in der Operation ein verklemmter Kotstein als Auslöser gefunden – vor allem bei Kindern oder Erwachsenen mit chronischer Verstopfung. Andere Ursachen für die Verlegung des Blinddarms sind Nahrungsbestandteile (klassisch sind z.B. kleine Nüsse, Samen, Körner, Weintrauben-, Kirsch- oder Melonenkerne) oder Fremdkörper (vor allem bei kleinen Kindern sollte nach verschlucktem Spielzeug, z.B. Murmeln, geschaut werden). Im höheren Alter kann auch ein Tumor den Blinddarmabgang komprimieren und somit verschließen. Am häufigsten kommt es bei Darmkrebs im Zökumbereich zu dieser Komplikation, aber auch z.B. maligne Lymphome oder Tumore des Ovars können eine Appendizitis auslösen.

Seltenere Ursachen für eine Blinddarmentzündung sind ein Parasitenbefall (vor allem mit Würmern verschiedenster Arten, z.B. durch Spulwürmer und Oxyuren) oder die direkte Ausbreitung einer Entzündung. Letzteres findet sich unter anderem im Rahmen einer bakteriellen Enteritis oder bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa). Da typischerweise der Morbus Crohn im terminalen Ileum beginnt, also ganz nah an dem Wurmfortsatz, kommt es vor allem bei diesem Untertyp der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu einer Blinddarmentzündung.

Nicht selten wird trotz intensiver Untersuchung und Anamnese keine der Ursachen gefunden. Ist kein Auslöser feststellbar, so wird auch von einer idiopathischen Blinddarmentzündung gesprochen.

Symptome einer Appendizitis

Die Symptome einer Blinddarmentzündung sind sehr vielfältig. © Fotolia.com

Die Symptome einer Blinddarmentzündung sind sehr vielfältig.
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Die Symptome einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) sind nicht selten völlig unspezifisch und ungenau. Nicht nur das führt zu erheblichen diagnostischen Schwierigkeiten.

Die klassische Blinddarmentzündung beginnt oft plötzlich und manchmal von Anfang an sehr heftig. Zu Beginn sind die Schmerzen meist im Oberbauch lokalisiert, begleitend sind ein Magendruck, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz bis hin zum Erbrechen weitere Symptome. Da in der Regel eher eine Verstopfung als Durchfall vorliegt, ist eine Abgrenzung zu einer banalen Gastroenteritis möglich. Für eine Entzündung im Unterleib spricht ebenfalls Fieber mit einer Temperaturdifferenz zwischen den Messungen unter dem Arm und rektal. Oft beklagen die Betroffenen ein erhebliches Krankheitsgefühl. Nach kurzer Zeit bis wenige Stunden später wandern die Schmerzen in die rechte Bauchhälfte und schließlich bis in den rechten Unterbauch. Durch viele Manöver lassen sich die Schmerzen verstärken, was auch diagnostisch genutzt wird. Klassischerweise wird der Schmerz durch eine Erhöhung des intraabdominellen Drucks (z.B. beim Niesen, Husten oder Pressen) verstärkt.

Auch sind verschiedene Schmerzpunkte bekannt, welche durch die untersuchende Hand getriggert werden können. Unter anderem ist das der Lanz-Punkt (zwischen den Darmbeinschaufeln wird eine imaginäre Linie gezogen, nach einem Drittel befindet er sich dann rechts im Unterbauch – die Lage entspricht etwa der Spitze des Blinddarms) und der McBurney-Punkt (im ersten Drittel auf der imaginären Verbindungslinie zwischen Darmbeinstachel und Bauchnabel – er entspricht etwas dem Eingangsbereich des Blinddarms). Streicht der Untersucher den Darm rückwärts aus, ist ebenfalls eine Schmerzverstärkung zu erwarten (Rovsing-Zeichen). Ist es durch die Entzündung schon zu einer Reizung des Bauchfells gekommen, so zeigt sich der so genannte kontralaterale Loslassschmerz. Wird der Bauch links eingedrückt und schnell losgelassen, wird über dem Blindarm durch die Verschiebung des Bauchfells ein starker Schmerz empfunden. Auch lässt sich eine Bauchfellreizung durch einfaches Hüpfen oder durch das Anheben des rechten Beins nachweisen, da dabei ebenfalls das Bauchfell verschoben wird.

Bei der chronischen Blinddarmentzündung sind die Symptome weniger deutlich ausgeprägt und haben nicht selten einen schubförmigen Charakter. Völlig asymptomatische und/oder atypische Verläufe treten gehäuft bei kleinen Kindern, älteren Menschen, Diabetikern und Schwangeren auf.

Operation bei einer Blinddarmentzündung

Die Blinddarmentzündung wird in der Regel operativ behandelt, da die Risiken einer Operation deutlich geringer sind als die Risiken ohne Appendektomie. Wird nämlich die Entzündung nicht zeitnah therapiert, so droht sie durch die Darmwand durchzubrechen. Eine eitrige oder kotige Bauchfellentzündung ist dann die gefährliche Folge. Aber auch Abszesse, ein paralytischer Ileus (also ein Darmverschluss durch reaktiv fehlende Peristaltik) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) sind mögliche Gefahren. Da diese Komplikationen lebensbedrohlich sind, wird in der heutigen Medizin schon bei begründetem Verdacht der Blinddarm frühzeitig und ggf. unnötig entfernt

Der entzündete Wurmfortsatz kann über zwei Wege chirurgisch angegangen werden. Heute wird in der Regel die laparoskopische (also minimal-invasive) Operation bevorzugt, ein Bauchschnitt ist jedoch bei z.B. bestehender Perforation oder zu erwartenden Komplikationen Methode der Wahl. Der Blinddarm selber wird vom Zökum abgesetzt und das Darmlumen mittels Tabaksbeutelnaht verschlossen. Bei Bedarf wird der Bauchraum antiseptisch gespült (Lavage), wenn z.B. ein Durchbruch vorgelegen hat. Meist werden ein bis zwei Drainagen für den Sekretabfluss eingelegt. Die Operation ist heute Routine, die Komplikationen (z.B. Infektionen, Wundheilungsstörungen, Nerven- und Gefäßverletzungen, Verwachsungen im Bauchraum) gering.

Lediglich Krankheitsverläufe mit wenig ausgeprägten Symptomen und gering erhöhten Entzündungswerten sind einer konservativen Therapie zugänglich. Diese erfolgt mit Antibiotika und symptomatischer Therapie, z.B. mit Schmerzmitteln, Eisblase und Bettruhe. Eine stationäre Aufnahme sollte wenn möglich erfolgen, eine Bereitschaft zur Operation und engmaschige klinische sowie laborchemische Kontrollen sollten gegeben sein.