Im Jahre 1940 entdeckten die beiden Serologen Karl Landsteiner und Alexander Solomon Wiener bei einem Versuch mit Rhesusaffen den Rhesusfaktor. Der Rhesusfaktor befindet sich im menschlichen Blut und ist ein Protein, das auf der Zellmembran der roten Blutkörperchen sitzt. Er wird unterteilt in Rhesus-positiv und Rhesus-negativ, was dadurch unterschieden wird, dass Rhesus-positive Individuen dieses System besitzen, die Rhesus-negativen jedoch nicht.


Der Rhesusfaktor ist genauer beschrieben ein Erythrozyten-Antigen-System im Blut. Erythrozyten sind die roten Blutkörperchen und für den Sauerstofftransport im Körper zuständig. Antigene bestehen zumeist aus Proteinen und sorgen für die körpereigene Abwehrfunktion, sind also zur Aufrechterhaltung eines intakten Immunsystems da. Bei der Rhesus-negativ Blutgruppe fehlt eines dieser Antigene, wodurch besagte Wissenschaftler feststellen konnten, dass sich so eine ausschlaggebende Unterscheidung der einzelnen Blutgruppen nachweisen lässt.

Beispiele für Schreibweisen des Rhesus-positiv und Rhesus-negativ Faktors

Rhesusfaktor-D-Antigen positiv Rhesusfaktor-D-Antigen negativ
Rh(D)+ Rh(D)-
Rh+ Rh-
Rh rh

Welche Auswirkungen hat er auf den menschlichen Organismus?

Blutkonserven mit dem Rhesusfaktor Negativ sind stets Mangelware.

Blutkonserven mit dem Rhesusfaktor Negativ sind stets Mangelware.

Die deutliche Mehrheit aller Menschen gehört der Rhesus-positiv Gruppe an. Für den menschlichen Organismus hat der jeweilige Rhesusfaktor zunächst einmal gar keine Auswirkungen. Allerdings ist eine Blutspende von Rhesus-negativen Menschen wegen der geringen Anzahl dieser Blutgruppe dementsprechend wertvoller. In Deutschland liegt die Quote der Rhesus-negativ Gruppe bei grade mal 15 Prozent, wohingegen die restlichen 85 Prozent der Rhesus-positiven angehören, weshalb Blutkonserven der Negativgruppe stets Mangelware sind.

Versuche mit Nagetieren zeigten, dass die Rhesusproteine zuständig sind für die Ausscheidung stickstoffhaltiger Stoffwechselprodukte sowie für die dauerhafte Aufrechterhaltung des ph-Wertes im Blut. Beides ist sehr wichtig für die Erhaltung der Gesundheit. Auch ist die Überprüfung, welchem Rhesusfaktor ein Mensch zuzuordnen ist, unbedingt notwendig, weil eine Vermischung der beiden Rhesusfaktoren sehr gefährlich ist. Wird beispielsweise bei einer Bluttransfusion einem Rhesus-negativen Menschen Rhesus-positives Blut zugeführt, entwickelt dieser eine körperliche Abwehrreaktion, indem er Antigene und Antikörper entwickelt. Dies kann bei einer dauerhaften Hämolyse (Auflösung der roten Blutkörperchen) bis hin zum Tode führen.

Ein weiterer lebensbedrohlicher Fall kann entstehen, wenn eine Schwangere nicht die gleiche Rhesusgruppe wie ihr Embryo aufweist. Durch die Hämolyse kann es geschehen, dass die Mutter, wenn ihre Blutgruppe nicht der des Embryos entspricht, Antikörper gegen das Ungeborene entwickelt, was zum Sterben des Säuglings führen würde. Heutzutage jedoch lässt sich dies verhindern, indem man der Mutter kein Blut zuführt, das den Antikörper bildenden Rhesusfaktor aufweist.

Die Vererbung des Rhesusfaktors ist dominant-rezessiv. Das bedeutet, dass sich der Rhesus-positive Faktor gegenüber dem Negativen immer durchsetzt, es sei denn beide Elternteile sind Rhesus-negativ.