Polypen sind allgemein gesagt gutartige Geschwülste (Tumore) an der Schleimhaut. Sie sind Ausstülpungen der Schleimhaut und sind in erster Linie ein rein deskriptiver Begriff. Polypen an der Nase haben eine andere Eigenschaft als Polypen im Darm. Während Polypen im Darm eher eine Neoplasie, also eine Neubildung von andersartigen Zellen beschreibt, sind Nasenpolypen ein entzündlicher Vorgang und meistens harmlos.

Krankheitsbild

Wenn viele Polypen an einem Organ entstehen, nennt man dieses Krankheitsbild Polyposis. Dies kann zum Beispiel an der Gebärmutter der Fall sein. Aber auch Magenpolypen sind bekannt, jedoch wesentlich seltener. Generell kann an jeder Schleimhaut ein Polyp entstehen, doch nur bestimmte Organe sind dafür prädistiniert. Am meisten betroffen ist der Darm. Hier können Polypen zunächst gutartig sein, dann jedoch über die sogenannte Adenom-Karzinom Sequenz zu einem bösartigen Tumor heranwachsen. Diese Tumore beginnen als Polypen, werden dann zu Adenomen, die immer noch gutartig sind und entarten dann über mehrere Mutationswege zu einem Karzinom.

Ursachen

Polypen sind häufig Ursache für kindliches Schnarchen. (© Fotolia.com)
Polypen sind häufig Ursache für kindliches Schnarchen. (© Fotolia.com)

Deren genaue Entstehung ist noch Gegenstand von Forschungen. Sicher ist nur, dass verschiedene Gene an der Entartung von Polypen beteiligt sind und dass sich der Prozess über mehrere Jahre hinweg ziehen kann. Auch ist bekannt, dass erst ab einem Alter von 55 Jahren das Risiko für eine solche Entartung stetig steigt. Im Gegensatz zu diesem streng geordneten Prozess im Darm stehen die Nasenpolypen. Diese gehen aus chronisch entzündeteter und angeschwollener (ödematöser) Schleimhaut hervor und haben mit Karzinomen nichts zu tun. Nasenpolypen entstehen nicht, wie der Name es vermuten lässt, direkt in der Nase, sondern in den Nasennebenhöhlen. Bevorzugt hierbei sind die Siebbeinzellen und die Kieferhöhle.

Wenn die Polypen sehr groß werden, können sie zu Atemnot und Beschwerden beim Schlafen führen. Polypen sind häufig der Grund für kindliches Schnarchen. Kinder sind auch häufiger von den Geschwülsten betroffen als Erwachsene. Dies liegt vermutlich an dem noch nicht vollständig ausgereiften Immunsystem. Somit können Erreger leichter eindringen und zu einer Entzündung führen, während bei Erwachsenen das Immunsystem aktiv dagegen kämpft.

Vergrößerte Rachenmandeln bei Kindern, die umgangsprachlich oft Polypen genannt werden, haben mit diesen nichts zu tun und sind Adenoide. Auch hier ist die genaue Entstehung nicht bekannt. Man kann aber davon ausgehen, dass durch die chronische Reizung der Schleimhaut das Epithel dazu angeregt wird, zu wachsen, um den entstandenen Schaden zu minimieren. Doch wenn auch das ständig erneuerte Gewebe angegriffen wird, wächst diese ebenfalls. Somit wird das Geschwülst immer größer.

Nasenpolypen

Nasenpolypen sind gutartige, geschwulstähnliche Wucherungen, die sich in der Nasenschleimhaut befinden. Meist treten sie beidseitig auf und bestehen aus den gleichen Zellen wie der Rest der Schleimhaut. Sie sind honigfarben und wirken meist etwas glasig. Sie sind unterschiedlich groß, angefangen bei ein paar Millimetern bis zu mehreren Zentimetern, die dann die Nasenräume völlig verschließen.

Entstehung & Symptome

Die Wucherungen entstehen meist durch eingelagerte Gewebsflüssigkeit. Männer sind, statistisch betrachtet, doppelt so häufig von Nasenpolypen betroffen als Frauen. Die Symptome für Nasenpolypen sind vielfältig und können den Patienten in seiner Lebensqualität stark beeinträchtigen. Er hat das Gefühl einer ständig verstopften Nase und Schwierigkeiten, zu atmen. Dadurch, dass die Ausflussgänge der Nasennebenhöhlen verstopft sind, kann es außerdem häufiger zu einer Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) kommen, die weitreichende Folgen wie Entzündungen der Augen, der Knochen und der Weichteile bis hin zu einer Hirnhautentzüdnung (Meningitis) haben kann.

Folgen und Behandlung

Nasenpolypen können das Richvermögen des Betroffenen stark einschränken. (© Fotolia.com)

Nasenpolypen können das Richvermögen des Betroffenen stark einschränken. (© Fotolia.com)

In diesem Fall muss der Patient sich im Krankenhaus wegen den Nasenpolypen behandeln lassen. Zudem ist das Riechvermögen der Betroffenen bei Nasenpolypen eingeschränkt, da die Luft nicht mehr bis zu den Riechzellen hervordringen kann. Gleichzeitig ist damit auch das Schmecken behindert. Die Stimme klingt näselnd, was beim Sprechen und Singen deutlich zu hören ist. Es entsteht bei Nasenpolypen ein ständiger, sehr lästiger Schleim- und Sekretabfluss und es kommt nachts zum Schnarchen, zu Schlafstörungen und somit zu einer verminderten Leistungsfähigkeit. Da Betroffene meist durch den Mund atmen müssen, kommt es nicht mehr zu einer Filterung der Luft in der Nase, was zu häufigen Infekten der oberen Atemwege führen kann.

Auch entzündliche Atemwegserkrankungen können sich durch die Nasenpolypen stark verschlechtern, wie zum Beispiel die chronische Bronchitis oder Asthma bronchiale. Leiden Kinder unter solchen Polypen, kommt es bei ihnen häufiger zu Mittelohrentzündungen, wobei Kinder eher seltener betroffen sind. Deutlich erhöht ist für Kinder das Risiko, an Nasenpolypen zu erkranken, wenn sie unter Mukovizidose leiden, da jedes dritte Kind mit dieser Krankheit auch von Polypen betroffen ist. Die meisten Patienten mit Nasenpolypen sind aber über dreißig Jahre alt. Unbehandelte Nasenpolypen können über die Jahre zu einer Auftreibung des Nasengerüsts, also einer Verbreiterung der Nase, und einer Vergrößerung des Augenabstandes führen. Diese Auswirkungen findet man heutzutage jedoch eher selten.

Die Nasennebenhöhlen

Die Nasennebenhöhlen (lateinisch Sinus paranasales) sind luftgefüllte Hohlräume im Schädel, die mit der Nasenhöhle verbunden sind. Die Nasennebenhöhlen dienen dazu, den Schädel zu pneumatisieren (mit Luft zu füllen), damit er leichter wird. Darüber hinaus werden die Nasennebenhöhlen zu den Atemwegen gerechnet, da sie direkt oder indirekt mit der Nasenhöhle verbunden sind.

Funktion und Aufbau

Erst mit ca. 25 Jahren sind die Nasennebenhöhlen voll entwickelt. (© Fotolia.com)

Erst mit ca. 25 Jahren sind die Nasennebenhöhlen voll entwickelt. (© Fotolia.com)

Ihre wichtigste Funktion ist aber wohl die Erzeugung eines Resonanzraumes für die Sprachbildung. Dies erklärt zum Beispiel die “nasale” Sprache, wenn die Nase verstopft ist. Denn bei verstopfter Nase sind auch die Belüftungswege in die Nasenneben-höhlen dicht. Der Laut, der normalerweise im gesamten Schädel gebildet wird, kann nicht gebildet werden und klingt anders. Der Mensch besitzt ingesamt vier Nasennebenhöhlen. Diese sind sie Stirnhöhle (Sinus frontalis), die Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidales), die Kieferhöhle (Sinus maxillaris) und die Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales). Die Stirnhöhle befindet sich, wie der Name es schon vermuten lässt, in der Stirn und hat eine direkte Verbindung zu der Nasenhöhle. Sie ist die größte der Nasennebenhöhlen.

Die Stirnhöhle ist aber auch die Höhle, die sich als letztes vollständig entwickelt. Bei Kleinkindern sind bei der Geburt nur die Siebbeinzellen vollständig entwickelt. Die Stirnhöhle beginnt ab dem 1. Lebensjahr zu wachsen und ist erst mit Abschluss des Schädelwachstums zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr voll ausgereift. Die Kieferhöhle entwickelt sich mit dem Durchbruch der bleibenden Zähne komplett, also etwa ab dem 7. Lebensjahr.

Späte Vollentwicklung

Die Keilbeinhöhle entwickelt sich ab dem 3. Lebensjahr und ist etwa ab dem 6. Lebensjahr vollständig angelegt. Diese langsame Entwicklung erklärt auch, warum bei Säuglingen und Kleinkindern der Kopf der schwerste Punkt im Körper ist. Ohne die Nasennebenhöhlen ist der Schädel nicht pneumatisiert und besteht nur aus kompaktem Knochen, die natürlich viel wiegen. Aus diesem Grund sollten Kinder niemals ohne Aufsicht gelassen werden, wenn sie die Möglichkeit haben, sich kopfüber irgendwo hinüber zu beugen. Die Gefahr, dass sie stürzen, ist zu groß. Ebenso kann man die typische Kindererkrankung “Rhinosinusitis” auf die Entwicklung zurückführen. Da bei Kindern nur die Siebzellen vollständig entwickelt sind, entzünden sich diese bei einer Erkältung meistens mit.

Krankheiten

Erst ab dem Erwachsenenalter können Sinusitiden (Schleimhautentzündungen) in allen Nasennebenhöhlen auftreten. Besonders anfällig sind dann die Kieferhöhle und die Stirnhöhle, bedingt durch ihren Abflussweg in die Nase. Wenn die Nasennebenhöhlen dicht sind, weil die Nase verstopft ist, sollte man versuchen mittels abschwellenden Nasensprays oder einer Nasendusche die Nase wieder frei zu bekommen, da sonst Bakterien in den Nasennebenhöhlen wachsen können. Dies ist besonders dann gefährlich, wenn sich die Bakterien in der Stirnhöhle vermehren, da die Stirnhöhle zum Gehirn hin nur durch eine sehr dünne Wand getrennt wird. Wenn Bakterien durch diese Grenze hindurch brechen, kann sich eine lebensgefährliche Hirn(haut)entzündung bilden. Eine weitere Erkrankung der Nasennebenhöhlen sind die Nasenpolypen. Diese chronisch-polypöse Nebenhöhlenentzündungen entstehen meistens in den Sinus paranasales und nicht in der Nase selbst, wie fälschlicherweise oft angenommen wird.

Nasenschleimhaut und Polypen

Die Entstehung von Polypen in der Nasenschleimhaut wird durch reizende Einflüsse begünstigt, die Schleimhautreaktionen hervorrufen. Dazu gehören zum Beispiel Allergien, Pilzbesiedlungen, chronischer Schnupfen oder chronische Nasennebenhöhlenentzündungen. 40 Prozent aller Menschen, die Polypen in der Nasenschleimhaut haben, leiden unter Asthma bronchiale. Auch sind Menschen mit Schmerzmittelunverträglichkeiten besonders häufig von Polypen betroffen.

Diagnose

Wer mit Polypen in der Nasenschleimhaut zum Arzt geht, muss vom Arzt als erstes die Nase untersuchen lassen. Sind die Polypen bereits mehrere Zentimeter groß, kann man sie oft schon mit bloßem Auge erkennen. Bei kleineren Polypen kann es sein, dass der Arzt eine Computertomographie anordnet, wordurch auch kleinste Wucherungen zu sehen sind. Wenn gleichzeitig noch eine Sinusitis, also eine Nasennebenhöhlen-entzündung vorliegt, wird der Arzt zusätzlich noch einen Abstrich des Sektrets machen, um die auslösenden Erreger zu erkennen.

Therapie

    Um Polypen in der Nasenschleimhaut zu bekämpfen wird oft Nasenspray verabreicht. (© Fotolia.com)

Um Polypen in der Nasenschleimhaut zu bekämpfen wird oft Nasenspray verabreicht. (© Fotolia.com)

Die Therapie von Polypen in der Nasenschleimhaut zielt darauf ab, sowohl die Polypen selbst als auch die Grunderkrankung zu behandeln. Bei kleinen Polypen reichen oft schon kortisonhaltige Medikamente aus, die das Wachstum der Wucherungen verhindern sollen. Diese Medikamente gibt es meist in Form von Sprays. Die volle Wirkung bemerkt der Patient dabei manchmal erst nach einigen Wochen. Etwas schneller wirken Medikamente in Tablettenform, diese haben aber im Regelfall mehr Nebenwirkungen. Zusätzlich wird manchmal ein Antiallergikum gegeben, um die Behandlung von Polypen in der Nasenschleimhaut zu unterstützen. Sind die Polypen größer und/oder befinden sich an mehreren Stellen, kann eine Operation nötig sein. Handelt es sich um einen einzelnen Polypen, kann dieser ambulant mithilfe einer örtlichen Betäubung entfernt werden.

Es wird dabei entweder ein Laser oder eine Nasenpolypenschlinge verwendet. Sofern die Polypen in der Nasenschleimhaut ein starkes Wachstum mit Beteiligung der Nebenhöhlen zeigen, wird meist eine Nasennebenhöhlen-Operation angesetzt. Wichtig ist nach den Operationen eine intensive Nachbehandlung. Die Nase muss gut gepflegt werden und es werden kortikoidhaltige Nasensprays angewendet. Sofern eine Sinusitis vorlag, werden zusätzlich ein Antibiotikum und abschwellende Medikamente verordnet. Behandelte Polypen in der Nasenschleimhaut haben in der Regel eine gute Prognose und die Symptome verschwinden meist vollständig. Hat eine Nasennebenhöhlen-Operation stattgefunden, kann es allerdings zu Rückfällen kommen, bei denen sich erneute Polypen bilden. Vor allem bei oben genannten Risikofaktoren ist die Chance eines Rückfalls gegeben.

Die Schleimhäute

Die Schleimhaut, aus dem lateinischen “Tunica mukosa” oder kurz nur “Mukosa” genannt, ist eine Schutzschicht, die alle Hohlorgane des Körpers beschichtet. Im Gegensatz zur Haut, die ja ebenfalls eine Schutzschicht ist, befinden sich auf der Schleimhaut keine Haare und keine Hornschicht. Ihre maßgebliche Funktion ist es, Muzine, also Schleim, zu produzieren. Je nach Organ beinhaltet das Muzin unterschiedliche Stoffe, die jeweils angepasst an die Organfunktion ist.

Im Magen zum Beispiel bildet die Schleimhaut stark basischen Schleim, um die Säure des Magens abzupuffern und die Magenwand vor ihrem eigenen Inhalt zu schützen. Je nach Ort ist die Schleimhaut auch unterschiedlich regenerationsfähig, also in der Lage, sich zu erneuern. Die Mundschleimhaut zum Beispiel gehört zu dem Gewebe, das sich am schnellsten Erneuern kann. Dies ist hier wichtig, da eine kaputte Schleimhaut im Mund einen langwierigen Funktionsausfall bedeuten könnte. Denn keinerlei Nahrung könnte mehr ohne Gefahr aufgenommen werden. Und nicht nur das – Die Mundschleimhaut ist auch ein wichtiger Teil im Nahrungsvorverdauungsprozess, welcher bereits im Mund beginnt.

Aufbau

Die Schleimhaut im Mund regeniert sich beim Menschen am schnellsten. (© Fotolia.com)

Die Schleimhaut im Mund regeniert sich beim Menschen am schnellsten. (© Fotolia.com)

Die Schleimhaut ist ganz charakteristisch aufgebaut. Sie besteht aus einem Epithel, der sogenannten Lamina epithelialis, an diese angegliedert ist die Lamina propria mucosae, eine sehr dünne Muskelschicht. Je nach Organ kann das Epithel einschichttig oder mehrschichtig sein. Generell befinden sich an stark beanspruchten Oberflächen, z.B in der Mundhöhle, mehrere Schichten. Die Oberfläche der Schleimhaut ist meistens durch kleine “Ausläufer” vergrößert, so entsteht mehr Fläche und mehr funktionsfähiges Gewebe. Im Gewebe selber sind dann die schleimproduzierenden Drüsen eingelagert. Insbesondere die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts ist essentiell für die Resorption von Nahrungsstoffen, da hier neben den Drüsen auch spezielle Transporter lokalisiert sind, die die Nahrungsstoffe aus dem Darm ins Blut befördern.

Funktion

Die andere sehr wichtige Funktion der Mukosa in allen Organen ist die Feuchthaltung. Durch den ständig produzierten Schleim werden die Organinnenflächen befeuchtet. Dies ist z.B in der Nase und im Mund sehr wichtig. Darüber hinaus sind an jeder Schleimhautoberfläche Immunglobuline vorhanden. Immunglobuline sind Antikörper, die den Körper gegen Antigene (Fremdstoffe) schützen. Besonders in der Nasenschleimhaut sind die Immunglobuline sehr aktiv, da diese meistens als aller erstes mit Fremdstoffen aus der Luft in Kontakt kommen. Pollen und andere Allergene treffen auf die Immunglobuline in der Nasenschleimhaut und führen hier zu der charakteristischen Symptomatik der Allergie. Allergien sind aber nicht die einzigen Erkrankungen, die an der Tunica Mukosa auftreten können. Gerade im Nasenbereich gibt es häufig Polypen. Diese sind Ausstülpungen der Schleimhaut und können unter Umständen so groß werden, dass die Nasenpolypen die Luftwege versperren oder verengen.