Das Theater hält dem Publikum einen Spiegel vor. Dazu benutzt es eine Überhöhung der Sprache und des Gestus. Das nennt man theatralisch . Der Zuschauer soll sich selbst erkennen, aber auch den anderen als Archetypus einordnen können. Ein anderer Begriff für Theater ist Schaubühne. Auf einer solchen Schaubühne stehen aber nicht nur Schauspieler. Shakespeare sagte bereits: Die ganze Welt ist Theater. Sind wir also alle theatralisch ?


 

Der theatralische Mensch

Es gibt Menschen, die große Auftritte lieben. Jeder von uns kennt sie. Es müssen aber nicht unbedingt Popstars sein. Möglicherweise haben diese Menschen einfach nur eine histrionische Persönlichkeitsstörung, aber wahrscheinlich leiden sie

Einige Menschen lieben es theatralisch zu agieren

Einige Menschen lieben es theatralisch zu agieren

nicht darunter. Denn Menschen, die uns unterhalten, werden allgemein gern gesehen, sie bereichern und erheitern so manche Runde. Ein theatralisch Auftritt ist allemal amüsant für die Zuschauer. Möglich, dass der theatralische Mensch ein besonderes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit hat. Das kann er mit seiner extrovertierten Veranlagung aber auch gut ausleben.

Narzismus

Sowohl Schauspielern als auch Menschen mit theatralischen Auftritten sagt man einen gewissen Narzissmus nach. Sicher, wer sich selber liebt, dem fällt es leichter, sich in Szene zu setzen. Das hat auch etwas mit Selbstbewusstsein und (negativ formuliert) mit Exhibitionismus zu tun. Aber es gibt immer diejenigen, dien theatralisch Persönlichkeiten sind, und es gibt die anderen, die lieber Zuschauer bleiben.

Politisches Theater

Auch die Politiker lieben theatralische Inszenierungen. Man denke nur an den Besuch von Barack Obama in Berlin. Je theatralischer ein Politiker seinen Auftritt inszeniert, desto mehr Charisma wird ihm nachgesagt. Vom Theater lernen heißt also siegen lernen. Das wissen auch die Wahlkampf-Manager und schauen sich einiges ab vom Theater.

Kirche als auratischer Raum

Auch die Religionsvertreter nutzen die Kraft des Theatralischen. Besonders theatralisch sind die Inszenierungen der Katholischen Kirche. Sie arbeitet mit allen Mitteln. Musik und Weihrauchduft benebelt unsere Sinne, große Bauwerke und viel Pomp schüchtern uns beinahe ein. So benutzt die Kirche die Mittel des Theaters, um sich so glanzvoll wie möglich in Szene zu setzen.

Agierende und Zuschauer

Im Sport sehen wir ähnliche Phänomene. Jedes Fußballspiel hat große theatralische Momente, man denke nur an den Beginn, wenn die Fußballer von Kindern auf den Platz geleitet werden und die Hymnen erklingen. Noch dramatischer wird ein Boxkampf inszeniert. Die dem Kampf voran gehend Show dauert oftmals länger als der Kampf selber. Auch beim Pferderennen erkennen wir Situationen, die ans Theater erinnern. Hier haben wir die typische Theatersituation von Agierenden und Zuschauenden. Wobei gerade beim Sport manchmal auch die Zuschauer ins Geschehen eingreifen.