Tränende Augen, laufende Nase und ständiges Niesen – während der Pollenflugzeit sollten Allergiker nicht ohne Medikamente mit dem Auto am Verkehr teilnehmen. Heuschnupfen kann das Fahrverhalten ähnlich stark beeinträchtigen wie 0,5 Promille Alkohol im Blut. Das besagt eine aktuelle Studie der Universität Maastricht in den Niederlanden.

Fahrtüchtigkeitsstudie

Forscher der Universität Maastricht haben die Fahrtüchtigkeit von Heuschnupfen-Patienten untersucht. Die Studie hat gezeigt, wie sehr die Allergie Rhinitis (Heuschnupfen) die Betroffenen einschränkt. Innerhalb der Untersuchungen brachten die Wissenschaftler Probanden mit ihren jeweiligen Allergenen in Kontakt. Die Hälfte der Teilnehmenden bekam anschließend ihren Symptomen entsprechend Medikamente. Im anschließenden Fahr-Test gab es eindeutige Tendenzen zur Beeinträchtigung derjenigen, die keine Arzneimittel verabreicht bekamen. Probleme zeigten sich beim Einhalten des Tempos, sowie dabei, das Auto gerade auf der Fahrspur zu halten. Probanden, die keine Medikamente gegen ihre Heuschnupfensymptome verabreicht bekamen, kamen durchschnittlich 2,07 Zentimeter weiter von der Fahrbahn ab, als die medikamentös behandelten Allergiker. Als ein mündlicher Gedächtnistest hinzukam, der die übliche Multitasking-Fähigkeit beim Fahren überprüfen sollte, steigerten sich die Schlenker auf 2,35 Zentimeter. Vergleichbar sei die Beeinträchtigung des Fahrvermögens mit den Einschränkungen nach dem Konsum von Alkohol bis zu 0,5 Promille. Dies erklärte der Bundesverband der Pneumologen (BdP) laut einer Meldung der dpa.

Ein Viertel der Gesellschaft betroffen

Der Studie zufolge sind Allergiker deutlich eingeschränkter, wenn sie keine Medikamente zu sich nehmen. Dabei ist die Risikogruppe groß. Laut einer Forsa-Umfrage der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) sind 27 Prozent aller Männer und 39 Prozent aller Frauen in Deutschland Allergiker. Das macht fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus, die zur Pollensaison gegen harmlose Körner, Samen und Gräser kämpfen. Dabei ist sich jeder zweite Allergiker seiner Krankheit gar nicht bewusst. Oftmals werden die Symptome wie Juck- und Niesreiz oder eine verstopfte Nase mit denen eines normalen Schnupfens verwechselt oder erst gar nicht ernst genommen und ignoriert. Das Problem dabei ist, dass der unbehandelte Heuschnupfen sich im Laufe der Jahre leicht zum Asthma entwickeln kann. In diesem Falle spricht man von einem sogenannten „Etagenwechsel“. Das bedeutet, die allergische Reaktion findet nicht länger nur in den oberen Atemwegen statt, sondern schließlich auch in den unteren. Bleibt die Erkrankung weiterhin unbehandelt, kann sie oftmals nur mit wenig Erfolg therapiert werden.

Dabei nimmt die Anzahl an Pollen-Allergikern jährlich stetig zu. Wissenschaftler können über die genauen Ursachen der Erkrankung bisher nur spekulieren. Viele sind der Meinung, durch immer höhere Hygienestandards wird das Immunsystem des Menschen unterfordert, sodass dieses ersatzweise auf die harmlosesten Pollen anspringt. Zumindest leiden weitaus mehr Menschen in Industrieländern an Heuschnupfen als Bewohner in Entwicklungsländern. Wissenschaftlich belegt wurde zudem der Fakt, dass Kinder, die mit Tieren aufwachsen, deutlich weniger allergie- und asthmagefährdet sind. Einer Langzeitstudie zufolge können Haustiere das Allergierisiko von Kindern sogar senken.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Um allergische Reaktionen zu vermeiden oder wirksam zu reduzieren, empfiehlt es sich, den Pollenkontakt zu vermeiden. Für die Augen kann das Tragen einer Sonnenbrille Wunder wirken. Sportliche Aktivitäten sollten Allergiker am besten ins Fitness-Studio oder die Schwimmhalle verlegen. Möchte man auf den Außensport jedoch nicht verzichten, ist es sinnvoll ihn auf frühe Morgen- oder späte Abendstunden zu verlegen. Um sich am Ende eines Tages beim Zubettgehen nicht mit Pollen herumschlagen zu müssen, ist ein abendliches Duschen und Waschen der Haare unverzichtbar. Bietet sich die Möglichkeit, pollenfreie Gebiete wie das Meer oder Hochgebirge zu besuchen, ist das Ausweichen dorthin zu empfehlen. So kann sich das Immunsystem für kurze Zeit vom Pollenstaub erholen.

Gezielte Analyse und rechtzeitige Behandlung

Die Online-Apotheke Medipolis gibt in ihrem Ratgeber Auskunft über die typischen Symptome der Allergie sowie Tipps zur Vorbeugung und zu möglichen Behandlungen. Stark wässriger und fließender Schnupfen, eine verstopfte Nase, Niesattacken, Juckreiz, Lichtempfindlichkeit, vermehrter Tränenfluss und gerötete Augen – die Liste der Symptome bei Heuschnupfen ist lang, doch diese kleinen Wehwehchen werden oftmals unterschätzt. Ratsam ist es in jedem Fall, einen Hauttest (Pricktest) beim Arzt machen zu lassen. Dabei werden Allergene tropfenweise auf den Unterarm oder Rücken gegeben und es lässt sich nach nur 15 Minuten schmerzfrei feststellen, ob und auf welche Allergene der eigene Körper allergisch reagiert.

Je nach Ausprägung der Allergie-Erkrankung lassen sich durch geeignete Medikamente die Symptome auf ein erträgliches Maß reduzieren. Von Augentropfen, über Tabletten bis zu Nasensprays gibt es Arzneimittel für jede allergische Reaktion. Auch die Natur selbst sagt dem Heuschnupfen den Kampf an. Zahlreiche pflanzliche Mittel, wie das „Indische Lungenkraut“ (Justicia adhatoda) besitzen antiallergische und antientzündliche Eigenschaften, die dazu beitragen, die Symptome zu lindern.

Auch wenn Medikamente über kurz oder lang helfen, sollte stets ein speziell ausgebildeter Lungenarzt (Pneumologe) zurate gezogen werden. Schließlich können die Anzeichen von Heuschnupfen auch andere Ursachen haben, die sich eventuell schnell aufklären und somit verhindert werden können. Denn nicht alle Allergien sind pflanzlichen Ursprungs. Auch die Wohn- und Arbeitsumgebung ist voll von lungenprovozierenden Stoffen, auf die der ein oder andere empfindlich reagiert.

 

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