Neurodermitis – Behandlung und Diagnose

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Neurodermitis – Behandlung und Diagnose

Bei der Neurodermitis, auch atopische Dermatitis genannt, handelt es sich um eine chronische, aber nicht ansteckende Erkrankung der oberen Hautschichten. Die Neurodermitis geht oft einher mit quälendem Juckreiz und ist die Ursache für schuppige, gerötete und trockene Haut.

Der Begriff Neurodermitis ist griechischen Ursprungs. Neuron bedeutet Nerv, Derma ist das griechische Wort für Haut und die Endung –itis steht für einen entzündlichen Prozess. Das Wort stammt aus einer Zeit, in der man Nervenerkrankungen für die Hautveränderungen verantwortlich machte und obwohl dieser Zusammenhang längst wissenschaftlich widerlegt ist, hält sich die Bezeichnung im Volksmund hartnäckig.

Die Krankheit ist leider immer noch nicht heilbar, nur die Symptome können mit moderner Medizin wirkungsvoll bekämpft werden. Eine Übersicht über die gängigen Behandlungsmethoden finden Sie weiter unten in diesem Text.

In Deutschland leiden rund drei Prozent aller Erwachsenen und 20 Prozent der Kinder unter Neurodermitis. Im Vergleich zum 20. Jahrhundert tritt die Krankheit heute wesentlich häufiger auf, die Steigerungsrate liegt bei etwa 60 Prozent. Die Ursache hierfür ist noch weitestgehend unbekannt, im Verdacht stehen häufiger auftretende Allergien, ein stressigerer Alltag und erhöhte Hygienemaßnahmen.

Die Ursachen für Neurodermitis

Neurodermitis tritt häufig bei Kindern auf

Neurodermitis tritt häufig bei Kindern auf

Auch in Fachkreisen ist noch nicht ganz geklärt, wodurch ein atopisches Ekzem ausgelöst wird. Einerseits können genetische Faktoren ausschlaggebend sein, andererseits werden durch Umwelteinflüsse ausgelöste Faktoren in Betracht gezogen. In beiden Fällen sind jedoch eine eingeschränkte Barrierefunktion der Haut und ein überaktives Immunsystem typisch für diese Erkrankung.

Dass die Genetik eine wichtige Rolle spielt, kann man anhand der familiären Häufung der atopischen Ekzeme erkennen. In einer Familie, bei der beide Elternteile von der Krankheit betroffen sind, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 70 Prozent, dass der Nachwuchs ebenfalls eine Neurodermitis entwickeln wird. Bestimmte mutierte Gene sorgen in diesen Familien dafür, dass die Haut ihre natürliche Schutzfunktion einbüßt und wesentlich empfänglicher für äußere Reize wird. Bei ungünstigen Umwelteinflüssen bricht schließlich das atopische Ekzem aus.

Wie macht sich eine Neurodermitis bemerkbar?

Die durch genetische Einflüsse gestörte Barrierefunktion der Haut baut die schützende Hornhaut fehlerhaft auf. Den Grund hierfür sehen Mediziner in einem Mangel an spezifischen Eiweißen. Die Haut reagiert in der Folge extrem empfindlich auf äußere Einflüsse, sie ist trocken und fängt an zu jucken. Fangen die Betroffenen nun an, die entsprechenden Hautstellen zu kratzen, verstärken sich die Symptome noch und führen zu weiteren Hautirritationen. Eine stark ausgeprägte Neurodermitis zeigt sich in geröteten und entzündeten Hautpartien. Häufig sind die Ellenbogen, die Gelenkbeugen und die Handgelenke betroffen. Die Entzündung geht einher mit sehr starkem Juckreiz. Stellenweise kann sich auch die Haut verdicken oder es bilden sich Pusteln und Knötchen. Der starke Juckreiz ist für die meisten Betroffenen das am meisten einschränkende Symptom.

Da sich der Juckreiz vornehmlich am Abend verschlimmert, sind Schlafstörungen und Konzentrationsmangel häufige Begleiterscheinungen. Durch übermäßige Kratzen, was sich zumeist nicht vermeiden lässt und nachts auch unbewusst stattfindet, wird die Haut zusätzlich gereizt oder verletzt. Diese Kratzer und offenen Wunden sind die ideale Brutstätte für Viren und Bakterien. Eine Infektion mit Herpesviren oder Staphylokokken, aber auch Pilzen, sind möglich. Infektionen erkennt man an Pustelbildung, Nässen, Fieber oder Schwellungen der Lymphknoten. Da diese Folgeerkrankungen schwerwiegend sein können und in schwersten Fällen sogar zum Tode führen, ist bei Auftreten der genannten Symptome unbedingt ein Arzt aufzusuchen!

Die Diagnose

Da viele Hauterkrankungen ähnliche Symptome zeigen wie eine Neurodermitis, ist das eindeutige Feststellen eines atopischen Ekzems nicht problemlos möglich. Zeichen, die auf eine Neurodermitis hinweisen, sind trockene Haut, eine doppelte Lidfalte unter den Augen, dunkle Färbung der Haut um die Augen und die Anfälligkeit zu Mundwinkeleinrissen. Da Neurodermitis durch Allergien ausgelöst werden kann, wird im Rahmen einer Diagnose in der Regel ein Allergietest durchgeführt. Lässt sich hier ein erhöhter Immunglobulin-Spiegel nachweisen, ist auch dies ein Indiz für die Krankheit.

Behandlungsmöglichkeiten

Auch wenn es leider noch keine Möglichkeit gibt, eine Neurodermitis zu heilen, gibt es eine Vielzahl an wirksamen Methoden und Strategien, um zumindest die Symptome zu mildern beziehungsweise die Krankheit an einem akuten Ausbruch zu hindern.

Neurodermitis äußert sich für Betroffene oft in einem extremen Juckreiz der betroffenen Hautstellen

Neurodermitis äußert sich für Betroffene oft in einem extremen Juckreiz der betroffenen Hautstellen

Sofern die Auslöser bekannt sind, die die Symptomatik verschlechtern, ist eine strikte Vermeidungsstrategie anzuraten. Alle Umwelteinflüsse, die als auslösende Faktoren bekannt sind, sollen hierbei weitestgehend von der Haut ferngehalten werden.

Stoffe und Gewebe wie Wolle, Zusätze in Reinigungs- und Lebensmitteln sowie Duftstoffe zählen zu den bekanntesten Auslösern. Aber auch allergene Stoffe – Milbenkot, Pollen oder Tierhaare – gilt es bei einer Neurodermitis fernzuhalten.
Der richtigen Hautpflege kommt ebenfalls eine große Rolle zu. Die trockene Haut muss täglich mit stark rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Lotionen behandelt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Cremes keinerlei Konservierungsmittel enthalten. Harnstoff mit einer Konzentration von fünf bis zehn Prozent in einer Lotion ist ideal geeignet zur unterstützenden Pflege, da dieser Stoff die Eigenschaft besitzt, Feuchtigkeit in der Haut zu halten. Für die tägliche Reinigung werden pH-neutrale Produkte empfohlen.

Medikamente und Wirkungsweisen

Ist die Neurodermitis akut ausgebrochen, werden zur Bekämpfung der Entzündungsprozesse häufig kortisonhaltige Salben verschrieben. Auch wenn diese Salben sehr gut helfen, ist Vorsicht angebracht. Ein zu häufiges und regelmäßiges Verwenden kann mit unerwünschten Nebenwirkungen einhergehen. Kortison kann die Haut dünner machen und Veränderungen der oberen Hautschichten als Folge haben. Auch Antibiotika haben sich im Kampf gegen das atopische Ekzem bewährt. Hier ist aber ebenfalls äußerste Vorsicht geboten. Sehr schnell können sich Resistenzen bei den Bakterienstämmen auf und in der Haut entwickeln und diese fortan immun gegen das eigentlich wirksame Mittel machen. Ebenfalls können Antibiotika Allergien auslösen oder verstärken.
Gegen den quälenden Juckreiz in den Abendstunden helfen Medikamente, die als Nebeneffekt sedierend wirken. So wird einerseits der Juckreiz gelindert, andererseits helfen die Arzneien den Betroffenen, in einen erholsamen Schlaf zu finden.
Stellenweise können auch Antihistaminika Linderung verschaffen. Diese Präparate verhindern, dass der körpereigene Botenstoff Histamin seine Wirkung entfalten kann. Histamin ist unter anderem für das Entstehen von Juckreizen verantwortlich. Allerdings wirken Antihistaminika nur bei einem eingeschränkten Personenkreis von Betroffenen. Alternativ kann Polidocanol auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden. Bei Polidocanol handelt es sich um einen betäubend wirkenden Stoff, der effektiv Juckreiz unterdrücken kann.

Bei einer Neurodermitis gilt allgemein: Lassen Sie sich gründlich von einem Arzt untersuchen. Ohne eine genaue Diagnose ist eine gezielte Behandlung weder möglich noch zielführend. Auch wenn Sie die Neurodermitis nie ganz loswerden, so kann in den meisten Fällen durch richtiges Verhalten und die gezielte Verwendung hochwirksamer Substanzen ein Leben ohne Einschränkungen ermöglicht werden.

Bildquelle:
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By |26.07.2016|

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Neurodermitis

Einleitung

Neurodermitis ist eine akute, subakute oder chronische Erkrankung, die sich hauptsächlich auf der Haut ausdrückt. In den meisten Fällen bricht sie in der Kindheit aus, aufgrund von genetischer Veranlagung beeinflusst von Umweltfaktoren, Allergenen, Infektionen oder anderen Immunreaktionen. Die Hauptsymptome von Neurodermitis sind sehr trockene Haut und Juckreiz. Durch Kratzen entwickeln sich Entzündungen und Lichenifikation (Hautverdickung). Die Diagnose wird aufgrund der Symptome erstellt. Oft gibt es weitere Betroffene in der Familie mit Neurodermitis oder verwandten Erkrankungen. Die Erkrankung tritt oft in Verbindung mit Asthma, allergischer Rhinitis und/oder Laktose Intoleranz auf.

Klinisches Bild

60% der Kinder zeigen erste Anzeichen der Krankheit schon im Alter von 2 Monaten. Bei 30% bricht Neurodermitis bis zum Alter von 5 Jahren aus. In seltenen Fällen können auch erwachsene erstmals von der Krankheit betroffen sein. In der Bevölkerung von Deutschland und Skandinavien sind 7 bis 15% betroffen.
Die Auslöser für Neurodermitis können sehr vielseitig sein. neben Stoffen aus der Luft, wie zum Beispiel Staub oder andere Allergene, können auch Bakterien oder körpereigene Stoffe (Immunoglobulin E) zum Ausbruch von Neurodermitis führen. Des weiteren können offene Hautstellen, Kleidung, Infektionen, Jahreszeit als auch emotionaler Stress Auslöser sein.
Die Patienten haben sehr trockene juckende Haut. Das veranlasst sie dazu zu Kratzen, was wiederum einen größeren Juckreiz verursacht. Das führt zu einem immer währenden Zyklus von jucken-kratzen-jucken, der zu offenen Hautstellen, Rötungen, Vernarbungen, Krusten und Schwellungen führt. In chronischer Form kann eine Verdickung betroffener Hautpartien beobachtet werden.
Häufig betroffene Körperregionen sind das Gesicht, der Hals, Handgelenke, Füße, sowie Ellen und Kniebeuge. Es können aber auch generalisierte Läsionen sein.
Im Falle von akuten Ausbrüchen ist schnelle Behandlung wichtig, um den Juckreiz zu mindern und weitere Infektionen zu vermeiden.

Prognose

Nicht behandelte Stellen mit Neurodermitis bleiben oft für Monate oder Jahre akut. In mehr als 40% der betroffenen Kinder kann eine komplette Remission beobachtet werden, mit seltenen darauf folgenden Ausbrüchen. Ungefähr 50% der Patienten entwickeln Asthma und Hauschnupfen im Erwachsenenalter.

Behandlung

Das Kratzen der juckenden Hautstellen sollte so weit wie möglich vermieden werden. Cremes, Lotionen und Umschläge mit zum Beispiel Menthol gegen den Juckreiz können dabei helfen. Anhand von einer individuellen Anamnese kann ein Behandlungsplan mit Glukokortikoiden, Antihistaminen, NSAID und Antibiotika erstellt werden.
UVA-UVB Phototherapie kann als unterstützenden Maßnahme ergriffen werden. Des weiteren sollten, wenn möglich, die Ursachen gefunden und behandelt werden. Tests nach Allergien oder Infektionen müssen durchgeführt werden. Da die Ausbrüche von Neurodermitis oft eng verbunden sind mit emotionalem Stress ist es auch wichtig, dass die Patienten die Ursachen für die mögliche emotionale Belastung erforschen und verbessern.

Behandlung

By |16.05.2013|

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