HIV und Aids: Seit mehr als 30 Jahren gehört Aids zu den tödlichsten Krankheiten weltweit. Damals, als Aids noch weitgehend unbekannt war – vor allem bei den „Risikogruppen“ – wurde oft mit der Schulter gezuckt, wenn vom Schrecken eines Aids-Todes die Rede war. Umso plötzlicher und heftiger war es, als dieser Schrecken traurige Realität wurde – in Europa, in Amerika, überall: Auf einmal konnte es jeden treffen!

Aids: Schwäche des eigenen Immunsystems

Aids ist die Abkürzung für acquired immune deficiency syndrome, also eine Erkrankung des Immunsystems. Es ist die äußerste Form einer Erkrankung in Folge einer Infektion mit dem HI-Virus. Dieses Virus ist das human immunodeficiency virus (HIV), bezeichnet also ein Virus, das das Immunsystem derart schwächt, sodass es die Fähigkeit verliert, den Körper vor Krankheiten zu schützen. Hierdurch werden Menschen, die „HIV-Positiv“ sind, von Krankheiten heimgesucht, vor die sie normalerweise ihr Immunsystem geschützt hätte. Haben die HI-Viren in ihrer Konzentration ein gewisses Maß überschritten und das Immunsystem evident geschwächt, leidet der Betroffene an Aids.

Hi-Viren attackieren Zelle

Hi-Viren attackieren Zelle

Wie äußert sich eine HIV-Infektion?

Der Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit HIV ist vielfältig und wenig typisch, sodass eine Infektion oft missinterpretiert werden kann. Vergehen zwischen der Infektion mit HIV und dem Ausbruch von Aids in aller Regel mehrere Jahre, so zeigen manche Erkrankte schon kurze Zeit nach der Infektion erste Symptome wie Beispielsweise:

Welche Symptome zeigt eine Aids-Erkrankung?

Die Aids-Erkrankung stellt die äußerste Stufe nach einer HIV-Infektion dar, bei der nicht nur das Immunsystem von Infizierten erheblich geschwächt ist, sondern darüber hinaus ein Reihe weiterer Beschwerden auftreten:

  • chronische Kurzatmigkeit
  • erhöhte Anfälligkeit der Haut für Hämatome
  • Infektionen
  • starke Müdigkeit, Schwäche- und Schwindelanfälle
  • starker Verlust an Körpergewicht
  • Hefepilz-Infektionen, im Rachen (Soor) und Vaginalbereich
  • häufiger, schwerer Durchfall
  • Schwellung und Verhärtung der Drüsen in Hals, Achselhöhle oder Leistengegend

Insbesondere in Entwicklungsländern erkrankt die Mehrheit der Aids-Erkrankten zudem an Tuberkulose, woran allein in Afrika jährlich rund 400.000 Menschen sterben.

So verbreitet sich HIV

Die Aids-Erkrankung gilt bei manchen Zeitgenossen immer noch als Stigma, allem Anschein nach gleich einer Pest, sodass fälschlicherweise angenommen wird, die Krankheit verbreite sich über bloßen, engeren Körperkontakt, wie beispielsweise einer Umarmung. Selbstverständlich stimmt dies keineswegs, genauso wenig, wie der HI-Virus durch Küssen oder das Trinken aus gleichen Gläsern übertragbar wäre.Vielmehr ist für die Übertragung der Austausch bestimmter Körperflüssigkeiten entscheidend, zu denen das Blut, Samen, Vaginalsekret und Muttermilch gehören. Hat ein HIV-Infizierter bzw. ein an Aids erkrankter Menschen demzufolge über einen dieser Wege Kontakt mit einer anderen, nicht infizierten Person, wird diese Person mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem HI-Virus des Überträgers infiziert.

  • Diese Infektion kann auf vielfältiger Weise stattfinden, zu den häufigsten gehört der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven bzw. an Aids erkrankten Person, ob nun vaginal oder anal. Aber auch der Oralverkehr kommt für eine Ansteckung in Frage.
  • Ebenso ist die Ansteckung mit dem HI-Virus gegeben, wenn beispielsweise beim Drogenkonsum Spritzen und Injektionsnadeln unter infizierten und nicht infizierten Personen ausgetauscht werden.
  • Eine weitere hohe Ansteckungsgefahr stellt die medizinische Behandlung mit HIV-kontaminiertem Operationsbesteck dar sowie – in Vergangenheit – die Versorgung mit HIV-infizierten Blutkonserven. Zu Letzterem ist allerdings zu sagen, dass diese Gefahr ausgeschlossen werden kann, da Blutspendebanken sehr hohen Sicherheitsstandards folgen.
  • Darüber hinaus können sich auch Neugeborene bei ihren HIV-positiven Müttern anstecken, und zwar während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen.

Weltweite Erkrankungen

In den letzten 25 Jahren hat sich die Zahl der weltweit mit HIV infizierten Menschen nach Schätzungen der WHO und UNAIDS mehr als vervierfacht, und zwar auf unfassbare 37 Millionen Menschen! Allein in Afrika sollen rund 4 Millionen Kinder betroffen sein. Überhaupt, in Afrika leben mehr als zwei Drittel aller weltweit Infizierten, und auch die Ansteckungszahlen in Osteuropa und Asien sind nicht minder erschreckend. Weltweit infizieren sich jährlich rund 2 Millionen Menschen mit HIV und rund 1,2 Millionen Menschen sterben jährlich an Aids.

Wie man sich gegen HIV schützen kann

Kondome verringern das Übertragungsrisiko, nicht nur von HIV, enorm

Kondome verringern das Übertragungsrisiko, nicht nur von HIV, enorm

Dreh- und Angelpunkt, sich effektiv vor einer HIV-Infektion zu schützen ist es, den Austausch von Blut oder Samen oder Vaginalsekret zu vermeiden. Die Rede ist also von Safe Sex. Das höchste Risiko für eine HIV-Infektion ist der ungeschützte Geschlechtsverkehr – und zwar vaginal und/ oder anal – mit einer HIV-infizierten oder an Aids erkrankten Person. Das Risiko einer HIV-Infektion lässt sich durch das Verwenden von Kondomen erheblich senken.
HIV-Infektionen sind demzufolge am geringsten wahrscheinlich, wenn es zwischen infizierten und nicht infizierten Menschen zu keinerlei Austausch der genannten Körperflüssigkeiten kommt. Hierbei sei nochmals darauf hingewiesen, dass es für eine Infektion beispielsweise ausreicht, wenn eine verletzte Wunde auf der Haut oder im Mund (Zahnfleischbluten) mit dem Sperma eines HIV-Positiven kontaminiert wird. Für wirksamen Safer Sex sind demnach Sexualpraktiken anzuraten, die sich auf Küssen, Petting und Massagen beschränken. Dass dies das Vergnügen am Sex nicht verdrießlich macht, soll angesichts der Leidenschaft echter Liebender gewiss sein.

Zusätzliches Risiko durch andere STD

Zu den sexuell-übertragbaren Krankheiten (sexually transmitted diseasesSTD) gehören neben Aids als deren bekanntester Vertreter weitere Krankheiten, wie:

All diese Erkrankungen bergen das Risiko, sich leichter mit HIV zu infizieren, vor allem durch offene Wunden.

Eine Epidemie seit drei Jahrzehnten und kein Ende…

Mittlerweile sind die Erkenntnisse in der Forschung, die präventiven Maßnahmen und der „Kampf gegen Aids“ soweit voran geschritten, dass eine breite Aufmerksamkeit für diese Epidemie und eine Akzeptanz gegenüber den Betroffenen Normalität sind. Mehr noch: Die Lage von HIV-Infizierten und an Aids erkrankten Menschen hat sich vielerorts verbessert, nicht zuletzt aufgrund der Behandlung mit antiretroviralen Therapien (ART), die das Wachstum der Viren eindämmen, sodass betroffene Menschen „gut leben“ können. Voraussetzung hierfür ist allerdings der Zugang der Betroffenen zu einer guten medizinischen Versorgung, was leider nicht überall der Fall ist.

Medizinische Erfolge gegen Aids und HIV

Aids selbst ist nach wie vor nicht heilbar, wenngleich heutzutage viele HIV-Infizierte und an Aids Erkrankte mit Hilfe von regelmäßig eingenommenen Medikamenten mit der Infektion bzw. Erkrankung „ganz normal leben“ können. Zu diesen Behandlungsmaßnahmen zählt vor allem die antiretrovivale Therapie (ART), die bei regelmäßiger Einnahme die Vermehrung der HI-Viren im Körper verringert oder gar unterbindet. Allerdings wird eine derartige Behandlung in erster Linie in Staaten durchgeführt, in denen die Betroffenen Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung haben. Ende 2014 konnten weltweit immerhin zirka 15 Millionen Menschen in den Genuss dieser Behandlung kommen.
Darüber hinaus gibt es neue Möglichkeiten zur Vorbeugung gegen eine HIV-Infektion, insbesondere die Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die durch die tägliche Einnahme das Risiko einer Ansteckung mit HIV erheblich senken soll. Vorgesehen ist PrEP für Menschen, die einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind und gleichzeitig zur Einnahme andere Schutzmaßnahmen, wie beispielsweise Kondome, anwenden. Insbesondere in den USA wird PrEP zunehmend verschrieben; in Europa hingegen muss das Medikament erst noch zugelassen werden. Gleichwohl muss festgehalten werden, dass auch PrEP keinen vollständigen und garantierten Schutz vor einer HIV-Infektion bietet.

Kampf gegen Aids

Aids-Erkrankungen sind der Hauptgrund für die hohen Sterberaten in von HIV-Epidemien heimgesuchten Ländern, insbesondere in Afrika. Die Vorbeugung und Behandlung von HIV-Infektionen und Aids-Erkrankungen bleibt also auch in Zukunft eine weltweite Herausforderung. Es hat sich nämlich gezeigt, dass ein schwach ausgebildetes Gesundheitssystem und eine nur wenig ausgebaute Infrastruktur alle gut gemeinten Präventionsmaßnahmen gegen HIV weitaus mehr erschweren, als dies angenommen wurde. Hieraus leiten sich für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ziele im Kampf gegen Aids und HIV ab: Die Diagnosekompetenz und die flächendeckende Anwendung von Bluttests müssen immens erhöht, Gesundheitssysteme ausgebaut, gefördert und zu mehr Prävention angehalten und die Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene ausgebaut werden.

Der HIV-Test

Bluttests, um einen Menschen auf eine HIV-Infektion hin zu testen, gehören heute zum normalen Prozedere bei gesundheitlichen Untersuchungen. Wenn Sie glauben, dass Sie sich einem hohen Risiko für eine HIV-Infektion ausgesetzt haben und sicher wissen wollen, ob Sie infiziert sind, sollten Sie sich einem HIV-Bluttest unterziehen. Wird mit einem Test die Ansteckung erkannt, können sich Infizierte zeitnah in eine Behandlung begeben, bevor es zu spät sein könnte. Und sie können andere vor einer unbeabsichtigten Ansteckung bewahren. Einen HIV Test können Sie anonym und oft kostenlos bei den Aidsberatungsstellen der Gesundheitsämter oder bei Ihrem Hausarzt durchführen.

 

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