Jeder kennt das: Mit einem Mal werden die Handflächen feucht. Das Hemd oder die Bluse kleben am Rücken. Unter den Achseln bildet sich ein Rinnsal. Auf der Stirn glitzern Perlen und auch über der Oberlippe zeichnet sich ein glänzender Film ab. Kaum jemandem sind plötzliche Schweißausbrüche angenehm. Es sei denn, man befände sich gerade in der Sauna, in den Tropen oder unter glühender Wüstensonne. Denn nur dort ist der Effekt erwartet. Ebenso wie bei und nach anstrengender sportlicher Betätigung, die einen so richtig ins Schwitzen gebracht hat.

Warum schwitzen wir? Und was ist Schweiß überhaupt?

Es ist unsere körpereigene Klimaanlage, die für das Phänomen des Schweißausbruchs hauptverantwortlich ist. Um die Temperatur des Körpers nicht über 37 Grad steigen zu lassen, scheiden die zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen, die wir haben, auch im Ruhezustand täglich etwa einen halben Liter Schweiß aus. Bei körperlicher Anstrengung kann diese Menge auf bis zu 1,8 Liter pro Stunde ansteigen. Das bedeutet, dass etwa Straßenarbeiter an einem heißen Tag bei vollem Einsatz durchaus acht Liter Schweiß vergießen können. Das ist eine enorme Menge. Diese Schweißausbrüche müssen auf schnellstem Wege durch die Zufuhr von Getränken – nicht alkoholischen! – ausgeglichen werden. Mit dem Schweiß werden auch lebenswichtige Mineralien ausgeschieden. Mineralisiertes Wasser oder verdünnte Fruchtsäfte machen den Verlust durch Schweißausbrüche jedoch schnell wett. Das Schwitzen dient nicht nur der Regulierung der Temperatur – es transportiert auch Giftstoffe des Stoffwechsels aus dem Körper und trägt so wesentlich zum gesund Bleiben bei. Schon aus diesem Grund sollte man sich nicht bemühen, Schweißausbrüche zu verhindern, im Gegenteil. Durch gute Körperpflege wie regelmäßiges Duschen und das Verwenden eines aluminiumfreien Deodorants lassen sich Geruchsbelästigungen im Rahmen halten. Übrigens ist der Schweiß selbst beinahe geruchlos. Erst wenn Hautbakterien sich an ihm gütlich tun, sorgt der Zersetzungsprozess für das, was wir als verschwitzten Körpergeruch bezeichnen.

Schweißausbrüche durch Hormonumstellung

Die meisten Schweißausbrüche sind harmlos. Mögen sie auch lästig sein, oft liegt die Ursache in natürlichen Vorgängen des Hormonhaushaltes. Die berühmten Schweißausbrüche von Frauen in der Menopause sind ein gutes Beispiel dafür. Erst wird das Gesicht rot, dann ist der ganze Körper in Schweiß gebadet. Auch wenn dieser Zustand unangenehm ist, ist er ein vorübergehendes Phänomen. Wenn der weibliche Organismus langsam die Östrogenproduktion einzustellen beginnt, kommt es bei der Mehrzahl aller Frauen zu den unerwünschten störenden Hitzewallungen. Sogar Männer in den besten Jahren sind nicht vor Wechseljahren gefeit. Die verringerte Testosteronproduktion sorgt auch beim starken Geschlecht für nicht kontrollierbare Schweißausbrüche. Auch in der Pubertät tritt vermehrtes Schwitzen auf. Hier sind es die jungen Männer, die unter erhöhter Schweißdrüsenaktivität leiden. Der Ansturm der Hormone schickt den Pubertierenden auf eine emotionale Berg- und Talfahrt. Wut, Angst, depressive Verstimmungen und Gereiztheit gehen Hand in Hand mit Schwitzen.

Schweißausbrüche und Emotionen

Die fein abgestimmte Körperchemie reagiert bei jedem Menschen anders auf emotionale Ereignisse. Nicht umsonst sagen wir im Sprachgebrauch, dass den einen etwas „kalt lässt“, während der andere ein „Hitzkopf“ ist und den nächsten etwas „heiß macht“. Wut, Angst oder ein als bedrohlich empfundener Zustand kann Panikattacken auslösen. Die gehen fast immer mit Schweißausbrüchen einher. Übersteigen diese Zustände ein tolerierbares Maß, beeinträchtigen sie private Beziehungen und machen das Arbeiten unmöglich, empfiehlt sich das Konsultieren eines Psychologen. So sind plötzliche Schweißausbrüche oft ein Warnsignal für allgemeine Überlastung und Vorboten eines Burn-Out-Syndroms.

Schweißausbrüche als Krankheits-Warnsignal

Plötzlich auftretendes starkes Schwitzen kann auf Krankheiten hinweisen, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Die dramatischste Form ist der Herzinfarkt. Er ist ein potentiell lebensbedrohlicher Zustand, der eintritt, wenn der Blutzufluss zum Herzen verengt oder blockiert ist. Wenn hier nicht schnellstens Abhilfe durch Sauerstoffgaben und Medikamente erfolgt, droht der Herzmuskel abzusterben. Die häufigste Ursache des Herzinfarktes ist die Arterienverkalkung.

Die ersten Symptome eines Herzinfarktes sind:
  • plötzliches starkes Schwitzen
  • Brustschmerzen
  • Schmerzen in Kiefer/Schulter/Arm und Rücken
  • Kurzatmigkeit
  • Ohnmacht
  • Übelkeit und Erbrechen

Nächtliche Schweißausbrüche können ebenfalls ihre Ursache in einer Erkrankung des Herzens haben. Die Folgen einer nicht ausgeheilten bakteriellen Infektion können sich in Form einer Endocarditis am Herzen bemerkbar machen. Auch diese ernstzunehmende Erkrankung gehört in ärztliche Hände. Nachtschweiß kann auch auf Tuberkulose hinweisen. Sollten zu einer erhöhten Körpertemperatur Symptome wie starker Husten, Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust hinzukommen, führt nichts am Arztbesuch vorbei. Fiebrige Infektionserkrankungen wie die echte Grippe – die Influenza – gehen mit einer erhöhten, von der Tageszeit unabhängigen Schweißproduktion einher. Hier dient das Schwitzen als Warnzeichen, Temperaturregelungsmechanismus und zum Schadstoff-Abtransport. Eine häufige Ursache vermehrten Schwitzens ist auf eine schlecht funktionierende Schilddrüse zurückzuführen. Die Überfunktion der Schilddrüse, die Hyperthyreose, wird von einer überschießenden Schilddrüsenhormonproduktion verursacht. Außer der vermehrten Schweißbildung geht die Schilddrüsenüberfunktion mit massiven und plötzlichem Gewichtsverlust einher. Schlafstörungen, Angstzustände, verringerte Hitzeverträglichkeit, Heißhunger, unregelmäßiger Herzschlag und ein leichtes Zittern der Hände weißen auf diese relativ häufige Erkrankung hin.

Schweißausbrüche – andere Ursachen

Übermäßiges Schwitzen muss nicht auf eine körperliche Erkrankungen hinweisen. Wie schon beschrieben, führen auch psychische Probleme, Stress und Hormonumstellungen zu vermehrter Schweißproduktion. Bei der Einnahme der unterschiedlichsten Medikamente wird als Nebenwirkung „Vermehrtes Schwitzen“ beschrieben, ein Effekt, der auftreten kann, aber nicht muss. Harmlos und bisher nicht heilbar ist die „Fokale Hyperhidrose“. Diese Befindlichkeitsstörung beginnt im frühen Erwachsenenalter und zeichnet sich durch regelmäßiges Schwitzen am Tage aus. Nachts dagegen ruhen auch die Schweißdrüsen. Laut Aussagen der renommierten Mayo-Klinik in den USA weist bei der „Fokalen Hyperhidrose“ alles auf eine genetische Komponente hin.

Doch meist gibt es keinen Grund zur Sorge, denn zusammenfassend – und zur Beruhigung der Leser – ist zu sagen, dass das Schwitzen nur in den seltensten Fällen Anlass zur Befürchtung gibt. In den meisten Fällen helfen uns die Schweißdrüsen, unseren Körper gesund und wohltemperiert zu erhalten.

 

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