Vitamin D wird zur Gruppe der fettlöslichen Vitamine gezählt und ist auch unter dem Namen Calciferol bekannt. Seine Bezeichnung als Vitamin ist eigentlich falsch, denn es wird nur bedingt über die Nahrung zugeführt. Vitamin D ist in allen Lebewesen, die aus Zellen aufgebaut sind, nachweisbar und wird im Körper von Tieren und Menschen unter Einwirkung von Sonneneinstrahlung gebildet.

Wie aus Sonnenlicht Vitamin D wird

Aufgrund der Tatsache, dass Vitamin D unter Einstrahlung von Sonne produziert wird, brachte es ihm auch die geläufigen Namen „Sonnenvitamin“ und „Sommervitamin“ ein. Vitamin D ist eigentlich ein Hormon, das im menschlichen Organismus zahlreiche Aufgaben erfüllt und zur Erhaltung der Gesundheit in ausreichenden Mengen vorhanden sein muss. Moderne Lebensgewohnheiten bedingen, dass viele Menschen heute einen Mangel aufweisen, der sich in einer deutlich erhöhten Anfälligkeit für viele Krankheiten manifestiert. Schätzungen zufolge sind in den westlichen Industrienationen etwa 50 % der Bevölkerung von einem Mangel des Sonnenvitamins betroffen. Diesem kann jedoch wirksam vorgebeugt werden, indem auf tägliche Aufenthalte im Freien und eine ausgewogene und fischreiche Ernährung geachtet wird. Vitamin D ist kein isoliertes Vitamin, sondern wird in der Haut aus Cholesterin und UV-Licht gebildet. Das Vitamin D aus der Haut wird über den Blutkreislauf in die Leber transportiert und dort in die Speicherform Calzidiol, eine hormonähnliche Substanz umgewandelt. Erst in der Niere entsteht aus Calzidiol ein Rezeptorprotein, das in den Zellkernen seine Wirkung zum Erhalt verschiedener Stoffwechselvorgänge entfaltet. Die direkte Einwirkung von Sonneneinstrahlung auf die nackte Haut ist daher die Grundvoraussetzung für die Bildung dieser zellschützenden Substanz. Dies bedeutet allerdings nicht, dass wir im Sommer täglich mehrere Stunden ungeschützt in der Sonne braten müssen und dabei riskieren, an Hautkrebs zu erkranken. Bei hellhäutigen Menschen reichen in der heißen Jahreszeit bereits zwanzig oder dreißig Minuten bei intensivem Sonnenschein völlig aus, damit der Körper Vitamin D in den benötigten Mengen produzieren kann. Calzidiol kann im Körper bis zu einem Monat gespeichert werden und wird bei Bedarf verbraucht. Im Herbst und Winter hingegen kann der Tagesbedarf durch die Sonneneinstrahlung alleine kaum gedeckt werden, weshalb, abhängig vom individuellen Lebensstil, verstärkt auf zusätzliche Wege der Zufuhr geachtet werden sollte.

Vitamin-D-Mangel und seine Auswirkungen auf die Gesundheit

Vitamin D ist an einer ganzen Reihe von lebensnotwendigen Stoffwechselvorgängen maßgeblich beteiligt.
Es sorgt z.B. für:

  • die Einlagerung von Kalzium in Knochen und Zähne
  • stärkt die Immunabwehr
  • schützt Zellen, Herz, Lunge und Atemwege
  • beugt der Entstehung von Krebserkrankungen vor
  • senkt das Risiko für Stoffwechselstörungen, Autoimmunerkrankungen und Allergien.

Auch für den Erhalt der psychischen Gesundheit ist das Sonnenvitamin notwendig. Wer auf lange Sicht nicht auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D achtet, riskiert seine Gesundheit in vieler Hinsicht, denn ein Mangel dieses Hormons wird mit unterschiedlichen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Nicht nur Zahnverfall und Knochendefizite, Muskelschwächen und Schuppenflechte sind weit verbreitete Folgen einer Unterversorgung, sondern auch schwere Krankheiten, die mitunter lebensbedrohlich sein können. Hierzu zählen vor allem:

 

  • Diabetes mellitus
  • Niereninsuffizienz chronischer Ausprägung
  • Asthma
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Tumorerkrankungen, vor allem Brustkrebs und Darmkrebs
  • Parodontitis
  • Schwere Depressionen
  • Schizophrenie

Wissenschaftler vermuten sogar einen direkten Zusammenhang zwischen dem weit verbreiteten Vitamin-D-Mangel und den steigenden Fällen von Kindern, die an Autismus erkranken. Die Ergebnisse vieler Studien belegen, dass Mütter, die während der Schwangerschaft nicht auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D achten, öfter Fehl- und Frühgeburten erleiden und Kinder zur Welt bringen, die später Atemwegserkrankungen entwickeln oder durch eine verzögerte Entwicklung auffallen. Auch die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen kann durch einen Mangel des Sonnenvitamins negativ beeinträchtigt werden.

Zufuhr durch Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel

Die moderne Lebensweise bedingt, dass Vitamin-D-Mangel heute einen Großteil der Bevölkerung betrifft. Durch berufliche Verpflichtungen und moderne Medien verbringen viele Menschen die meiste Zeit in Büroräumen und in den eigenen vier Wänden. Dadurch bekommen sie vor allem im Herbst und Winter oft wochenlang kein UV-Licht ab. Der Körper kann ohne Sonneneinstrahlung kein Vitamin D bilden, weshalb ein Mangel vorprogrammiert ist. Zusätzlich ist der Vitamin-D-Bedarf des menschlichen Körpers neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge deutlich höher als bisher angenommen. Waren es noch vor einigen Jahren fünf Mikrogramm, die als empfohlene Tagesdosis angegeben wurden, gehen Mediziner heute davon aus, dass der tägliche Bedarf eines Erwachsenen bei mindestens zwanzig Mikrogramm liegt. Säuglinge, Schwangere und stillende Frauen sowie Menschen, die unter Immunschwächen oder chronischen Krankheiten leiden und lange bettlägerig sind, benötigen sogar noch höhere Mengen. Obwohl der Körper das Sonnenvitamin auf Vorrat bilden kann, reicht dieser für den gesamten Herbst und Winter kaum aus. Da es vor allem in den kalten und sonnenarmen Jahreszeiten zu Mangelerscheinungen kommt, sollte in dieser Zeit ein besonders hoher Wert auf eine Vitamin-D-reiche Ernährung gelegt werden. Bei Lebensmitteln, die als gute Lieferanten des Vitamins gelten, wird zwischen jenen, die Vitamin D2 und jenen, die Vitamin D3 enthalten, unterschieden. Ersteres kann durch den Verzehr von bestimmten pflanzlichen Lebensmitteln, Vitamin D3 ausschließlich aus tierischen Quellen aufgenommen werden. Zu den besten tierischen Lieferanten von Vitamin D zählen:

 

  • Fetter Seefisch wie Lachs, Makrele, Sardine oder Hering
  • Lebertran
  • Eier, vor allem das Eigelb
  • Rinderleber und Kalbfleisch
  • Milchprodukte, insbesondere Butter aus der Milch grasgefütterter Rinder sowie aus Bio-Rohmilch hergestellter Käse
  • Austern

In geringen Mengen kann Vitamin D2 auch durch den Verzehr bestimmter pflanzlicher Lebensmittel zugeführt werden. Die besten Quellen für Vitamin D2 sind:

  • Avocados
  • Sonnenblumenkerne
  • Pilze, vor allem Champignons

Insgesamt ist die Menge an Vitamin D, die durch Lebensmittel zugeführt werden kann, jedoch auch bei ausgewogener Ernährung kaum ausreichend, denn der überwiegende Teil dieses Nährstoffes muss vom Organismus selbst gebildet werden. Menschen, die sich berufsbedingt überwiegend in geschlossenen Räumen aufhalten und das ganze Jahr über nicht viel Zeit im Freien verbringen können, sollten mit ihrem behandelnden Arzt über die Supplementation mit einem Nahrungsergänzungsmittel sprechen. Auch Frauen mit Kinderwunsch sowie während der Schwangerschaft und Stillzeit wird geraten, zusätzlich ein Präparat auf Basis von Vitamin D einzunehmen. Säuglinge erhalten bis zum Ende des ersten Lebensjahres Calciferol-Tropfen, um einem entwicklungsschädigenden Mangel vorzubeugen.

Überdosierung von Vitamin D – Die gefährliche Hypervitaminose

Eine Supplementierung mit Vitamin D sollte in jedem Fall mit dem Arzt besprochen werden und nie in Eigenregie erfolgen. Eine Überdosierung kann nämlich eine Hypervitaminose D zur Folge haben, die sich zunächst in einem deutlich erhöhten Kalziumgehalt im Blut bemerkbar macht. Die ersten Symptome einer Überdosierung von Vitamin D sind:

  • erhöhter Blutdruck
  • Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • Appetitlosigkeit

Werden diese Anzeichen ignoriert, können ernsthafte gesundheitliche Schäden entstehen. Zunächst reagiert der Körper auf den hohen Kalziumspiegel mit einer übermäßigen Produktion von Harn, die sich durch ständigen Durst ebenso bemerkbar macht wie durch Schwächegefühle, Nervosität und Juckreiz. Wird dann nicht gehandelt, steigt das Risiko eines Nierenversagens, da der Organismus sich der Giftstoffe nicht entledigen kann. Eine dauerhafte Hypervitaminose D kann schwere Folgem mit sich bringen:

  • Osteoporose
  • chronische Infektionen und Immunschwächen
  • ischämische Herzerkrankung
  • Krebs
  • Leukämie

Damit ist ein langfristiger Vitamin-D-Überschuss ebenso riskant wie ein schwerer Mangel des Sonnenvitamins. Daher gilt zur Erhaltung der körperlichen und psychischen Gesundheit: Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, sollten wir im Frühling und Sommer ganz bewusst jeden Tag das Gesicht in die Sonne halten und die Wärme auf der Haut genießen. Zweimal wöchentlich sollten frischer Seefisch und Eier von Freilandhühnern sowie täglich hochwertige Milchprodukte in Bioqualität auf dem Speiseplan stehen. Auch wenn die Sonnenstrahlen im Winter nur gelegentlich durch die Wolken dringen, sind auch in der grauen Jahreszeit tägliche Spaziergänge an der frischen Luft zu empfehlen, denn UV-Licht kann auch dann über die Haut in den Körper gelangen, wenn die geliebte Sonne sich bisweilen versteckt. Eltern sollten auch darauf achten, dass ihre Kinder in den Sommermonaten viel Zeit im Freien verbringen, denn das kindliche Skelett und Gehirn sind noch in der Wachstumsphase und benötigen diesen Nährstoff dringend, um sich altersgemäß zu entwickeln.

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