Die meisten Menschen kennen es, gelegentlich ein leises Zucken am Lidrand zu verspüren. Zunächst reibt man sich das Auge. Bei länger andauerndem Lidzucken ist man etwas genervt. Man fühlt sich in seiner Konzentration gestört. Die Ursache des Zuckens ist oft nicht erkennbar und anscheinend kann man auch nicht das geringste daran ändern. Ein gelegentliches Zucken unter der Haut würde einen nicht unbedingt zum Arzt treiben. In den meisten Fällen verschwindet es von alleine wieder. Möglicherweise war man gestresst. Dass das Nervenkostüm angegriffen ist, ist jedenfalls oft die Annahme anderer, die ein Muskelzucken als „nervöses Zucken“ oder Stressmerkmal klassifizieren. Aber das muss es nicht unbedingt sein. In manchem Fall steckt eine behandlungsbedürftige Erkrankung dahinter. In anderen Fällen ist das ständige Zucken Begleitsymptom einer psychischen Störung. 

Was hat es mit dem Zucken auf sich?

Potenziell können Muskelzuckungen an sämtlichen Körpermuskeln auftreten und verschiedene Ursachen haben. Es handelt sich um Muskelkontraktionen, die man weder bewusst noch unbewusst steuert. Sie treten anscheinend ohne jeden Anlass und ohne eigenes Zutun auf. Gelegentlich deuten solche Zuckungen eine körperliche oder geistige Erschöpfung an. In den meisten Fällen sind die Zuckungen eine vorübergehende Erscheinung, die harmloser Natur ist. Oft bemerken die Mitmenschen sie nicht einmal. Fast jeder Mensch kennt das schüttelfrost– oder kältebedingtes Zähneklappern. Die wenigsten Menschen würden dies als Muskelzucken beschreiben – aber genau das ist es. Man verspürt eine Gänsehaut und friert. Das sichtbare Muskelzucken bleibt oft auf die Zahnregion beschränkt. Innerlich kann man jedoch ein Zittern und Vibrieren spüren, das sich erst nach ausreichender Wärmezufuhr legt.

Der zuckende Tic

Der sogenannte „Tic“ kann Ausdruck einer neurologischen, aber auch einer neuro-psychiatrischen Erkrankung sein. Unter Medizinern gilt er außerdem als Leitsymptom bei Vorliegen eines „Tourette-Syndroms„. Die Ursache eines Tics muss also abgeklärt werden. Die Frage ist, ob es sich um eine schlechte Angewohnheit oder um etwas anderes handelt. In den meisten Fällen ist Letzteres der Fall. Der Betroffene kann diese Muskelzuckung nicht bewusst kontrollieren. Er kann sie zwar für kurze Zeit willentlich unterdrücken, mehr aber nicht. Im Übrigen muss ein sogenannter „Tic“ gar nicht als Muskelzuckung sichtbar werden, er sich kann unter anderem manifestieren als:

  • Stirnrunzeln
  • Räuspern
  • ruckartige Kopfbewegung
  • Schulterzucken
  • Verbal-Tic
  • Grimassenschneiden

Gemeinsam ist allen Tics, dass sie wiederholt und ohne einen erkennbaren Anlass ausgeführt werden. Oftmals sind überschießende Nervenimpulse der Auslöser für Zuckungen unter der Haut. Davon unterscheiden muss man aber die zugrunde liegende Ursache dieser fehlgeleiteten Impulse.

Epileptischer Anfall

Ein epileptischer Anfall kann schwerwiegende Folgen haben

Ein epileptischer Anfall kann schwerwiegende Folgen haben

Bei einem epileptischen Anfall sind die Zuckungen sehr viel offensichtlicher. Der Körper des Betroffenen kann sich aufbäumen und in Krämpfen winden. Er kann auch starr werden. Schaum entsteht vor dem Mund. Man muss gegebenenfalls verhindern, dass der Betroffene sich in die Zunge beißt, indem man ihm etwas gibt, worauf er beißen kann. Nach einem solchen Anfall wirken die Betroffenen blass und desorientiert. Tritt so ein starker Anfall das erste Mal auf, kann er sehr erschreckend sein. Man kann solche Zuckungen aber meist medikamentös in moderatere Bahnen lenken. Das ist auch nötig, denn so ein Anfall kann einen jederzeit niederstrecken und zu Verletzungen führen. Weniger starke epileptische Anfälle machen sich nur durch merkwürdige Bewegungen und längere geistige Abwesenheit sichtbar. In jedem Fall bedarf eine Epilepsie mit regelmäßigen Anfällen der ärztlichen Behandlung.

Die Faszikulation

Handelt es sich eher um eine feine Vibration der Muskeln als um Zuckungen, spricht man von einer „Faszikulation„. Dieser Begriff leitet sich von dem Begriff „Faszikel“ ab, womit kleine Muskelbündel bezeichnet werden. Die Mediziner unterscheiden in die häufig gutartigen und die eher selten auftretenden pathologischen Faszikulationen. Bei manchen Menschen sind die auftretenden Zuckungen rhythmisch, bei manchen erscheinen sie in unregelmäßigen Intervallen. Bei regelmäßigen Intervallen spricht man von einem „Tremor„. Vom Zucken in der Muskulatur können kleine und größere Gesichtsmuskeln, Handmuskeln oder ganze Muskelgruppen betroffen sein. Arme und Beine sind – neben dem häufig betroffenen Gesichtsbereich – ebenfalls sehr häufig betroffen. Muskulär bedingtes Zucken an der Rumpfmuskulatur ist eher selten zu finden. Interessant ist, dass man das Zucken in den Muskeln bewusst aktivieren oder verstärken kann. Die Medizin nennt das einen „Aktionsmyoklonus„. Sein Gegenstück ist der „Reflexmyoklonus„, der durch äußere Reize ausgelöst werden kann.
In diesem Fall können folgende Reize und/oder Einflüsse reichen, um das Zucken auszulösen:

  • Lichtreize
  • Berührungen
  • Geräusche

Die meisten Arten von muskulärem Zucken verlaufen schmerzlos. In seinen ausgeprägten Formen kann es jedoch ein lästiges und gelegentlich ein schmerzhaftes Symptom werden, das einer ärztlichen Untersuchung bedarf. Dahinter können sich verschiedene Erkrankungen verbergen. Die meisten davon bedürfen einer medizinischen Behandlung. Die Diagnostik kann mitunter sehr komplex sein.

Was kann die Ursache von unwillkürlichem Zucken sein?

Die Ursachenforschung bei diesem Phänomen ist sehr schwierig und langwierig. Bei den meisten Menschen tritt das Muskelzucken nur gelegentlich auf. Es bedarf keiner ärztlichen Abklärung. Viele Menschen leiden beispielsweise regelmäßig unter Muskelzucken beim Einschlafen. Ist das Zucken allerdings zum dauerhaften Bestandteil des Lebens geworden und schränkt die Lebensqualität erheblich ein, sollte man tätig werden. Gleiches gilt, wenn man Schmerzen oder Krämpfe hat, wenn es zuckt. Die wichtigste Erkenntnis für Betroffene mit größerem Leidensdruck ist: Es können ernsthafte und behandlungsbedürftige neurologische Erkrankungen hinter dem Zucken stecken. Sämtliche Störungen auf der Nervenebene, in den Nerven der Muskulatur, im Rückenmark und im Gehirn sind mögliche Verursacher dieses an sich harmlosen Symptoms. Es kann sich durchaus um harmlose Nerven- und Muskelreizungen durch nicht entdeckte Entzündungen oder Dauerstress handeln, die nach einer Weile wieder verschwinden. Zu den ernsthaften Erkrankungen, die Muskelzuckungen auslösen können, zählen viele weitverbreitete Erkrankungen.
Die bekanntesten Ursachen sind:

  • akute oder chronische Durchblutungsstörungen im Bereich der Venen
  • Diabetes mellitus
  • Morbus Parkinson
  • Epilepsie
  • multiple Sklerose

Muskelzuckungen und andere Missempfindungen können bei diesen Erkrankungen als Begleitsymptom auftreten. Bei Parkinson kann es beispielsweise zu Handzucken oder einer Schüttellähmung der Gliedmaßen kommen. Bei Diabetes Typ 2 kommt es häufig zu Missempfindungen an den Füßen. Bei Diabetes können Zuckungen außerdem das erste Anzeichen einer Unterzuckerung sein. Auch eine Prä-Diabetes kann durch Muskelzuckungen gekennzeichnet sein. Neben diesem Symptom sind oft andere Begleitsymptome bemerkbar – zumBeispiel:

  • schlecht heilende Wunden
  • Kribbeln in den Füßen
  • starke Gewichtsabnahme
  • ständiger Durst
  • Immunschwäche

Insofern ist das Zucken der Muskeln allein genommen unspezifisch. Im Zusammenhang mit anderen Symptomen und Beobachtungen kann es aber zum typischen Kennzeichen für eine Erkrankung werden.

RLS – Restless-Legs-Syndrom

Das weithin bekannte „Restless-Legs-Syndrom“ ist oft keine eigenständige neurologische Erkrankung. Es kann beispielsweise auch als Begleitsymptom während einer Behandlung mit Antidepressiva auftreten. Mehr als 100.000 Betroffene allein in Deutschland machen es zu einem gut dokumentierten Syndrom. Die Ursachenforschung steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Bei jedem fünften Betroffenen sind die Zuckungen und nächtlichen Störungen dieses Syndroms so stark, dass sie behandelt werden müssen. Warum Frauen fast doppelt so oft vom Restless-Legs-Syndrom betroffen sind, ist nicht hinreichend geklärt. Man vermutet Defekte bei der Reizübertragung der Nerven. Möglich sind aber neuen Untersuchungen zufolge auch genetische Ursachen. Unterschieden wird in das idiopathische RLS, das familiär gehäuft vorkommen kann, und das symptomatische RLS, das durch eine andere Grunderkrankung wie Depressionen mit begleitender Antidepressiva-Therapie erworben werden kann.

Das Restless-Leg-Syndrom tritt häufig als Begleiterscheinung auf

Das Restless-Leg-Syndrom tritt häufig als Begleiterscheinung auf

Das Restless-Legs-Syndrom tritt häufig als Begleiterscheinung auf, beispielsweise bei:

  • bei schwangeren Frauen
  • als Folge von Schilddrüsenfunktions-Störungen
  • bei dialysepflichtiger Niereninsuffizienz
  • bei einer Anämie durch Eisenmangel, z. B. bei Vorliegen einer Zöliakie
  • bei rheumatoider Arthritis
  • als Nebenwirkung bestimmter Medikamente, z. B. trizyklischer Antidepressiva
  • bei bestimmten Stoffwechselstörungen

Zu bereits genannten Verursachern von Muskelzuckungen addieren sich auch Erkrankungen wie:

  • nervöse Tics
  • das Tourette-Syndrom
  • die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (auch bekannt als Rinderwahnsinn)
  • Morbus Wilson
  • Muskeldystrophie
  • Gehirnentzündungen
  • Gehirnblutungen
  • Nervenreizungen durch orthopädische Erkrankungen.

Selbst bestimmte Viruserkrankungen, Vergiftungen oder bakterielle Infektionen können als Begleitsymptom ein Zucken der Muskeln verursachen. Ein eigenständiges Erkrankungsbild wird dem häufig erblich bedingten „essenziellen Tremor“ zugewiesen. Dieses Zucken kann so ausgeprägt sein, dass die Betroffenen ständig Dinge fallen lassen, weil die Hand- und Armmuskeln nicht mehr verlässlich funktionieren. Muskelzuckungen können aber auch durch viele andere Umstände verursacht werden. Oft genügen anhaltend starker seelischer Kummer oder ständiger Stress. Der hohe Guarana-Gehalt in Szene-Getränken oder starker Kaffeekonsum können zu Zuckungen durch Koffein-Überdosen führen. Auch Alkohol- oder Drogengenuss sowie Medikamenteneinnahme können Zuckungen begünstigen. Bei vielen Medikamenten werden Muskelzuckungen als mögliche Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel aufgelistet. Unterzuckerung oder Magnesiummangel kann zu unwillkürlichem Zucken der Muskeln führen. Zuckungen der Muskeln können außerdem nach bestimmten ärztlichen Untersuchungen und als Folge einer Nervenreizung auftreten. Eingeklemmte Nerven, Kälteschocks oder Unterkühlung sind ebenfalls mögliche Verursacher muskulärer Zuckungen.

Was tun Ärzte, wenn man ständig unter starken Zuckungen leidet?

In den meisten Fällen und wenn die Zuckungen nur gelegentlich auftreten, gehen diese irgendwann von alleine vorbei. Ist das nicht der Fall, sollte man sicherheitshalber den Hausarzt oder einen Neurologen konsultieren. Häufige Muskelzuckungen und schmerzhafte Krampfanfälle ohne erkennbaren Grund sollten in den Ursachen abgeklärt werden. Häufig sind Nervenerkrankungen die Verursacher. Dennoch ist die Ursachensuche komplex, da so viele potenzielle Verursacher möglich sind. Ohne ausführliche Anamnese und aufwendige Differenzialdiagnostik wird die Ursachenforschung nicht zu Ergebnissen führen. Die wichtige Frage ist, wie häufig und schwer die Beschwerden sind. Es ist hilfreich, wenn man zum Arztbesuch möglichst viele Fakten zum Symptom parat hat. Ein Protokoll beispielsweise gibt dem Arzt bessere Einblicke in das Geschehen. Auch die Umstände, unter denen die Zuckungen besonders häufig auftreten, werden hinterfragt. Dabei sollten auch kürzlich entstandene Verletzungen oder medizinische Untersuchungen thematisiert werden, denn sie könnten das Zucken ausgelöst haben. Außerdem sollten Sie alle Medikamente benennen, die derzeit eingenommen werden. Wenn Sie einen konkreten Verdacht in Bezug auf ein Medikament als Auslöser haben, nennen Sie ihn dem Arzt. Möglicherweise können Sie sogar einen Zusammenhang zum Zeitpunkt der Einnahme und dem erstmaligen Auftreten der Zuckungen ausmachen. Ein familiäres Auftreten von Epilepsie und anderen neurologischen Erkrankungen gehört in diesen Rahmen.

Ein Arztgespräch kann sehr hilfreich sein, vor allem  wenn der Patient gut vorbereitet ist

Ein Arztgespräch kann sehr hilfreich sein, vor allem wenn der Patient gut vorbereitet ist

Als Betroffener können Sie zunächst nichts weiter tun, als dem Arzt die Ursachenfindung zu ermöglichen und erleichtern. Durch mehrere Untersuchungen kann der Mediziner dem Grund für das Zucken auf die Spur kommen. Möglicherweise werden bei Ihnen folgende Tests durchgeführt:

 

  • Blut- und Urin-Tests
  • Gefäßuntersuchungen
  • Allergietests
  • psychiatrische Untersuchungen
  • eine Elektroneurografie (ENG)
  • eine Elektromyografie (EMG)
  • eine Elektroenzephalografie (EEG)
  • eine Muskelbiopsie
  • Hirnwasseruntersuchungen
  • Röntgenaufnahmen
  • Computertomografien (CT)
  • eine Kernspin-Tomografie (MRT) bei Tumorverdacht

Die anschließende Behandlung wird ursachenbezogen durchgeführt. In vielen Fällen kann man das Muskelzucken lindern oder es verschwindet, sobald die zugrunde liegende Erkrankung behandelt wird. In anderen Fällen – zum Beispiel bei Depressionen oder Zuckungen, die durch Neuroleptika oder Antiemetika bedingt sind, kann man einen Medikamentenwechsel in Betracht ziehen. Die Alternative dazu wäre, das Medikament trotz der Folgeerscheinungen beizubehalten und ein weiteres gegen die Muskelzuckungen zu verordnen. Das macht vor allem dann Sinn, wenn das Medikament an sich gut vertragen wird und dem Patienten mehr Lebensqualität schenkt. Das kann bei Antidepressiva der Fall sein, die wegen einer schweren Persönlichkeitsstörung dauerhaft genommen werden müssen.

Was kann man als Betroffener tun?

Falls nervöse Zuckungen durch Kummer, familiären Ärger oder beruflichen Stress ausgelöst wurden, muss man wohl oder übel seine Einstellung oder Lebensführung ändern. In diesem Fall ist das Zucken wahrscheinlich seelisch und nervlich bedingt. Mit guten Gesprächen bei einem Psychotherapeuten oder dem Erlernen von Entspannungstherapien kann man bereits viel für sich tun. Yoga, Chi Gong oder autogenes Training können hier hilfreich sein. Wichtig ist, seinen Kummer anzunehmen und das Trauern um einen verlorenen Partner, eine gescheiterte Ehe oder den Verlust eines geliebtes Tieres als normalen Prozess zu begreifen. Stress ist aber auch ein bekannter Magnesiumräuber. Magnesiummangel kann zu Muskelzucken und Wadenkrämpfen führen. Von daher gilt es nicht nur, dem akuten Magnesiummangel abzuhelfen, sondern auch die größten Stressoren zu finden und zu eliminieren. Viele Menschen haben sich in der modernen Medienwelt an ständige Erreichbarkeit und dauerhafte mediale Überflutung gewöhnt. Die Frage ist aber, ob man tatsächlich 100 Krimileichen je Woche und beruflichen Dauerstress mit weiteren Stressoren kombinieren muss. Häufiger Beziehungsstress, ständiger Verkehrslärm, Finanzprobleme und anderes können den Stresspegel so hochtreiben, dass eine Entschleunigung des Alltags dringlich angeraten ist. Dauerhafte nervliche Überlastung und ständige Präsenz am Arbeitsplatz kann zu einem Burn-out oder Erschöpfungssyndrom führen. Besser wäre es, man betrachtet das durch Magnesiummangel ausgelöste Muskelzucken als ersten Warnschuss vor den Bug und agiert entsprechend. Die meisten Menschen, die ihr Leben von Stressoren und Energievampiren aller Art befreit haben, schlafen besser und fühlen sich wohler. Viele wissen hinterher nicht mehr, woher sie die Energie für all diese Dinge genommen haben. Die besten Stresstherapien sind

  • viel Bewegung an frischer Luft
  • viel Schlaf
  • und häufige Aufenthalte in der Natur.

Großstädte können bereits durch Smog, Verkehrslärm, werbliche Lichtduschen bei Nacht oder gestörte Nachtruhe durch eine Hauptstraße einen erheblichen Stresspegel verursachen. Der Organismus zeigt diesen Dauerstress früher oder später an – beispielsweise durch zuckende Muskeln, Gehörstürze oder schlechten Schlaf. Hat man den Verdacht, das häufige Zucken der Muskeln hänge mit einer ungesunden Beziehung zusammen, in der man sich gefangen fühlt, ist ein Beziehungsabbruch möglicherweise eine Lösung. Eine Paartherapie oder die Aufarbeitung frühkindlicher Traumata kann ebenso nützlich sein. Dass andere Menschen uns krank machen, muss nicht unbedingt mit deren Schwächen und Neurosen zusammenhängen. Wir tragen genauso zu einer ungesunden Beziehung bei, indem wir auf diese reagieren. Destruktive Beziehungen, die bei einer Partei mit ständigem mit Muskelzucken einhergehen, sind oft schon so verfahren, dass sich Automatismen entwickelt haben. Diese aufzulösen ist oft, selbst für geschulte Paartherapeuten, schwer. Außerdem ist man meist nicht ehrlich, was die eigenen Defizite angeht. Manchmal ist eine Beziehung, die nicht funktioniert oder sich in einer kulminierenden Gewaltspirale befindet, besser mit einer dauerhaften Trennung beider Partner versorgt. Möglicherweise gibt sich dann auch irgendwann das Zucken bei der davon betroffenen Partei. Es steht bei einem Zusammenbleiben zu erwarten, dass der beziehungsbedingte Dauerstress schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Hirnschlag oder Schlimmeres nach sich zieht.

Erkrankungen als Ursache

Sind Erkrankungen die Ursache des Zuckens, kann man eine medikamentöse Behandlung einleiten. Diese muss im Falle schwerwiegender Erkrankungen wie der Gehirnentzündung umgehend eingeleitet werden, wenn nicht schwerwiegende Folgen eintreten sollen. Ob bei fortgesetztem Zucken Neuroleptika eingesetzt werden, ob Magnesiumgaben ausreichen oder ein verordnetes Antidepressivum gegen ein anderes ausgetauscht werden muss, entscheidet der behandelnde Mediziner. Eigenmächtig sollten Sie die Ihnen verschriebenen Medikamente nie absetzen. Viele Präparate müssen erst ausgeschlichen werden, weil sie sonst gravierende Beschwerden auslösen können. Sind Drogen, Medikamente oder Alkohol als Ursache für das Zucken im Spiel gewesen, kann der Patient oft durch eine gesunde Ernährung und eine entsprechende Lebensweise die Symptome mindern. Mit ausreichend hohen Magnesiumgaben kann man Muskelkrämpfen entgegenwirken. Dabei ist zu bedenken, dass man bei Einnahme von medizinischen Magnesium-Präparaten immer genug Kalzium aufnehmen muss. Sinnvoller ist eine magnesiumreiche Ernährung. Größere Mengen Magnesium findet man unter anderem in:

  •  ungeschälten Mandeln
  • Spinat
  • Erbsen
  • Brokkoli
  • Bohnen
  • Bananen
  • Haferflocken
  • Weizenkleie
  • ungeschältem Naturreis

Wichtig für eine ausreichende Magnesiumversorgung ist auch, den Magnesiumgehalt der Nahrung nicht durch hohen Zuckerkonsum zunichte zu machen. Wer ohne sportlich bedingte Gründe wie einen Marathonlauf ständig an Wadenkrämpfen und nächtlichen Muskelzuckungen in den Beinen leidet, sollte zunächst seinen Zuckerkonsum herunterschrauben und regelmäßig Magnesium einnehmen. Außerdem ist eine Untersuchung der Venen bei einem Phlebologen ratsam, um Venenveränderungen als Ursache für das Zucken und die Krämpfe auszuschließen.

Wann sind medikamentöse Behandlungen oder Operationen angebracht?

Für manche muskulären Symptome – beispielsweise den essenziellen Tremor – kann man bislang nur unzureichende Behandlungsmöglichkeiten anbieten. Bei starken Beschwerden kann man durch operative Maßnahmen bestimmte Hirnareale deaktivieren, weil sie Impulse aussenden, die den Tremor verursachen. Man behandelt ansonsten zunächst mit Antikonvulsiva oder Betablockern, um die Beschwerden wenigstens abzumildern. Der Patient kann dazu beitragen, indem er Entspannungsübungen erlernt. Diese können das Beschwerdebild ebenfalls lindern. Bei Vorliegen einer amyotrophen Lateralsklerose (ALS) kann man ebenfalls nur eine Symptomlinderung versuchen. Manche Formen der Epilepsie können medikamentös, andere operativ behandelt werden. Dazu sind allerdings schwerwiegende Eingriffe in der Hirnregion nötig. Eine medikamentöse Behandlung samt einem klinischen Entzug ist notwendig, wenn es sich bei den Zuckungen um Symptome einer Abhängigkeit handelt. Es kann dabei um harte Drogen, Medikamente oder anderes gehen. Auch bei einer Entzugstherapie können Muskelzuckungen auftreten. Daher sollte sie niemals in Eigenregie vorgenommen werden, sondern unter ärztlicher Überwachung stehen. Die dauerhafte Abstinenz kann meist nur erreicht werden, wenn der Entzug im Krankenhaus von einer mehrmonatigen Entwöhnungs-Therapie in einer Fachklinik begleitet wird. Zusätzlich können Psychotherapeuten bei der Ursachenfindung helfen, damit kein Rückfall in die Sucht eintritt. Psychotherapien helfen auch bei Tics, die neben Zuckungen durch andere Äußerungen auffallen. Beispielsweise kann ein Patient sich durch einen Tic gezwungen fühlen, ständig unflätige Beschimpfungen und Kraftausdrücke auszustoßen. In der Therapiesitzung lernen die Betroffenen ihre Erkrankung besser kennen. Sie lernen, auf die Anzeichen zu achten, die das Anrücken eines neuen Tics ankündigen. Man kann dem Entstehen des nächsten Schubes dann gezielt entgegenarbeiten. Besonders schwierig ist es, wenn ein Tumorgeschehen im Kopf für die Zuckungen verantwortlich gemacht wird. Bei Tumoren im Gehirn gilt: Egal ob sie gutartig oder bösartig sind – sie sind immer lebensbedrohlich. Daher müssen sie nach Möglichkeit sofort und restlos entfernt werden. Das ist eine riskante Operation, die nicht immer ohne Ausfälle und Hirnschädigungen abläuft. Im Anschluss an die Operation wird oft eine Chemotherapie oder Strahlenbehandlung nötig. Ist der Hirntumor zu groß für eine Operation, wird er auch schon vor der Operation bestrahlt. Erst, wenn der Tumor im Umfang zurückgegangen wird, wird die riskante Operation gewagt. Oftmals brauchen die Patienten im Anschluss an die Klinikaufenthalte eine lange Rehabilitationsphase, bis sie wieder halbwegs genesen sind.

Kann man dem Zucken vorbeugen?

In gewissem Umfang kann man Zuckungen vorbeugen. Das ist zum Beispiel durch die bewusste Verhinderung lebens- oder ernährungsbedingter Erkrankungen wie Diabetes möglich. Ohne Diabetes hat man auch keine der typischen Begleiterscheinungen der Zuckerkrankheit zu beklagen. Bei verspannten Muskeln kann man durch regelmäßige Dehnübungen für genug Elastizität sorgen. Man sollte aber darauf achten, dass man nie über die Schmerzgrenze hinaus dehnt. Gegebenenfalls wirkt man den Zuckungen mit physiotherapeutischen Behandlungen entgegen. Das Risiko von Zuckungen und Krämpfen wird auch durch eine vitalstoffreiche Ernährung minimiert. Erst im fortgeschrittenen Alter oder bei einer nachgewiesenen Mangelversorgung sind Magnesiumgaben sinnvoll. Viele Menschen missachten die Zufuhr von ausreichend Flüssigkeit, vor allem von Mineral- oder Trinkwasser. Auch dies ist ein probates und leicht zu bewerkstelligendes Mittel, um das lästige Zucken zu minimieren. Größere Stress-Resilienz zu erlernen, ist gar nicht so schwer. Die Volkshochschulen bieten vielseitige Entspannungskurse. Sie machen Kursangebote zur Verbesserung der Stress-Resilienz. Auch regelmäßiger Sport kann zu einer besseren Stressverarbeitung und entspannteren Muskeln beitragen. Vor allem Ausdauersportarten und entschleunigte Sportarten wie Tai Chi, Yoga oder Chi Gong sind bei häufigem Muskelzucken geeignet. Einschlafzuckungen kann man mit einem entspannenden Vollbad, Entspannungsübungen und gegebenenfalls mit unterstützenden Baldrianpräparaten vor dem Schlafengehen vorbeugen. Der Konsum von Alkohol und Koffein sollte bei Stress, Nervosität oder Schlafproblemen generell eingeschränkt werden.

 

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