Waren es früher noch Schnupfen, Grippe oder Angina, die uns einen Krankenstand bescherten, sind es heute immer häufiger Krankheiten, welche wir eigentlich direkt aus dem stressigen, oft sehr einseitigen, Büroalltag mit nach Hause nehmen: Kopfschmerzen, Karpaltunnelsyndrom, müde Augen, etc. Als diese beruflich bedingten Beschwerden auftraten, wussten sowohl die Arbeitgeber, und Arbeitnehmer, als auch die Ärztewelt nicht so recht, wie man damit umgehen sollte. Ab wann sind Kopfschmerzen unangenehm genug, um einen Krankenstand zu verschreiben? Mit solchen und ähnlichen Fragen mussten sich die behandelnden Ärzte beschäftigen und sich in jedem einzelnen Fall für oder gegen einen Krankenstand aussprechen. Generell gilt, dass man dann in den Krankenstand gehen darf, wenn eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Diese äußert sich in den meisten Fällen als Krankheit, durch die die Tätigkeit des Arbeitnehmers nicht mehr ausgeübt werden kann, oder wenn das Risiko besteht, dass durch weitere Ausübung der Tätigkeit die Beschwerden verschlimmert werden.

Natürlich ist das subjektive Befinden des Arbeitnehmers, welches dem behandelnden Arzt mitgeteilt wird, ausschlaggebend für die Entscheidung für oder gegen eine Krankschreibung. Oft werden diese „Büro-Wehwehchen“ von den Betroffenen auf die leichte Schulter genommen und unterschätzt, doch genau bei solch schleichenden Krankheiten und Beschwerden sollte immer Vorsicht geboten sein. Das Arbeiten trotz Krankschreibung verursacht oft mehr Schäden, als man erwartet. Eine Krankschreibung vom Arzt ist ein Warnsignal für die eigene Gesundheit und sollte unbedingt ernst genommen werden.

Die 10 häufigsten Bürokrankheiten

Skelett-, und Muskelerkrankungen

Durch die andauernd sitzende Haltung wird das Skelett, vor allem im Rückenbereich sehr beansprucht und einseitig belastet. Dadurch kommt es häufig zu Rückenschmerzen, sowie auch zu Problemen im Nackenbereich und in den Schultern. Ursache dafür sind Verspannungen bzw. entzündete Muskeln. Auch die Bandscheiben werden durch die typische Bürohaltung extrem beansprucht.
Normalerweise ist das Krankschreiben lassen kein Problem, sobald der Arzt von diesen Beschwerden hört, da sie sehr weit verbreitet sind. Vor allem bei Wirbelsäulenproblemen ist das Arbeiten trotz Krankschreibung enorm risikoreich, da die Wirbelsäule den gesamten Körper stützt und somit eine essentielle Funktion hat.

Karpaltunnelsyndrom

Bei Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom spürt man ein fast taubes Gefühl von den Fingern bis in den Arm (in manchen Fällen auch bis zur Schulter), vergleichbar mit dem Einschlafen von Gliedmaßen. Grund dafür ist der entzündete Sehnenkanal, der sich von der Hand über den Unterarm erstreckt. Um sich die Krankschreibung beim Arzt zu sichern, ist es auch hilfreich, die Schmerzen im Handgelenk zu erwähnen. In manchen Fällen äußert sich das Syndrom auch in schwachen Fingern und beim Aneinanderpressen der Handflächen treten stärkere Schmerzen auf.

(Spannungs-)Kopfschmerzen

Aufgrund der intensiven Arbeit am Computer treten oft (Spannungs-)Kopfschmerzen auf. Kopfschmerzen sind schon länger ein anerkannter Grund für eine Krankschreibung, da sie die betroffene Person extrem einschränken können, und unter Stress und Belastung nicht ausheilen. Kopfschmerzen an sich können in vielen Variationen und Stärken auftreten, wobei der Spannungskopfschmerz nach langer Büroarbeit häufig auftritt.

Konzentrationsschwäche

Durch die einseitige Belastung der Büroarbeit, schlechte Luft und mangelnde Beleuchtung, treten auch immer wieder Konzentrationsschwächen auf. Vor allem in Kombination mit anderen Beschwerden ist ein Krankschreiben durch den Arzt gerechtfertigt.

Müde oder schmerzende Augen

Die im letzten Absatz genannten Rahmenbedingungen sind auch hauptsächlich für müde bzw. schmerzende Augen verantwortlich. Durch das lange Starren auf den beleuchteten Bildschirm können die Augen anfangen zu brennen, oder zu tränen. Bei mehrjähriger Belastung kann es sogar zur Begünstigung einer Fehlsichtigkeit kommen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Krankschreiben lassen schon viel zu spät, hier muss man früher eingreifen, um Langzeitschäden zu verhindern.

Psychische Probleme

Steigende Anforderungen, Stress und Wettbewerb untereinander haben große Auswirkungen auf die Psyche der Mitarbeiter. Merkt man, dass Nervosität oder eine gewisse Reizbarkeit ständige Begleiter im Arbeitsalltag sind, sollte man auf die Bremse steigen und einen Arzt aufsuchen. Gerade psychische Krankheiten wurden lange unterschätzt, obwohl sie genauso langfristig Schäden verursachen können. Werden die Ursachen nicht geklärt, kann es zu einem Burnout, oder Depressionen kommen. In diesen Fällen ist das Krankschreiben längst zu spät.

Psychosomatische Beschwerden

Ein unausgeglichener Gemütszustand kann auch auf den Körper schlagen: hoher Blutdruck, Kreislaufprobleme, Ausschläge oder Magenbeschwerden. Beobachtet man diese oder andere körperliche Erscheinungen, sollte man sich überlegen, ob sie stressbedingt sein könnten.

Bronchitis

Schlechte Luft in den Arbeitsräumen ist oft für hustende Mitarbeiter verantwortlich. Dieser Husten sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da er sich zu einer chronischen Bronchitis weiterentwicklen kann. Auch hier sollte man schon im Vorfeld einen Arzt aufsuchen und das Risiko einer Bronchitis abklären, und wenn nötig eine Pause einlegen und sich krankschreiben lassen.

Überlastungsschäden an den Händen

Besonders die Arme, Hände und Finger werden im Büroalltag durch monotone Arbeitsschritte, wie das Bedienen der Computermaus, extrem beansprucht. Sehr bekannt ist dabei der sogenannte „Mausarm“. Diesen erkennt man an Schmerzen im Arm, und teilweise in der Hand. Dabei haben sich die Sehnen(-scheiden) entzünden und verursachen die meist sehr unangenehmen Schmerzen. Um die Schmerzen zu lindern, ist Schonung angesagt, z.B. durch das Bedienen der Maus mit der anderen Hand.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Durch das viele Sitzen im Büro und der fehlenden Bewegung können sich in manchen Fällen ernsthafte Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausbilden, die man häufig erst dann bemerkt, wenn es eigentlich schon viel zu spät ist. Deswegen ist Vorsicht besser als Nachsicht. Sollte eine solche Krankheit diagnostiziert werden, ist das Arbeiten trotz Krankschreibung extrem risikoreich und daher unbedingt zu vermeiden!

Krankenstand – Was muss ich beachten?

Hat einen der Arzt krankschreiben lassen, müssen trotzdem einige Richtlinien beachtet werden, denn das Krankschreiben ist kein Freipass für die Freizeitgestaltung. Jeder bewilligte Krankenstand muss vom Betroffenen ernst genommen werden und hat das hauptsächliche Ziel, die Genesung zu beschleunigen. Sobald das Krankschreiben durch den Arzt erfolgt, ist das dem Arbeitgeber auch unverzüglich zu melden. Dauert die Genesung länger als 4 Kalendertage ist ein ärztliches Attest vorzulegen. Zwar ist man nicht an seine Wohnung gefesselt, wenn man im Krankenstand ist, aber ein Freibadbesuch bei einer Bronchitis lässt Zweifel an der Seriösität der Krankheit aufkommen, während ein Einkauf beim Supermarkt kein Problem darstellt. Arbeiten trotz Krankschreibung ist ein absolutes No-Go, egal ob es eine nebenerwerbliche oder selbstständige Tätigkeit ist. Der Krankenstand umfasst alle erwerblichen Aktivitäten.  Zweifelt der Arbeitgeber, aus welchen Gründen auch immer, an der Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers, ist es sein Recht eine Überprüfung der Umstände durch die Krankenkasse und den zugehörigen Medizinischen Dienst (MDK) einzuleiten. Stellt sich heraus, dass der Krankenstand unbegründet ist, droht sogar eine fristlose Kündigung. Anhaltende Krankheiten können jedoch zur Kündigung führen, wenn der Arbeitnehmer nicht mehr in der Lage ist, seine Tätigkeit auszuführen. Dabei handelt es sich jedoch um Einzelfälle, welche alle sorgsam überprüft werden.

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