Ergonomisches Sitzen und Prävention für Rückenerkrankungen sind im medizinischen Alltag ebenso wichtig wie im kaufmännischen Büro. Ergonomie am Arbeitsplatz beugt vielen Gesundheitsproblemen vor. 

Was ist Ergonomie?

Ergonomie befasst sich mit der Anpassung von Arbeitsbedingungen an die Fähigkeiten, Eigenschaften und Gewohnheiten von arbeitenden Menschen und Möglichkeiten der Anpassung an die Aufgaben am Arbeitsplatz. Sie untersucht Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz und entwickelt Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsgestaltung. Ergonomie ist also ein bedeutsames Mittel zur Senkung von Belastungen am Arbeitsplatz. Damit chronische Überlastungen vermieden werden, müssen Arbeitsmittel wie Werkzeuge, aber auch Stühle und Möbel an die körperlichen Gegebenheiten des Menschen angepasst werden. Ziel eines ergonomischen Arbeitsplatzes ist es, dass Beschäftigte während ihrer Tätigkeit weder über- noch unterfordert werden und ihre Gesundheit nicht leidet. Arbeitsplatzgestaltung muss den Fähigkeiten und Bedürfnissen der arbeitenden Menschen entsprechen. Wenn das der Fall ist, sind Ermüdungserscheinungen infolge körperlicher Beanspruchung geringer. Ergonomie steigert also Wohlbefinden, Gesundheit, Motivation und Arbeitsfähigkeit aller Beschäftigten. Ergonomisches Sitzen, ja den gesamten ergonomischen Arbeitsplatz zu realisieren, müsste daher im Interesse jedes Arbeitgebers sein, denn es verhindert Arbeitsausfälle durch Krankheit und senkt damit die Betriebskosten.

Ergonomisches Sitzen in der Arztpraxis

Richtig sitzen hat gerade im Praxisbetrieb große Bedeutung. Der gute Arbeitsstuhl in der Arztpraxis oder Klinik hat andere Eigenschaften als ein durchschnittlicher Bürostuhl. Zunächst muss er besonders beweglich sein und darf nicht viel Platz einnehmen. Ein Arzt oder Therapeut muss mit seinen Stuhl häufig von einer Zimmerecke zur anderen wechseln, um medizinische Geräte zu benutzen, Akten einzusehen oder den Patienten selbst zu untersuchen. Ein ausladender Stuhl ist hier nicht angebracht. Der Stuhl, den er dagegen in seinem Büro benutzt, darf deutlich größer sein, da er überwiegend vor dem Schreibtisch platziert sein wird. Es gibt unterschiedliche Modelle, die hierfür infrage kommen. Meist handelt es sich um flexible Drehstühle mit einer schmalen Stütze für die Lendenwirbelsäule. Arbeitsstühle mit LWS-Stütze eignen sich besonders für den Einsatz in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen. Sie ermöglichen das gesunde, aufrechte Sitzen, bieten aber dennoch großen Komfort. Die gepolsterten Sitzflächen und Lendenwirbelstützen sind mit einem abwaschbaren Kunststoffbezug versehen, außerdem haben diese Stühle höhenverstellbare Fußringe. Die leicht gewölbte Sitzfläche unterstützt das rückenschonende Sitzen. Ähnlich konstruiert ist ein Praxishocker mit Rückenbügel, der allerdings aufgrund der fehlenden Polsterung weniger Komfort beim Anlehnen bietet.

Ergonomische Sattelstühle fördern das aktive Sitzen

Sattelhocker und Sattelstühle realisieren ein völlig neues Gesundheitskonzept und sind für etliche Arbeitsbereiche geeignet. Weil man hier leicht erhöht sitzt, vergrößert sich auch der Winkel zwischen Knien und Hüftgelenken, er beträgt nun 130° statt 90°. Infolgedessen kann das Blut besser zirkulieren, gelangt leichter zu Gehirn und Füßen und der Benutzer bleibt frischer und leistungsfähiger. Die Sattelform führt dazu, dass das Becken leicht nach vorne geneigt wird, wodurch sich die Wirbelsäule automatisch aufrichtet. Die Bandscheiben werden entlastet und können wieder regenerieren. Brustkorb und Bauch haben mehr Platz und die Atmung fällt viel leichter. Damit macht diese Stuhlvariante nicht nur den Rücken stark, sie beugt auch schweren Beinen und Venenerkrankungen vor. Für Menschen, die zum ersten Mal einen Sattelstuhl ausprobieren, kann das Sitzen am Anfang etwas ungewohnt sein. Die Rückenmuskulatur wird stärker beansprucht als man es kennt. Der Rücken muss sich erst an das aufrechte Sitzen gewöhnen. Doch schon bald spüren sie, wie die Stärkung der Muskulatur, der Rücken und die ganze Haltung entspannt.
Sehr komfortabel sind auch Drehhocker mit Sattelsitz. Auf diesen Stühlen nehmen die Sitzenden eine Reitposition ein, was die Wirbelsäule entlastet und gleichzeitig die Muskulatur des Rückens kräftig. Die moderne Variante des Praxishockers gibt es in verschiedenen Farben und Ausführungen. Die besondere Sitzform korrigiert die Sitzhaltung und sorgt für gesundes, aufrechtes Sitzen. Spezialrollen verhindern das Wegrutschen des Hockers beim Hinsetzen oder Aufstehen auch auf glatten Böden. Sattelstühle erlauben flexible Bewegungsabläufe und sind nicht mit den bekannten Sitz-Stehhilfen vergleichbar.

Gesellschaftsproblem Rückenschmerzen – das Kreuz mit dem Kreuz

Rückenschmerzen sind ein zentrales Gesundheitsproblem in Industrienationen und kosten Arbeitgeber immense Summen. Die Prävention am Arbeitsplatz ist hier besonders wichtig. Vielfach gibt es für Rückenprobleme einfache Lösungen. Selbst wenn der Patient gar nicht damit gerechnet hat, kann ein ergonomischer Stuhl deutlich Erleichterung bringen. Arbeitsbedingte Muskel-Skeletterkrankungen zählen zu den schwerwiegendsten Gesundheitsproblemen von Mitarbeitern im medizinischen Bereich. Häufig haben sie Probleme im Schultergürtel und mit den Armen, da sie Patienten immer wieder heben, drehen, sich über sie beugen und teilweise auch tragen müssen. Das ist beispielsweise auch beim Zahnarzt der Fall, der sich viele Stunden des Tages über die Köpfe seiner Patienten beugt. Schulterüberlastungen bleiben da kaum aus. Ein ergonomischer Stuhl kann jedoch vielen Beeinträchtigungen vorbeugen und einen wertvollen Beitrag zu mehr Lebensqualität leisten. Auch die Mitarbeiter, die viel Zeit im Büro verbringen, sollten auf gesundes Sitzen achten. Es ist wichtig, dass Vorgesetzte ihren Beitrag zum Erhalt und zur Gesundheitsförderung ihrer Beschäftigten leisten. Diese Präventionsmaßnahmen sind sehr wirksam. Ergonomisches Sitzen schafft die Voraussetzung für körpergerechte Arbeit. Ergonomische Büro- und Arbeitsstühle müssen keineswegs teuer sein, doch sollten sie Mindestanforderungen erfüllen. Dies sollte ein Stuhl (jeglicher Art) können/sein:

  •  flexibel
  • höhenverstellbar
  • frei von Schadstoffen
  • der menschlichen Anatomie anpassen
  • aufrechte Haltung unterstützen

Doch generell gilt: Je häufiger das Sitzen unterbrochen wird, desto gesünder ist das für den ganzen Organismus. Langes Sitzen lässt Blutdruck und Herzfrequenz ansteigen, fördert das Risiko für Diabetes und einen hohen Cholesterinspiegel. Wer mindestens einmal in der Stunde ein paar Minuten aufsteht und läuft, senkt dieses Risiko fast um die Hälfte.

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