In der Sportmedizin und bei der Bewegungstherapie wurde die Bedeutung der Faszien lange unterschätzt. Bei den Faszien handelt es sich um die Hüllen aus Bindegewebe der Muskulatur. Diese bindegewebigen, derben Ummantelungen von Muskelschläuchen spielen für den allgemeinen Trainingszustand aber auch bei akuten oder chronischen Schmerzen am Bewegungsapparat eine wichtige Rolle. Faszientraining kann insbesondere bei Knieproblemen und Rückenschmerzen hilfreich sein.

Die Ursachen für schmerzhafte Zustände an der Muskulatur liegen also nicht unbedingt im Muskel selbst begründet, sondern in den kollagenhaltigen Bindegewebsstrukturen, die jeden Muskel und zusätzlich auch jede einzelnen Muskelfaser umhüllen. Auch bei vielen Patienten mit Rückenschmerzen kommt nur bei einem prozentualen Anteil von etwa 20 % eine Bandscheibe als Auslöser infrage. 80 % der Schmerzen in der Rückenpartie bleiben jedoch ungeklärt, heute ist jedoch bekannt, dass auch in diesen Fällen die Faszien als Schmerzauslöser infrage kommen.

Das weitreichende Faszien Netz durchzieht den ganzen Körper

In einer untrainierten Muskulatur und durch die moderne, zivilisatorische Lebensweise mit nur wenig Bewegung und falscher Ernährung neigen die Faszien zur Verklebung. Allgemeine Leistungsfähigkeit und die Beweglichkeit können dadurch ganz entscheidend beeinträchtigt werden. Auf mikroskopischer Ebene können in den muskulären Faszien oft winzige Risse nachgewiesen werden, ein weiteres Indiz für Faszien als Schmerzauslöser. Faszientraining zielt darauf ab, verklebtes Bindegewebe wieder zu lösen und somit die allgemeine Geschmeidigkeit der Muskulatur zu verbessern. Auch bei untrainierten Personen, die bisher noch kein Faszientraining ausgeübt haben, können mit der Zeit erstaunliche Erfolge in puncto Beweglichkeit und Schmerzfreiheit erzielt werden. Um diese Ziele zu erreichen, müssen keine Höchstleistungen vollbracht werden, entscheidend ist, dass die Übungen korrekt und sicher durchgeführt werden. Die Faszienstruktur im Organismus ist sehr weit verzweigt und besteht aus vielen einzelnen Komponenten, die allesamt ineinander verzahnt sind. Faszien bestehen zu einem Großteil aus Wasser, Kollagen sowie Eiweiß-und Zuckerverbindungen.

Faszientraining sorgt für eine bessere Geschmeidigkeit der Muskulatur

Erstaunlich ist auch die enorme Reißfestigkeit von Faszien, die an manchen Körperstellen weniger als 1 mm dick sind. Trotzdem sind sie in der Lage eine Zugkraft von mehr als 60 kg mühelos auszuhalten. Nur mit reibungslos funktionierenden Faszien sind die Bewegungsabläufe der Muskelbäuche jederzeit gleitfähig und elastisch. Diese hervorragende Geschmeidigkeit des Bindegewebes ist bei Alltagsbewegungen genauso wichtig wie im Sport oder Hochleistungssport. Bei Bewegungsmangel oder falscher Ernährung kann diese Anpassungsfähigkeit und Geschmeidigkeit der Faszien aber sehr schnell leiden. Auch ständige Fehlhaltungen, einseitige Beanspruchung von Muskelpartien oder deren Überlastung führen auf Dauer zu einer Einschränkung der Faszienfunktion. Früher oder später kommt es dann zu typischen Beschwerden und Krankheitsbildern am Bewegungsapparat. Neben Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen oder Bewegungseinschränkungen schildern Betroffene häufig auch Spannungskopfschmerzen.

Um die Trainingsziele zu erreichen, sind Ausdauer und auch etwas Disziplin erforderlich

Diese und andere Symptome sind als Alarmsignale des Körpers zu verstehen, doch es ist auch bei länger bestehenden Beschwerden nie zu spät mit dem Faszientraining zu beginnen. Gerade bei länger bestehenden Beschwerden müssen die Anwender dieser Trainingsform aber etwas Geduld mitbringen, bis eine Wirkung in Form von Schmerzlinderung oder einer verbesserten Geschmeidigkeit der Muskulatur eintritt. In besonders schwierigen Fällen kann das Bindegewebe völlig verklebt sein.

Die Faszienstrukturen hängen über die gesamte Muskulatur des Körpers verteilt wie ein feines Spinnennetz. Bei einem bestimmten Muskel als Auslöser von Faszienstörungen können deshalb auch benachbarte und schließlich auch weiter entfernte Muskelareale verhärten. Mit dem Faszientraining ist es jedoch möglich, die ursprüngliche Geschmeidigkeit der Muskulatur auf Dauer wieder zurückzugewinnen. Um dieses Trainingsziel zu erreichen, sind Ausdauer, Disziplin und das korrekte Durchführen der Übungen erforderlich. Bei dieser Trainingsform werden nicht nur einzelne Muskelpartien gezielt gestärkt und gekräftigt, sondern vor allem gedehnt. Faszien sind sozusagen dafür ausgelegt, den schwierigen Balanceakt zwischen der flexiblen Geschmeidigkeit der Muskulatur einerseits und die Stabilität andererseits gewährleisten.

Trainierte Faszien können Schmerzen wirksam vorbeugen

Faszientraining ist also in der Lage, das Gewebe widerstandsfähig und elastisch zu halten. Und das wiederum bietet einen vielfältigen und guten Schutz gegen Beschwerden. Wird das komplizierte Fasziennetz jedoch vernachlässigt, so können sich früher oder später vielfältige Beschwerden in Form von Verspannungen oder Schmerzen einstellen. Außerdem kann es bei Sportlern auch vermehrt zu Zerrungen oder anderen Verletzungen kommen. Diese Trainingsform ist deshalb auch gut geeignet zur Prophylaxe von Sportverletzungen. Die physiologische Funktionsfähigkeit von Faszien war unlängst Gegenstand der sportmedizinischen Forschung. Dabei konnte festgestellt werden, dass Faszien sich auch unabhängig von der Muskulatur selbstständig zusammenziehen können. Auch die allgemeine Trainierbarkeit von Faszien ist zweifellos gegeben, deshalb sollte jede sportliche Betätigung auch auf die Funktion der Faszien abgestimmt sein. Der Fokus liegt jedoch nicht nur ganz allein auf den Faszien der Muskulatur, sondern auch auf Bändern, Sehnen, oder Gelenkkapseln, die ebenfalls mit einem Netzwerk aus Faszien umgeben sind. Funktionieren Faszien reibungslos und optimal, dann lässt sich dadurch auch die Ganzkörperkoordination verbessern, was auch mit zu dem hohen Trendfaktor dieser „Sportart“ beiträgt.

Faszientraining und Übungsbeispiele:

Faszientraining ist leicht erlernbar und verbessert die Koordination

Deshalb ist diese Trainingsform mit den leicht erlernbaren Dehnübungen auch für ältere Menschen gut geeignet. Faszienarbeit gilt als äußerst spezifisch, es geht deshalb ausdrücklich nicht um ein schweißtreibendes Ausdauer- oder Krafttraining. Faszienarbeit besteht vielmehr aus achtsamen und langsamen Bewegungsabläufen, die jedoch sehr gezielt sind. Ziel sollte es dabei immer sein, einen hoch elastischen Faszienkörper und damit die Geschmeidigkeit einer Katze zu erreichen. Das ist natürlich nicht in jedem Fall und bei jeder Problemlage mit Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen möglich. Doch mit etwas Ausdauer beim Training können schon in kürzester Zeit erstaunliche Fortschritte erzielt werden. Welche Beschwerden untrainierte Faszien mit der Zeit verursachen, ist sehr individuell und hängt auch mit Konstitution und Disposition eines Menschen zusammen. Mittlerweile konnte auch nachgewiesen werden, dass emotionaler und negativer Stress ebenfalls eine Auswirkung auf Beschaffenheit und Geschmeidigkeit der Faszien haben kann. Das Faszienstretching kann deshalb sinnvollerweise auch mit anderen Übungen zur Körperwahrnehmung, beispielsweise Yoga, verknüpft werden.
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