In allen Bundesländern gibt es seit 1991 ein einheitliches Programm zur Früherkennung und Vorbeugung von Entwicklungsstörungen bei Kleinkindern. Das Präventionsprogramm beinhaltet ab der Geburt zehn Untersuchungen, die bis zum sechsten Lebensjahr regelmäßig vom Kinderarzt durchgeführt werden. Bis zur Einschulung wird das Kind in seiner physischen wie auch geistigen Entwicklung medizinisch begleitet.

Durch Früherkennungsuntersuchungen können Entwicklungsstörungen rechtzeitig erkannt werden

Entwicklungsstörungen machen sich vor allem in den ersten sechs Lebensjahren bemerkbar. Während dieser Phase können dank der Vorsorgeuntersuchungen gesundheitliche Beeinträchtigungen sowie Verzögerungen in der geistigen Entwicklung frühzeitig erkannt werden. Bei einer festgestellten Auffälligkeit werden Förderprogramme und zielgerichtete Behandlungsmethoden eingeleitet, die das Kleinkind während der Fortentwicklung unterstützen.

Eltern sollten bedenken, dass viele Entwicklungsstufen aufeinander aufbauen und nicht festgestellte Störungen ernsthafte Folgen haben können. Gelegentlich können sie sogar die gesamte Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Auch wenn die Untersuchungen gelegentlich nicht in der Lage sind, angeborene Störungen zu heilen, so lassen sich doch häufig schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung vermindern. Auffälligkeiten können durch Früherkennungsuntersuchungen aufgeholt beziehungsweise positiv beeinflusst werden.

Früherkennungsuntersuchungen bieten Sicherheit für Eltern und Kind

Bei der Früherkennungsuntersuchung werden alle für die Entwicklung des Kindes relevanten Fähigkeiten sowie der Gesundheitszustand eingehend geprüft. Je nach Alter kann der Untersuchungskatalog verschiedene Schwerpunkte und Kriterien enthalten. Das Gewicht einer Kontrolluntersuchung kann beispielsweise auf der Begutachtung der motorischen Fähigkeiten, der sprachlichen Entwicklung oder der Koordinationsfähigkeit liegen.

Auch die Prävention spielt bei einer Früherkennungsuntersuchung eine große Rolle. So werden Eltern beim Arztbesuch über sinnvolle Vorsorgemaßnahmen oder Impfungen aufgeklärt.

Dazu zählt etwa die Unfallverhütung speziell bei Kindern, die Kariesprophylaxe oder die kindgerechte Ernährung – eben alles, was Mütter und Väter beschäftigt sowie zu einer normalen körperlichen und geistigen Entwicklung beiträgt. Wurden Auffälligkeiten diagnostiziert, werden geeignete Maßnahmen erörtert und entsprechende Schritte in Abstimmung mit den Eltern eingeleitet. Alle Abläufe und Resultate werden in einem gelben Kinder-Untersuchungsheft, im weitläufig bekannten „Gelbes Heft“ dokumentiert.

Jede Früherkennungsuntersuchung wird mit einem U sowie mit einer chronologisch aufsteigenden Nummer angegeben. Nach der Geburt sind Untersuchungstermine in den folgenden Zeitspannen vorgesehen:

  • U1 – unmittelbar nach der Geburt
  • U2 – nach 3 bis 10 Tagen
  • U3 – zwischen der 4. und 5. Woche
  • U4 – nach etwa 3 bis 4 Monaten
  • U5 – nach rund einem halben Jahr
  • U6 – nach 10 Monaten bis zu 1 Jahr
  • U7 – nach 2 Jahren
  • U7a – nach 3 Jahren
  • U8 – nach 4 Jahren
  • U9 – etwa im 5. bis 6. Lebensjahr
Alle Untersuchungstermine sollten im Interesse der kindlichen Entwicklung unbedingt wahrgenommen werden.

U1 bis U9: Untersuchungen im Überblick

Direkt nach der Geburt wird das Neugeborene gründlich auf alle lebenswichtigen Vital-Funktionen getestet. Dazu gehören das Herz-Kreislaufsystem, die Atmung und die Hirnaktivität. Auch wird es gemessen und gewogen. Bestandteil der U1-Untersuchung ist der APGAR-Score, ein standardisiertes Punkteschema, mit dessen Hilfe der klinische Zustand des Kindes beurteilt werden kann. Wird ein Defekt oder eine Fehlbildung festgestellt, ist oftmals ein sofortiges Handeln der Ärzte erforderlich.

Die U2-Untersuchung wird meistens noch in der Klinik durchgeführt. Bei diesem Termin wird vor allem das Blut auf Stoffwechselerkrankungen und Hormonstörungen getestet. Aber auch die Ausbildung und das Aussehen von Organen, Haut sowie der Geschlechtsteile wird beurteilt. Bei diesem Neugeborenenscreening wird das Kind in vielen Fällen schon einem ersten Hörtest unterzogen.

Die U3-Untersuchung findet im Allgemeinen in der Praxis des Kinderarztes zwischen der vierten und fünften Woche nach der Geburt statt. Auch bei diesem Check werden die Organe sowie die allgemeine körperliche Verfassung untersucht. Der Fokus bei diesem Untersuchungstermin richtet sich vor allem auf den Knochenbau und auf eine eventuelle Fehlstellung der Hüftknochen.

Die Untersuchungen U4 bis U7 unterscheiden sich kaum voneinander, sie sind jedoch wichtig um die Entwicklung des Kindes einstufen zu können und um eventuelle Störungen aufzudecken. Vor allem die Motorik und die geistige Entwicklung rücken bei diesen Untersuchungsterminen in den Vordergrund. Der Kinderarzt ist bei seiner Beurteilung ebenso auf die Informationen der Eltern angewiesen, da nur sie in der Lage sind, das Kind im Alltag und in seinem Umfeld zu beobachten. Bei den Untersuchungen werden ebenso medizinisch empfohlene Impfungen durchgeführt.

Erst vor einigen Jahren wurde die Früherkennungsuntersuchung U7a in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen. Bei der Untersuchung geht es insbesondere um das Erkennen von allergischen Erkrankungen und um das Einleiten der entsprechenden Behandlungsmaßnamen. Auch das Feststellen von Sprachentwicklungs- und Verhaltensstörungen sowie von Übergewicht gehören zu den Schwerpunkten einer U7a-Untersuchung.

Die Untersuchungen U8 und U9 haben das Ziel herauszufinden, inwieweit das Kind in seiner Sprach-, Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit fortgeschritten ist. Ein Jahr vor der Einschulung findet die U9-Untersuchung statt. Diese enthält auch spezielle Tests zur Beurteilung der Grob- und Feinmotorik, des Sprachverständnisses sowie des Hör- und Sehvermögens.

FU – zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung

Die Mundgesundheit wird bei den Untersuchungen des Kinderarztes im Allgemeinen kaum berücksichtigt. Hierfür ist der regelmäßige Gang zum Zahnarzt erforderlich, der ebenso Früherkennungsuntersuchungen bei Kleinkindern durchführt. Konsultationen können im Alter vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr als Präventionsuntersuchungen von den Krankenkassen anerkannt werden.

Früherkennungsuntersuchungen für Säuglinge und Kleinkinder gehören bereits seit 1971 zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen und sind somit völlig kostenlos. Beim Arztbesuch werden für die Untersuchung benötigt:

  • Gelbes Kinder-Untersuchungsheft
  • Krankenversicherungskarte des Kindes
  • Impfpass
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