Weltweit steigt die Lebenserwartung des Menschen kontinuierlich an. Lag sie vor hundert Jahren noch bei etwas mehr als 60 Jahren, werden deutschen Männern heute bereits 77, Frauen sogar durchschnittlich mehr als 82 Jahren alt. Es ist absehbar, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahrzehnten weiter fortsetzen wird. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass es vielen Menschen nicht ausreicht, die eigene Lebensspanne verlängert zu sehen, sondern auch der Wunsch besteht, bis ins hohe Alter gesund und aktiv den Alltag gestalten zu können. Ein Ausdruck dieses Bestrebens ist das zunehmende Gesundheitsbewusstsein in weiten Bevölkerungsschichten. Sich Gedanken über die eigene gesundheitliche Zukunft zu machen und zu versuchen, aktiv darauf Einfluss zu nehmen, liegt also klar im Trend.

Gesundheit im Überfluss

Eine Ursache für das zunehmende Gesundheitsbewusstsein ist die in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verbesserte Ernährungs- und generelle Lebenssituation. Nur wer sich keine sorgenvollen Gedanken über ein Dach über dem Kopf, warme Kleidung und die nächste Mahlzeit machen muss, findet Gelegenheit, sich konstruktive Gedanken über den eigenen Lebenswandel zu machen. Gleichzeitig spielt Bildung eine entscheidende Rolle für die Entwicklung eines ausgeprägten Gesundheitsbewusstseins. Nur wer Zusammenhänge zwischen Ernährung und Verhalten erkennen und verstehen kann, kann seinen Alltag so gestalten, dass Gesundheit erhalten und gefördert wird.

Die Kehrseite der Medaille

Gleichzeitig bedeutet die Erkenntnis, dass man es sich leisten können muss, gesundheitsbewusst zu sein – gelebtes Gesundheitsbewusstsein in weiten Teilen also Luxus ist – dass Gesundheitsbewusstsein in sozial privilegierten Gesellschaftsschichten stärker ausgeprägt ist.

Im Gegenteil fördern moderne Lebensumstände sogar einen ungesunden Lebenswandel:

 

ständige Verfügbarkeit von billigem Fleisch, Junk- und Fastfood-Begeisterung, beruflicher und privater Bewegungsmangel, gesundheitsschädliche Genussmittel und weitere Aspekte eines zeitgemäßen Lebenswandels, fördern das Auftreten zunehmend beklagter Zivilisationskrankheiten.

 

Gesundheitsbewusst?

Wie aber verhält man sich gesundheitsbewusst? Grundsätzlich lässt sich diese Frage nach dem Stand der Wissenschaft einfach beantworten. Ein gesundheitsbewusster Lebenswandel umfasst:

  • eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung
  • ausreichend Bewegung und körperliche Betätigung
  • genügend Schlaf
  • Verzicht auf gesundheitsschädliche Genussmittel

So einfach diese Maßgaben klingen mögen, so schwer sind sie für viele im Alltag umzusetzen.

Woraus besteht eine ausgewogene Ernährung und ist sie in einem hektischen Berufsalltag überhaupt umzusetzen? Muss man sich tatsächlich vegetarisch oder sogar vegan ernähren oder schaden diese Extremformen der Ernährung sogar der Gesundheit?

Gesundheitsbewusst Leben fängt bei der Ernährung an....

Gesundheitsbewusst Leben fängt bei der Ernährung an….

Wie viel Zeit muss man in Sport investieren, wie viel ist zu wenige und wie viel vielleicht sogar zu viel? Reicht ein gelegentlicher Abendspaziergang oder muss es tatsächlich der Stadtmarathon sein?

Wie viel Schlaf ist nötig und wie realisiert man ihn in einem Alltag aus notwendiger Arbeit, privaten Verpflichtungen und wünschenswerter Freizeitgestaltung?

Gesundheitsbewusst = genussfeindlich?

Ein wichtiger Aspekt einer gesundheitsbewussten Lebensführung wird von vielen im Verzicht auf gesundheitsschädliche Lebens- und Genussmittel gesehen. Zweifellos sind Drogenkonsum und übermäßiger Gebrauch von Genussmitteln, seit langer Zeit und weit verbreitet, als gesundheitsschädlich geächtet. Wo aber hört ein maßvoller Genuss auf und wo fängt die Gesundheitsgefährdung an und gibt es vielleicht sogar Alternativen?

Alkohol gilt als das verbreitetste Genuss- und gleichzeitig Suchtmittel. Es besteht Einigkeit über die Schädlichkeit eines unkontrolliert übermäßigen Konsums. Trotzdem ist Alkohol gesellschaftlich akzeptiert, toleriert und wird von vielen geschätzt. Untersuchungen ergeben sogar regelmäßig, dass ein maßvoller Konsum eher gesundheitsfördernd als schädlich sein kann.

Das zweite, weit verbreitete Genuss- und Suchtmittel, das regelmäßig in der Kritik steht und selbst von staatlicher Seite kritisch hinterfragt und reglementiert wird, ist Nikotin. Zwar ist der Tabakkonsum in den letzten Jahren kontinuierlich rückläufig und seine Gesundheitsschädlichkeit unstrittig, trotzdem können und wollen viele Menschen nicht auf den so empfundenen Genuss verzichten.

Medien, Markt und Marketing

Gesundheitsbewusstsein liegt im Trend. Wer gesundheitsbewusst ist, ist modern, fit, erfolgreich und attraktiv. So zumindest suggerieren es die Medien. Die Werbung ist voll von jungen, gesunden Menschen, die Sport treiben und sich gesund ernähren und deshalb im Leben weiter kommen, als andere.

Der Markt hat die Zeichen der Zeit erkannt: mit allem, das als gesundheitsbewusst dargestellt werden kann, kann Geld verdient werden. Kalorienreduzierte Lebensmittel, alkoholfreie Getränkevarianten, Fitnessstudios boomen und mit Sportgeräten wird viel Geld verdient. Nahrungsergänzungsmittel versprechen bequeme Gesundheit aus der Brausetablette. Gleichzeitig entscheiden sich immer mehr Menschen zu oft als extrem empfundenen Lebensstilen: Extremsport, vegetarische oder sogar vegane Ernährung zählen heute schon nicht mehr zu seltenen Randerscheinungen und werden ebenfalls mit einem breiten Angebot an Waren und Dienstleistungen bedient.

 

Selbst für „schlechte“ Angewohnheiten, wie das Rauchen, finden sich heute Alternativen, die als gesundheitsbewusst oder doch zumindest weniger gesundheitsschädlich angesehen werden können. Die e-Zigarette ersetzt den gesundheitsschädlichen Rauch durch Dampf als Geschmacksträger für künstlich hergestellte Aromastoffe, die den gewünschten Zigarettengeschmack nachahmen und um zahllose Geschmacksvarianten erweitern. Dabei kann eine e-Zigarette sowohl als vollwertiger Ersatz dienen und mit Nikotin angereichert auch die physiologische Wirkung der klassischen Zigarette nachahmen. Alternativ kann sie, durch dosierte Reduzierung der Nikotinkonzentration, der Rauchentwöhnung dienen, oder als vergleichsweise unschädliches Genussmittel, ohne Nikotin genutzt werden. Darauf machen die E-Zigaretten Hersteller auch aufmerksam und punkten mit einem gesünderen Produkt.

Fazit – der gesunde Mittelweg

Gesundheitsbewusstes Verhalten ist sinnvoll. Sich Gedanken über den eigenen Lebenswandel und die Möglichkeiten der positiven Einflussnahme zu machen, ist nicht nur ein Trend, vor allen Dingen ist es vernünftig. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und Forschung zu nutzen und auf das eigene Verhalten, die Ernährung und den Lebenswandel anzuwenden, kann langfristig zu einem erfüllten Leben und beschwerdefreier Gesundheit bis ins hohe Alter beitragen. Der Markt bietet hier interessante Hilfsmittel, die jedoch nicht unkritisch angenommen werden sollten.

Vor allen Dingen wird hier, mit vollmundigen Versprechen, Geld verdient. Das Prädikat „gesundheitsbewusst“ dient allzu oft als Rechtfertigung für erhöhte Preise. Gesundheitsbewusstsein als oberstes Prinzip in allen Lebensbereichen zu betrachten, kann leicht zu zwanghaftem Verhalten und übertriebener Anstrengung führen. Der „gesunde“ Ausgleich zwischen einem genussvollen Leben, das die Möglichkeiten eines modernen Lebens nutzt und gleichzeitig, wo möglich und sinnvoll, gesundheitsbewusste Alternativen sucht und wählt, ist in jedem Fall die beste Lösung.

 

Bildquelle: bigstock-ID-118963961-by-Eldar Nurkovic