Das Zwerchfell, auch Diaphragma genannt, ist eine kuppelförmige Muskel-Sehnen-Platte, die den Brust- vom Bauchraum trennt. Das Wort Diaphragma stammt aus dem Griechischen und bedeutet Scheidewand.

Der anatomische Aufbau des Zwerchfells

Das Zwerchfell ist aus einem muskulösen und einem sehnigen Anteil aufgebaut. Der muskulöse Anteil des Zwerchfells wird wiederum in drei Anteile untergliedert:

  • Pars sternalis: Brustbeinanteil
  • Pars costalis: Rippenteil
  • Pars lumbalis: Lendenteil

Die drei muskulösen Anteile vereinigen sich alle in der Zentralsehne, also dem sehnigen Anteil des Zwerchfells. Der muskulöse Anteil des Brustbeinanteils (Pars sternalis) entspringt am Schwertfortsatz (Xiphoid) des Brustbeins und an der Rektusscheide. Die Rektusscheide wird von den Sehnenplatten der vier wichtigsten Bauchwandmuskeln gebildet. Der Pars costalis, also der den Rippen zugewandte Teil des Zwerchfells, nimmt seinen Ursprung am Knorpel der sechs unteren Rippen jeder Körperseite und vereinigt sich mit Muskelfasern des Musculus transversus abdominis (querer Bauchmuskel). Die einzelnen Ursprünge an den Rippen verlaufen schräg. Dadurch erhält das Zwerchfell seine Kuppelform. Der untere Teil des Zwerchfells, der Pars lumbalis, hat seinen Ursprung an den ersten drei Lendenwirbelkörpern. Der Lendenteil besteht auf jeder Körperseite aus zwei Schenkeln (Crura): dem Crus mediale und dem Crus laterale. Alle Muskelanteile des Zwerchfells vereinigen sich in der gemeinsamen Sehnenplatte (Centrum tendineum). Damit wichtige Gefäß- und Nervenstränge vom Bauch- in den Brustraum bzw. vom Brust- in den Bauchraum ziehen können, verfügt das Zwerchfell über drei große Öffnungen. Durch den Aortenschlitz (Hiatus aorticus) zieht die Hauptschlagader und ein großes Lymphgefäß, der Ductus thoracicus. Die Speiseröhre und zwei wichtige Stränge des Nervus vagus verlaufen durch den Speiseröhrenschlitz (Hiatus oesophagus). Das Hohlvenenloch (Foramen venae cavae) bietet eine Durchtrittsmöglichkeit für die untere Hohlvene (Vena cava inferior), die das venöse Blut aus der unteren Körperhälfte zum rechten Herzen transportiert. Neben diesen drei großen gibt es noch zahlreiche kleinere Öffnungen.

Die Lage des Zwerchfells und seine Nachbarorgane

Die muskulären Anteile bilden zusammen mit der Sehnenplatte eine Kuppel, die den Bauch- vom Brustraum trennt. Somit hat das Diaphragma sowohl Kontakt zu Organen des Thorax (Brustraum) wie auch zu Organen des Abdomens (Bauchraum). Im Brustraum grenzt das Zwerchfell an den rechten und linken Lungenlappen und an das Herz. Der Herzbeutel (Perikard) und das Lungenfell (Pleura) sind mit dem Zwerchfell verwachsen. Im Bauchraum hat das Zwerchfell Kontakt mit:

  • der Leber
  • der rechten und linken Niere
  • dem Magen
  • der Milz

Die Funktion des Zwerchfells

Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel im menschlichen Körper und spielt eine entscheidende Rolle bei der Bauchatmung. Das Zwerchfell ist vor allem der Motor der Einatmung. Das Einatmen erfolgt durch die Kontraktion, also das Zusammenziehen des Zwerchfells. Die Zwerchfellkuppel senkt sich dabei nach unten. Da das Lungenfell mit dem Zwerchfell verwachsen ist, wird die Lunge gedehnt. Dadurch entsteht in der Lunge ein Unterdruck. Durch diesen Unterdruck wird die Luft von außen angesaugt. Die Kontraktion und damit Absenkung des Zwerchfells führt zu einer Verdrängung der Bauchorgane. Damit der Druck im Bauchraum nicht ansteigt, erschlaffen bei der Einatmung die Bauchmuskeln und die Bauchdecke kann sich vorwölben. Die Bauchvorwölbung ist also eine Nebenerscheinung der Zwerchfellsenkung, sodass man fachlich korrekt eher von einer Zwerchfellatmung anstelle einer Bauchatmung spricht. Die Ausatmung erfolgt durch die Entspannung des Zwerchfells. Die Lunge zieht sich wieder zusammen und die Luft entweicht. Unterstützend bei dem Vorgang der Ein- und Ausatmung wirken die Zwischenrippenmuskeln.
Das Zwerchfell ist aber nicht nur für den Atemvorgang wichtig. Die Zwerchfellkontraktion ist auch nötig für die sogenannte Bauchpresse. Unter der Bauchpresse versteht man eine willkürliche Druckerhöhung im Bauchraum. Sie wird erreicht durch gleichzeitige Anspannung des Zwerchfells, der Bauchmuskulatur und der Beckenbodenmuskulatur. Sie dient der Unterstützung beim Stuhlgang und spielt eine wichtige Rolle beim Geburtsvorgang.

Störungen und Erkrankungen des Zwerchfells

Das Zwerchfell ist wie schon erwähnt ein Muskel und kann dementsprechend auch verspannen. Die Folge eines kurzfristig verkrampften Zwerchfells kennt jeder: den Schluckauf. Auch die unangenehmen Seitenstiche sind die Folge eines verkrampften Zwerchfells. Dauern Zwerchfellkrämpfe längere Zeit an, wie zum Beispiel bei schweren Erkrankungen wie Tetanus, kann dies durch die Störung des Atemvorgangs tödlich enden. Gleiches gilt für Lähmungen des Zwerchfells wie sie beispielsweise durch Schädigungen des Nervus phrenicus auftreten können. Ursache für Zwerchfelllähmungen können Infektionskrankheiten wie Botulismus aber auch Querschnittslähmungen sein. Die Folge einer totalen Zwerchfelllähmung ist der Atemstillstand.
Auch eine Verletzung des Zwerchfells kann lebensbedrohliche Folgen haben. Eine Stichwunde in diesem Bereich führt dazu, dass Luft in den Brustraum eindringt und somit nicht mehr der für die Einatmung erforderliche Unterdruck hergestellt werden kann. Eine „Schwachstelle“ des Zwerchfells sind die Öffnungen in der Muskel-Sehnen-Platte. Durch diese Öffnungen können Bauchhöhlenorgane in den Brustraum eintreten. Am häufigsten treten solche Hernien im Bereich des Speiseröhrenschlitzes auf. Natürlich kann sich das Zwerchfell auch entzünden. Man spricht dann von einer Diaphragmitis. Sie geht mit starken Schmerzen und einer Einschränkung beim Atmen einher. Reine Zwerchfellentzündungen sind eher selten. Meist tritt eine Mitbeteiligung bei Entzündungen der angrenzenden Organstrukturen auf.

Das Zwerchfell lässt sich trainieren

Das Zwerchfell ist ein Muskel, den wir willkürlich steuern können. Somit lässt er sich auch trainieren. Ein kräftiges Zwerchfell ist wichtig für alle Personen, die viel mit ihrer Stimme arbeiten. Sänger, Spieler von Blasinstrumenten aber auch Lehrer profitieren von einem trainierten Zwerchfellmuskel. Das beste Training ist die Bauchatmung. Vor allem im Stress wird die Bauchatmung gerne vergessen und in den Brustkorb geatmet. Mit den Händen auf dem Bauch lässt sich die Bauchatmung durch die Vorwölbung des Bauches gut kontrollieren.

 

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