Die News, die aus dem Bereich der Medizin in die Nachrichten drängen, klingen oft nur allzu vielversprechend: „Es gibt ein Gen, dass Fettleibigkeit vielleicht, eventuell ein Ende setzen könnte.“ „Dieses neu entdeckte Protein könnte vielleicht irgendwie, irgendwann Krebs heilen.“ Führt auch nur eine der vielen Studien zu einem bedeutsamen Wandel im Leben eines realen Patienten? Was die Medizin dieses Jahr alles geleistet hat ist erstaunlich.

Was wurde dieses Jahr in der Medizin geschafft?

Folgende technische Entwicklungen und Erfindungen im Bereich der Medizin wurden in diesem Jahr für besonders spektakulär, zukunftsweisend und erwähnenswert befunden. Werfen Sie einen Blick auf einige der bahnbrechenden medizinischen Errungenschaften des Jahres 2014.

  • Das bionische Auge
  • Der Krebsgenfingerabdruck
  • Die Stammzellenbehandlung gegen Parkinson
  • Der bessere Test auf Herzinfarktrisiko
  • Das herzenrettende Hormon
  • Das iPad für Anästhesisten

Das bionische Auge wird Realität

Noch in der jüngeren Vergangenheit kannte die Medizin keine wirksame Behandlung für Retinopathia pigmentosa im Spätstadium, eine Erkrankung, bei der die meisten Patienten noch vor ihrem 40. Geburtstag vollständig erblinden. Eine neuartige Netzhautprothese – das sogenannte „bionische Auge“ – kann dies ändern. Das „Argus II“ empfängt ein Videosignal einer in eine Sonnenbrille integrierten Kamera und überträgt dieses kabellos an Implantate in der menschlichen Retina, die ihre Sehkraft verloren haben. Diese Technologie stellt die Sehkraft nicht wieder vollständig her. Doch sie ermöglicht es Menschen, Unterschiede zwischen Hell und Dunkel wahrzunehmen und den Ort oder die Bewegung von Menschen und Gegenständen in ihrer Umgebung zu „sehen“.

Genomtests zur Krebserkennung

Nicht alle Krebsarten sind gleichermaßen tödlich – Prostatakrebs zum Beispiel hat eine größere Heilungschance als ein bösartiger Gehirntumor. Doch selbst Prostatakrebs tritt in Abstufungen auf: von behandelbar bis aussichtslos. Durch die Analyse des mutierten Tumorgenoms können Ärzte nun genau bestimmen, ob ein Krebs auf eine bestimmte Chemotherapie ansprechen wird oder ob keine der aktuellen Behandlungsmethoden erfolgreich sein wird. Zu wissen, mit welchem genauen Subtyp Krebs das Ärzteteam es zu tun hat, heißt, dass ohne Umschweife ein klinischer Versuch gestartet werden kann, der Leben retten kann. Genetisch basierte Untersuchungsverfahren läuten ein neues Zeitalter der Krebsdiagnose und Präzisionsmedizin ein. Sie analysieren Tumore eines einzelnen Patienten, sodass eine Vorhersage zu seinem spezifischen Verhalten getroffen werden kann. Vergangene Tests dieser Art haben bereits die Behandlung von Brust- und Dickdarmkrebs verbessert und im Jahr 2013 wurde eine ähnliche Untersuchung für Prostatakrebs abgenommen. Das Ziel von Medizin und Forschung ist es, anhand dieser Tests unnötig(e) aggressive Behandlungsmethoden zu vermeiden.

Durchbruch bei der Behandlung von Parkinson

In einem großen Durchbruch für die Behandlung der parkinsonschen Krankheit haben schwedische Forscher in Tests an Laborratten gezeigt, dass es möglich ist, Dopamin-Zellen aus embryonalen Stammzellen zu gewinnen und diese ins Gehirn einzusetzen. Dort ersetzen sie die Zellen, die der Krankheit zum Opfer fielen. Parkinson tritt auf als Folge eines graduellen Verlusts an Dopamin produzierenden Gehirnzellen. Dopamin hilft, Bewegungen und emotionale Reaktionen zu regulieren. Bislang gibt es keine Heilung für Parkinson; es gibt Medikamente, die Symptome mildern, doch keine, die den Krankheitsverlauf verlangsamen. Menschliche embryonale Stammzellen – Vorläuferzellen, die sich in jede Zelle des Körpers entwickeln können – sind dank der schwedischen Zukunftsmedizin nun eine vielversprechende Quelle neuer Dopamin-Zellen. Der nächste Schritt ist die Vorbereitung klinischer Studien am Menschen.

Herzrisiko durch den Darm

Im Jahr 2013 schaffte es ein neuer Biomarker auf die Liste der Ursachen für Herzerkrankungen: TMAO. Der Körper produziert TMAO (Trimethylaminoxid), wenn die Darmbakterien Cholin verdauen, einen wasserlöslichen Nährstoff, der in Eigelb, rotem Fleisch und Milchprodukten enthalten ist. Patienten mit der höchsten Konzentration an TMAO im Blut haben ein vielfach höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, als jene mit der niedrigsten Konzentration. Cholin scheint in ursächlichem Zusammenhang zu Arterienverkalkung zu stehen. TMAO dient in der Medizin als akkurates Screening-Mittel zur Vorhersage eines zukünftigen Herzinfarktrisikos, von Schlaganfällen und Tod. Außer dem schlichten Vermeiden der oben genannten Nahrungsmittel könnten vorbeugende Maßnahmen die Einnahme von probiotischen Bakterien oder Medikamenten umfassen, die die TMAO-Produktion unterbinden.

Hoffnung bei akutem Herzversagen

Herzversagen ist verantwortlich für 100.000 bis 200.000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland. Rund 1 von 4 Patienten, die aufgrund von Herzversagen eingeliefert werden, überleben danach nicht länger als ein Jahr. Ein neues Medikament namens Serelaxin hat die Überlebenschancen jedoch auf ganze 37 Prozent angehoben und führte zu einer 38-prozentigen Reduktion der Todesrate (nach sechsmonatiger Einnahme im Vergleich zu Patienten, die eine Standardbehandlung erhielten). Serelaxin ist eine künstliche Version des Hormons Relaxin, das Schwangeren hilft, mit der erhöhten Beanspruchung des Herzens, den ein Fötus verursacht, fertig zu werden. Es erweitert die Blutgefäße, um die Organe mit mehr Sauerstoff zu versorgen, und hat entzündungshemmende Eigenschaften. Serelaxins lebensrettendes Potential ist so profund, dass es zu einer „bahnbrechenden Therapie“ und Errungenschaft in der Medizin erklärt wurde und damit künftig auf schnellerem Wege für die Verabreichung an Krankenhäusern zugelassen wird.

Entscheidungshilfe für smartere Chirurgie

Chirurgen mag mehr Aufmerksamkeit zukommen, doch Narkoseärzte und Anästhesisten spielen womöglich während einer Operation die wichtigste Rolle, denn sie sind es, die uns am Leben halten. Und ihre Aufgabe ist nicht einfach: Neben der Überwachung der Herzfrequenz, Atmung und Hirnfunktionen muss der Anästhesist auch über die gesamte OP-Prozedur Bescheid wissen, um Sedativ und Schmerzmittel anpassen zu können – ohne Komplikationen zu verursachen. Ein neues Narkosemanagementsystem hilft nun Chirurgen, Anästhesisten, Pflegern und Schwestern, smartere Entscheidungen im Operationssaal zu treffen. Diese neuen „perioperativen Informationsmanagementsysteme“ beinhalten Software auf Touchscreen-Computern, die den Arzt warnen, wenn ein bestimmter Aspekt Anlass zur Sorge bietet. Alle Arbeitsschritte des Chirurgen werden überwacht und jeder Schritt der Operation wird dokumentiert. Das System speichert jedoch nicht nur, was vor, während und nach der OP passiert, sondern hat auch ein eingebautes Alarmsystem, das in Echtzeit auf mögliche Probleme hinweist. Dies ist insbesondere wichtig, wenn Operationen an die 16 Stunden dauern und das Ärzteteam an ein ausgeruhtes Team übergeben muss.

 

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