Leistenzerrung – woran erkennt man sie und was sind ihre Ursachen?

Eine Leistenzerrung erkennt man an einem stechenden und brennenden Schmerz, der nach einer Überlastung im Sport plötzlich den gesamten Oberschenkel durchzieht. Insgesamt gibt es drei unterschiedliche Schweregrade der Leistenzerrung, die die Adduktoren der entsprechenden Muskelgruppen betrifft.

Eine der häufigsten Ursachen einer leichten Zerrung besteht in einer falschen Bewegung von kalten Muskeln. Noch immer wird das Aufwärmen bei vielen sportlichen Betätigungen weitestgehend unterschätzt. Viele Menschen wissen, dass sie sich ernsthafte Verletzungen zuziehen können, wenn sie Sport betreiben, ohne sich vorher aufgewärmt zu haben. Dennoch geschieht es immer wieder, dass eine bestimmte sportliche Betätigung nicht als Sport, sondern als kleine Freizeitbeschäftigung erachtet wird. Deshalb sind Verletzungen beim Joggen selten und treten häufig bei Ballsportarten auf.

Diese Verletzungen passieren oft im Fußball. Handelt es sich um ein Freundschaftsspiel, verzichten viele Akteure auf ein ausgiebiges Aufwärmen und Dehnen der Muskeln. Nach einem unglücklichen Sturz und einer weiten Grätsche im Spiel werden die Adduktoren in den Oberschenkeln stark überlastet und es kommt zu einer Leistenzerrung. Aus diesem Grund sind Aufwärmen und Dehnen bei jeder sportlichen Betätigung von großer Bedeutung.

Das Richtige Schuhwerk kann helfen

Eine weitere Ursache verbirgt sich hinter ungeeignetem Schuhwerk. Eine geeignete Sportausrüstung ist nicht nur notwendig, um Spitzenleistungen zu erzielen, sondern auch, um unnötige Verletzungen zu vermeiden. Jeder, der regelmäßig Sport betreibt, sollte auf angemessenes Schuhwerk achten. Dies ist vor allem bei Sportarten wichtig, in denen gerannt wird. Die Schuhe müssen ein solides Profil aufweisen und die richtige Höhe besitzen. Während ein zu hoher Schuh beim Laufen stark einschränken kann, birgt ein zu niedriger Schuh ein hohes Verletzungsrisiko. Ein Sportschuh sollte demzufolge bis knapp über den Knöchel gehen. Andernfalls könnte der Sportler beim Rennen leicht umknicken oder abrutschen, was zu einer abrupten Bewegung und somit zu einer Überbelastung der Muskeln und Bänder führt. Zerrungen und Risse der Muskulatur sind die Folge.

Aufwärmen und Dehen gehören IMMER vor die sportliche Aktivität (Quelle: Bigstock-ID-54615668-by-HalfPoint)

Aufwärmen und Dehen gehören IMMER vor die sportliche Aktivität (Quelle: Bigstock-ID-54615668-by-HalfPoint)

Auch das Alter ist für das Entstehen dieser Verletzung mitverantwortlich. Neben rein optischen Veränderungen vollziehen sich im Alter zahlreiche unsichtbare Änderungen an unserem Körper. Die Muskeln werden deutlich unflexibler. Die Bänder, Faszien und Sehnen verkürzen sich. Dadurch können Bewegungen, die noch vor einigen Jahren nicht zu einer Verletzung geführt hätten, für eine Zerrung sorgen. Aus diesem Grund sollten Sportler fortgeschrittenen Alters viel Wert auf das Dehnen und Aufwärmen der Muskeln legen.

Leistenzerrung – so lässt sie sich behandeln

Die Behandlung der Leistenzerrung erfolgt abhängig von den erwähnten drei Verletzungsgraden. Da die Adduktoren in den Oberschenkeln für nahezu jede Bewegung erforderlich sind, äußert sich eine Zerrung dieser Muskelpartien mit großen Schmerzen.

Unter den ersten Verletzungsgrad fallen alle Verletzungen der Adduktoren, die maximal 5 % der Muskelmasse und Sehnen betreffen. In der Regel verschwindet diese Verletzung nach ein bis zehn Tagen von selbst, sodass Ärzte lediglich Ruhe empfehlen und die verhältnismäßig leichten Schmerzen mit Schmerzsalben oder Schmerztabletten behandeln.

Sind mehr als 5 % der Sehnen und Muskeln betroffen, geht die Verletzung in den zweiten Verletzungsgrad über. Hierbei sind die Schmerzen selbst bei kleinen Bewegungen stark und sorgen für eine massive Einschränkung im Alltag. Auch hier können die Ärzte kaum zur Genesung des Patienten beitragen. Die Verletzung muss von selbst ausheilen, sodass nur Schmerzmittel verschrieben werden. Bei diesen größeren Faserrissen sind kleinere Blutergüsse möglich, die jedoch schnell abklingen sollten. Insgesamt kann die Genesung bei einer solchen Verletzung bis zu sechs Wochen in Anspruch nehmen.

Treten zusätzlich zu den erwähnten Symptomen stechende Schmerzen auf, die von größeren Blutergüssen und Schwellungen begleitet werden, ist der Zustand des Patienten kritisch. Bei diesem dritten Verletzungsgrad besteht dringender Handlungsbedarf. Der Patient muss schnellstmöglich operiert werden, um Schlimmeres zu vermeiden. Den Betroffenen fällt selbst vorsichtiges Gehen oder Abknicken des Beines schwer und der Bewegungsapparat ist stark eingeschränkt. In diesem Schweregrad ist ein normales Auftreten in der Regel nicht mehr möglich. Nach der Operation dauert die anschließende Genesung mehrere Monate. Diese wird durch die Verabreichung von Schmerzmitteln und eine umfassende Physiotherapie unterstützt.

Leistenzerrung – diese Hausmittel gibt es

Beim Verdacht auf eine Leistenzerrung können Sie Hausmittel verwenden, um den entstandenen Schaden zu begrenzen.

Bei einer Zerrung hilft Kälte. Deshalb sollten Sie den verletzten Muskel schnell kühlen.

Dabei sollten Sie es jedoch nicht übertreiben. Eine zu starke Kühlung schädigt mehr, als sie hilft. Achten Sie darauf, dass die Kälte noch als angenehm empfunden wird und ihre abschwellende Wirkung erzielt. Dadurch verhindern Sie, dass es zu einer Einblutung kommt und größere Blutergüsse entstehen.

Nach der Kühlung muss das betroffene Bein hochgelegt werden. Das führt dazu, dass sich der gesamte Lendenbereich und die mit ihm verbundenen Oberschenkelmuskeln entspannen. In jedem Fall gilt nach einer Leistenzerrung, dass Sie auf Sport verzichten müssen. Selbst bei einer kleinen Zerrung mit leichten Schmerzen sollten Sie davon absehen, innerhalb der nächsten Tage zu trainieren. Nur dadurch können Sie vermeiden, dass sich weitere Risse bilden und sich Ihr Zustand verschlechtert.

Manchmal helfen nur noch Medikamente oder Fachberatung

Auch bei schweren Verletzungen können Sie Ihren Genesungsprozess unterstützen. Die Anwendung von Kompressionsauflagen und Lymphdrainagen führt oft zu einer deutlichen Besserung des Zustands. Einige Tage nach dem Entstehen der Verletzung kann die Behandlung der betroffenen Stellen mit Wärme förderlich sein. Hierbei ist vor allem die Verwendung von rezeptfreien Salben aus der Apotheke zu empfehlen. Achten Sie diesbezüglich auf eine mäßig wärmende Wirkung. Sollten Sie natürliche Wirkstoffe bevorzugen, bieten sich die Inhaltsstoffe Arnika und Ringelblume an. Darüber hinaus wird häufig unterstützend Pferdesalbe vorsichtig einmassiert. Achten Sie hierbei darauf, dass Pferdesalbe Arnika, Rosmarin, Kampfer und Menthol enthält. Nur durch diese Wirkstoffe entsteht die schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung dieser Salbe. Selbst Profisportler verwenden diese Produkte als Präventionsmittel bei ihrem Training.

Das Beste ist jedoch, der Leistenzerrung umfassend vorzubeugen, damit die Schmerzen gar nicht entstehen. Achten Sie auf stabile Sportschuhe, die Ihr Bein beim Laufen stützen und führen Sie vor Ihrem Training Aufwärm- und Dehnübungen durch. Weiterhin können Sie belastete Stellen mit Sportbandagen und einer geeigneten Salbe stabilisieren, um weiteren Verletzungen vorzubeugen.

 

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