WAS IST LEISTUNGSSPORT?

Leistungssport bezeichnet ein regelmäßiges, intensives Training mit dem Ziel der permanenten Leistungssteigerung und dem ständigen Vergleich in Wettkämpfen. Der Zeitaufwand ist dabei deutlich höher als beim Breiten- oder Hobbysport, da das Training täglich stattfindet und vollständig auf den sportlichen Erfolg ausgerichtet ist. Darüber hinaus sind die körperlichen Anforderungen wesentlich höher.

Ab wann wird Leistungssport schädlich?

Ab wann wird Leistungssport schädlich?

Üblicherweise sind Leistungssportler in Verbänden aktiv, welche ihr Training und die Organisation der Wettkämpfe auf nationaler sowie internationaler Ebene koordinieren. Nahezu jeder Sport kann als Leistungssport betrieben werden. Umstritten sind allerdings Sportarten wie Angeln, welche eher in die Kategorie der Freizeitaktivitäten eingeordnet werden. Auch hierbei kann ein hoher Zeitaufwand entstehen, allerdings fällt die übermäßige körperliche Anstrengung weg.
Neben dem Wettkampfaspekt hat Leistungssport auch eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Je nach Sportart können talentierte und engagierte Sportler ein deutlich höheres Einkommen erzielen als der Durchschnittsbürger.

BENEFIT UND SCHADEN DURCH SPORT

Jeder Arzt, jeder Trainer, jeder, der sich auch nur ein wenig mit Gesundheit beschäftigt, würde sportliche Betätigung als fixen Bestandteil einer gesunden Lebensweise empfehlen. Als Faustregel gilt dabei ein Ausmaß von zweieinhalb Stunden bei hoher Intensität oder fünf Stunden bei mittlerer bis niedriger Intensität als gesundheitsfördernd.

Das Training sollte auf möglichst viele Tage der Woche verteilt werden und mindestens zehn Minuten am Stück dauern. Der größte Effekt wird durch eine Kombination aus Ausdauer- und Muskelaufbautraining erzielt, wobei an zwei aufeinander folgenden Tagen möglichst nicht dieselben Muskelgruppen beansprucht werden sollten. Das Training kann mithilfe von Gewichten oder Geräten sowie dem eigenen Körpergewicht durchgeführt werden.

Natürlich kann man die Grenze der fünf Wochenstunden überschreiten, ohne ein gesundheitliches Risiko einzugehen. Wie umfangreich das Training sein darf, hängt vom individuellen Fitnessniveau ab. Bei einem Übertraining steigert sich die Leistungsfähigkeit nicht weiter, sondern stagniert oder sinkt. Darüber hinaus können Muskeln und Sehnen schmerzhaft überreizt sein. Kopfschmerzen, Schlafstörungen und ein schlechtes Immunsystem sind weitere Anzeichen einer Überlastung.
All diese Dinge können auch im Spitzensport auftreten, allerdings ist hier die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer. Trainingspläne werden von Experten erstellt, Trainer überwachen das Ausmaß der körperlichen Belastung penibel. Doch auch wenn das Betreuerteam die Sportler dabei unterstützt, sind sie nicht vor den Risiken des Leistungssports gefeit.

LEISTUNGSSPORT IN DER DDR

Die ehemalige DDR ist ein Beispiel für die staatliche Förderung des Leistungssportes inklusive Doping und Kontrolle. Der „Deutsche Turn- und Sportbund“ (DTSB) stand unter staatlicher Kontrolle und sollte politisch motiviert die Sportler zur Höchstleistung trimmen.

Viele gute und leistungsstarke Sportler stammen aus der Talentschmiede der DDR, fallen jedoch auch oft durch übertriebene oder dehnbare Beziehungen zu Doping auf, wie das Beispiel Jan Ullrich zeigt.

In der DDR stand der Sport unter der klaren Prämisse, die staatliche Anerkennung zu fördern und das Außenbild als kraftvoller und Leistungsstarker Staat zu repräsentieren.

 

LEISTUNGSSPORT ALS GEFAHR FÜR DIE GESUNDHEIT

Leistungssportler stellen über Jahre hinweg hohe Anforderungen an ihren Körper, wofür sie nicht selten einen hohen Tribut zollen.

Oft treten Probleme an Knien, Hüften oder Wirbelsäule bereits vor dem 30. Lebensjahr auf, nicht selten müssen Sportler aufgrund von Verletzungen monatelang pausieren. Dass Leistungssportler fixe Trainingspläne vorgelegt bekommen, schützt sie noch nicht vor dem sogenannten Overtraining. Dies bezeichnet eine Überbelastung im Training, welche einen mittel- oder langfristigen, irreversiblen Erschöpfungszustand mit sich bringt.

Eine zu kurze Regeneration, zu schnell gesteigerte Anforderungen oder viele Wettkämpfe in kurzer Zeit können die Ursache dafür sein. Das Übertraining äußert sich unter anderem in hoher Verletzungs- und Krampfneigung, häufigen Entzündungen der Sehnenansätze, rascher Ermüdung auch bei niedriger Belastung, einem veränderten Ruhepuls sowie einer Neigung zum Kollaps. Eine Behandlung kann nur durch eine ausreichende Wettkampfpause sowie eine Reduktion beziehungsweise Änderung des Trainings erreicht werden.

SUCHTFAKTOR SPORT

Grundsätzlich kann jede Art der Substanz oder Tätigkeit zu einer Sucht führen. Beim Sport kommt dies zwar sehr selten vor, ist aber durchaus möglich. Es gibt zwar noch keine offizielle Definition für eine Sucht nach Sport, allerdings gilt man ab mehr als einer Stunde Training pro Tag bereits als gefährdet. Bei Hobbysportlern, denen kein komplettes Betreuerteam mit Ärzten und Physiotherapeuten zur Verfügung steht, führt dies schnell zu Überlastung und Verletzungen.

Grundsätzlich gilt man unter folgenden Umständen als abhängig von einer Substanz oder Tätigkeit:

  • Ein innerer Drang oder Zwang, die Tätigkeit auszuüben, wird verspürt. Dieser kann auch auftreten, wenn bei Abstinenz keine Entzugssymptome auftreten.
  • Süchtige haben keine Kontrolle mehr über ihr Verhalten. So wie ein Alkoholiker trotz hohem Alkoholspiegel weitertrinkt, würde ein Sportsüchtiger trotz Ermüdung sein Training stundenlang fortsetzen.
  • Der Verlust der Kontrolle führt zur Unfähigkeit, sich von der Substanz oder Sache fernzuhalten. Sind Sportler verletzt oder überlastet, brechen sie das Training trotzdem nicht ab.
  • Wie der Alkoholiker muss auch der Sportsüchtige seine tägliche Dosis permanent steigern. Zwei Stunden Radfahren werden schon bald nicht mehr genug sein, das Training wird immer länger und intensiver.
  • Bei der Sucht nach Sport werden im Unterschied zur Sucht nach Substanzen kaum körperliche Entzugserscheinungen auftreten. Hier kommt es eher zu psychischen Anzeichen wie Nervosität, Aggression oder extremer Unruhe, bis das Suchtverhalten wieder ausgeübt werden kann.
  • Durch das exzessive Verhalten vernachlässigen Süchtige soziale Kontakte. Der Sport wird zum Mittelpunkt des Lebens. Stundenlanges Training ersetzt Treffen mit Freunden oder Familie. Bevor man seine sportlichen Aktivitäten zurückschraubt, nimmt man Vereinsamung und Isolation in Kauf.

Leistungssportler trainieren natürlich länger als eine Stunde pro Tag, müssen deshalb aber nicht süchtig sein. Immerhin ist das Training der Beruf, mit dem sie ihr Geld verdienen. Dabei kann es wie bei jedem anderen Beruf hin und wieder vorkommen, dass das Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit nicht unbedingt ausgewogen ist. Vor allem zu Wettkampfzeiten sind Leistungssportler ständig im Einsatz, reisen von einem Land ins Nächste und haben kaum Zeit für ihre Familie und Freunde. Natürlich können auch sie süchtig werden, meistens trifft die Sucht allerdings Hobbysportler. Auch sie können an Amateurwettbewerben teilnehmen, was der sportlichen Betätigung leistungssportliche Ausmaße verleihen würde. Woher die Sucht nach Sport kommt, ist bis heute ungeklärt.

DAS ABTRAINING

Hören Leistungssportler mit dem intensiven Training auf, ist ein sanfter Ausstieg für den Körper unbedingt erforderlich. Durch die sportliche Betätigung vergrößert sich das Herz, damit es während der Belastung mehr Blut in kürzerer Zeit durch den Körper pumpen kann. Ein Wegfallen der Belastung würde zu einer Unterforderung des Herzens und zu Rhythmusstörungen führen. Auch Muskeln und Sehen sollten langsam an die reduzierte Belastung gewöhnt werden.
Es ist wichtig, die Anzahl und Dauer der Trainingseinheiten in minimalen Schritten zu reduzieren und die Aktivität kurz vor der Belastungsgrenze zu beenden. Nahrungsergänzungsmittel wie Proteinshakes sollten weggelassen werden, und auch von einer übermäßigen Zufuhr an Kohlenhydraten ist abzuraten. Der Körper nimmt ansonsten Energie auf, die er nicht mehr durch Sport verbraucht.
Genauso wie es Jahre dauert, den Körper in Topform zu bringen, kann das Abtraining einen ähnlich langen Zeitraum in Anspruch nehmen.

 

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