Über das Internet kann heutzutage nahezu alles bequem per Mausklick bezogen werden. Neben Informationen findet sich online auch eine unüberschaubare Zahl an Produkten aus den unterschiedlichsten Bereichen, die zu teils überraschend günstigen Preisen angeboten werden. Diesen für Verbraucher undurchsichtigen Markt machen sich seit einiger Zeit auch verstärkt Medikamentenfälscher zunutze und vertreiben ihre mehr oder weniger gut gelungenen Kopien handelsüblicher Medikamente auch in deutsche Haushalte.

Echte Wirkstoffe oder dreiste Fälschung?

Das Geschäft mit gefälschten Medikamenten boomt weltweit. Während es in der Anfangszeit vornehmlich frei verkäufliche Mittel etwa gegen Kopfschmerzen oder Sodbrennen waren, die gefälscht und vertrieben wurden, sind – besonders im Internet – mittlerweile auch Kopien starker und verschreibungspflichtiger Medikamente im Umlauf. Für die Fälscher ist der Handel mit den vielfältigen Imitaten eine lukrative Einnahmequelle, denn nicht selten werden die Mittel auf dem Schwarzmarkt noch höher gehandelt als illegale Drogen wie Kokain oder Heroin. Für den Patienten kann der Griff zur Kopie schnell gefährlich werden – nicht nur wird die zugrunde liegende Krankheit nicht behandelt – auch die Nebenwirkungen der meist unbekannten Inhaltsstoffe können die Gesundheit stark beeinträchtigen.

Herstellung und Inhalt kaum nachvollziehbar

Im besten Fall handelt es sich bei einem gefälschten Medikament um ein zwar wirkungsloses, aber auch harmloses Placebo. Besonders bei vergleichsweise leichten Beschwerden kann unter Umständen sogar ein gewünschter Effekt erreicht werden, wenn der Betroffene von der Echtheit seines Medikaments überzeugt ist. Schlimmstenfalls enthält die Kopie des Mittels eine gefährliche Mischung verschiedener Chemikalien, die in Einzelfällen sogar zum Tod führen können. Die genauen Inhaltstoffe der Pillen und Pulver lassen sich vom Verbraucher selbst meist nicht feststellen, denn oftmals werden die Kopien in afrikanischen oder lateinamerikanischen Ländern unter fragwürdigen hygienischen Bedingungen produziert. Beipackzettel oder eine Liste mit den enthaltenen Wirkstoffen suchen Kunden hier vergeblich – eine Einnahme der Mittel ist vergleichbar mit einem russischen Roulette.

So schwer ist es, gefälschte Medikamente zu erkennen

Nicht immer ist auf den ersten Blick ersichtlich, dass es sich bei dem gewählten Medikament tatsächlich um eine schlechte Kopie handelt. Im Gegenteil: Mittlerweile haben viele Fälscher ihre Fertigkeiten soweit perfektioniert, dass sie selbst Polizei und Zoll damit hinters Licht führen können. Beim Kauf im Internet ist das Erkennen gepanschter Medizinprodukte so gut wie unmöglich. Nicht immer lassen sich vom Preis Rückschlüsse auf die Echtheit eines Mittels ziehen. Wer bei der Online-Suche nach einem bestimmten Produkt auf ausländische Seiten verwiesen wird, die Ware ohne weitere Informationen ausliefern, sollte grundsätzlich vorsichtig sein. Ob hier wirklich das gewünschte Medikament oder eine gefährliche Kopie verschickt wird, ist reine Glückssache.

Zertifizierte Online-Apotheken bieten Sicherheit

Seit 2004 dürfen auch in Deutschland ansässige Online-Apotheken Medikamente jeglicher Art vertreiben. Handelt es sich um verschreibungspflichtige Mittel, muss meist das vom Arzt ausgestellte Rezept vorgelegt werden, bevor das Medikament versendet werden kann. Ein Handel mit gefährlichen Plagiaten ist hier eher eine Seltenheit, aber nicht vollständig auszuschließen. Auch unter den Online-Apotheken herrscht eine Unübersichtlichkeit, die besonders neue Nutzer irritieren kann. Wer sichergehen will, dass er es mit einer zertifizierten und kontrollierten Internet-Apotheke zu tun hat, kann auf der Website derselben das Logo des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) finden. Ein Klick auf dieses Logo führt direkt zur Homepage des Instituts, auf der alle wichtigen Informationen zur jeweiligen Apotheke zu finden sind. Im Impressum finden sich oftmals Angaben zur Qualifikation der Betreiber. Auch Online-Apotheken, die im Ausland ansässig sind, sind dazu verpflichtet, ihre Kunden wie in  einer herkömmliche Apotheke auch zu beraten. Aus diesem Grund müssen sowohl deutsche als auch ausländische Anbieter einen telefonischen Kontakt mit qualifizierten Mitarbeitern anbieten. Fehlt dieser, ist vom Einkauf bei dem entsprechenden Händler abzuraten.

Der bewusste Griff zum gefälschten Arzneimittel?

Nicht immer werden arglose Verbraucher auf der Suche nach einem passenden Medikament von dubiosen Händlern ausgetrickst. Manche Kunden entscheiden sich auch bewusst dazu, zur Kopie zu greifen. Der Grund dafür liegt meist in einem attraktiveren Preis, zu dem die Produkte online angeboten werden. Auch die Tatsache, dass kein ärztliches Rezept erforderlich ist, um die Mittel zu bestellen, lockt viele Kunden an. Insbesondere Arzneimittel etwa zur Potenzsteigerung werden gern „schwarz“ bezogen, da der Nutzer sich dadurch eine Anonymität verspricht und sich peinliche Gespräche mit dem Arzt ersparen möchte. Kein Wunder, dass besonders das Geschäft mit potenzsteigernden Mitteln boomt, ebenso wie der Handel mit leistungssteigernden Produkten wie Anabolika für unterschiedliche Sportbereiche. Diese sind in Deutschland verboten, können aber aus dem Ausland oftmals problemlos bezogen werden.

Auch wenn die Gründe für den Griff zur Kopie in manchen Fällen vielleicht durchaus nachvollziehbar sind: Ratsam ist dieser in keinem Fall. Die gefälschten Produkte unterliegen keinerlei Kontrollen und können von herkömmlichem Zucker bis hin zum lebensbedrohlichen Chemiecocktail alles enthalten. Am sichersten und daher am empfehlenswertesten ist nach wie vor der Gang zur Apotheke seines Vertrauens – hier kann die Gefahr, an eine gefährliche Medikamentenfälschung zu geraten, auf ein Minimum reduziert werden. Auch eine persönliche Beratung kann hier direkt vor Ort stattfinden. Bei verschreibungspflichtigen Mitteln aller Art sollte selbstverständlich der Hausarzt der erste Ansprechpartner sein.

 

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