Medizinapp und Medizinportale – Der Doktor im Netz
In Zeiten der Digitalisierung wird oft auch der Besuch beim Arzt durch einen Klick im Internet ersetzt – unzählige Medizinportale bieten die Möglichkeit, die eigenen Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bequem zu Hause im Internet nachzulesen. Sogar in Form einer Medizinapp können heutzutage Informationen eingeholt werden. Dennoch sollten Erkrankte dabei Vorsicht walten lassen.

Welche Informationen kann man sich heute über eine Medizinapp oder ein Medizinportal holen?

Die Anzahl der Medizinportale ist riesig, ein Mega-Trend– auf unzähligen Seiten und mittlerweile sogar über verschiedene Apps auf dem Smartphone können Nutzer sich zum einen über die eigenen Symptome informieren, also wo deren Ursache liegen kann, und welche Krankheiten und Folgen damit in Zusammenhang stehen können. Auch kann man hier gezielt nach Krankheiten suchen und sich im Umkehrschluss über die Symptome informieren. In der Regel findet sich auf Medizinportalen auch eine Übersicht über die wichtigsten Medikamente und deren Einsatzbereiche, alternative Heilmethoden sowie in manchen Fällen ein Forum, in denen sich Nutzer mit anderen Personen oder einem richtigen Arzt schriftlich austauschen können. Ebenso ist es gängig, diverse News-Artikel aus dem Medizinbereich auf solchen Seiten zu veröffentlichen oder Tipps, beispielsweise zur gesunden Ernährung oder zur Vorbeugung einer Erkältung.
Einen ähnlichen Service bietet eine Medizinapp. Auch hier finden User zahlreiche Informationen zur Gesundheit Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten. Allerdings wird durch die Nutzung des Smartphones eine besondere Erweiterung der Online-Diagnose möglich: Viele Apps werben damit, den Blutdruck, den Blutzuckerspiegel oder die Herzfrequenz messen zu können. Die Ergebnisse sollen danach von der App ausgewertet und eine Diagnose gestellt werden.

Bei welchen Symptomen und Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Grundsätzlich gilt: Informationen online einzuholen, ersetzt bei schwereren Erkrankungen nie den Besuch beim Arzt! Viele Seiten beschränken sich auf Behandlungstipps bei harmloseren Krankheiten wie Erkältungen, manche Medizinportale gehen jedoch einen Schritt weiter – und bieten auch hier eine Auswertung der angegebenen Symptome an und stellen eine Diagnose. Dass die angegebene Erkrankung natürlich nicht zwingend stimmen muss und dies in vielen Fällen auch nicht tut, wird oft nur im Kleingedruckten angegeben. Als Folge verfallen viele Menschen, die diese Diagnose als feststehende Tatsache nehmen, in Panik – obwohl tatsächlich vielleicht nur eine harmlose Erkrankung vorliegt. Bei ernsten Beschwerden, die sogar einen längeren Zeitraum andauern oder massive gesundheitliche Probleme darstellen, sollte also in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, der den Patienten vor Ort untersuchen und eine individuelle Diagnose feststellen und eine Behandlungsmethode vorschlagen kann.

Welche Vor- und Nachteile haben das Internet und das Smartphone für erkrankte Menschen?

Dennoch bieten Medizinportale und -apps eine praktische Möglichkeit, die eigene Erkrankung zu analysieren und Behandlungsmethoden zu erforschen. So können sich die Nutzer nicht nur über die eigenen Symptome informieren, sondern die Portale auch als Wissensquelle für weitere Fragen zum Thema Gesundheit und Medizin nutzen – diese Seiten und Apps beinhalten häufig auch interessante und wissenswerte Fakten zur eigenen Gesundheit und Vorbeugung verschiedener Krankheiten und regen an, sich intensiver mit diesem Themenbereich zu beschäftigen.
Außerdem sind diese Portale sehr hilfreich bei Erkrankungen wie einer Erkältung, Husten oder einer leichten Grippe, denn häufig werden hier Hausmittel oder ähnlich sanfte Gegenmittel vorgeschlagen.
Nichtsdestotrotz ist ein großes Problem der Diagnosen, die ausschließlich online gestellt werden, dass es keine Instanz gibt, die die Portale und Apps auf Richtigkeit und Qualität überprüft.

Die Informationen dieser Portale blind zu glauben und medizinische Ratschläge ohne Absprache mit einem richtigen Arzt einfach zu befolgen, kann sogar tödlich sein – besonders bei Herz- oder Blutdruckerkrankungen ist dies sehr gefährlich. Nicht selten werden Krankheiten durch das Befolgen der online eingeholten Ratschläge noch verschlimmert.

Auch aufgrund der schwarzen Schafe, die in diesem Bereich nicht selten vorkommen, sollten Nutzer vorsichtig mit den dort erhaltenen Informationen umgehen. Oftmals entspringen die Diagnosen und vor allem die Behandlungsvorschläge werblichen Absichten: Um etwa ein spezifisches Medikament, ein Medizinbuch oder ähnliches zu bewerben und zu verkaufen, werden entsprechende Artikel veröffentlicht. Nutzer sollten daher niemals blind auf die angegebenen Informationen vertrauen und darauf achten, ob ein Impressum vorhanden ist, welche Qualifikationen die Autoren haben oder sich die Erfahrungen und Bewertungen anderer Nutzer durchlesen, um ein besseres Bild von den Qualitätsstandards des Portals zu erhalten.

Wer online nach Symptomen, einer Diagnose oder der richtigen Behandlung sucht, sollte also vorsichtig sein und überlegt handeln. Der persönliche Besuch beim Arzt kann dadurch allerdings nicht ersetzt werden – bei langfristigen oder starken Beschwerden sollte immer ein Doktor aufgesucht werden, um Folgeschäden oder eine Verschlimmerung der Krankheit zu vermeiden.

Bildquelle: bigstock-ID-113367533-by-www.BillionPhotos.com