Dieses Jahr geht der Nobelpreis für Medizin zu ungleichen Teilen an drei Forscher, die alle schon über 80 Jahre alt sind. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass sie alle drei sich mit der Bekämpfung von Parasiten beschäftigt haben. Diese Parasiten rufen bei Menschen die Krankheiten Malaria, Flussblindheit oder Elephantiasis hervor. Der Nobelpreis für Medizin ist mit 800.000 € dotiert.

Youyou Tu

Eine Hälfte des Preises geht an die chinesische Pharmakologin Youyou Tu. Diese, heute 84 Jahre alte Wissenschaftlerin hat einen Wirkstoff gegen Plasmodien entdeckt. Diese Parasiten lösen beim Menschen Malaria aus. Ende der 1960er Jahre war sie die Leiterin einer staatlichen Forschergruppe, deren Auftrag darin bestand, ein wirksames Mittel gegen diese Parasiten zu finden. Ursprünglich hatte es mit dem Wirkstoff Chloroquin ein solches Mittel gegeben. Allerdings waren zwischenzeitlich viele Parasitenstämme gegen dieses Mittel resistent geworden, so dass die Malaria sich wieder weiter ausbreitete. Die Idee der Forschergruppe war es, die einheimischen Kräuter auf ihre Wirksamkeit gegen Plasmodien zu untersuchen.
Aus dem einjährigen Beifuß konnten sie auch einen Wirkstoff, das Artemisin, extrahieren. Seine Wirkung gegen Plasmodien war allerdings unzuverlässig. In einem chinesischen Pharmakologie-Handbuch las Frau Tu, dass kalte Auszüge aus Beifuß wirken sollten. Das brachte sie auf die Idee, bei der Extraktion des Wirkstoffs aus der Pflanze mit einer geringeren Temperatur zu arbeiten. Dies erwies sich als erfolgreich. Der Wirkstoff Artemisin wird heute von Pharmafirmen hergestellt und in Malariamedikamenten verwendet. Damit kann nach Schätzungen 100.000 Menschen jährlich das Leben gerettet werden. Allerdings bauen in den letzten Jahren die Parasiten wieder Resistenzen gegen den Wirkstoff auf. Daher ist es abzusehen, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein neuer Wirkstoff gefunden werden muss.

William C. Campbell und Satoshi Omura

Die zweite Hälfte des Nobelpreises geht zu gleichen Teilen an den irischen Parasitologen William C. Campbell und den japanischen Biochemiker Satoshi Omura. Ihre Entdeckung ist ein Mittel gegen Wurmerkrankungen, die in Afrika bei vielen Menschen zur Flussblindheit oder der Elephantiasis führt. Eine Infektion mit Fadenwürmern, die gehäuft an Flussläufen vorkommt, führt zu einer chronischen Entzündung der Hornhaut des Auges, was schließlich mit Blindheit endet. Andere Fadenwürmer verursachen eine Schädigung des Lymphsystems und damit zu einem Lymphstau in einzelnen Körperteilen, die dadurch gigantisch anschwellen. Anfang der 70er Jahre hatte der Biochemiker Omura aus Bodenproben das Bakterium Streptomyces isoliert und kultiviert. Es war bekannt, dass dieses Bakterium andere Bakterien abtöten kann. Er züchtete in seinen Kulturen die wirkungsvollsten Bakterien weiter. Darauf baute die Arbeit des Parasitologen Campbell auf. Er kaufte Bakterienstämme von Omura, untersuchte ihre Wirksamkeit und fand so den Wirkstoff Avermectin. Durch eine chemische Weiterverarbeitung wird daraus das noch wirkungsvollere Ivermectin hergestellt. Dieser Wirkstoff hat schon Millionen Menschen vor der Erblindung oder Entstellung bewahrt. Mit seiner Hilfe sind die Krankheiten Elephantiasis und Flussblindheit heute fast ausgerottet.

Neben der Bekämpfung von Parasiten besteht eine weitere Gemeinsamkeit der drei ausgezeichneten Forscher darin, dass sie Wirkstoffe auf natürlicher Basis gefunden haben. Dies verdeutlicht, wie wichtig die Erhaltung der natürlichen Artenvielfalt ist. Wir können heute nicht wissen, welche Schätze morgen in natürlichen Rohstoffen gefunden werden. Erfreulich ist auch, dass mit diesen drei Forschern Wissenschaftler ausgezeichnet wurden, die sich mit der Bekämpfung von Krankheiten in unterentwickelten Ländern beschäftigt haben.

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