Viele Eltern sind beunruhigt: Muskel- und Schulterverspannungen, Rückenschmerzen und Haltungsschäden haben im Kindesalter deutlich zugenommen. Nicht selten besteht eine der Ursachen in einem schlecht sitzenden Schulranzen. Mit der Einschulung steht das Kind in der Pflicht, Unterrichtsmaterialien in die Schule mitzubringen. Der Kauf eines geeigneten Schulranzens steht bevor. Viele Punkte gilt es dabei zu beachten.

Entwicklung des Rückens

Bis zum Ende der Pubertät befindet sich der Mensch, und damit auch der Rücken, im Wachstum. Über- oder Fehlbelastungen können sich massiv negativ auswirken. Die Knochen, Sehnen und Gelenke sind noch nicht ausgereift und ebenso wie die Wachstumsfugen gefährdet, verletzt zu werden. Knochen sind noch sehr weich und können sich verformen, Sehnen können sich entzünden. Zudem werden die Bandscheiben durch ein zu hohes Gewicht stark zusammengeschoben und büßen ihre Funktion als Stoßdämpfer für den Körper ein. Während Verspannungen im Hals- und Nackenbereich oft Muskel- und Kopfschmerzen auslösen, jedoch noch gut behandelbar sind, ist die Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) eine irreversible Folge.

Welche Schulranzen und Rucksäcke werden angeboten?

Neben dem klassischen Schulranzen setzt sich im Handel mehr und mehr derSchulranzen durch. In der Grundschulzeit hat sich der Schulranzen bewährt. Er zeichnet sich durch seine hohe Stabilität aus. Die Seitenwände bestehen aus festem Material und die Innenfächer folgen einer geordneten Aufteilung. So kann eine genaue Gewichtsverteilung der Materialien erfolgen. Zudem ist er widerstandsfähig und robust. Obwohl er in seiner Form recht sperrig ist, sollte er für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren die erste Wahl sein. Der Rucksack ist eine zweite Variante der Schultasche und wird von älteren Schülern und Schülerinnen bevorzugt. Vom Aussehen eher locker-leger, ist sein Gewicht meist geringer als das des Ranzens. Er hat keine stabilen Wände, ist dadurch weicher und hat ein höheres Fassungsvermögenzulasten der Ordnung – ist aber variabler einsetzbar. Da er jedoch ein größeres Tragevolumen aufweist, ist er erst für Pennäler der höheren Klassen (ab fünfte Klasse aufwärts) zu empfehlen.

Optimale Ausstattung des Schulranzen– DIN Norm

Entwickelt hat sich der Ranzen für die Schule aus dem Tornister der Soldaten. Lange Zeit wurde als Material Leder oder Leinen bevorzugt. Mitte der 1970er Jahre verwendete man in der Herstellung vermehrt Kunststoffe und textiles Gewebe. 1986 legte die DIN 58124 Qualitäts- und Sicherheitsansprüche an einen Schulranzen einheitlich fest. Demnach muss 20% seiner Oberfläche aus fluoreszierendem Material bestehen, wobei auch die Farbwahl (orange, rot und gelb) vorgegeben ist. 10% der Vorder- und Seitenflächen müssen mit silbernen Reflektoren ausgestattet sein. Vorgeschrieben ist ebenso die Breite der Tragegurte mit 4 cm, das geringe Eigengewicht, sowie die Regenfestigkeit und lange Haltbarkeit. Bei Prüfungen von Stiftung Warentest fallen immer wieder Ranzen mit der Note „mangelhaft“ durch.

Somit bleibt es für die Eltern wichtig, folgende Kriterien bei der Auswahl einer Schultasche zu beachten:

  1. Anatomische Anpassung
  2. Qualitativ hochwertige Verarbeitung
  3. Sicherheitsstandards

Ein gut sitzender Rucksack hat ein ergonomisch geformtes, idealerweise wattiertes Rückenteil, das sich eng an den Rücken anlegt. Die mindestens 4 cm breiten Träger müssen ebenfalls gepolstert und verstellbar sein. Die Bewegungsfreiheit darf nicht eingeschränkt sein. Einschneidende Träger verursachen Schmerzen, denen man durch eine ungesunde Haltung ausweichen möchte. Zu kurze Gurte verstärken die Krümmung der Brustwirbelsäule, zu lange bergen die Gefahr einer Hohlkreuzhaltung. Ein abnehmbarer Becken- sowie Brustgurt sind optional, aber sehr hilfreich für die gesamte Stabilisierung und Fixierung desSchulranzen am Rücken. Dabei verhindert ein Brustgurt das Verrutschen der Träger, der Beckengurt ermöglicht eine Verlagerung des Gewichts von den Schultern hin zum unteren Beckenbereich. Der Rucksack sollte so eingestellt sein, das seine Oberkante mit den Schultern des Kindes abschließt. Allgemein muss er eine ergonomische Form und gute Verarbeitung aufweisen. So sollten hochwertige Materialien verwendet sein, die Nähte müssen einen genauen und sauberen Verlauf haben, die Ecken sollten mit Hartplastik verstärkt sein, damit ein „unsanftes“ Ablegen abgefangen werden kann. Regendichtigkeit von Stoff und Nähten ist von Vorteil. Auf ein geringes Eigengewicht ist ebenfalls zu achten.
Ebenso sollte der Rucksack nach bestimmten Sicherheitskriterien ausgewählt werden. Er muss straßenverkehrstauglich sein, indem fluoreszierenden Materialien Verwendung finden. Zudem sollten reflektierende Katzenaugen angebracht sein. Dies schreibt ebenso die DIN-Norm vor. Es ist wichtig, dass das Schulkind nicht nur bei Dunkelheit gut zu erkennen ist. Deshalb sollten helle Farben vorherrschend sein, die ein Erkennen auch bei trüben Tageslichtverhältnissen zulässt.

Wie viel Gewicht darf sein?

Nicht zuletzt ist für die Rückengesundheit des Kindes entscheidend, dass der Schulranzen altersentsprechend gepackt wird. Es gilt die Empfehlung, dass das Tragegewicht nicht mehr als 10-12% des Körpergewichts ausmachen sollte.
Hierzu ein paar Richtwerte:

  • 1. Klasse: ø 22kg → 2,64 kg Schulranzen
  • 5. Klasse: ø 33kg → 3,96 Kg Schulranzen
  • 10. Klasse: ø 56 kg → 6,72 kg Schulranzen

Allerdings ist hierbei auch die Statur des Kindes entscheidend. So kann ein körperlich eher zartes Kind schon mit 12% überfordert sein, während eines mit robuster Statur auch bei 20% keine Überlastungserscheinungen zeigt. Der Schulranzen sollte jeden Abend neu gepackt werden. Nur die Bücher und Hefte finden dort Platz, die tatsächlich am nächsten Tag im Unterricht genutzt werden. Alle weiteren Materialien werden aussortiert und bleiben zuhause. Notfalls hilft der Check mit der Waage, den Kindern die Notwendigkeit und Wichtigkeit des täglich neuen Sortierens zu verdeutlichen. Zudem ist es heute für die Schulen schon selbstverständlich, den Kindern einen Spind oder ein Fach zur Verfügung zu stellen, in dem schwere Bücher deponiert werden können. Ebenso hilft ein Gespräch mit den Kindern über das richtige Tragen des Rucksacks dabei, Überzeugungsarbeit für die eigene Rückengesundheit zu leisten. Die Strecke des Schulwegs und wie sie zurückgelegt wird, ist ein weiterer Punkt, der berücksichtigt werden muss. Wie lange lastet das Gewicht auf dem Rücken? Nicht unerwähnt bleiben soll jedoch auch, dass die Zunahme der Haltungsschäden und Rückenschmerzen im Kindes- und Jugendalter nicht ausschließlich auf eine schlecht sitzende Schultasche zurückgeführt werden kann. Vielmehr steht hier der allgemeine Bewegungsmangel der Kinder im Vordergrund. Denn ein richtig gepackter und gut sitzender Rucksack trainiert sogar Muskeln und Gelenke!

Muss es denn so teuer sein?

Untersuchungen von Stiftung Warentest zeigen auf, dass ein guter Rucksack für die Schule nicht unbedingt teuer sein muss (03/2013). So haben auch Taschen namhafter Hersteller schlechte Beurteilungen erhalten, es lohnt sich zu vergleichen. Für Eltern gilt, den richtigen Rucksack für ihr Kind ganz individuell auszusuchen. Neben allgemeinen Kriterien müssen spezifische Punkte Berücksichtigung finden. Mehr Informationen zur richtigen Wahl des Schulranzens gibt es hier.

 

Bildquelle: dolgachov/Bigstock.com