Schilddrüsenunterfunktion: Wenn das Hormonsystem verrückt spielt!

Die Schilddrüse ähnelt in ihrer Größe der Walnuss und zählt damit zu den kleineren Hormondrüsen im menschlichen Körper. Kann die Schilddrüse ihre Aufgabe nicht vollständig erfüllen, treten verschiedene, oft unklare Störungen im gesamten Organismus auf. Die Symptome reichen von Müdigkeit bis zu schweren Nervenschäden.

Der folgende Text erklärt verständlich die Funktion der Schilddrüse. Die Schilddrüsenunterfunktion als Erkrankung steht dabei im Mittelpunkt. Symptome werden aufgezeigt und Einblicke in Diagnostik und Therapieansätze gewährt.

Das Organ – kurz erklärt

Die Schilddrüse sitzt unterhalb des Kehlkopfes, vor der Luftröhre; ihre Form erinnert an einen Schmetterling. Bei Frauen erreicht sie ein Gewicht von ungefähr 18 Gramm; die Schilddrüse von Männern kommt auf etwa 25 Gramm.

Sie ist eng mit dem Lymphsystem verbunden.

Die Aufgabe der Schilddrüse

Die Schilddrüse bildet unter anderem zwei besonders wichtige Hormone, nämlich das
Trijodthyronin (T3) bzw. das Tetrajodthyronin (T4); die Botenstoffe fungieren als Gas und Bremse für den Stoffwechsel. Sie regulieren zum Beispiel den Energieverbrauch und den Sauerstoffbedarf. Damit wirken sie auf die Körpertemperatur ein und beeinflussen den Wasser- und Mineralstoffhaushalt. Eiweiß und Jod dienen der Schilddrüse als Bausteine für die Hormone T3 und T4.

Sitz der Schilddrüse im Körper

Sitz der Schilddrüse im Körper

Dieses unscheinbare Organ lenkt beim Erwachsenen weitere Körperfunktionen:

  • Stoffwechsel
  • Herz-Kreislaufsystem/Blutdruck
  • Magen-Darm-Trakt
  • Nervenbahnen und Muskeln
  • Psyche und Wohlbefinden
  • Sexualfunkion

Eine gesunde geistige und körperliche Entwicklung des Embryos im Mutterleib hängt ebenfalls eng mit einer funktionierenden Schilddrüse zusammen. Dieser Einfluss bleibt bis in die Pubertät hinein bestehen.

Die Schilddrüse setzt nur dann Hormone frei, wenn sie ihrerseits über Botenstoffe (etwa das TSH) den Befehl dazu erhält. Diese Aufgabe übernehmen die Hypophyse und der Hypothalamus; beide sind Teil des Zwischenhirns.

Wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet

Es existieren zwei Varianten von Störungen: Die Schilddrüsenunterfunktion und die -überfunktion. Im ersten Fall arbeitet das Organ auf Sparflamme; ist Letzteres der Fall, läuft die Produktion der Hormone auf Hochtouren.

Schilddrüsenunterfunktion

Egal ob die Schilddrüse zu viel oder zu wenig arbeitet: Die Anzeichen lassen sich von einem Laien kaum einordnen. Hier kann nur eine ärztliche Untersuchung

Im Falle einer Unterfunktion stellt die Schilddrüse zu wenig T3 und T4 her. Dies führt unter anderem zu folgenden Symptomen:

  • chronische Müdigkeit und allgemeine Schwäche
  • depressive Verstimmung
  • Konzentrationsprobleme
  • Ödeme
  • Zyklusschwankungen bzw. Potenzschwäche
  • Haarausfall
  • Kropf
  • im Extremfall: Herzmuskelschwäche

Eine Unterfunktion der Schilddrüse entsteht, wenn eine Entzündung oder ein Tumor einen Teil ihres Gewebes zerstört haben (zum Beispiel bei der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis); die Drüse kann nicht mehr ausreichend Hormone produzieren. Eine weitere Ursache liegt in der Störung von Hypophyse oder Hypothalamus. Jodmangel war im 20. Jahrhundert besonders im Alpenraum sehr verbreitet. Der Körper versucht, diesen Mangel durch die Vergrößerung der Drüse auszugleichen – es bildet sich ein Kropf. Heute tritt diese Form sehr selten auf.

Bei schwangeren Frauen erfolgt routinemäßig eine Untersuchung des Embryos, da eine gehemmte Funktion der Schilddrüse zu schweren Behinderungen führen kann.

Schilddrüsenüberfunktion

Bei der Überfunktion stellt die Schilddrüse zu wenig T3 und T4 her. Der Körper reagiert mit folgenden Symptomen:

  • Nervosität und Unruhe
  • Hoher Blutdruck und Pulsrasen
  • Durchfall
  • Haarausfall
  • Gewichtsabnahme trotz gleichbleibender Ernährung
  • Herzrhythmusstörungen
  • im Extremfall: Fieber

Die Apothekenumschau schreibt, dass die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow 95 Prozent davon verursacht. Der Körper bildet Antikörper gegen die eigene Schilddrüse. Warum das passiert, ist bis heute unklar.

Eine Entzündung der Drüse führt manchmal ebenfalls zu einer Überfunktion, genauso wie ein Tumor der Hirnanhangsdrüse. Beide Fälle treten nur selten auf.

Die Schilddrüse kann mittels Ultraschall gemessen werden und auf Vergrößerung oder Verkleinerung hin untersucht werden!

Die Schilddrüse kann mittels Ultraschall gemessen werden und auf Vergrößerung oder Verkleinerung hin untersucht werden!

Wie stellt der Arzt eine Schilddrüsenunterfunktion fest?

Neben den Beschwerden, von denen der Patient berichtet, kontrolliert der (Haus-) Arzt das Blutbild. Dabei interessieren ihn die Werte T3, T4 und TSH. Entdeckt er eine Störung, wird der den Betroffenen an einen Facharzt in die Endokrinologie überweisen. Dieser untersucht die Schilddrüse unter anderem mithilfe des Ultraschalls auf Knoten. Oder es wird ein Szintigramm gemacht. Dieses gibt Informationen über die Aktivität der unterschiedlichen Regionen der Schilddrüse.

Die gesamten Daten führen schließlich zur Diagnose.

Therapie der Schilddrüsenunterfunktion

Stellt der Arzt eine Schilddrüsenunterfunktion fest, werden mögliche Therapien besprochen.

Die grundlegenden Ursachen für eine Unterfunktion der Schilddrüse sind noch nicht erforscht. Eine Therapie mit Medikamenten ist der einzige Weg, um die Auswirkungen der Störung in den Griff zu bekommen. Der Arzt verordnet hier Schilddrüsenhormone.

Leidet ein Patient an Hashimoto-Thyreoiditis erfolgt normalerweise ein operativer Eingriff. Die Chirurgen entfernen das zerstörte Gewebe und der Patient nimmt anschließend ebenfalls die für ihn passende Dosis Schilddrüsenhormone ein.

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