Von Nachtschweiß oder nächtlichem Schwitzen ist die Rede, wenn der Körper in der Nacht übermäßig viel Schweiß absondert. Man spricht auch von nächtlicher Hyperhidrose. So ziemlich jeder hat dieses Phänomen schon einmal am eigenen Leib zu spüren bekommen. Doch Nachtschweiß ist nicht gleich Nachtschweiß. Das Ausmaß des Schwitzens bei Nacht kann sehr variieren und von einem leichten Schweißfilm auf der Haut bis hin zur Durchnässung der Bettwäsche reichen.  Intensiver Nachtschweiß führt unter Umständen zu ernst zu nehmenden Schlafstörungen. Nicht selten wachen Betroffene durch das Schwitzen oder das sich anschließende Kältegefühl auf der Haut auf und müssen Kleidung und/oder Bettwäsche wechseln und im Extremfall sogar duschen. Die nächtliche Erholung ist folglich stark eingeschränkt.

Ursachen für das Schwitzen in der Nacht

Die Ursachen für das Schwitzen in der Nacht sind vielfältig und nicht immer eindeutig zu bestimmen. In erster Linie muss jedoch zwischen krankheitsbedingtem und normalem Nachtschweiß unterschieden werden. Unter ungünstigen Schlafbedingungen, etwa beim Tragen eines warmen Schlafanzugs, der Benutzung von zu dickem Bettzeug oder bei einer zu hohen Umgebungstemperatur in beheizten Räumen sowie im Sommer, stellt das Schwitzen in der Nacht eine ganz normale Körperreaktion dar. In diesen Fällen ist das Schwitzen sogar ein außerordentlich notwendiges Phänomen, da sich der Schweiß wie ein Film über die Haut legt und somit kühlend wirkt: Der Körper wird vor einer drohenden Überhitzung geschützt. Besonders viele Schweißdrüsen finden sich im Bereich der Ellenbeugen, Stirn, den Handtellern, Fußsohlen und Achseln.

Unter anderem besitzen die Achselhöhlen, neben anderen Stellen im Körper, sehr viele Schweißdrüsen

Unter anderem besitzen die Achselhöhlen, neben anderen Stellen im Körper, sehr viele Schweißdrüsen

 

Weitere Ursachen, Symptome und Folgeerkrankungen

Tritt starkes Schwitzen in der Nacht regelmäßig auf (über einen längeren Zeitraum als drei bis vier Wochen), und kommen vor allem noch andere Symptome wie Gewichtsverlust oder Fieber hinzu, sollte man einen Arzt zu Rate ziehen, denn dies kann auf eine mögliche Erkrankung hinweisen. Krankheitsbedingtes Schwitzen tritt jedoch meist nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tage auf. Als konkrete Ursachen kommen infrage:

  • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus)
  • Autoimmunerkrankungen (z.B. chronische Polyarthritis)
  • hormonelle Schwankungen (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Wechseljahre, Schwangerschaft)
  • neurologische Erkrankungen (z. B. Morbus Parkinson, Schlaganfall, Epilepsie)
  • Infektionskrankheiten (z. B. Grippe, Tuberkulose, HIV, Hepatitis C, Herzinnenhautentzündung)
  • Krebserkrankungen (z. B. Leukämien, Non-Hodgkin-Lymphome, Karzinome)
  • Hämatologische Erkrankungen (z. B. Myelofibrose)
  • Medikamenten-, Alkohol- oder Drogenentzug
    Gesundes Essen sollte immer die erste Wahl sein

    Gesundes Essen sollte immer die erste Wahl sein

Eine oftmals unterschätzte Rolle bei nächtlichem Schwitzen spielen die Ernährungs- und Alltagsgewohnheiten. Übergewicht stellt einen häufigen Grund für Schweißausbrüche dar, denn es verlangt dem Körper wesentliche höhere Energiereserven ab, als dies bei Normalgewichtigen der Fall ist. Auch wer häufig scharf gewürzte Speisen, Alkohol oder üppige, fettreiche Mahlzeiten vor dem Schlafengehen konsumiert, fördert die Wahrscheinlichkeit für durchnässte Nächte. Genussgifte wie Koffein und Nikotin regen den Körper zusätzlich an und tragen so zu vermehrter Schweißabsonderung bei. Nachtschweiß kann jedoch auch als eine Nebenwirkung von Drogen oder verschiedenen Medikamenten (z. B. Antidepressiva, blutzuckersenkende Medikamente, fiebersenkende Präparate, atypische Neuroleptika, Hormonpräparate) auftreten.

Psychische Probleme

Doch auch die Psyche stellt beim Schwitzen in der Nacht einen entscheidenden Faktor dar. Starke Angst, Stress oder Schmerzen stehen häufig mit einer erhöhten nächtlichen Schweißproduktion im Zusammenhang. Zu den Schlafstörungen, die besonders häufig mit dem Schwitzen in der Nacht einhergehen, zählen Albträume und nächtliche Atemaussetzer, in Fachkreisen Schlafapnoe genannt. Nicht immer sind die genauen Gründe für das Schwitzen in der Nacht bekannt. Ist aus medizinischer Sicht keine Ursache festzustellen, so spricht man von ideopathischem Nachtschweiß.

Schwitzen alle Menschen gleich?

Tatsächlich schwitzen manche Menschen grundsätzlich schneller oder stärker als andere, abhängig von der erblichen Veranlagung. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leidet unter übermäßiger Schweißproduktion. Andererseits existiert nur eine sehr geringe Anzahl an Menschen, die zu wenig schwitzen, dies nennt man Ross-Syndrom. Die Situationen, in denen man verstärkt anfängt zu schwitzen (Stress, Anstrengung, Nervosität, Wärme) sowie die Stellen am Körper, die als erstes beginnen Schweiß abzusondern, sind ebenfalls von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Insofern lässt sich die Körperreaktion des Schwitzens nicht verallgemeinern.

Was tun bei Nachtschweiß?

Da sich die Ursachen für das Schwitzen in der Nacht vielfältig gestalten, sind auch die indizierten Lösungs- bzw. Behandlungsansätze von Fall zu Fall sehr unterschiedlich.
Ist ein Infekt der Grund für den Nachtschweiß, so legen sich die Beschwerden meist wieder, wenn der Infekt überstanden ist. Bei einer besonders schweren Infektion ist unter Umständen eine Antibiotikatherapie notwendig. Scheint ein bestimmtes Medikament für die Schweißausbrüche verantwortlich, kann der Arzt eventuell die Dosis anpassen oder eine andere Zusammensetzung wählen. Bei psychisch bedingtem Schwitzen in der Nacht hilft möglicherweise eine psychologische Beratung oder Psychotherapie, um Stress und Ängste gezielt abzubauen. Darüber hinaus ist eine Hyperhidrose medikamentös behandelbar. In diesem Fall kommt ein sogenanntes Anticholinergikum zum Einsatz. Es hemmt die Wirkung von Acetylcholin, dem Überträgerstoff im Nervensystem, der die Schweißdrüsen zur Produktion und Absonderung von Schweiß anregt.

Liegt dem Schwitzen in der Nacht keine erkennbare Erkrankung zugrunde, sollte man seine Ernährungs- und Alltagsgewohnheiten überdenken. Folgende Tipps können helfen, den Nachtschweiß zu reduzieren:

  • Keine Einnahme großer, fettreicher Mahlzeiten vor dem Schlafengehen
  • Vermeidung von scharf gewürzten Speisen (besser geeignet sind leichte, kühlende Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse)
  • Reduktion des Koffein- und Alkoholkonsums
  • Rauchstopp
  • Ausreichende und regelmäßige Bewegung am Tag
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Unbeheizte und gut belüftete Schlafräume (Idealtemperatur: ca. 18 Grad)
  • Nicht zu eng anliegende, leichte Schlafkleidung aus natürlichen oder wärmeausgleichenden Materialien wie Baumwolle oder Leinen; keine Kunstfaser-pyjamas
  • Verwenden von Zudecken, die der jeweiligen Jahreszeit angemessenen sind (im Sommer leichter, im Winter dicker)
  • Entspannung vor dem Schlafengehen (z.B. Entspannungsübungen, warmes Bad mit Aromaölen, beruhigende Musik)
  • Salbei-Kur
Eine Salbei-Kur ist ein gängiges Hausmittel bei Nachtschweiß

Eine Salbei-Kur ist ein gängiges Hausmittel bei Nachtschweiß

Unabhängig davon, ob das Schwitzen in der Nacht Krankheitswert besitzt oder nicht, ist es unbedingt erforderlich, nach einer Nacht, in der man viel geschwitzt hat, ausreichend zu trinken. Wird der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen, kann dies zu Kreislaufstörungen und anderen unangenehmen oder gar ernsthaften physischen aber auch psychischen Problemen führen. Es empfiehlt sich auch bei Nacht eine Flasche Wasser oder eine Tasse ungesüßten Tee ans Bett zu stellen.

 

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