Die transkutane elektrische Nervenstimulation, TENS, ist ein bewährtes Therapieverfahren zur Bekämpfung von akuten und chronischen Schmerzen mit Strom. Die Stromimpulse werden über Hautelektroden direkt in die Unterhaut und die darunter liegenden Muskelschichten übertragen. Grundsätzlich werden die Elektroden auf den schmerzenden Körperarealen angebracht. Strom zur Schmerzlinderung ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern reicht bereits zurück bis ins alte Ägypten. Damals wurden spezielle Fische auf schmerzende Körperstellen gelegt, die dann schwache Stromstöße abgegeben haben. Schmerztherapeuten und Patienten verwenden heute zur Therapie das sogenannte TENS Gerät, welches mittels Elektroden gezielt dosierte Stromstöße abgibt. Entwickelt wurde das Gerät bereits in den 1960er Jahren von den beiden Schmerzforschern und Professoren Mall und Melzack.

Durch die elektrische Stimulation wird die Schmerzweiterleitung unterbrochen

Bis zur Marktreife war jahrelange Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Schmerzmedizin erforderlich. Die Professoren entwarfen ein völlig neues Konzept der Schmerzwahrnehmung, welches auf der sogenannten Kontrollschrankentheorie beruhte. Dieses Modell der Schmerzwahrnehmung und Schmerzverarbeitung geht davon aus, dass ein peripherer Schmerzreiz nicht direkt ans Gehirn weitergeleitet wird, sondern stets einen Umweg über einen neuronalen Schaltkreis im Rückenmark macht. Aus diesem Wissen heraus entwickelten die Wissenschaftler das TENS Gerät, welches gezielt Stromreize in der Peripherie des Körpers, also beispielsweise an Armen und Beinen, auslöst. Die Methode eignet sich aber auch gut zum Lösen von Verspannungen der Rückenmuskulatur.

Sämtliche Areale vom Bereich der Halswirbelsäule über die Brustwirbelsäule bis zur Lendenwirbelsäule können mit den Elektroden dieses medizinischen Gerätes behandelt werden.

TENS gilt in der Anwendung als unschädlich und frei von Nebenwirkungen

In der speziellen Schmerzmedizin und bei den Patienten ist TENS auch deshalb so beliebt, weil mit geringen Risiken und wenig Aufwand vergleichsweise gute Behandlungserfolge in kurzer Zeit erzielt werden können. Zudem verursacht die Anwendung der Methode im Vergleich zu anderen Therapieverfahren der Schmerzmedizin nur geringe Kosten. TENS gilt darüber hinaus sehr einfach in der Handhabung, auch für Patienten im Eigengebrauch zu Hause. Eine eingehende Einweisung, die nicht nur die praktische Anwendung der Elektroden auf der Haut, sondern auch die Funktionsweise des Gerätes erklärt, sollte allerdings vor jeder Anwendung erfolgen. Die Therapie mit dem TENS Gerät gilt insgesamt als nebenwirkungsarm und nicht gefährlich. Bei sachgerecht durchgeführten Anwendungen konnten bisher keine Schäden festgestellt werden, die im unmittelbaren Zusammenhang mit TENS stehen würden. Bei empfindlichen Patienten kann es aber durch das Aufbringen der Elektroden zu leichten Hautirritationen kommen.

TENS-Gerät mit Elektroden

TENS-Gerät mit Elektroden

 

Sowohl akute als auch chronische Beschwerden können behandelt werden

Die Hautelektroden sind in der Regel auch mehrfach verwendbar. Das Indikationsspektrum für die TENS Therapie gilt als außerordentlich vielfältig. Auch wenn die Schmerzlinderung von den meisten Patienten eher als moderat geschildert wird, lohnt sich eine Anwendung auch bei scheinbar therapieresistenten Schmerzen. Das TENS Gerät wird jedoch in den seltensten Fällen als alleinige Methode zur Schmerzbekämpfung eingesetzt, sondern ist stets eingebettet in ein übergeordnetes multimodales Konzept zur Schmerztherapie. TENS ist also nur ein Baustein, der aber sehr wohl zur langfristigen Schmerzlinderung bei akuten und chronischen Beschwerden beitragen kann. Neben dem Einsatz bei Verspannungen der Rückenmuskulatur kann TENS mit Erfolg auch zur Therapie von sonstigen Schmerzen am Bewegungsapparat, insbesondere auch bei Gelenkbeschwerden oder Arthrose, eingesetzt werden – sogar bei Knieschmerzen wird diese Methode angewandt. Auch sogenannte Phantomschmerzen nach Amputationen, Kopfschmerzen und auch Nervenschmerzen bei Diabetes können positiv auf die Behandlung mit dem TENS Gerät ansprechen.

Je nach Anwendung können unterschiedliche Stromfrequenzen eingestellt werden

Patienten sollten allerdings niemals in eigener Regie diese Behandlungsform ausprobieren, sondern vorher stets Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten. Um den Bedarf an Schmerzmitteln zu senken, ist eine bestimmte Form der TENS Behandlung auch Bestandteil einer ärztlichen Leitlinie nach Operationen. Es ist allerdings unbedingt zu beachten, dass TENS auf keinen Fall bei Trägern eines Herzschrittmachers, bei Schwangeren und auch nicht bei Vorliegen von psychischen Erkrankung oder Epilepsie angewendet werden darf. Durch die lokalen Stromimpulse könnten sich Beschwerden verschlimmern oder die Funktion eines Herzschrittmachers dauerhaft Schaden erleiden. Gemäß der sogenannten Kontrollschrankentheorie der Erfinder, entfaltet TENS seine Wirkung in den Nervenzentren des Rückenmarks, wo die Schmerzweiterleitung an die Großhirnrinde unterbunden wird. Das TENS Gerät kann mit verschiedenen Frequenzen arbeiten. Hohe Frequenzen im Bereich von 80-150 Hz unterbrechen die Schmerzweiterleitung im Rückenmark, niedrige Frequenzen im Bereich von 2-4 Hz wirken jedoch direkt im Gehirn, wo sie die Ausschüttung von natürlichen schmerzhemmenden Substanzen stimulieren.

In der Regel sind zur Schmerzbekämpfung mehrere Sitzungen erforderlich

Beide Mechanismen können die Schmerzwahrnehmung merklich dämpfen. Moderne TENS Geräte sind heute kaum größer als ein Mobiltelefon und werden mit der Haut über 2 oder 4 Elektroden verbunden. Beim Aufbringen der Elektroden auf das Schmerzareal müssen auch ausstrahlende Schmerzen, Verläufe von Nerven sowie Akupunkturpunkte berücksichtigt werden. Die traditionelle chinesische Medizin geht davon aus, dass durch die Stromimpulse auch Akupunkturpunkte stimuliert werden können. Durch die Applikation höherer Frequenzen können auch akute örtliche Schmerzen gut gelindert werden. Bei chronischen Schmerzen und für eine längere Wirkung werden meist tiefere Frequenzen mit einer höheren Stromstärke verwendet. Während der Therapie verspüren die Patienten allenfalls ein leichtes Kribbeln, die Muskulatur in der Nähe der Elektroden kann sich jedoch unwillkürlich zusammenziehen. Eine TENS Sitzung dauert in der Regel zwischen 15-30 Minuten, wobei auch mehrere Sitzungen am Tag absolviert werden können. Dauer, Anzahl der Therapiesitzungen und Stromstärke hängen von der Indikation und auch davon ab, wie lange der Effekt der Schmerzlinderung anhält.

 

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