Im Jahr 1882 beschreibt der Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch als erster Wissenschaftler das Bakterium Mycobacterium Tuberculosis, das für die noch heute weltweit am weitesten verbreitete Infektionskrankheit verantwortlich ist. Tuberkulose in ihren 5 verschiedenen Klassifikationen übertrifft bezüglich der Ansteckungsrate selbst noch die Malaria. Die Angaben zu den jährlichen Opferzahlen der Tuberkulose schwanken zwischen 1,3 und 3 Millionen Menschen, womit TBC zusammen mit AIDS an erster Stelle der tödlichen Infektionskrankheiten steht. Beide Krankheiten gehen gerade auf dem afrikanischen Kontinent oft Hand in Hand, denn die geschwächte Immunabwehr eines HIV-Infizierten ist für das Tuberkulose-Bakterium ein ideales Angriffziel

Ursprung der Tuberkulose

Schwindsucht ist eine alte deutsche Bezeichnung für die Tuberkulose und war vor der Isolierung des Bakteriums durch Robert Koch eine wohl eher ratlose Benennung einer Krankheit, die bis dahin praktisch nicht heilbar war. Inzwischen konnte durch wissenschaftliche Untersuchungen geklärt werden, dass die TBC den Menschen schon immer begleitet hat. Sicher ist, dass der Mensch bereits vor 9000 Jahren unter der Tuberkulose litt und Untersuchungen an 500.000 Jahre alten Skelettfragmenten weisen daraufhin, dass auch Frühmenschen wie der Homo erectus mit hoher Wahrscheinlichkeit von der TBC befallen werden konnte. Da selbst auf dem amerikanischen Kontinent der Erreger in 17.000 Jahre alten Artefakten nachzuweisen war, muss sich das Bakterium schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte ausgebreitet haben. Vermutlich verbreitete sich die Tuberkulose zusammen mit dem Menschen von Afrika ausgehend über die Welt.

Ursache der Erkrankung

Der Tuberkuloseerreger ist weit verbreitet und lässt sich vermutlich in etwa einem Drittel der Weltbevölkerung nachweisen. Allerdings kommt es nur bei einem kleinen Prozentsatz der Infizierten zum sofortigen Ausbruch der Krankheit. Betroffen sind vor allem Menschen in Bereichen mit unzureichender Hygiene, mangelhafter Ernährung und schlechter medizinischer Versorgung, was drei bedeutende Faktoren sind, die die natürliche Immunabwehr des Körpers schwächen. Dies sind ideale Voraussetzungen für den Ausbruch der Tuberkulose. Die höchste Dichte an TBC-Erkrankungen findet sich in China und in Indien, den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Erde, gefolgt von Indonesien. In Afrika sind vereinzelte Staaten wie etwa Südafrika stärker von der Krankheit betroffen und auch in den GUS-Staaten (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) sowie Brasilien tritt TBC verstärkt auf. In Ländern mit einem gut ausgebildeten Gesundheitssystem erfolgt der Ausbruch der Krankheit in wesentlich geringerem Rahmen. So wurden im Jahr 2013 in Deutschland 4318 TBC-Erkrankungen gemeldet, was 5,3 Erkrankten auf 100.000 Einwohnern entspricht.
Die Übertragungswege des Tuberkulose-Bakteriums sind vielfältig. Die häufigste Ansteckungsart ist über die Luft, aber auch infizierte Nahrungsmittel wie Rohmilch oder rohes Fleisch sind möglich. Ebenso kann TBC über den Geschlechtsverkehr, offene Wunden oder nicht ausreichend sterilisierte Instrumente übertragen werden. Selbst eine infizierte Schwangere kann den Erreger an ihr Kind im Mutterleib weitergeben. Sogar von Tieren wie infizierten Kühen kann eine Übertragung erfolgen, allerdings auch umgekehrt. Der Mensch ist nicht alleine von der Tuberkulose betroffen.

Problematik der Tuberkulose

Die Problematik bei der Erkrankung durch TBC ist der schwere und oft sehr unterschiedliche Krankheitsverlauf, aufgrund dessen nicht selten die Tuberkulose als Verursacher nicht oder erst nach dem Tode des Patienten festgestellt wird. Laut einer Studie aus Deutschland wird nur bei etwa einem Drittel aller TBC-Todesfälle die Krankheit bereits zu Lebzeiten der betroffenen Personen diagnostiziert.

Die Krankheitssymptome

Ein gut funktionierendes Immunsystem kapselt den TBC-Erreger ab, sodass dieser nicht aktiv wird, wohl aber jahrelang im Körper schlummern kann. Erfolgt jedoch eine offene Infektion, also die Vermehrung und Ausbreitung des Bakteriums im menschlichen Organismus, können sehr unterschiedliche erste Symptome auftreten:

  • Müdigkeit
  • Schwäche
  • Appetitlosigkeit
  • anschwellende Lymphknoten
  • Fieber
  • Gewichtsabnahme
  • leichter Husten

Diese Erstsymptome müssen aber nicht unbedingt auftreten. Im weiteren Verlauf zerstört das Bakterium das Bronchien-Gewebe und es kommt zum verstärkten Abhusten mit schleimigem Auswurf. Spätestens jetzt ist das Stadium der offenen TBC erreicht. In der Regel wandern die Erreger nun auch in die Blutbahn und erreichen weitere Organe und das Knochengerüst. Selbst die Haut als größtes menschliches Organ kann unter Umständen betroffen sein, was sich beispielsweise durch nicht mehr abheilende Wunden zeigt. Das Endstadium zeigt sich durch eine starke Verschlechterung des Allgemeinzustandes, wobei auch eine Hirnhautentzündung auftreten kann. Letztlich führt das Versagen eines oder mehrerer befallener Organe zum Tod des Patienten.

Die Behandlung der TBC

Das Bakterium Mycobacterium Tuberculosis besitzt eine recht tückische Eigenschaft, dass es von anderen Bakterienstämmen unterscheidet. Es teilt sich nur sehr langsam, was zum einen den oft lange andauernden Krankheitsverlauf erklärt und die Gefahr der Resistenzentwicklung erhöht. Zudem muss aufgrund dieser geringen Teilungsrate eine lange Behandlungsdauer in Kauf genommen werden. Eine diagnostizierte TBC wird in der Standardtherapie zuerst mit einer Kombination von vier verschiedenen Antibiotika bekämpft:

  • Isoniazid
  • Rifampicin
  • Ethambutol
  • Pyrazinamid

Nach zwei Monaten erfolgt für weitere vier Monate die Verabreichung von nur noch zwei dieser Antibiotika, Isoniazid und Rifampicin. Wie so viele Antibiotika besitzen auch die gegen die TBC eingesetzten Medikamente starke Nebenwirkungen, die unter Umständen zu Leberschäden oder Entzündungen des Sehnervs führen können. Die Nieren und das Innenohr können weitere betroffene Organe sein. Die lange Behandlungsdauer mit einem verbesserten Gesundheitszustand verführt viele Patienten dazu, die Medikamente zu früh abzusetzen. Neue Medikamentenkombinationen sind in der Erprobung, die die Behandlungsdauer auf zwei Monate verkürzen sollen. Komplizierte Krankheitsverläufe können eine Behandlungsdauer von bis zu 12 Monaten bedeuten.

Der Mundschutz ist ein einfaches aber effektives Hilfsmittel in Ländern mit einer hohen Anzahl von Tuberkuloseinfizierten

Der Mundschutz ist ein einfaches aber effektives Hilfsmittel in Ländern mit einer hohen Anzahl von Tuberkuloseinfizierten

Vorbeugung gegen TBC

Noch bis zum Jahr 1998 gab es in Deutschland aktive Schutzimpfungen gegen TBC, die Impfung mit dem Mykobakterien-Impfstamm Bacillus Calmette-Guérin (BCG), der in abgeschwächter Form injiziert wurde. Allerdings zeigte sich durch die vermehrte Resistenz des Erregers eine zunehmende Abschwächung der Impfwirkung, worauf die vorbeugende BCG-Impung eingestellt wurde. Die Impfung findet heute bei Kindern zur Verhinderung bestimmter TBC-Formen ihre Anwendung, da Kleinkinder unter 5 Jahren schneller als Erwachsene an einer TBC erkranken können.
Eine wirkliche Vorbeugung gegen das Eindringen des Bakteriums in den Körper besteht aufgrund der vielfältigen Übertragungswege im Prinzip nicht. Natürlich sollten in Risikoländern mit einer hohen Anzahl Infizierter bestimmte Maßnahmen getroffen werden. Diese beschränken sich im Prinzip jedoch auf eine gründliche Hygiene, eventuell ein Mundschutz in der Öffentlichkeit, kein Händeschütteln oder anderer Körperkontakt sowie die Vermeidung von nicht durchgekochten und offenen Lebensmitteln. Die beste Abwehr gegen Tuberkulose ist ein gesundes Immunsystem.

 

 

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