Mobilität im Alter durch moderne Gehhilfen

Mobilität im Alter durch moderne Gehhilfen

Wenn alles gut geht, folgt das Menschenleben einer Kurve, die sich ungefähr so beschreiben lässt: Als Säugling können wir uns praktisch noch nicht autark bewegen und sind total abhängig von unseren Eltern. Als Kleinkind sind wir sehr stolz auf den täglichen Zugewinn an eigener Mobilität. Kinder und Jugendliche haben diesbezüglich dann einen Höhepunkt erreicht. Wer nicht gerade regelmäßig nennenswerten Sport treibt, bemerkt schon den ersten körperlichen Rückbau an Kraft, Ausdauer und Fitness ab ca. 30 Jahre. Danach flacht sich die Kurve des Lebens langsam immer weiter ab und ungefähr ab Mitte 50 erleben sehr viele Menschen einen Mobilitästrückgang. Um einen  Mobilitätsverlust zu verhindern, gibt es heute technisch hochentwickelte Gehhilfen und Möglichkeiten, so lange wie möglich im Alter mobild zu bleiben!

Wie äußert sich ein Mobilitätsverlust im Alter?

Im Normalfall, wenn nicht gerade ein plötzlicher Verkehrsunfall für Einschränkungen sorgt, ist es der schleichende zunehmende Verschleiß der Gelenke, der den älteren Menschen zu schaffen macht. Am häufigsten betroffen sind die Knie, Hüftgelenke, aber auch die Sprunggelenke oder die Wirbelsäule. Die Diagnose heißt dann meistens Arthrose, wobei der Arzt oft noch einen Ausprägungsgrad mit dazu angibt.

Nicht zwangsläufig ist jeder alte Mensch davon betroffen. Es gibt mehrere Ursachen, die aber häufig auch gemeinsam, also sich gegenseitig verstärkend, zur Auswirkung kommen können. Da sind zunächst die genetische Disposition, beruflich bedingte jahrzehntelange einseitige Bewegungen, übertriebene sportliche Aktivitäten, die am Ende mehr schaden als nützen oder auch eine lebenslange falsche Ernährungsweise, die die chemische Zusammensetzung des Knorpels negativ beeinflusst hat. Auch eine mangelhafte Flüssigkeitsaufnahme steht der Regeneration des Knorpelmaterials entgegen.

Wie viele Menschen sind vom Thema Mobilität und Mobilitätseinschränkungen betroffen?

Allein in Deutschland hat fast jeder Zweite über 50 eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Arthrose in mindestens einem Gelenk. Hinzu kommen noch alle Bewegungseinschränkungen durch Fehlbildungen, Behinderungen, Unfälle oder ganz andere Erkrankungen. Insofern sprechen wir hier von sehr hohen Fallzahlen, die im gesamten Bereich der Orthopädie einen Bedarf nach Betreuung und guten Therapien haben. Tendenz steigend. Die Gesamtzahl der Betroffenen für Deutschland wird auf ca. 15 bis 20 Mio. Menschen geschätzt.

Was bedeutet Mobilität für ein Individuum?

Im Tierreich bedeuten schon geringfügige Einschränkungen der Bewegungsfreiheit nach kurzer Zeit das Todesurteil. Umso erfreulicher ist es, dass die Menschheit humane Gesellschaftsformen entwickelt hat, die es kranken Menschen ermöglichen, fast gefahrlos weiterleben zu können. Dieses hohe Gut der Humanität hat leider noch immer nicht in allen Regionen unserer Welt Einzug gehalten.

Oft ein schwerer Schritt bei dem die Angehörigen zur Seite stehen sollten: Der Einsatz von Gehhilfen ist für viele alte Menschen schwer zu ertragen

Oft ein schwerer Schritt bei dem die Angehörigen zur Seite stehen sollten: Der Einsatz von Gehhilfen ist für viele alte Menschen schwer zu ertragen

Mobilität, und damit ist hier jetzt nicht die Infrastruktur aus Bahn, Straße, Schifffahrt oder Flugverkehr gemeint. Sondern die absolut uneingeschränkte körperliche Bewegungsfreiheit jedes einzelnen Menschen. Dies ist die Basis dafür, alle Lebenschancen zu nutzen, die unser Dasein zu bieten hat.

Wer zum Beispiel mit einem verkürzten Bein geboren wird, hat von vornherein nicht die Chance, Olympiasieger im Laufen oder gefeierter Fußballstar zu werden. Und auch jede andere körperliche Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten bedeutet immer ein drastisches Beschneiden von Lebenschancen.

Für den alten Menschen, der sich ohne Hilfe nicht mehr aus dem Haus wagen kann, bedeutet die Einschränkung seiner Mobilität einen ganz enormen Verlust an Lebensqualität.

Welche Gehhilfen gibt es?

Da fällt den meisten Menschen wahrscheinlich der gute alte „Krückstock“ ein, den sofort jeder vor Augen hat, wenn er zum Beispiel an einen sehr alten Mann denkt. Dabei ist diese einfache Art der Gehhilfe nicht zu empfehlen, da sie den Körper ganz einseitig belastet. Auch von Stabilität beim Gehen oder Stehen kann beim Gehstock keine Rede sein. Für viele Ältere Menschen reicht dieser aber auch mit fortschreitendem Mobilitätsverlust nicht mehr aus.

Die offiziellen Bezeichnungen beziehungsweise Definitionen der vielfältigen Gehhilfen findet man zum Beispiel im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherungen GKV. Dort wird nach den folgenden Produkten unterschieden:

1.) Gehhilfen für Innenräume – Produktgruppe 10.46

  • starre Gehgestelle
  • reziproke Gehgestelle: Sie zeichnen sich durch Seitenteile aus, die gegeneinander gelenkig bewegbar sind.
  • Gehgestelle mit zwei Rollen
  • Gehwagen (Rollator) mit Arm- oder Achselauflagen
  • Gehwagen für Kinder
  • Gehübungsgeräte wie Gehbarren

2.) Gehhilfen für den Innen- und Außenbereich (auch im Straßenverkehr) – Produktgruppe 10.50

  • Handstock
  • Gehstöcke (Krücken)
  • Gehstöcke mit anatomischen Handgriffen
  • Mehrfußgehhilfen
  • Mehrfußgehhilfen mit anatomischen Handgriffen
  • Unterarmgehstützen
  • Unterarmgehstützen mit anatomischen Handgriffen
  • Arthritisstützen
  • Achselstützen (werden auch als amerikanische Krücken bezeichnet)
  • dreirädrige Gehhilfe (Deltarad)
  • vierrädrige Gehhilfe (Rollatoren)

3.) Gehhilfen ohne speziellen Anwendungsort – Produktgruppe 10.99
Hier nur der Vollständigkeit halber genannt. Es handelt sich dabei lediglich um Zubehör wie Stockpuffer oder Stockhalter.

Welche Lösungen bietet der Markt?

Hier möchten wir ganz kurz die bestimmenden Features verschiedener marktgängiger Gehhilfen ansprechen.

  • Die Mehrfußgehhilfen, das sind zum Beispiel die Dreipunkt-, Vierpunkt- oder Fünfpunktgehstützen, zeichnen sich durch Oberteile aus, die wie Gehstöcke aussehen, aber nach unten hin eben auf drei bis fünf abgespreizten Einzelaufstandspunkten aufsetzen.
  • Gehrahmen oder Gehgestelle sind sehr leichte Stützgestelle, die mit vier Aufstandspunkten ausgestattet sind. Bei jedem einzelnen Schritt müssen diese etwas angehoben werden, um dann gleich eine Schrittweite weiter vorne wieder aufgesetzt zu werden. Damit lassen sich nur kurze Strecken in längeren Zeiten bewältigen.
  • Gehwagen sind Gehgestelle auf Rädern. Diese Hilfen müssen natürlich nicht angehoben werden und ermöglichen ein deutlich schnelleres Vorankommen. Sie werden meistens im Innenbereich verwendet. Es gibt dafür auch spezielle orthopädische Armstützen, die beispielsweise bei verminderter Greiffähigkeit gute Unterstützung bieten.
  • Der Rollator ist ein Gehwagen, der auch im Außenbereich und auf der Straße verwendet werden kann. Er ist recht robust konstruiert, mit Bremsen ausgestattet und oft sind auch Sitzflächen und Rückenlehnen verbaut. Wer damit viel auf der Straße unterwegs ist, sollte auf besonders große Räder achten.
  • Dreirad– beziehungsweise Delta-Gehräder zeichnen sich durch Aufstandspunkte in Dreiecksform aus. Sie sind zwar noch etwas beweglicher als ein Rollator, aber dafür nicht ganz so stabil und sicher.

Wo sollte in Zukunft noch mehr zum Thema „Mobilität“ entwickelt werden?

Menschen, deren Bewegungseinschränkung noch moderat beziehungsweise noch nicht so weit fortgeschritten ist, würden sich oftmals noch gern mehr, schneller und sportlicher fortbewegen. Für alle Fälle, in denen es an Armkraft nicht mangelt, deren Schultergelenke nicht betroffen sind, die aber eine Entlastung für die Beine (besonders Knie und Hüfte) brauchen, bietet sich eine Laufhilfe an, die es zurzeit noch nicht gibt.

Gebraucht wird ein leichtes Gestell auf vier (größeren) luftgefüllten Leichtlaufrädern, in dessen Mitte sich der Läufer gut bewegen kann. Die Arme und Hände können sich dabei an den Seiten kraftvoll aufstützen, um die Beine vom Körpergewicht beliebig zu entlasten. Dieses Gestell ermöglicht jedem Kniepatienten wieder das Jogging.

Darüber hinaus müssen die Vorderräder durch geringfügige Gewichtsverlagerung lenkbar sein und wenn es leicht bergab geht, können die Füße seitlich aufgestellt werden. Selbstverständlich ist eine Bremsvorrichtung erforderlich und vor dem Bauch- oder Brustbereich sollte es auch eine Ablage für eine größere Tasche geben. Mit einer hinteren Querstange könnte sogar eine Sitzgelegenheit realisiert werden. Das Hinzufügen einer Beleuchtung ist sicher problemlos machbar.

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