Viele zuckerhaltige Lebensmittel, Getränke und Gebäcke sind schmackhaft aber ungesund. Laut Studien und wissenschaftlicher Erkenntnisse trägt der Süßmacher zu tödlichen Herzkrankheiten, Fettleibigkeit, Karies, Depressionen, Burn-out-Syndromen und diversen anderen Beeinträchtigungen des menschlichen Organismus bei. Die WHO reagiert! So wurde die empfohlene Zucker-Menge von zehn Prozent der Tageskalorien auf fünf Prozent reduziert. Ausgenommen davon ist natürlicher Zucker, der in Milch, Gemüse oder Früchten enthalten ist.

Industriezucker – ein unnötiges Übel

Zucker beziehungsweise Glukose ist in kleinen Mengen lebensnotwendig. Beispielsweise benötigt das Hirn in etwa 120 bis 150 Gramm Zucker am Tag. Doch auch für Stoffwechselvorgänge im Blut, die Muskulatur oder für die Zellen der Nebennieren ist Fruchtzucker ein wichtiger Bestandteil. Zucker ist in Gemüse wie beispielsweise Kartoffeln (0.8 Gramm/100 Gramm) enthalten. 100 Gramm Karotten weisen einen Zuckergehalt von 4.7 Gramm auf. Zuckerhaltiger ist Obst wie Bananen (12 Gramm), Ananas (10 Gramm) oder Äpfel (10 Gramm). Grundsätzlich ist der Körper auch ohne die Aufnahme von Zucker in der Lage, Glycerin über Nieren und Leber selbstständig herzustellen. Dafür müssen dem Organismus ausreichend Fette und Eiweiße oder Kohlehydrate zur Verfügung stehen. Beim normalen Verzehr hat natürlicher Zucker in Form von Obst und Gemüse keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Eine Ausnahme stellen Personen mit Fructoseintoleranz oder Diabetiker dar. Häufiger Auslöser für gesundheitliche Probleme ist der industriell hergestellte Zucker, welcher in Softdrinks, Süßigkeiten, Marmeladen oder Nuss-Nougat-Cremes vorzufinden ist. Der Industriezucker wird auf Produkten bewusst sehr unterschiedlich deklariert, und zwar gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Saccharose
  • Fruchtzucker
  • Malzzucker
  • Milchzucker
  • Traubenzucker

In puncto Gesundheit sind diese Zuckerarten unabhängig von der Bezeichnung schädlich.

 

Zucker und die Störung des Insulinhaushalts

Speziell preiswerter Sirup aus Mais, welcher vielen Lebensmittel zugefügt wird, ist gesundheitsgefährdend. Auch brauner Zucker wird wie weißer Zucker aus Zuckerrohr und Zuckerrüben gefertigt. Unterschiede sind lediglich in der Herstellung, Geschmack und mit der Farbe gegeben. Der geringe Anteil an Spuren von Mineralstoffen im braunen Zucker hat keinen positiven Effekt auf den Organismus. Der Zucker gelangt nach Aufnahme der Nahrung vom Magen in den Dünndarm und ins Blut. In Folge verwertet das Hormon Insulin den Zucker aus dem Blut und verteilt diesen in die Zellen der Nieren, Leber und Muskeln. Der Ausstoß von Insulin führt zur Bildung von Serotonin. Ein Stoff, den der Mensch als Glücksgefühl wahrnimmt. Der Mangel an Serotonin hat häufig Depressionen und den Heißhunger auf Süßes zur Ursache. Daher wird Zucker unter anderem auch als „legale Droge“ bezeichnet. Überschüssiger Zucker wird als Glukose in der Muskulatur, Herz und Leber gespeichert.

 

Mögliche Folgen des hohen Zuckerkonsums

Durch diesen Prozess kann ein zu hoher Zuckerkonsum zur bekannten Fettleibigkeit aber auch zu einer Leberverfettung sowie der erhöhten Bildung von Fettzellen im Herzbereich führen. Forschungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC ergaben, dass der Zuckerkonsum das Risiko tödlicher Herzkrankheiten bis zu 300 Prozent erhöhen kann. Die Störung des Insulinhaushalts ist nur bedingt abhängig vom Gewicht einer Person. Etwa 15 Prozent aller Typ II Diabetiker haben kein Gewichtsproblem. Ärzte der Harvard Medical School in Boston sind der Annahme ein hoher Zuckerkonsum unterstützt zudem das Wachstum von Tumorzellen. Diesbezüglich gibt es keine wissenschaftlichen Nachweise. Dennoch treten bestimmte Krebsarten bevorzugt bei Diabetikern auf. Des Weiteren ist bei einer Fettleber die Entgiftungsfunktion eingeschränkt, was wiederum zu erhöhten Blutfettwerten und einer schnelleren Fettzellenbildung führen kann. Die Krankheitserscheinungen der zu hohen Zuckerdosis reichen von der Insulinresistenz und Beeinträchtigung der Fettverbrennung über Blähungen, Gicht, Diabetes, Durchfall, Verstopfungen, Bluthochdruck bis hin zur schnelleren Zellenalterung. Bei Kindern und Erwachsenen ist ein hoher Zuckerkonsum zum Teil durch ein aggressives und nervöses Verhalten ersichtlich. So ist bereits des längeren bekannt, dass Zucker eine Ursache für die zunehmende Häufigkeit der ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) unter Kindern und Jugendlichen ist.

 

WHO – neue Empfehlungen für den Zuckerverbrauch

Die World Health Organization (WHO) reagiert auf die Problematik des Industriezuckers mit neuen Zucker-Richtlinien. So wurde der bisherige Richtwert von 10 Prozent der täglichen Kalorien in Form von Zucker auf 5 Prozent gesenkt. Dies begründet die WHO mit der Auswertung von etwa 9000 Studienergebnissen. Das wären 24 beziehungsweise 30 Gramm Zucker bei einem Durchschnittsbedarf von 1900 Kilokalorien bei Frauen und 2400 Kilokalorien für Männer pro Tag. Besonders schwierig wird die Realisierung des vorgeschlagenen WHO-Zielwertes für Personen, der westlichen Länder wie Deutschland sein. Laut Statistiken betrug der Konsum von Zucker in Deutschland im Jahr 2012 etwa 32 Kilogramm pro Kopf. Ein Zuckerkonsum von 0.88 Gramm pro Tag. Ein deutsches Kind verzeichnet im Jahr einen Zuckerverbrauch von circa 51 Kilogramm im Jahr. Dies entspricht etwa 139 Gramm Zucker am Tag.

 

Durch Einhaltung des Zucker-Richtwerts sinkt die Kariesgefahr

Wie schwierig die aktuellen Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation umzusetzen sind, verdeutlichen einige Beispiele. So wird beim Genuss einer 100 Gramm Milchschnitte (24 Gramm Zucker) der Tagesbedarf für Frauen bereits abgedeckt. Eine 100 Gramm Vollmilchschokolade enthält 56 Gramm Zucker. In einer 0.33 Liter Cola-Dose befinden sich 37 Gramm Zucker. Diese Menge entspricht etwa 9 Teelöffel Zucker. Empfohlen werden jedoch 6 (Frauen) beziehungsweise 7 oder 8 Teelöffel (Männer). Dass vom schmackhaften Süßmacher weniger mehr ist, ist nichts Neues. Bereits in der Fachzeitung „BMC Public Health“ wurde berichtet, dass mit der Zuckeraufnahme von über drei Prozent des täglichen Energiebedarfs, die Gefahr von Karies ansteigt. In afrikanischen Ländern, wo kaum Schokolade und anderweitige Süßigkeiten gegessen werden leiden nur zwei Prozent der Bevölkerung unter Karies. Im Vergleich dazu sind in den Vereinigten Saaten über 90 Prozent von der infektiösen Zahnkrankheit betroffen. Nach Angaben der AOK hatte im vergangenen Schuljahr nahezu jedes fünfte Kind im Norden Deutschlands Karies.

 

Alternativen und Lösungen für die Reduzierung des Zuckerkonsums

Für westliche Nationen ergibt sich ein Konflikt zwischen Gesundheitsausgaben und der Zuckerindustrie. Eine Möglichkeit den Zuckerkonsum in Deutschland zu minimieren wäre mit der Einführung einer deutschen Zuckersteuer gegeben. Bis Ende 1992 gab es eine Deutsche Zuckersteuer. Seit Januar 1993 ist die Verbrauchersteuer kein Bestandteil der deutschen Gesetzgebung mehr. Dänemark hatte im Jahr 2011 eine Zucker- und Fettsteuer eingeführt. Im November 2012 wurde die Zuckersteuer wieder abgeschafft, da Konsumenten ihre Süßwaren in grenznahen Gebieten kauften. In Frankreich gibt es seit 2012 eine „Coca-Cola-Steuer“. In Mexiko wurde 2013 eine Strafsteuer für kalorienhaltige Getränke und Süßigkeiten eingeführt. Steuern sind stark umstritten. Als Alternative würde sich eine spezielle Kennzeichnung zuckerhaltiger Lebensmittel anbieten. Auch das Entfernen öffentlicher Softdrink-Automaten wäre eine Lösung. Laut DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft) sind mehr als 6 Millionen Menschen in Deutschland zuckerkrank. Jeden Tag erkranken etwa 700 Personen an Diabetes. Unter den erkrankten sind viele Kinder. Experten raten zu einer geringeren Besteuerung gesunder Lebensmittel wie Gemüse und die Anhebung der Steuern bei zuckerhaltigen Speisen und Getränken. Die einfachste Option für ein gesundes Leben ist mit der Einhaltung von 24 und 30 Gramm Zucker am Tag gegeben.

 

Quellen: