Rauchen gilt als die häufigste vermeidbare Todesursache in der westlichen Welt. In Deutschland werden jährlich ungefähr 130.000 Menschen Opfer ihres Tabakkonsums. Obwohl die Gefahren eigentlich hinreichend bekannt sein müssten, greifen in Deutschland etwa 20 Millionen Menschen täglich oder mehrmals in der Woche zur Zigarette. Unter den Rauchern finden sich in allen Altersgruppen mehr Männer als Frauen. Der Prozentsatz rauchender Frauen nimmt aber weltweit immer mehr zu. Trotz der Tatsache, dass bei Jugendlichen das Nichtrauchen immer mehr im Trend liegt, rauchen sie im Schnitt mit 13,7 Jahren ihre erste Zigarette. Die eigentliche Sucht und der tägliche Griff zur Zigarette beginnen durchschnittlich im Alter von 16 Jahren. Je älter die Jugendlichen werden, desto öfter greifen sie auch zur Zigarette. Fast die Hälfte aller rauchenden Männer konsumiert täglich 20 Zigaretten oder mehr. Damit zählen sie nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den starken Rauchern. Vor allem die starken Raucher und Raucherinnen sind anfällig für die sogenannten tabakbedingten Erkrankungen. Insbesondere das Herz-Kreislauf- und das Lungensystem nehmen durch das Rauchen schweren Schaden.

Der Einfluss von Zigarettenrauch auf das Herz-Kreislauf-System

Das Herz-Kreislauf-System besteht zum einen aus dem Herzen selber und zum anderen aus den zu- und ableitenden Gefäßen. Diese Gefäße bezeichnet man auch als Arterien bzw. Venen. Die linke Seite des Herzens pumpt das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge in die Arterien. Diese versorgen sämtliche Strukturen des Körpers mit sauerstoff- und nährstoffhaltigem Blut. Über die Venen gelangt das Blut dann in die rechte Seite des Herzens. Von dort wird es in die Lunge gepumpt, wo Kohlendioxid gegen Sauerstoff ausgetauscht wird. Über die Lungengefäße gelangt das Blut nun wieder auf die linke Herzseite und der Kreislauf beginnt erneut. Das Nikotin aus der Zigarette regt das Herz dazu an schneller zu schlagen. Dadurch steigt der Sauerstoffbedarf des Herzens. Gleichzeitig wirkt das Nikotin aber gefäßverengend, sodass unter Umständen nicht mehr ausreichend Blut in die Herzkranzgefäße gelangt. Das Herz ist also unterversorgt. Dies kann sich in Angina pectoris-Anfällen (plötzlich auftretender Schmerz in der Brust) bemerkbar machen. Auch die Arterien des Körpers werden verengt. Das Herz muss nun also nicht nur schneller schlagen, sondern auch gegen einen erhöhten Gefäßwiderstand, und damit gegen einen erhöhten Blutdruck anpumpen. Wenig verwunderlich also, dass die Koronare Herzkrankheit gehäuft bei Rauchern zu finden ist. Die verminderte Durchblutung des Herzens erhöht zudem das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden. Raucher haben ein um 65 Prozent höheres Herzinfarktrisiko als Nichtraucher. Nikotin und andere Inhaltstoffe der Zigarette haben zusätzlich eine schädigende Wirkung auf die Blutgefäße und gelten somit als einer der größten Risikofaktoren bei der Entwicklung einer Arteriosklerose. Die Schadstoffe aus der Zigarette schädigen die Gefäßwand. Die so entstehenden Risse werden durch das LDL-Cholesterin provisorisch verschlossen. Durch folgende Reparaturversuche des Körpers entstehen in den Gefäßen sogenannte Plaques. Diese behindern nicht nur den Blutstrom, sie können sich auch lösen und so beispielsweise einen Schlaganfall verursachen. Arteriosklerose ist auch die Hauptursache für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Nicht umsonst wird die schwerste Manifestation der pAVK auch als Raucherbein bezeichnet. Durch den Gefäßverschluss kommt es zu einer Unterversorgung des entsprechenden Gebietes. Dadurch entstehen Geschwüre und schwärzliche Verfärbungen der Haut. In fortgeschrittenen Fällen ist eine Amputation des betroffenen Beins erforderlich.

Auswirkungen von Rauch auf die Lunge und die Atemwege

Durch den Zigarettenqualm entstehen in der Lunge und in den Atemwegen massive Schäden. So werden rund 85 % aller Lungentumore durch Tabakkonsum verursacht. Der Atemtrakt besteht aus:

  • Nasen- und Mundhöhle
  • Luftröhre
  • Bronchien
  • Lunge

Die Lunge dient der Atmung. Die Lungenbläschen innerhalb der beiden Lungenflügel nehmen Sauerstoff aus der Atemluft auf und geben Kohlendioxid ab. Im Tabakrauch finden sich verschiedene schädliche Substanzen, die innerhalb der Atemwege Entzündungsreaktionen verursachen können. Zunächst ist davon meist das sogenannte Flimmerepithel betroffen. Das Flimmerepithel sitzt in Form kleiner Härchen der Schleimhaut der oberen Atemwege auf und dient der Reinigung. Die Härchen bewegen sich in Richtung Rachen und transportieren so Schadstoffe und Krankheitserreger weg von den Atemwegen. Im Rachen gehen die Schadstoffe in den Speichel über, werden verschluckt und von der Magensäure unschädlich gemacht. Ohne das Flimmerepithel gelangen vermehrt Erreger und Schadstoffe in die Lunge. Raucher leiden häufiger unter Infektionen der Bronchien und der Lunge. Zudem verlaufen Atemwegserkrankungen bei ihnen schwerer als bei Nichtrauchern. Der Zigarettenrauch verändert auch die Zusammensetzung des Bronchialschleims. Dieser wird zäher, sodass es zu einem Schleimstau kommt. Infolge resultiert oft eine chronische Bronchitis. Lungenerkrankungen die mit Husten, einem vermehrten Auswurf und Atemnot bei Belastung einhergehen, ordnet man der Gruppe der chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen zu (COPD). Umgangssprachlich wird die COPD auch als Raucherhusten bezeichnet. Im Spätstadium leiden die COPD-Patienten unter einem Lungenemphysem. Die Lungenbläschen sind überbläht, ein Gasaustausch ist kaum möglich. Chronische Atemnot auch im Ruhezustand ist die Folge. Im Endstadium ist es den Patienten nicht mehr möglich eine Kerze aus einer Entfernung von nur 15 Zentimetern auszupusten.

Neue Folgeschäden durch Rauchen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenschädigungen durch das Rauchen sind heutzutage hinreichend bekannt. Aktuelle Studien bringen aber neue Folgeschäden durch das Rauchen ans Licht. So scheint es, dass bei Frauen, deren Mutter während der Schwangerschaft zur Zigarette gegriffen haben, das Risiko erhöht ist, an Eierstock- oder Brustkrebs zu erkranken. Rauchen während der Schwangerschaft erhöht zudem das Risiko, dass die Kinder an Asthma erkranken oder fettleibig werden. Auch ein geringeres Geburtsgewicht und eine schlechte Lungenkapazität werden mit dem Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft in Verbindung gebracht. Nähere Informationen bietet dieser Artikel.

Schäden durch Passivrauchen

Doch nicht nur der Raucher selber ist durch sein Laster gefährdet. Denn der Rauch, der beim Passivrauchen eingeatmet wird, enthält exakt dieselben Schadstoffe wie der Rauch, der vom Raucher selbst inhaliert wird. Sind Frauen während der Schwangerschaft Rauchern ausgesetzt, so können die Kinder bei der Geburt Untergewicht oder einen kleineren Kopfumfang aufweisen. Kinder von rauchenden Eltern leiden häufiger unter Atemwegserkankungen als die Kinder von Nichtrauchern. Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr mehr als 3000 Menschen an den Folgen des Passivrauchens.

Mit dem Rauchen fällt vielen Menschen aus verschiedenen Gründen sehr schwer

Mit dem Rauchen fällt vielen Menschen, aus verschiedenen Gründen, sehr schwer

Warum das Aufhören so schwer fällt

Durch breit angelegte Aufklärungskampagnen sind die Risiken des Rauchens eigentlich hinreichend bekannt. Trotzdem fällt es vielen Rauchern extrem schwer, ihr Laster aufzugeben. Die Nikotinabhängigkeit scheint dabei nur ein Faktor zu sein. Forscher fanden bei Rauchern während des Rauchens eine erhöhte Aktivität im dorsalen Stratium, einem Teil des Gehirns. Dieser Teil ist normalerweise bei routinemäßigen Aktivitäten wie Radfahren oder Zähneputzen aktiv. Dies zeigt, dass Rauchen tatsächlich eine automatisierte Gewohnheit ist. Solche erlernten Gewohnheiten lassen sich nur schwer wieder löschen. Selbstkontrolle allein ist also für einen erfolgreichen Rauchstopp nicht ausreichend.

 

 

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