Unsere vermeintlich fortschrittliche Lebensweise besitzt mitunter eine ganze Reihe an ungesunden Nebenwirkungen. Während leistungsorientierte Gesellschaftsphilosophien dem Einzelnen Zeit und Privatsphäre rauben, werden an anderer stelle Ressourcen und natürliche Lebensräume reduziert. Allerdings sind dies nicht die einzigen festzustellenden Einbußen. Gerade in Sachen Bevölkerungsgesundheit lassen sich ebenfalls immer größer werdende Defizite feststellen. Am schlimmsten davon betroffen sind Kinder und Jugendliche, also genau die Generation, die es künftig mit all den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit aufnehmen soll. Mediziner und Forscher schlagen bereits Alarm.

 Krankhaft süß – Diabetes bedroht junge Generationen

In den letzten Jahren beobachteten Mediziner einen besorgniserregenden Anstieg an Diabetes Erkrankungen. Allein bei den unter 18 Jährigen wurden 2013 etwa 30.000 Fälle registriert, was eine Erhöhung von Jugenddiabetes um knapp 4 Prozent bedeutet. Verwunderlich ist die Anfälligkeit der Jüngsten in der Gesellschaft für Zuckerkrankheiten nicht, denn da sich ihr Körper noch im Wachstum befindet, ist ihr Stoffwechsel noch nicht völlig ausgereift. Aus diesem Grund kann es auch unglaublich schnell zu einem Ungleichgewicht im Blutzuckerspiegel kommen.

Die Ursachen für dieses Debakel sind schnell ausfindig gemacht. Ungesunde Ernährung und zu wenig Sport, zwei Aspekte, die leider kennzeichnend für den Alltag unserer modernen Zivilisation sind, ergeben einen gefährlichen Ursachen-Mix, der zum einen für Übergewicht und Mangelerscheinungen im Bereich der Nährstoffaufnahme sorgt, zum anderen aber auch den Zuckerhaushalt des jugendlichen Körpers irreparabel beschädigt. Sowohl Typ 1 als auch Typ 2 der Diabeteskrankheit werden so direkt oder indirekt durch falsche Ess- und Lebensgewohnheiten begünstigt. Einen Großteil der Schuld tragen hier freilich Lebensmittelhersteller. Vor allem das unnatürliche Maß an Kohlehydraten, zu denen auch der Zucker selbst gehört, gilt gemeinhin als Diabetes Verursacher Nummer eins. Doch auch Eltern stehen in der Verantwortung.

Weil in immer mehr Familien beide Elternteile berufstätig sind bzw. sein müssen, fällt eine ernährungsbewusste Erziehung immer öfter unter den Tisch. Zeit sparen heißt es, wenn es um die Zubereitung der Mahlzeiten geht und manchmal sind die Schützlinge in Sachen Nahrungsbeschaffung gar auf sich selbst gestellt. Fertigprodukten, Fast Food und Süßkram gewährt diese mangelhafte Anleitung zum richtigen Essverhalten natürlich schnell unentdeckten Einlass in den kindlichen Lebensraum. Kommt dann noch ein stundenlanges Sitzen vor dem Fernseher oder Computer dazu, hat eine Zuckerkrankheit freie Bahn.

Noch mehr ernährungs-basierte Gefahren für Kinder

Neben Diabetes messen Ärzte auch einen Anstieg weiterer Erkrankungen bei jungen Menschen. Die Hälfte davon ist einem außer Kontrolle geratenen Stoffwechsel zuzuschreiben, der sich hauptsächlich aus einer Fehlernährung ergibt. Glaubt man den Statistiken des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, so stieg der Anteil an von Bluthochdruck betroffenen Schul- und Vorschulkindern beispielsweise auf jeweils 10 und 4 Prozent. Tendenz steigend. Als Hauptauslöser gilt Übergewicht, das wie manche Zuckerkrankheiten ebenfalls durch falsches Essverhalten und Bewegungsmangel ausgelöst wird und seit einigen Jahren wie eine Seuche unter der jungen Generation grassiert.

Zu den typischen Ernährungskrankheiten kommen darüber hinaus noch neuartige Lebensmittelallergien. Lebensmittelforscher betrachten sie als ein mögliches Risiko sogenannter ‚Novel Foods‘, die aufgrund ihrer genmanipulativen Herstellung seit einiger Zeit heiß diskutiert werden.

Ungeahntes Problempotential – Vom Seelenschmerz der Heranwachsenden

Dass psychische Störungen angesichts beruflicher Stresssituationen bei Erwachsenen derzeit Hochkonjunktur feiern, ist allgemein bekannt. Doch wie sieht es bei den Nesthäkchen der überarbeiteten Bürgerinnen und Bürger aus? Die Antwort lautet: verheerend. Laut einer Studie der Universität Leipzig, manifestieren sich Depressionen mittlerweile schon im Kindergartenalter. Gemäß den Forschungsergebnissen seien ca. 12 Prozent der untersuchten Kinder von schwerwiegenden Angstzuständen und chronischer Betrübtheit betroffen. Bei 10 Prozent wurden gar tiefgreifende depressive Störungen nachgewiesen. Ein verminderter Spielspaß, Schlafstörungen, aber auch Gereiztheit und Traurigkeit stellten dabei die häufigsten Belastungssymptome der kindlichen Psyche dar. Als Ursache nennt die Studie vor allem familiäre Spannungen, resultierend aus elterlichem Stress und Frust. Überforderungszustände, welche von den Erwachsenen oft in Form von Streit oder Aggression an die Kinder weiter gegeben werden.

Der rote Faden seelischer Probleme zieht sich nahtlos bis ins Schulalter durch. Zu allem Überfluss gesellen sich hier zu den familiären Konfliktdimensionen, noch der schulische Leistungsdruck, sowie natürliche Pubertätskrisen. Betrachten man die Gesamtheit des auf Kinder und Jugendliche ausgeübten psychologischen Drucks, ergibt sich daraus ein desaströser Nährboden für schwerwiegende, seelische Krankheiten, wie chronische Depressionen, Minderwertigkeitskomplexe, Borderline und Essstörungen. Bei letzterem schließt sich dann auch der Teufelskreis zu möglichen Ernährungskrankheiten.

Um die körperliche und geistige Unversehrtheit der Jugend wieder herzustellen, muss sich demnach etwas grundlegendes an den gängigen Sozialmechanismen unserer Gesellschaft ändern. Ausreichende Erholungsangebote oder gesundheitsorientierte Pflichterziehung könnten dabei ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Weiß man nicht weiter, sollte man auch nicht davor scheuen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – vom Hausarzt ist hier allerdings abzuraten! Schätzungen gehen davon aus, dass 60% bis 70% der hier diagnostizierten Depressionen Fehldiagnosen sind! In solchen Fällen sollte man sich daher immer an spezialisierte Fachärzte bzw. an einen Psychotherapeuten wenden.

  • Adressen und direkte Ansprechpartner zum Thema kann man bei der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Selbsthilfegruppen e.V. finden: http://www.dag-shg.de

 

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