Allgemein wird Durchfall als eine kurz oder lang anhaltende Verflüssigung des Stuhls bezeichnet. Im Kleinkindalter gehört der akute Durchfall zu den häufigsten Erkrankungen. In den ersten drei Lebensjahren leiden die Kinder im Schnitt ein- bis zweimal pro Jahr unter einer Durchfallerkrankung. Starke Durchfallerkrankungen können die kleinen Körper sehr schnell austrocknen, sodass Durchfall bei Kindern deutlich früher behandlungsbedürftig ist als bei Erwachsenen.

Wie entsteht Durchfall bei Kindern?

Durchfall ist keine Erkrankung an sich, sondern ein Symptom vieler Erkrankungen. Häufigste Ursache für Durchfall bei Kleinkindern sind Infektionen. Insbesondere Rota- oder Noroviren sind häufig der Auslöser. Tatsächlich können mehr als 70 Prozent aller Durchfallerkrankungen bei Kleinkindern auf das Rotavirus zurückgeführt werden. Das Virus wird über kontaminiertes Wasser oder kontaminierte Speisen, über Gegenstände oder Spielzeuge übertragen. Häufig stecken sich die Kinder im Kindergarten, in der Kindertagesstätte oder in der Schule an. Wenn nur ein Kind erkrankt ist, erkranken die anderen Kinder in der Regel auch. Das Virus ist hoch ansteckend. Bereits zehn Partikel sind ausreichend für eine Infektion. Weitere Ursache für Durchfallerkrankungen im Kindesalter ist eine Infektion mit Bakterien. Häufig handelt es sich dabei um E.coli. Seltener sind Infektionen mit Amöben oder Shigellen.
Durchfall kann aber auch als Nebenwirkung nach einer Therapie mit Antibiotika auftreten. Man spricht dann auch von einer Antibiotika-assoziierten Diarrhö. Antibiotika wirken antibakteriell, das bedeutet, dass sie Bakterien bekämpfen. Allerdings unterscheiden sie dabei nicht zwischen den schädlichen Erregern und den Bakterien, die Teil der gesunden Darmflora sind. So gerät das natürliche Gleichgewicht im Darm durcheinander und es kommt zu Magen-Darm-Beschwerden.
Durchfall bei Säuglingen kann auch die Folge der sogenannten Abstilldyspepsie sein. Hier kommt es beim Abstillen durch die Umstellung von Muttermilch auf Folgenahrung zu Verdauungsstörungen mit Durchfällen. Einen wichtigen Einfluss auf die Verdauung hat zudem die Ernährung der Kinder. So kann eine ballaststoffreiche Ernährung ebenso zu Durchfällen führen wie abführend wirkende Fruchtsäfte. Bei lang anhaltenden Durchfällen ist auch an Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien zu denken. Den Durchfällen kann eine Zöliakie oder eine Laktoseintoleranz zugrunde liegen. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sind zwar im Kindesalter noch nicht so verbreitet, bei chronischen Durchfällen sollten sie aber dennoch als Ursache in Betracht gezogen werden.

Wie äußert sich Durchfall bei Kindern?

Typisch für Durchfallerkrankungen sind häufiger Stuhlgang und eine veränderte Stuhlkonsistenz – Von einer erhöhten Stuhlfrequenz sprechen Mediziner dann, wenn es zu drei oder mehr Stuhlgängen pro Tag kommt. Der Stuhl wird breiig oder flüssig. Bei Stillkindern wird hingegen Stuhlgang bis zu fünf Mal pro Tag als normal angesehen. Durchfall bei Babys, die gestillt werden, zeigt sich als dünnflüssiger und übel riechender Stuhl. Der Durchfall kann bei allen Erkrankungen von Übelkeit, Abgeschlagenheit, Erbrechen, Fieber und Schwindel begleitet werden.

Durchfall bei Säuglingen und Durchfall bei Kleinkindern – Vorsicht bei diesen Symptomen

Scheidet das Kind länger als sechs Stunden dünnen und wässrigen Stuhl aus, so besteht die Gefahr der Austrocknung. Einen starken Flüssigkeitsmangel erkennt man bei Säuglingen an einer eingesunkenen Fontanelle. Auch eine geringe Urinproduktion und ein seltener Lidschlag sind Alarmzeichen. Verweigert das Kind die Nahrung, ist trinkfaul oder wirkt apathisch, sollte ebenfalls sofort ein Arzt aufgesucht werden. Generell ist es empfehlenswert, jede Durchfallerkrankung bei Kindern unter zwei Jahren vom Arzt abklären zu lassen.

Medikamente gegen Durchfall bei Kindern

Bei Kindern ist eine frühzeitige Behandlung sehr wichtig, da sie viel schneller dehydrieren als Erwachsene. Der Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten kann Herz, Nieren und Gehirn beeinträchtigen oder schädigen. Zur Stabilisierung des Stoffwechsels sollten deshalb stets Flüssigkeit und Elektrolyte zugeführt werden. In der Apotheke sind spezielle Elektrolytlösungen zur Substitution erhältlich. Diese gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen, sodass sie auch von Kindern gerne getrunken werden. Generell sollte darauf geachtet werden, dass die Kinder ausreichend trinken. Cola und Fruchtsäfte sind tabu. Tee aus Anis- oder Fenchelfrüchten oder Gemüsebrühe sind hingegen gut geeignet. Eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr ist in der Regel nur bei sehr schweren Durchfällen oder bei Durchfällen von Frühgeborenen nötig.
Studien haben gezeigt, dass Präparate mit Lactobazillen Durchfälle lindern können. Sie schützen und unterstützen die Darmflora im Kampf gegen die Erreger. Allerdings gilt, dass Arzneimittel Kindern nie in Eigenregie verabreicht werden sollten. Es sollte stets eine Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Auf keinen Fall sollten Kinder Medikamente aus dem Arzneimittelschrank erhalten, die eigentlich für Erwachsene gedacht sind.

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Apfel und Karotte sind natürliche und gesunde Produkte, die bei Durchfall bei Kindern helfen

Apfel und Karotte sind natürliche und gesunde Produkte, die bei Durchfall bei Kindern helfen

Früher wurde bei Durchfällen eine radikale Fastenkur empfohlen. Vor allem in Hinblick auf den Elektrolytverlust setzt man heute eher auf leicht verdauliche Nahrung. So kommt das erkrankte Kind auch schneller wieder zu Kräften. Auf süße, fettige und scharf gewürzte Speisen sollte allerdings verzichtet werden. Geeignete Lebensmittel sind zum Beispiel ein mit Schale geriebener Apfel, eine zerdrückte Banane oder Gemüsebrühe. Ebenso haben Haferflocken bei Durchfall gute Dienste erwiesen. Insbesondere in Form einer Haferschleimsuppe beruhigen sie Magen und Darm und schützen die angegriffenen Schleimhäute.
Für eine Haferschleimsuppe einfach zwei Esslöffel Schmelzflocken in 250 Milliliter kaltes Wasser geben. Salz oder einen Teelöffel Gemüsebrühe dazugeben und unter Rühren so lange köcheln lassen, bis die Suppe eine schleimig-dickliche Konsistenz hat.
Auch eine selbst gekochte Möhrensuppe ist ein gutes Hausmittel gegen Durchfall. Karotten enthalten genau wie Äpfel viel Pektin. Pektin wirkt im Darm wie ein Quellstoff und dickt so den Stuhl ein. Zudem legt sich das Pektin als Schutzfilm auf die Darmschleimhaut und beruhigt und schützt so das gereizte Gewebe.  Natürliche Hefe oder Heilerde können ebenfalls Linderung verschaffen. Sie sollten aber erst ab einem Alter von zwei Jahren verabreicht werden.

Wie lässt sich Durchfall bei Kindern vorbeugen?

Durchfall lässt sich nicht immer vorbeugen. Selbst bei bestem Immunsystem und guter Hygiene kann es zu einer Durchfallerkrankung kommen. Trotzdem lässt sich mit einfachen Vorbeugemaßnahmen das Risiko an Durchfall zu erkranken deutlich senken. Wichtigste Präventionsmaßnahme ist das Händewaschen. Schon kleine Kinder sollten lernen, sich in regelmäßigen Abständen de Hände zu waschen. Insbesondere nach dem Toilettenbesuch und vor dem Essen sollte Händewaschen Pflicht sein. Es gibt sogar spezielle Lieder oder Reime, die den Kindern die Händehygiene spielerisch näher bringen.  Auch ein gewissenhafter Umgang mit Lebensmitteln sollte selbstverständlich sein. Kinder sollten keine Speisen mit rohem Fleisch oder rohen Eiern verzehren. Insbesondere Geflügelfleisch muss immer gut durchgebraten sein.
Ist ein Familienmitglied an Durchfall erkrankt, sollte die Toilette zum Schutz der restlichen Familienmitglieder nach jedem Toilettengang desinfiziert werden. Falls eine Gästetoilette vorhanden ist, kann diese für die Zeit der Erkrankung als „Quarantänetoilette“ genutzt werden.
Vorsicht ist beim Spiel im Sandkasten geboten. Kleinkinder stecken sich vieles in den Mund und gelangen dadurch immer wieder in Kontakt mit Erregern. Das schult zwar das Immunsystem, kann aber unter Umständen zu schweren Infektionen führen. Besonders viele Erreger lauern im Sandkasten, denn dieser ist oft mit Hunde- oder Katzenkot verunreinigt. Auf dem Spielplatz sollte darauf geachtet werden, dass Kindern den Sand nicht in den Mund nehmen. Der eigene Sandkasten im Garten sollte durch Abdecken vor Hunde- und Katzenausscheidungen geschützt werden.
Rotaviren gehören zu den häufigsten Ursachen für Durchfall bei Kindern unter fünf Jahren. Dieser Erkrankung kann recht effektiv durch eine Schluckimpfung vorgebeugt werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts empfiehlt die Rotavirus-Impfung im Alter zwischen sechs und zwölf Wochen.

Muttermilch ist der perfekte Schutz gegen Infektionen bei Säuglingen

Muttermilch ist der perfekte Schutz gegen Infektionen bei Säuglingen

Für Säuglinge ist Muttermilch der beste Schutz vor Durchfallerkrankungen. Die Muttermilch enthält zahlreiche Inhaltsstoffe, die wertvoll für das kindliche Immunsystem sind. Das Hauptprotein der Muttermilch ist das Lactoferrin. Es ist in der Lage Mikroben zu zerstören und wirkt entzündungshemmend. Die Oligosaccharide der mütterlichen Milch verhindern, dass sich gefährliche Bakterien an die Darmschleimhaut der Säuglinge haften können. Zudem dienen die Oligosaccharide den gesundheitsfördernden Milchsäurebakterien als Nahrung, sodass diese sich vermehrt im kindlichen Darm ansiedeln. Ein weiterer Stoff der Muttermilch, das sogenannte Interleukin-7, bewirkt eine Vergrößerung des Thymus. So ist der Thymus von gestillten Kindern größer als der Thymus von Kindern, die nicht gestillt wurden. Der Thymus übernimmt im Kindesalter wichtige Immunfunktionen. Hier werden die Zellen des Immunsystems geprägt und so auf ihre späteren Aufgaben vorbereitet. Auch die in der Muttermilch enthaltenen Antikörper schützen das Kind in den ersten Lebensmonaten vor Infektionen.

Gibt es Kinder, die häufiger von Durchfallerkrankungen betroffen sind?

Vor allem Kinder, die in Kontakt mit vielen anderen Kindern sind, können häufiger an Durchfall erkranken. Ein bis zwei Durchfallerkrankungen pro Jahr sind normal. Leidet das Kind häufiger unter dem flüssigen Stuhl, kann eine Immunschwäche zugrunde liegen. Kinder mit einem schwachen Immunsystem fallen durch ständig wiederkehrende Infekte auf. Eine solche Immunschwäche kann angeboren oder erworben sein. Insbesondere wenn häufiger Infekte mit Komplikationen auftreten, die dann antibiotisch behandelt werden müssen, sollten Eltern mit dem behandelnden Arzt der Ursache nachgehen.

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