Sie war 49 Jahre alt, als sie ihr erstes Kind erwartete. Verwandte und Freunde rieten von der späten Schwangerschaft ab. „Denke an die gesundheitlichen Risiken.“ „Du bist zu alt für ein Kind.“ „Was soll das Kleine mit einer Mutter anfangen, die seine Oma sein könnte?“ Noch heute gibt es Vorurteile gegen Spätgebärende. Väter, die ihr erstes Kind über 50 zeugen, werden hingegen eher bewundert. Toll, was der noch leisten kann!

Der Anteil der „späten“ Eltern hat sich im Laufe der Zeit stark erhöht. Heute wird eine Erstgebärende als „späte Mutter“ bezeichnet, wenn sie das 42. Lebensjahr überschritten hat. Als „später Vater“ gilt er, wenn er mindestens 50 Jahre alt ist. Während bei ihr das Kinderkriegen durch das Klimakterium biologisch begrenzt wird, ist er auch im fortgeschrittenen Alter noch zeugungsfähig. Aber können späte Eltern das Kind überhaupt richtig erziehen? Wissen sie, was jungen Menschen guttut? Oder können nicht reifere Eltern besser auf ihr Kind eingehen? Verfügen sie nicht über mehr Lebenserfahrung und Abgeklärtheit, um die schwierigen Phasen in der Erziehung meistern zu können?

Kinder bekommen mit 50 plus – was sind die Gründe für die späte Elternschaft?

23 Jahre verheiratet und noch immer keine Kinder? Aber dann: „Ich bin schwanger – und das mit 50.“ „Ich werde mit 59 Jahren endlich Vater!“ Aber warum habt ihr so lange gewartet? Für die späte Schwangerschaft gibt es viele Gründe.

  • Wir konnten keine Kinder bekommen, denn mein Mann ist zeugungsunfähig. Schließlich entschieden wir uns für eine künstliche Befruchtung. Jetzt hat es endlich geklappt.
  • Wir wollten uns erst einmal eine gesicherte Existenz aufbauen. Die Karriere war uns wichtiger. Kinder wären dabei im Weg gewesen. Eine sehr egoistische Haltung?
  • Nach langer Zeit der Fehlentscheidungen habe ich endlich einen Partner, eine Partnerin gefunden, mit dem, mit der ich Kinder bekommen möchte. 

Kinder bekommen mit 50 plus – was spricht für eine späte Elternschaft?

Die Bestimmung unserer Großmütter war es, zu heiraten, Kinder zu bekommen und als treu sorgende Ehefrau, pflichtbewusste Hausfrau und gute Mutter ihrem hart arbeitenden Mann ein gemütliches Zuhause zu bieten. Inzwischen hat sich viel verändert. Die meisten Frauen möchten vor allem einen lukrativen, gut bezahlten Beruf ergreifen. Sie investieren viel Kraft und Zeit in ihre Karriere. Daher gerät die Familienplanung zunächst in den Hintergrund. Aber die biologische Uhr tickt, der Kinderwunsch kann schließlich nicht mehr zurückgestellt werden. So gebären immer mehr Frauen im letzten Moment ihr erstes Kind, kurz vor Beginn der Wechseljahre. Sie werden erst jenseits des 50. Lebensjahres Mutter, hin und wieder durch die Hilfe künstlicher Befruchtung. Auch frischgebackene Väter werden immer älter. Sie halten erst im Großvater-Alter ihren Säugling im Arm. Aber sind späte Eltern schlechte Eltern? Was spricht für Paare, die mit 50 plus ihr erstes Kind bekommen?

  • Späte Eltern haben meist für eine gesicherte Existenz gesorgt, sie sind finanziell in der Lage, ein Kind großzuziehen.
  • Eltern über 50 sind ausgeglichener und ruhiger geworden. Sie müssen nicht mehr jeden Spaß erleben, nicht auf jede Party gehen. Sie können sich ganz dem Kind widmen. Beruf und Karriere spielen keine große Rolle mehr.
  • Ihre Lebenserfahrung ist ein großer Vorteil bei der Erziehung.
  • Psychische Auswirkungen für das Kind: Es fühlt sich geborgen, das notwendige Urvertrauen kann sich bei Eltern mit Lebenserfahrung eher entwickeln.

Kinder bekommen mit 50 plus – was spricht gegen eine späte Elternschaft?

  • Spät Gebärende müssen mit gesundheitlichen Risiken rechnen. „Problemschwangerschaften“ sollten einer engmaschigen ärztlichen Kontrolle unterliegen.
  • Die künstliche Befruchtung ist für die Frau physisch und psychisch sehr belastend. Außerdem ist sie teuer und meist nicht gleich beim ersten Mal erfolgreich.
  • Eltern, die ihr erstes Kind erst in reiferen Jahren bekommen, konzentrieren sich oft zu stark auf ihren Nachwuchs. Eine Überversorgung stört eventuell die gesunde Entwicklung des Kindes.
  • Eltern über 50 sind nicht mehr so belastbar wie jüngere Menschen. Besondere Schwierigkeiten bereiten unter anderem die nächtlichen Störungen durch den schreienden Säugling.
  • Bei älteren Eltern stellen sich naturbedingt eher gesundheitliche Probleme ein. Was wird aus dem Kind, wenn Mutter oder Vater pflegebedürftig ist?
  • Spätestens im Schulalter kann das Kind später Eltern durch Mobbing verunsichert werden. „Du hast eine ‚Oma-Mutter‘ und einen ‚Opa-Vater. Das ist doch nicht normal.

Fazit: Eltern, die im Alter von über 50 Jahren noch Kinder zur Welt bringen, sind heute keine Seltenheit mehr. Die Gründe für eine späte Elternschaft sind vielfältig. Es gibt gute Argumente für, aber auch genug gegen Eltern über 50.