cholesterinAusgehend von den USA entwickelte sich in den 1970er Jahren eine undifferenzierte Verteufelung eines hohen Cholesterinspiegels im Blut, ohne zu berücksichtigen, wie wichtig und lebensnotwendig Cholesterin für viele Körperfunktionen ist. Nach der Jahrtausendwende wurden die empfohlenen Grenzwerte – wieder ausgehend von den USA – von Jahr zu Jahr sukzessive angehoben und seit 2015 jegliche harte Grenzwerte fallengelassen.

Cholesterin übt im Stoffwechsel viele lebensnotwendige Funktionen aus. Beispielsweise ist es an der Ausbildung von Synapsen im Gehirn beteiligt, mit denen sich Nervenzellen untereinander vernetzen und die der Weiterleitung von Nervenimpulsen dienen.
Cholesterin ist ein notwendiger und wichtiger Bestandteil aller Zell- und Plasmamembranen, einschließlich der Gefäßwände in Arterien und Venen. Darüber hinaus bildet es den Ausgangsstoff für die Produktion von Gallensäuren in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) für die Fettverdauung.
Auch als Grundstoff für die körpereigene Synthese einiger Steroid- und Geschlechtshormone wie Östrogen und Testosteron und des Stresshormons Cortisol wird Cholesterin benötigt. Sogar für die Bildung von Vitamin D unter Sonneneinfluss ist die Substanz vonnöten.
Cholesterin – auch als Cholesterol bezeichnet – gehört zu den lebenswichtigen Sterolen. Da es wasserunlöslich ist, bedient es sich sogenannter Lipoproteine als Transportvehikel für den Transport im Blut. LDL (low density lipoprotein) dient dabei dem Transport des Cholesterins von der Leber, dem Ort ihres Entstehens, zu ihrem Zielgewebe im Körper, und HDL (high density lipoprotein) transportiert überschüssiges Cholesterol zurück zur Leber zur weiteren Verstoffwechslung. Der Cholesteringehalt im Blut lässt sich deshalb nicht direkt messen, sondern es kann immer nur die momentane Konzentration an Lipoproteinen gemessen werden, aus denen Rückschlüsse auf den Cholesteringehalt gezogen werden.

Kann Cholesterin schädlich sein?

Wo viel Licht, ist auch Schatten, dieser Spruch gilt auch für das Cholesterol, das allerdings zu 75 bis 80 Prozent vom Körper selbst synthetisiert wird. Das bedeutet, dass die Ernährung mit cholesterinarmer oder cholesterinreicher Kost nur begrenzten Einfluss auf den Cholesterinspiegel im Blut hat. Neben all den lebensnotwendigen und wichtigen Funktionen, die den Grundstoff unentbehrlich macht, gibt es auch Probleme damit. Vereinfacht kann man sich vorstellen, dass ein Zuviel an Cholesterin Schaden in den Blutgefäßen anrichten kann, vor allem in Arterien und in den Koronararterien des Herzens. Es kann in und an den Wänden der Blutgefäße die Bildung der berüchtigten Plaques begünstigen.

Die Plaques, die sich zwischen der inneren Arterienwand (Intima) und der mittleren Wand (Media) bilden, bestehen hauptsächlich aus Bindegewebe, Fettsäuren, Kalziumphosphat und eingelagertem Cholesterin. Sie können sich unter weiterer Einlagerung so vergrößern, dass das Lumen der Adern eingeengt und ihre Funktionsfähigkeit zunehmend eingeschränkt wird. Ein Zuviel an Cholesterin kann daher das Auftreten von Arteriosklerose begünstigen und gilt als einer von mehreren Risikofaktoren für das Auftreten einer koronaren Herzkrankheit (KHK) oder einer anderen Herz-Kreislauf-Erkrankung (HKE).

Arterienverkalkung durch Cholesterin

Arterienverkalkung durch Cholesterin

Warum ist der Quotient aus LDL und HDL so wichtig?

Wie eingangs erwähnt, ist Cholesterin wasserunlöslich und benötigt für seinen Transport im Blut Lipoproteine als Transportvehikel. Die beiden Hauptklassen der Transporter sind LDLs und HDLs. Während die LDLs Cholesterin von der Leber zum Zielgewebe transportieren, nehmen HDLs überschüssige Cholesterinmoleküle im Gewebe auf und transportieren sie zurück zur Leber. In der Leber werden die HDLs entladen und das Cholesterin steht für eine weitere Verstoffwechslung zur Verfügung.
Es hat sich herausgestellt, dass das Verhältnis von LDL zu HDL unter 3,5 liegen sollte, um nicht als Risikofaktor eingestuft zu werden. Das bedeutet, dass eine relativ hohe LDL-Konzentration durch einen entsprechend hohen HDL-Spiegel kompensiert werden kann und keine Risikoerhöhung für das Auftreten einer KHK bedeutet. Umgekehrt kann ein niedriger LDL-Wert durchaus ein erhöhtes KHK-Risiko bedeuten, wenn auch der HDL-Spiegel entsprechend niedrig ist. Bei einer LDL-Konzentration von 150 mg/dl sollte der HDL-Wert bei mindestens 43 mg/dl betragen.

Der Gesamtcholesterinwert – wie er noch vor wenigen Jahren ausschließlich bei Laboruntersuchungen angegeben wurde – ist denkbar ungeeignet, um als Indikator für einen KHK-Risikofaktor herzuhalten.

Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich deshalb eingebürgert, LDLs als das „böse“ und HDLs als das „gute“ Cholesterin zu bezeichnen. Eine derartige Aussage ist ein wenig irreführend und trifft nur innerhalb enger Grenzen zu, denn ein sehr niedriger LDL-Spiegel würde zu erheblichen Stoffwechselproblemen und zu erheblichen neuronalen Störungen im Zentralnervensystem (Gehirn) führen.

Welche Faktoren haben Einfluss auf den Cholesterinspiegel?

Der Cholesterinspiegel wird durch viele Faktoren gewollt oder ungewollt beeinflusst. Eine beabsichtigte Senkung der LDL-Fraktion durch entsprechende Ernährung kann dabei nur von begrenztem Erfolg sein, weil die Ernährung nur Einfluss auf die 20 bis 25 Prozent des Cholesterins nimmt, die direkt aus der Nahrung aufgenommen werden. Eine direkt senkende Wirkung auf die LDL-Konzentration im Blut kommt den sogenannten Statinen zu. Es handelt sich um Arzneimittel, die ein bestimmtes Enzym hemmen, das zur Synthese von Cholesterin in der Leber benötigt wird. Allerdings kann die Einnahme von Statinen in seltenen Fällen von gravierenden Nebenwirkungen begleitet sein. Eine der gefährlichsten Nebenwirkungen sind toxische Myopathien, die sich in schwerwiegenden Veränderungen der Skelettmuskulatur zeigen können.
Zu einer Erhöhung des LDL-Spiegels bei gleichzeitiger Senkung der HDL-Konzentration kommt es als unerwünschte Nebenwirkung bei der Einnahme einiger Entwässerungsmittel (Diuretika). Auch Hormonpräparate wie Ovulationshemmer, Kortisonpräparate und Anabolika zeigen vergleichbare Nebenwirkungen. Einige der gebräuchlichsten Betablocker zur Blutdrucksenkung und einige Antidepressiva können den Cholesterinspiegel anheben.

Erhöhend auf das Gesamtcholesterin wirkt sich eine Schilddrüsenunterfunktion aus, weil sich durch einen geringeren Thyroxinspiegel der Abbau des Cholesterins verzögert. Eine schwere Leberentzündung oder bestimmte Arten von Lebertumoren können aufgrund der eingeschränkten Cholesterinsynthese zu einer Absenkung des Cholesterinspiegels führen.

Welche Faktoren außer Cholesterin sind schädlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Nach neueren Erkenntnissen spielt die Höhe des Cholesterinspiegels nur eine untergeordnete Rolle. Zumindest als Risikofaktor für die Entstehung von HKE (Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Zumal, wenn das Verhältnis LDL zu HDL unter 3,5 liegt. Einige der Hauptrisikofaktoren, die zum Teil über die Begünstigung einer Arteriosklerose an der Ausbildung einer HKE beteiligt sein können, sind:

  • Diabetes mellitus
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Adipositas
  • ungesunde Ernährung
  • Rauchen
  • chronischer Stress
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
  • Bewegungsmangel
  • genetische Disposition

Einige Faktoren wie Rauchen, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Dauerstress gehören zu den beeinflussbaren Größen. Andere Risikofaktoren nicht direkt beeinflussbar. Es handelt sich dabei beispielsweise um genetische Disposition, Adipositas und – bedingt – um Fettstoffwechselstörungen.

Wie kann man vorbeugen?

Wirksame vorbeugende Maßnahmen bestehen darin, die beeinflussbaren Risikofaktoren auszumerzen oder zumindest zurückzuführen. Beispielsweise lässt sich eine arterielle Hypertonie medikamentös behandeln und einstellen. Ebenso positiv wirkt sich bei Rauchern die Beendigung des Rauchens aus. Der allmähliche Übergang zu einer gesunden Ernährung, in der naturbelassene Nahrungsmittel eine Rolle spielen, ist sehr empfehlenswert. Falls die Ernährungsumstellung mit ein wenig Ausdauersport – kein Spitzensport – vervollständigt und abgerundet werden, sind die Vorbeugemaßnahmen nahezu perfekt.

Obige Maßnahmen helfen auch beim Stressabbau und können noch durch Entspannungsübungen ergänzt werden. Die Einnahme von Statinen kann im Falle eines stark überhöhten Cholesterinspiegels bei gleichzeitig verschobenem Verhältnis LDL zu HDL von über 5 erwogen werden. Es sollten dabei die möglichen Nebenwirkungen berücksichtigt werden.

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