Die Akkupunktur stellt als Therapiemethode ein Teilgebiet der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) dar und wird in ihr seit rund 3.000 Jahren praktiziert. Wörtlich übersetzt bedeutet Akupunktur ‚Nadelstechen‘ (der Begriff leitet sich ab von lat. acus = Nadel und punctio = das Stechen). Im Mittelpunkt der TCM steht die Vorstellung der Lebensenergie des Körpers, des Qi.

Demnach fließt es zu seinen jeweiligen Anteilen, die sich im Yin und Yang ausdrücken, durch den Organismus. Diese beiden Kräfte wirken auf den gesamten Körper, der von spezifischen Energiebahnen, den sogenannten Meridianen durchzogen ist. Der ideale Gesundheitszustand liegt somit dann vor, wenn Yin und Yang in völliger, harmonischer Balance zueinander stehen. Umgekehrt bedingt ein Ungleichgewicht verschiedene Krankheiten.

Meridiane – Die Energieadern des Körpers

Meridiane dienen, wie bereits erwähnt, als Leitbahnen des zirkulierenden Qi. Dieser Vorstellung nach existieren zwölf Hauptleitbahnen und acht weitere Extrameridiane. Ununterbrochen fließt durch diese Kanäle die Lebensenergie. Die Yang-Meridiane sind Sinnbild des Männlichen, des Expansiven. Sie fließen vom Himmel ausgehend Richtung Erde. Die Yin-Meridiane dagegen verkörpern das Weibliche, erdende Prinzip. Hier verlaufen die Meridiane von der Erde gen Himmel. Jeder Meridian wird hierbei einem bestimmten Organsystem zugeordnet. Ist der Fluss des Qi gestört, verursacht dieser Überfluss eine Blockade, Schwäche oder Deharmonisierung des Körpers. Als Folge treten Schmerzen und/oder Krankheiten auf. Laut der traditionellen chinesischen Meidzin weist zudem jeder Meridian ebenso einen Zusammenhang zur Psyche auf.

Das Qi wieder fließen lassen

Der Energiefluss kann durch bestimmte Reize reguliert werden, sodass die unterschiedlichen Akupunkturpunkte mit den jeweiligen Organen und dessen Funktionskreisen in Beziehung stehen. Hierdurch werden Störungen, die den Fluss des Qi gehemmt haben, beseitigt oder gegebenenfalls gemindert. Mit Blick auf eine Akupunkturtafel wird deutlich, wieso nicht die Stelle des Schmerzgeschehens oder Unwohlseins direkt behandelt wird. Vielmehr wird der Meridian bzw. Akupunkturpunkt therapiert, dem das entsprechende Organ zugeordnet ist.

Hierbei sind die Funktionskreise der Organe auch mit der Muskulatur, dem Nervensystem usw. verbunden. Um effektiv Krankheiten oder Schmerzen entgegenzuwirken, muss der Arzt oftmals den gesamten Funktionskreis des Meridians stabilisieren, sodass die Behandlung häufig nicht nur auf eine lokale Stelle begrenzt ist. In diesem Kontext bestehen etwa 400 bis über 700 Akupunkturpunkte. Deren Reflexwirkung wirkt sich harmonisierend auf den gestörten Energiefluss des Qi aus, sodass die zu behandelnden Organe zur Selbstheilung angeregt werden.

Verschiedene Arten der Akupunktur

Die klassische Form der Körperakupunktur wird mittlerweile durch ein Angebot unterschiedlicher Akupunkturarten ergänzt. Hierzu zählt die Ohrakupunktur (Aurikulotherapie), welche der französische Arzt Paul Nogier hervorbrachte. Dieses Konzept geht davon aus, dass sich auf der Ohrmuschel die gesamten Körperregionen und Organe wiederfinden.

Die Schädelakupunktur nach dem japanischen Chirurgen und Gynäkologen Yamamoto kommt besonders bei neuronalen Störungen, Lähmungen und Sprachstörungen zum Einsatz.

Die Laserakupunktur ersetzt Nadelstiche durch Laserlicht. Besonders häufig wird diese Form bei Schmerzen angewendet.
Ohne Nadeln kommt auch die Elektroakupunktur aus. Hier werden elektrische Reize verwendet, welche die anzusprechenden Akupunkturpunkte stimulieren.

Bei der Akupressur werden die Akupunkturpunkte ebenfalls ohne das Einwirken von Nadeln mit den Händen behandelt. Ein Beispiel hierfür bilden die fernöstlichen Massagetechniken Shiatsu und Tuina.

Anwendungsgebiete der Akupunktur

Eine Therapie mit Akupunktur kann bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang können auch Krankheiten behandelt werden, die nicht mit physischem Schmerz in Verbindung stehen. Die wichtigsten und am häufigsten angewandten Gebiete umfassen folgende Punkte:

  • Beschwerden und Erkrankungen des Bewegungsapparats wie Arthrose, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Rheuma, Ischias etc.
  • Atemwegserkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen, Bronchitis usw.
  • Neurologische und vegetative Störungen wie Depressionen, Angststörungen, Polyneuropathie, Migräne, Kopfschmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen etc.
  • Magen- und Darm Erkrankungen sowie Verdauungsstörungen
  • Dermatologische Störungen wie Akne, Ekzeme etc.
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Bluthochdruck, Herzschwäche etc.
  • Suchterkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, zu hoher Cholesterinspiegel etc.
  • Bei Krebserkrankungen zur Aktivierung der geschwächten Konstitution, zur Schmerzlinderung
  • Gynäkologische Beeinträchtigungen wie Regelstörungen, Fruchtbarkeitsstörungen, chronische Entzündungen, zur Behandlung von Schwangerschaftsübelkeit etc.

Nicht angewendet werden sollte Akupunktur bei Gerinnungsstörungen, bestimmten neurologischen Erkrankungen, Epileptikern, Menschen mit schweren ansteckenden Krankheiten, lebensbedrohlichen Schwächezuständen, spezifischen Hauterkrankungen, mit bestimmten Tumoren sowie akuten psychischen Erkrankungen.
Eine Therapie mit Akupunktur kann darüber hinaus mit vielerlei schulmedizinischen Verfahren und allen klassischen naturheilkundlichen Anwendungen kombiniert werden.

Durchführung der Akupunktur

Vor jeder Akupunkturbehandlung sollte eine umfangreiche Anamnese erfolgen, die den aktuellen Gesundheitszustand des Patienten berücksichtigt, um eine fundierte Diagnose stellen zu können. Die Diagnosefindung fällt jedoch in der TCM wesentlich anders aus als in der westlichen Schulmedizin. Der Arzt ermittelt dabei anhand der Symptome, den gestörten Organfunktionen, der äußeren Untersuchung und dem Erscheinungsbild des Patienten die notwendige Kombination der Akupunkturpunkte.

Elementare Bestandteile einer Diagnosestellung sind so Zungen-, Puls-, und Gesichtsdiagnostik sowie die Frage nach Wärme- und Kälteempfinden. Steht die Diagnose fest, wird ein Therapieplan erlassen. In der Regel finden dementsprechend 1 bis 2 Behandlungen pro Woche über zehn bis zwölf Behandlungen insgesamt statt. Danach erfolgt zumeist eine zwei- bis dreiwöchige Behandlungspause. In dieser wird anhand der Gesamtsymptomatik über den Fortgang der Akupunktur entschieden.

Die Nadeln richtig in den Körper stechen

Das Setzen der Nadeln nimmt etwa fünf bis zehn Minuten in Anspruch. Anschließend verweilen die Nadeln ca. 20 Minuten in der Haut. Die Tiefe mit der gestochen wird kann dabei von 3mm bis zu 3cm variieren (je nach Körperregion). Um die Wirkung der Nadel zu verstärken, kann zusätzlich die s.g. „Moxibustion“ zum Einsatz kommen. Dabei werden die Nadeln durch das Verglühen von Beifußblättern erwärmt. In jedem Fall sollte sich der Patient in entspannter, ruhiger Umgebung befinden. Die Einstichstelle kann ein Schwere- oder Druckgefühl aufweisen, ebenso aber auch elektrisierende Empfindungen, die jedoch zumeist nach kurzer Zeit abklingen. Beim Lösen von Spannungen empfinden viele Menschen ein leichtes Zittern, Kribbeln oder auch ein Wärmegefühl.

Entstehen von Nebenwirkungen bei einer Akupunktur-Behandlung

Wird die Akupunktur richtig eingesetzt, treten praktisch keine Nebenwirkungen auf. Bei einigen wenigen Personen sowie bei Phobikern kann es vorübergehend zu Kreislaufreaktionen kommen, die sich jedoch durch das Entfernen der Nadeln beheben lassen. An der Einstichstelle kann sich zudem ein Hämatom (Bluterguss) bilden. Bei zu langem Verweilen der Nadeln in der Haut können Entzündungen auftreten. Daneben sind teilweise auftretende Taubheitsgefühle als Nebenwirkung registriert worden. Sehr selten kommt es darüber hinaus zu Organverletzungen durch zu tief angebrachte Nadeln. 

 

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