90.000 bis 150.000 Haare trägt ein Erwachsener auf dem Kopf. 20 bis 200 Haare gehen am Tag durchschnittlich verloren, ohne dass eine Krankheit vorliegt. Die Grenzen zwischen nicht-haarverminderndem Ausfall und deutlich sichtbarem Kahlschlag sind fließend. Alle Altersgruppen können von Ausfallerscheinungen betroffen sein: so immer öfter auch Kinder. Wir klären über Haarausfall bei Kindern auf.

Auch gesunde Kinder verlieren täglich rund 100 Haare

Gesundes Haupthaar wird allgemeinhin als Zeichen für Vitalität verstanden. Daher sind Eltern oft schockiert, wenn das Haar ihrer Kinder immer schütterer wird. Sobald sich kahle Stellen auf dem Kopf bilden, ist die Sorge oft groß. Von unnatürlichen Haarausfallserscheinungen ist bei Kindern erst ab einem täglichen Haarverlust von mehr als 100 Haaren die Rede. Haare sterben natürlicherweise regelmäßig ab und bilden sich wieder neu. Daher nicht bei jedem Haarverlust den Teufel an die Wand malen. Der Bürstentest kann darüber aufklären, ob dem Kind abnormal viele Haare ausgehen.

Vorsicht: Beim Bürstentest immer nur ganze Haare in die Zählung mit aufnehmen. Wer einzelne Bruchstücke von Haaren mit einfließen lässt, erhält falsche Werte und macht sich grundlos Sorgen. Idealerweise wird der Bürstentest über einen Zeitraum von mehreren Tagen durchgeführt. Gehen dem Kind Tag für Tag deutlich mehr als 100 Haare verloren, kann von pathologischem Haarausfall die Rede sein.

 

Haarausfall bei Kindern kann die unterschiedlichsten Ursachen haben

Haarausfall bei Kindern kann die unterschiedlichsten Ursachen haben

Haarausfall bei Kindern – Ursachen

Der Kinderarzt ist für Kinder mit Haarausfall und deren besorgte Eltern die erste Anlaufstelle. Haarausfall bei Kindern kann unterschiedliche Ursachen haben und erfordert fachmännische Abklärung. Die weiterführende Diagnostik wird oft vom Dermatologen durchgeführt.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) trifft Kinder am häufigsten

Kreisrunder Haarausfall ist europaweit eine Volkskrankheit. Immer häufiger leiden auch Kinder an den Symptomen der Ausfallerscheinung. Zu den charakteristischen Beschwerden zählen

  • kreisrunde oder ovale Kahlstellen auf dem Kopf
  • schütteres Haupthaar
  • abgebrochene Haare
  • teigige Schwellungen der Kopfhaut
  • geschwollene Lymphknoten
  • Nagelveränderungen

Ist die gesamte Körperbehaarung betroffen, so ist von Alopecia universalis die Rede. Kreisrunder Haarausfall ist von anderen Ausfallerscheinungen abzugrenzen. Die Ursache dieser Variante ist eine Autoimmunerkrankung mit erblicher Basis. Durch Fehlfunktionen greift das körpereigene Immunsystem scheinbar urplötzlich die Haarfollikel an. Die Disposition für die Erscheinung liegt vielleicht in den Genen, aber zum Ausbruch kommt Alopecia areata durch psychischen Stress. In den meisten Fällen bilden sich die Ausfallserscheinungen besonders bei Kindern innerhalb eines Jahres von selbst zurück.

Diffuser Haarausfall bei Kindern und Vitaminmangel hängen oft zusammen

Der diffuse Haarausfall ist von anderen Symptomen gekennzeichnet als die kreisrunde Form. Schuld ist in vielen Fällen Vitaminmangel oder Eisenmangel. Zu den charakteristischsten Beschwerden bei diffusem Haarausfall zählen

  • Haarausfallerscheinungen über den gesamten Kopf verteilt
  • diffus begrenzte Areale mit schütterem Haar
  • bei Vitamin-D-Mangel Bruchanfälligkeit und Nagelveränderungen
  • bei Eisenmangel spröde wirkendes Haar und Hautveränderungen

Vitamin D übernimmt eine entscheidende Rolle in den Haarwachstumszyklen und kann bei starken Mangelerscheinungen aufgrund seiner Mineralisierungsfunktion außerdem Knochenveränderungen hervorrufen. Eisenmangel verursacht dagegen leicht brüchiges und spröde wirkendes Haar, das oft mit Hautveränderungen vergesellschaftet ist.

Haarausfall mit Narben durch Infektionen der Kopfhaut

Die Kopfhaut kann an Pilzbefall erkranken. Virale Infektionen sind wesentlich seltenere Kopfhautinfektionen. Die sogenannte Tinea capitis ist häufig für Haarausfall bei Kindern verantwortlich. Diese Infektion äußert sich durch Symptome wie

  • umschrieben gerötete Kopfhautveränderungen
  • schuppige Kopfhaut
  • Kahlstellen oder Haarbruchstellen
  • Narbenbildung im Kopfbereich

Erreger des Haarausfalls sind in diesem Fall meist das Microsporum und der Trichophyton. Der Kontakt mit Haustieren oder ländlichen Umgebungen kann die Infektion begünstigen.

Vorsicht: Narbenbildender Haarausfall bei Kindern kann auch durch blasenbildende Hauterkrankungen wie Lichen ruber follicularis, Epidermolysis bullosa oder Lupus erythematodes hervorgerufen werden.

Die Diagnose bleibt im Einzelfall dem Dermatologen überlassen.

Generalisierter Haarausfall kann auf erblich bedingte Syndrome zurückgehen

Der generalisierte Haarausfall betrifft Kinder weniger häufig als diffuse Ausfallerscheinungen. In der Regel ist die Ursache der generalisierten Form ein erblich bedingtes Syndrom. Die Symptome hängen in diesem Fall von dem vorliegenden Syndrom ab. Mögliche Syndrome sind zum Beispiel das Anagenhaar-Syndrom, unterschiedliche Genotrichosen (Haarschaftbildungsstörungen) oder das Menkes-Syndrom mit Manifestation in der Pubertät. Generalisierter Haarausfall manifestiert sich oft durch

  • verminderte Haardichte des Haupthaars
  • ausziehbare, oft glanzlose Haare
  • Haarschaftanomalien

Bei Haarschaftanomalien ist das Haupthaar zum Beispiel nicht ausreichend in der Kopfhaut verankert. Syndrome wie das Mendes-Syndrom verursachen wiederum stoffwechselbedingten Haarausfall: Störungen des Kupferstoffwechsels sind in diesem Fall ursächlich. Gemeinsam ist allen genannten Störungen die genetische Basis und der Ausbruch im frühen Kindesalter.

Generalisierter Haarausfall durch metabolische Störungen

Zwei Drittel aller Deutschen leiden an Fehlfunktionen der Schilddrüse. Funktioniert die Schilddrüse nicht, wie vorgesehen, stellen sich hormonelle Ungleichgewichte ein. So können Schilddrüsenunterfunktionen zum Beispiel Haarausfall verursachen. Sogar jeder zweite Patient mit einer Unterfunktion der Schilddrüse leidet Studien zufolge an Haut- und Haarsymptomen. Andererseits sind auch Überfunktionen des hormonproduzierenden Organs oft für Haarverlust verantwortlich. Die Symptome von Schilddrüsenstörungen sind breitgefächert. Zu den wichtigsten Erscheinungen zählen

  • Kreislaufstörungen
  • Störungen der Körpertemperatur
  • Stoffwechselstörungen
  • Hautveränderungen
  • Nagelveränderungen
    Haarausfall bei Kindern kann im Extremfall psychische Folgen haben

    Haarausfall bei Kindern kann im Extremfall psychische Folgen haben

  • generalisiert feiner werdendes Haar bei Überfunktion
  • sprödes und brüchiges Haar bei Unterfunktion

Schilddrüsenbedingter Haarausfall bei Kindern geht meist auf erbliche oder medikamentöse Basis zurück. Seltener sind mechanische Schädigungen oder Tumore der Schilddrüse für die Erscheinung verantwortlich. Tritt Haarausfall isoliert auf, so handelt es sich in der Regel nicht um hormonell bedingten Haarausfall. Endokrinologisch verursachte Haaranomalien sind nahezu immer mit weiteren Symptomen vergesellschaftet.

Selbstverursachter Haarausfall bei Kindern

Nicht immer steht eine physiologische Erkrankung hinter Haarausfall. Trichotillomanie, Trichotemnomanie und Traktionsalopezie sind die häufigsten Diagnosen für kindlichen Haarausfall ohne physiologische Ursache. Bei allen drei Erscheinungen handelt es sich um selbst verursachten Haarausfall.

  • Bei der Trichotillomanie reißen sich die Patienten zum Beispiel zwanghaft Haare aus. Im Kindesalter sind öfter Jungen, in späterem Alter meist Mädchen betroffen. Die verbreitetste Ursache dieser Erscheinung sind psychische Konflikte auf Basis einer gestörten Eltern-Kind-Beziehung. Klinisch äußert sich die Erscheinung in unscharf begrenzten Arealen mit abgebrochenen Haaren unterschiedlicher Länge. Einblutungen sind ein wichtiger Indikator.
  • Von der Trichotillomanie ist die Trichotemnomanie abzugrenzen, bei der die Patienten ihre Haardichte in umschriebenen Bereichen künstlich reduzieren. Das kann zum Beispiel mit einer Schere passieren. Die Betroffenen klagen nach außen hin über Haarausfall, obwohl sie nicht an echtem Haarausfall leiden. Wie bei der Trichotillomanie sind auch bei diesem Phänomen psychische Konflikte ursächlich.
  • Der Traktionsalopezie liegt kein psychischer Konflikt zugrunde. Diese Form des Haarausfalls betrifft vor allem Mädchen und geht auf zu strenge Frisiergewohnheiten zurück. Während die anderen beiden Erscheinungen psychotherapeutisch behandelt werden, kann bei diesem Phänomen eine Veränderung der Frisiergewohnheiten zur Behandlung des Haarausfalls ausreichen.

Therapie bei Haarausfall: Kinder reagieren hervorragend auf Homöopathie

Haarausfall bei Kindern ist in vielen Fällen wesentlich leichter zu behandeln als Haarverlust im Erwachsenenalter. Oft verschwindet der Haarausfall ganz ohne Behandlung ebenso schnell, wie er gekommen ist. Darüber hinaus fühlen sich die Heranwachsenden von den Haarausfallserscheinungen bis zu einem Alter von zehn Jahren häufig nicht belastet. Das reduziert psychische Belastungsfaktoren, die Haarausfall weiter begünstigen könnten. Glücklicherweise reagieren gerade Kinder außerdem hervorragend auf Homöopathie. Daher sind nach einer ausführlichen Diagnostik homöopathische Verfahren auszuschöpfen.
Die Schulmedizin verschreibt den Betroffenen oft Cortison-haltige Präparate zur Stimulation des Haarwachstums. Da solcherlei Arzneimittel aber unangenehme Nebenwirkungen und Belastungen für den kindlichen Organismus bedeuten können, sollte der schonenden Homöopathie zumindest eine Chance gegeben werden. Gegen Pilzinfektionen der Kopfhaut helfen beispielsweise ätherischer Ölen wie

  • Jojoba
  • Teebaum
  • Zitronengras
  • Lavendel
  • Oregano

Bei mangelerscheinungsbedingtem Haarausfall hilft oft schon eine Ernährungsumstellung.

Fazit: Bei Haarausfall nicht gleich in Panik verfallen

Dass Eltern jede noch so kleine Veränderung an ihren Kindern auffällt, ist gut so. Ebenso gut ist, dass sie sich Sorgen um den Gesundheitszustand des Nachwuchses machen. Trotzdem sollte Haarausfall bei Kindern nicht gleich mit den schrecklichsten Horrorszenarien assoziiert werden. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Ausfallerscheinungen statistisch betrachtet nicht um Symptome einer ernsten Erkrankung. Daher nicht in Panik verfallen. Panisches Verhalten kann psychischen Stress für den Nachwuchs bedeuten, der noch mehr Haare fallen lassen kann. Aber Vorsicht: Die Abklärung möglicher Ursachen ist bei starkem Haarausfall im Kindesalter durchaus angezeigt. Nur sollte diese Abklärung möglichst entspannt erfolgen, um die betroffenen Kinder nicht allzu sehr zu belasten.


 
Bildquelle:
Bigstock