Die stabilen Kreuzbänder liegen zwischen Ober- und Unterschenkel im Inneren jedes Kniegelenks und haben einen Durchmesser von etwa 10 mm. Jedes Kniegelenk hat ein vorderes und ein hinteres Kreuzband. Ein Kreuzband hat mehrere Aufgaben. Hauptsächlich gewährleistet es zusammen mit anderen Kniegelenkbändern die Stabilität des Gelenks. Ob beim Beugen, Strecken, Bücken, Laufen, Springen, Drehen oder Stehen, in all diesen Positionen muss das Gelenk fest gehalten werden. Kniebandrisse sind die häufigsten Sportverletzungen. Ein Riss am Kreuzband entsteht häufig durch falsches Landen nach einem Sprung, bei Wegknicken oder wenn sich das Kniegelenk bei festem Unterschenkel verdreht. Das kommt häufig beim Skisport vor. Aber auch aktuell bei den Olympischen Spielen

Was passiert bei einem Kreuzbandriss?

Ist ein Kreuzband gerissen, ergeben sich daraus erhebliche Einschränkungen der Stabilität. Der Patient läuft unsicher und hat das Gefühl eines wackeligen Knies. Bei schnellen Dreh- oder Stoppbewegungen entsteht der Eindruck, als ob das Kniegelenk wegrutscht. Viele Sportarten, die nur mit einer guten Kniestabilität möglich sind, darf der Verletzte nun nicht mehr ausüben. Dazu gehören zum Beispiel

  • Fußball
  • Squash
  • Skifahren
  • Tennis
  • Handball
  • Volleyball

Manchmal kippt das Knie komplett weg und der Verletzte stürzt. Man nennt dies „Giving-Way-Ereignis“. Starke Schmerzen und Schwellungen sind die Folge. Dieses Ereignis tritt bevorzugt bei einem Riss des vorderen Kreuzbandes auf.

Wann ist eine Kreuzband OP notwendig?

Ein Riss im Kreuzband schmerzt und bedeutet oft für Sportler eine lange Pause!

Ein Riss im Kreuzband schmerzt und bedeutet oft für Sportler eine lange Pause!

Die Popularität vieler Sportarten hat dazu geführt, dass sich das Verletzungsrisiko vom Sprunggelenk zum Kniegelenk verlagert hat. So ist die Zahl der Kreuzbandoperationen deutlich angestiegen. Bessere Diagnoseverfahren führen heute dazu, dass ein Kreuzbandriss frühzeitig erkannt und behandelt werden kann.

Ob und welche OP nach einem Kreuzbandriss sinnvoll ist, hängt vom Grad der Instabilität im Knie ab. Auch das Alter des Patienten und seine körperliche Verfassung spielen eine Rolle. Treten Giving-Way-Ereignisse auf, ist immer ein Operationsgrund gegeben. Bei jungen, sportlich aktiven Patienten sollte man auch bei leichter Instabilität operieren. So kann eine Verstärkung der Symptome und ein chronischer Kniegelenkschaden verhindert werden. Trotz mancher Risiken gibt es keine Altersgrenze für die Operation. Auch im Alter kann ein Patient, der gerne Sport treibt, davon profitieren.

Was geschieht bei einer Kreuzbandtransplantation?

Die Operationstechniken haben sich in wenigen Jahren erheblich verbessert, sodass Kreuzbandersatz nach einem vorderen Kreuzbandriss heute kein Problem mehr ist. Geringere Schmerzen und ein deutlich leichteres Operationstrauma sind ebenso gegeben wie ein ästhetischeres Gesamtergebnis. Bei der OP wird das Transplantat zunächst stabil verankert. Hierfür stehen Fixierungsmöglichkeiten wie Metallschrauben, Knöpfe, Pins oder biologisch absorbierbare Schrauben zur Verfügung.

Ist der Kreuzbandriss frisch, kann der Eingriff bereits innerhalb der nächsten 48 h vorgenommen werden. Das ist empfehlenswert, wenn auch der Meniskus angerissen ist. Bis zur kompletten Verheilung ist dies jedoch noch eine Schwachstelle. Eine weitere Möglichkeit ist Operation nach 4-6 Wochen, wenn die erste Entzündung abgeklungen ist. Bis zum Operationstermin wird das Knie dann konservativ behandelt. In diesem Fall geht es hauptsächlich darum, die Schwellung zu reduzieren und wieder etwas Beweglichkeit herzustellen. Als Sehnentransplantate für das vordere Kreuzband stehen verschiedene Varianten zur Auswahl. Häufig wird das mittlere Drittel der Patellarsehne, die unterhalb der Kniescheibe liegt, als Kreuzbandersatz genommen. Nachteile sind Schmerzen an der Entnahmestelle und eine mögliche Krafteinschränkung im Oberschenkelstrecker.

Kreuzbandnaht bei angerissenem Kreuzband

Bei einem Abriss des Kreuzbandes muss das Band nicht zwangsläufig ersetzt werden. Dann reicht auch das Wiederannähen (Refixation). Dabei wird der knöcherne Ausriss wieder am Ober- oder Unterschenkel angeheftet. In der Regel tritt der Riss an der Verankerung des Kreuzbandes zur Schienbeinseite auf. Von dieser Diagnose sind vor allem Kinder und Jugendliche betroffen.

Das Knochenstück ist noch 6-8 Wochen wieder verheilt. Zur Fixierung werden Drähte und Schrauben verwendet, die im Knie verbleiben oder auf Wunsch wieder entfernt werden können. Auch nach Teilrissen kann das Kreuzband wieder vernäht werden. Der Riss darf jedoch höchstens die Hälfte des Kreuzbanddurchmessers betreffen. Ein großer Vorteil dieser OP ist, dass das Kreuzband mit sämtlichen Nerven erhalten bleibt und die spätere Koordination leichter gelingt. Das betroffene Knie ist jedoch sehr anfällig. Damit keine zusätzliche Kreuzbandhandtransplantation notwendig wird, muss der Patient in der Rehabilitation sehr vorsichtig sein.

Wie lange braucht ein operiertes Knie zur Heilung?

Rehamaßnahmen nach einer Kreuzbandrekonstruktion sind besonders wichtig, schließlich soll der Patienten bald wieder voll beweglich werden. Nach der Operation wird ein zwei- bis dreitägiger Krankenhausaufenthalt empfohlen. Primäres Ziel ist der Rückgang der Schwellung, was zum Beispiel durch Kühlung erreicht wird. Thromboseprophylaxe, Lymphdrainage und Muskelstimulation gehören ebenfalls zur ersten Therapie. Danach beginnt das Bewegungstraining mit Anleitung zu selbstständigen Übungen.

Der Patient erhält eine Schiene, die er etwa sechs Wochen tragen muss. Zunächst ist nur eine 60° Knieflexion gestattet, in der zweiten bis vierten Woche darf das Knie bis zu 90° gedreht werden. Im Training mit Unterarmstützen lernt der Patient richtiges Abrollen des Fußes. Im Laufe der Zeit darf er sein Knie immer stärker belasten. Zu den Rehamaßnahmen gehören Koordinationstraining und Muskelaufbau, jedoch immer abhängig von der körperlichen Verfassung des Patienten. Etwa sechs Wochen nach der OP kann der Patient wieder leichten Sport treiben, beispielsweise Radfahren oder Walking.

Joggen ist frühestens nach drei Monaten erlaubt, die Belastung des Knies wäre zu hoch. Sprungintensive Sportarten wie Handball, Fußball, Ski oder Tennis sollten Operierte frühestens ein halbes Jahr nach dem Eingriff ausüben.

 

Wie lässt sich einem Kreuzbandriss vorbeugen?

Sein Knie vor einem Kreuzbandriss zu schützen, ist gar nicht schwer. Häufig entstehen derartige Verletzungen durch Leichtsinn und falsche Belastung im untrainierten Körper. Anders sieht die Situation bei Leistungssportlern aus. Sie sind besonders anfällig für diese Verletzungen. Der Verzicht auf Sport wäre für sie zwar sinnvoll, aber unrealistisch.

Für den durchschnittlichen Patienten empfiehlt es sich immer, Muskeltraining zu betreiben. So kann jeder Knochen stabilisiert werden. Durch kräftige Muskulatur verringert sich das Verletzungsrisiko im gesamten Skelett. Leichte Ausdauersportarten wie Radfahren und Schwimmen sind ideal, um das Knie zu stabilisieren. Gerade beim Radfahren werden sämtliche Muskelgruppen rund ums Knie gekräftigt. Wer Knieschmerzen hat, sollte täglich eine halbe Stunde Radfahren.

Bei übergewichtigen Menschen ist die Gewichtsreduzierung sinnvoll. Mit jedem Kilogramm weniger werden die Gelenke mehr entlastet. Übergewicht ist ein Risikofaktor für Arthrose und kann Kreuzbandrisse begünstigen. Ebenso wichtig ist es, Fehlbelastungen und falsche Bewegungen zu meiden. Viele Sportarten sind für Menschen mit Knieproblemen völlig ungeeignet. Ist bereits eine Schädigung vorhanden, wird diese dadurch nur schlimmer. Regelmäßiges Beinmuskeltraining eignet sich gut zur Vorbeugung. Treppensteigen und Dehnübungen sind ideal. Kniebandagen sollten nicht zum Standard werden, denn sie schwächen die Muskulatur. Skifahrer mit Kniebeschwerden sollten ganzjährig Bauch-, Oberschenkel- und Gesäßmuskeln kräftigen und Abfahrt nur moderat betreiben.

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