Vor allem in späteren Lebensjahrzehnten haben Menschen mit Inkontinenz zu kämpfen. Diese tritt auf unterschiedliche Weise auf und kann sehr differenzierte Ursachen haben. Dabei sind vermehrt Frauen als Männer von Beschwerden bei der bewussten Kontrolle der Schließmuskulatur betroffen. Inkontinenz wird gesellschaftlich oft als unangenehm und Tabuthema empfunden. Mittlerweile existieren jedoch mehrere Therapieansätze, die dazu in der Lage sind, die Lebensqualität des Patienten wiederherzustellen. Deswegen sollten Betroffene sich nicht davor scheuen, ärztliche Hilfe zu konsultieren.

Was ist Inkontinenz?

Unter Inkontinenz wird das Phänomen verstanden, dass Menschen es nicht schaffen, Blase oder Darm kontrolliert zu leeren. Stattdessen erfolgen Stuhlgang und Wasserlassen unbewusst. Es kommen unterschiedliche Ursachen für die Situation in Frage. Generell handelt es sich in den meisten Fällen um eine Störung im Bereich von:

  • Blasenmuskel
  • Gehirn
  • Rückenmark
  • Schließmuskel
  • Beckenbodenmuskel
  • Verschluss des Afters

Bei Harninkontinenz wird in verschiedene Subtypen differenziert. Am häufigsten tritt eine Belastungs-, Dranginkontinenz oder eine Mischform aus beiden Arten auf. Bei Harninkontinenz wird oft auch von einer schwachen Blase gesprochen. Dabei muss diese nicht unbedingt für die Beschwerden verantwortlich sein. Generell verfügt die Blase über zwei Aufgaben: sie muss den Urin sammeln und ihn später bewusst ablassen. In der Phase der Speicherung des Harns liegt der Blasenmuskel in einer entspannten Form vor, wodurch es der Blase möglich ist, sich auszubreiten und zu füllen. Lediglich die Schließmuskulatur ist angespannt. Ansonsten würde der Harn sofort nach außen treten. Sobald der Harndrang einsetzt, löst sich die Anspannung der Schließmuskulatur und der Blasenmuskel zieht sich zusammen. Die Blasenkontrolle wird dabei über das Gehirn gesteuert. Dieses sendet über Nerven und Rückenmark Signale, auf welche die Muskulatur schließlich reagiert. Für einen reibungslosen Ablauf ist das Zusammenspiel der einzelnen Elemente ausschlaggebend. Unterschiedliche Faktoren weisen das Potenzial auf, eine Störung hervorzurufen.

Welche Ursachen stecken hinter der Inkontinenz?

Besonders häufig ist der Beckenboden für Beschwerden verantwortlich. Bei diesem handelt es sich um Muskeln und Bindegewebe. Hormonelle Veränderungen können beispielsweise dafür sorgen, dass das Bindegewebe an Spannkraft verliert. Ein solches Phänomen ist manchmal Ursache für eine Belastungsinkontinenz. Bei dieser kommt es zu einer Störung von Blasenhals und Harnröhre. Aufgrund ihres breiter ausgeprägten Beckens und einer schwächeren Beckenbodenmuskulatur leiden vor allem Frauen unter einer Belastungsinkontinenz. Zudem wird die weibliche Muskulatur während Geburten stark beansprucht. Eine Belastungsinkontinenz im Rahmen der letzten Schwangerschaftsmonate oder nach der Geburt ist nicht unüblich. Auch eine Veränderung der Lage von Gebärmutter oder anderen Organen weist das Potenzial auf, eine Inkontinenz zu verursachen. Operationen oder Unfälle können Nerven verletzen und die richtige Weiterleitung von Reizen verhindern. Werden keine Signale mehr von der Blase ins Gehirn geschickt oder andersrum, kann keine Belastungsinkontinenz auftreten. Falsche Signale sind zudem die Hauptursache für eine Dranginkontinenz. Aufgrund einer mangelnden Signalübertragung zwischen den unterschiedlichen Elementen des Nervensystems, entwickelt sich auch dann ein Harndrang, wenn die Blase eigentlich noch nicht voll ist. Die Ursachen liegen hier vor allem bei:

  • Operationen
  • neurologischen Erkrankungen
  • Diabetes
  • Blasensteinen
  • Harnwegsinfekten

Die Ursachen für eine Inkontinenz sind letztendlich so vielfältig wie die unterschiedlichen Erscheinungsformen. So kann auch ein Hindernis am Blasenausgang zu einer Überlaufinkontinenz führen. Diese liegt beispielsweise bei einer vergrößerten Prostata oder einer Verengung der Harnröhre vor. Aber nicht nur die Blase kann von Inkontinenz betroffen sein. Manche Patienten leiden auch unter der unbewussten Entleerung des Darms. Hier kommen Verletzungen des Schließmuskels in Frage. Diese entstehen zum Beispiel während einer Geburt. Es kommt zu einer Störung des Schließmuskels oder der Wahrnehmung von Nerven. Darüber hinaus können neurologische Erkrankungen wie Demenz, Tumore im unteren Darmabschnitt oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen an den Beschwerden schuld sein.

Diagnose

Auch wenn die Symptome oft als unangenehm empfunden werden, ist es ratsam, zügig einen Arzt zu konsultieren. Die Diagnose erfolgt auf mehreren Ebenen. Zunächst findet ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt statt. Hier sollten die genauen Beschwerden exakt beschrieben werden. Wichtig sind auch eventuelle Geburten, Operationen oder Erkrankungen. Für eine bessere Einschätzung ist darüber hinaus ein Tagebuch sinnvoll, in de der Betroffene schildert, wie viel er getrunken hat und wie oft der Harndrang einsetzt. Wichtig ist hier ebenfalls die Intensität des Harndrangs und eventuelle unbewusste Entleerungen. Eine ähnliche Verschriftlichung hilft auch bei einer Inkontinenz der Schließmuskulatur des Darms. Ausschlaggebend ist vor allem die körperliche Untersuchung. Meistens können Ärzte bereits anhand der Untersuchung von Genitalien und Enddarm einen ersten Verdacht schöpfen, welche Gründe hinter der Inkontinenz stecken. So ist es ihm beispielsweise möglich, eine vergrößerte Prostata oder Fisteln zu diagnostizieren. Darüber hinaus kann durch eine Probe von Stuhl oder Harn eine mögliche Entzündung entdeckt werden. Üblich sind ebenfalls Ultraschalluntersuchungen oder eine Spiegelung von Blase beziehungsweise Darm.

Therapie

Ausschlaggebend für die Therapie ist zunächst die zugrunde liegende Ursache. Als besonders effektiv gilt Beckenbodentraining durch Krankengymnastik. Hier kann zum einen die Muskulatur gekräftigt, zum anderen eine starke Belastung des Gewebes im Alltag gesenkt werden. Auf eine andere Weise kann die Muskulatur durch eine Elektrostimulation trainiert werden. Im Rahmen dieser Therapie wird eine Elektrode im Enddarm oder Vagina platziert. Diese strahlt Reize aus, die nicht als schmerzhaft empfunden werden, jedoch dazu führen, dass die Dicke der Muskulatur wächst. Konnten konservative Maßnahmen keine Wirkung erzielen, sind Operationen möglich. Bei Männern kommt es meistens zu dem Einsetzen eines künstlichen Schließmuskels. Aber auch die Korrektur der Lage oder Größe der Prostata ist üblich. Bei Frauen wird die Harnröhre oft durch ein Kunststoffband in ihrer Funktion unterstützt. Dieses sorgt für eine erhöhte Stabilität des Blasenverschlusses.

Warum hilft Kürbis bei Inkontinenz?

Der Volksmund rät bei Blasenschwäche oft zu Kürbis. Dabei sollen vor allem die Kerne eine heilende Wirkung aufweisen. Hier spielen insbesondere die Inhaltsstoffe eine ausschlaggebende Rolle. Bei diesen handelt es sich beispielsweise um Vitamin E, Selen und Phytosterole. Der Konsum von Kürbiskernen soll sich positiv auf die Stärke der Blasenmuskulatur auswirken und diese stabilisieren. Darüber hinaus weisen die Samen das Potenzial auf, bei einer vergrößerten Prostata unterstützend zu wirken. Ist das Organ zu groß, kommt es oft zu Beschwerden während des Wasserlassens.

 

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