Milchsäurebakterien tummeln sich sowohl im Organismus von Menschen als auch von Tieren. Sie bilden einen wichtigen Bestandteil der Darmflora.

Unter Milchsäurebakterien werden grampositive Bakterien verstanden, durch die der Abbau von Kohlensäure zu Milchsäure stattfindet. So spielen sie eine wichtige Rolle bei der Gärung von Milchsäure und kommen in der Milch vor. Darüber hinaus besiedeln sie die Darmflora von Mensch und Tier. Einige Arten können allerdings auch Krankheiten hervorrufen wie bestimmte Streptokokken-Arten.
Bereits bei der Geburt werden die ersten Exemplare der lebenswichtigen Mikroorganismen von der Mutter auf das Kind übertragen. Später erhält es dann weitere Darmbakterien über die Muttermilch. Es dauert allerdings bis zu drei Jahre, bis die Mikroflora des Kindes komplett entwickelt ist.

Milchsäurebakterien stellen einen wichtigen Bestandteil der Darmflora dar

Milchsäurebakterien stellen einen wichtigen Bestandteil der Darmflora dar

Was sind Milchsäurebakterien?

Milchsäurebakterien stellen einen wichtigen Bestandteil der Darmflora dar. Ihre Fachbezeichnung lautet Lactobacillales. In morphologischer Hinsicht gibt es kaum Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Spezies. So sind einerseits Gattungen, die mit kokkenförmigen Zellen ausgestattet sind, als auch Arten mit stäbchenförmigen Zellen anzutreffen.

Stäbchenförmige Spezies sind zum Beispiel die Gattung Carnobacterium und Lactobacillus. Weiterhin zählen eiförmige Exemplare wie Oenococcus oder Leuconostoc zu ihnen. In der Gattung Weissella gibt es stäbchenförmige sowie ovale Bakterien.
Sämtliche Milchsäurebakterienarten haben mit einander gemeinsam, dass sie grampositiv sind. Außerdem sind sie nicht imstande, Endosporen herzustellen. Da sie zu den Firmicutes zählen, weisen sie einen niedrigen CG-Gehalt auf. Das heißt, dass ihr Anteil an Cytosin und Guanin innerhalb ihrer DNA gering ausfällt. So beträgt der CG-Gehalt zahlreicher Milchsäurebakterienarten zwischen 34 und 46 Molprozent. Die Gattung Lactobacillus bringt es allerdings auf mehr als 50 Molprozent.

Merkmale

Die physiologischen Merkmale der Milchsäurebakterien fallen meist einheitlich aus. So verfügen sie über einen chemo-heterotrophen Stoffwechsel. Zum Gewinnen von Energie benötigen die Bakterien Kohlenhydrate. Diese verwerten sie innerhalb eines Gärungsprozesses. Zu den Merkmalen ihres Stoffwechsels gehört der Abbau von Substraten ohne Sauerstoff. Als typisches Produkt dieser Fermentation ergibt sich die Milchsäure. Aus diesem Grund trägt dieser Stoffwechselvorgang die Bezeichnung Milchsäuregärung.

Vorkommen

Milchsäurebakterien gelten als anspruchsvoll. So benötigen sie u. a. bestimmte Nährstoffe wie Vitamine, Aminosäuren und Kohlenhydrate. Darüber hinaus halten sie sich am liebsten in Lebensräumen auf, in denen eine geringe Sättigung an Sauerstoff herrscht. Im Menschen sind die Laktobazillen in erster Linie im Verdauungstrakt zu finden. Dazu gehören vor allem Darm und Mundhöhle. Ebenso siedeln sie sich in der weiblichen Scheide an. Bei Tieren kommen sie in der Darmflora von Hunden, Rindern, Schweinen, Hühnern, Mäusen und Ratten vor. Selbst der Magen von Fröschen oder Honigbienen dient den Bakterien als Lebensraum.
Darüber hinaus kommen die Milchsäurebakterien in Milch und in lebenden Pflanzen vor. Einige Arten tummeln sich auch im Abwasser.
Für die Herstellung von Lebensmitteln sind die Laktobazillen an erwünschten Fermentationen in Käse, Joghurt, Rohwurst, Sauerkraut oder Sauerteig beteiligt. Bei anderen Lebensmitteln können sie dagegen mikrobiellen Verderb hervorrufen. Dazu zählen zum Beispiel Fleisch, Fleischprodukte, Wein oder Bier.

Wichtige Arten

Einige Milchsäurebakterienarten sind wichtig für den Menschen. Dazu gehören zum Beispiel Lactus helveticus, der zur Herstellung von Käse dient oder Lactobacillus casei, der zu den Bestandteilen von Probiotika zählt. Als harmloser Darmbewohner gilt Enterococcus faecalis, während Lactobacillus acidophilus in der Scheidenflora angesiedelt ist. Streptococcus pyogenes kann dagegen Erkrankungen wie eine Mandelentzündung hervorrufen.
Als wichtig für eine gesunde Verdauung gilt die Milchsäurebakterienart Lactobacillus acidophilus. Sie hat die Eigenschaft, den pH-Wert, der innerhalb des Magens herrscht, gut zu vertragen. Ähnlich günstige Eigenschaften weisen die Milchsäurebakteriengattungen Streptococcus thermophilus, Streptococcus lactis und Lactobacillus acidophilus auf.

Welche Wirkung entfalten die Milchsäurebakterien im Körper?

Die nützlichen Mikroorganismen spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Menschen. So tragen sie zum optimalen Verlauf des Darmsystems bei und haben Anteil daran, die Nährstoffe, die sich in den Lebensmitteln befinden, auszuwerten. Durch die Laktobazillen werden unterschiedliche Kohlenhydrate in Milchsäure umgewandelt. Ebenso ist eine Umwandlung in Essigsäure oder Kohlendioxid möglich. Auf diese Weise kommt es zur Absenkung des pH-Werts. Gleichzeitig gehen sie gegen das Wachstum von Darmbakterien vor, die schädlich für die menschliche Gesundheit sind. Darüber hinaus werden von den nützlichen Mikroorganismen weitere Stoffe gebildet, die sich bakterienhemmend auswirken. Keime, die Krankheiten fördern, werden von ihnen von der Darmschleimhaut verdrängt.
Die Milchsäurebakterien sind zudem in der Lage, einige B-Vitamine sowie Vitamin K herzustellen. Weitere Exemplare produzieren Aminosäuren, von denen innerhalb des Darms Minerale hergestellt werden. Durch diesen Vorgang kommt es zu einem leichteren Aufnehmen in die Darmwand. Sind genügend Bakterien dieser Art vorhanden, lässt sich der Cholesterinspiegel im Körper senken. Gleichzeitig werden das Abwehrsystem sowie die Funktionen der Leber unterstützt.

Lactobacillus bacteria - Milchsäurebakterium

Lactobacillus bacteria – Milchsäurebakterium

Wichtigste Funktionen

+ Die Milchsäurebakterien sorgen für eine gute Verdauung sowie für eine gesunde Darmflora
+ Durch die Milchsäureproduktion senken sie den pH-Wert ab.
+ Schädliche Bakterien und Pilze werden von ihnen von der Darmschleimhaut entfernt
+ Durch das Herstellen von antibakteriellen Verbindungen hemmen sie das Wachstum von krankheitserregenden Bakterien
+ Sie senken das Risiko von Übergewicht und wirken Entzündungen und Allergien entgegen

Mögliche Probleme

Ein verbreitetes Problem bei vielen Menschen besteht darin, dass in ihrem Organismus zu wenig nützliche Darmbakterien vorkommen. In den meisten Fällen sind Stress, eine hohe Zufuhr von Eiweiß sowie eine Kost, die arm an Ballaststoffen ist, dafür verantwortlich. Negativ beeinflusst werden kann die Darmflora außerdem durch die Einnahme von Antibiotika und Immunsuppressiva. Aber auch das zunehmende Lebensalter bewirkt eine negative Beeinträchtigung des Darmsystems und seiner Bewohner.

Mangelerscheinungen

Sind zu wenige von den nützlichen Darmflorabewohnern im Körper vorhanden, drohen unterschiedliche Beschwerden wie

+ Verdauungsprobleme
+ ein Reizdarm
+ Durchfall
+ Verstopfung
+ Übergewicht

Auf welche Weise lassen sich die Milchsäurebakterien unterstützen?

Es bestehen Optionen, die nützlichen Laktobazillen im Körper zu unterstützen und ihr Gedeihen zu fördern. Dazu gehört vor allem das Umstellen der Ernährung. So gilt es als empfehlenswert, mehr ballaststoffreiche Kost aufzunehmen und mehr Gemüse zu verspeisen. Gleichzeitig sollte die Aufnahme von Proteinen reduziert werden. Besonders zu empfehlen sind Nahrungsmittel wie

  • fermentiertes Gemüse (Sauerkraut)
  • Milchsäurekonzentrat
  • Bitterkräuter
  • Knoblauch
  • Gemüsesäfte

Außerdem ist es möglich, durch die Zufuhr von Probiotika für eine zusätzliche Aufnahme von Milchsäurebakterien zu sorgen. In den meisten probiotischen Produkten sind unterschiedliche Darmbakterienarten enthalten. Während einige Spezies rasch wieder abgebaut werden, siedeln sich andere länger im Darm an. Besonders älteren Menschen ist eine regelmäßige Zufuhr an Laktobazillen zu empfehlen, weil sie sich schwer mit der Intakthaltung ihrer Darmflora tun.
Je mehr verschiedene Bakterienarten in einem Probiotikum enthalten sind, umso besser fällt der positive Effekt aus.
Die nützlichen Mikroorganismen werden auch in Form von Kapseln angeboten. Da in den Kapseln lebensfähige Bakterien vorkommen, ist es ratsam, sie bei geringer Luftfeuchtigkeit und kühlen Temperaturen zu lagern. Leidet der Mensch unter Darmproblemen, sollte er sich größere Mengen an positiven Darmbakterien zuführen.

 

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