Jeder 20. Deutsche leidet an einer Glutenunverträglichkeit. Symptome sind Blähbauch, Durchfall, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeit. In schwierigen Fällen kann die Unverträglichkeit sogar zu Erbrechen und Depressionen führen. Einzige Möglichkeit, die Symptome zu lindern, ist der Verzicht auf Gluten. Gluten ist einer der Hauptbestandteile von Getreide. Vor allem Weizen und Dinkel sind reich an Gluten. Es wirkt als Bindemittel und ermöglicht so das Backen von Brot oder Kuchen. Eine glutenfreie Ernährung ist also eine teilweise durchaus aufwändige Umstellung, die jedoch bei einer Glutenunverträglichkeit absolut notwendig ist.

Unverträglichkeit statt Autoimmunerkrankung

Glutenunverträglichkeit

Glutenunverträglichkeit (© Heike Rau – Fotolia.com)

Die Glutenunverträglichkeit (auch: „Glutensensitivität“) ist jedoch nicht mit Zöliakie gleichzusetzen, bei der Gluten Entzündungen der Dünndarmschleimhaut hervorruft. Die Autoimmunerkrankung verläuft in der Regel schwerer und begünstig verschiedene Krebsarten, weswegen Patienten, die bemerken, dass sie Gluten nicht gut vertragen, den Grund unbedingt von einem Arzt abklären lassen sollten. Die Glutensensitivität an sich lässt sich allerdings nicht eindeutig diagnostizieren, einziges Mittel ist hier das Ausschlussverfahren. Wenn Tests auf Weizenallergie oder Zöliakie negativ sind, ist die Glutensensitivität als Grund übrig. Es gibt sogar Wissenschaftler, die der Meinung sind, dass so etwas wie „Glutenunverträglichkeit“ gar nicht existiert. Fakt ist jedoch, dass es Menschen gibt, bei denen Gluten Probleme hervorruft. Eine Ernährungsumstellung ist also trotzdem die richtige Methode, das Problem in den Griff zu bekommen.

Welche Alternativen gibt es?

Dabei helfen inzwischen zahlreiche Produkte, die auf Konsumenten mit Glutenunverträglichkeit zugeschnitten sind. Sie gibt es inzwischen nicht nur in Reformhäusern, sondern auch in gut sortierten Supermärkten und sogar Discountern. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass manche Firmen „glutenfrei“ als Marketingstrategie nutzen. Manche der so deklarierten Artikel enthalten ohnehin kein Gluten. Außerdem gibt es zahlreiche naturbelassene Alternativen zu Weizen und anderen Getreidesorten. Gerade Pseudogetreide wie Amarant oder Buchweizen helfen dabei, das morgendliche Müsli oder Beilagen zu ersetzen. Allerdings eignen sie sich aufgrund des fehlenden Glutens nicht zum Backen. Auf welche Lebensmittel ein Mensch mit Glutenunverträglichkeit empfindlich reagiert, kann sehr unterschiedlich sein. So gibt es beispielsweise keine einheitliche Empfehlung zum Verzehr von Hafer. Manche reagieren darauf mit den typischen Symptomen, andere wiederum können Hafer problemlos verzehren.

Ist Gluten tatsächlich „schuld“?

Grund für die Unverträglichkeit könnten auch andere Stoffe im Weizen sein. Wissenschaftler der Harvard Medical School haben auch Ur-Getreidesorten und exotischere Feldfrüchte in ihrer Untersuchung berücksichtigt und dabei festgestellt, dass auch Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI) die Unverträglichkeit verursachen können. Diese Proteine sind häufig zusammen mit Gluten im Getreide zu finden und sind deswegen in ihrer Wirkung schwer von Gluten zu trennen. Dass sie die eigentlichen Verursacher des Problems sein könnten, wird auch deswegen vermutet, weil die Glutenunverträglichkeit in den letzten Jahrzehnten gehäuft auftritt. ATIs helfen Pflanzen nämlich auf natürliche Weise, sich gegen Insekten zu wehren und wurden bewusst in Hochleistungsgetreidesorten gekreuzt, um dessen Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, könnte auch Weizen bald wieder auf dem Ernährungsplan von Patienten mit Glutenunverträglichkeit einen Platz finden.