Das Kniegelenk ist das komplizierteste und größte menschliche Gelenk. Es ist sehr komplex, da es großen Belastungen ausgesetzt ist. Das Knie trägt das gesamte Körpergewicht. Es besteht aus Oberschenkelknochen, Kniescheibe, Kniegelenkknorpel, Meniskus, Unterschenkelknochen, Wadenbein, Kreuzband, Außenband und Kniescheibenband. Kapsel, Knorpel, Sehnen und Muskeln und andere Weichteile sorgen für die Beweglichkeit.

Die Knochen werden mit der Kniegelenkkapsel stabilisiert. Auf der Innenseite ist die Gelenkkapsel mit einer Gelenkinnenhaut ausgekleidet, die eine Gelenkflüssigkeit bildet. Diese Flüssigkeit verteilt sich zwischen Gelenkkopf und Gelenkpfanne, versorgt sie mit Nährstoffen und schmiert sie. In der Umgebung des Kniegelenks gibt es weiterhin neun Schleimbeutel, die den Bewegungsdruck abfedern. Das Kniegelenk ist ein Drehscharniergelenk, da es gebeugt und gedreht werden kann. Durch den Gelenkknorpel werden enorme Kräfte übertragen. Er verhindert jedoch auch, dass die Knochen aneinander reiben.

Knieschmerzen sind immer ein ernstzunehmendes Schmerzsignal

Da das Kniegelenk hochgradig komplex und kompliziert aufgebaut ist, können auch Knieschmerzen eine breit gefächerte Palette von Ursachen aufweisen. Alle Schmerzursachen haben jedoch einen Aspekt gemeinsam. Man sollte sie immer und in jedem Fall ernst nehmen und behandeln. Knieschmerzen können plötzlich und mit einer erkennbaren Ursache entstehen. Das Kniegelenk schwillt an und zeigt Blutergüsse nach einem Unfall oder Sturz. Bei vielen anderen Schmerzsymptomen im Knie ist jedoch die Ursache nicht so leicht einzugrenzen und es wird oft eine umfangreiche Diagnostik benötigt. Schmerzen sind zuallererst ein Warnsignal. Der Körper warnt, das Gelenk möglichst nicht oder nur wenig zu belasten. Auf dieses Signal sollte man reagieren und genau darauf achten, welche Art von Schmerz fühlbar ist und wann er auftritt.

Verschiedene Schmerzsignale im Knie verweisen auf die Ursache

Schmerzt das Knie vor allem an der Innenseite, könnte der Innenmeniskus betroffen sein. Weiterhin kann es sich um eine Entzündung des Schleimbeutels handeln oder um eine Beschädigung der Sehnen. Sind die Schmerzen eher an der Außenseite fühlbar, so kann das ein Verschleißsignal sein. Insbesondere ein Verschleiß der Sehnen könnte eine Rolle spielen. Auch das sogenannte Springerknie lässt die Schmerzen von vorn empfinden. Es handelt sich dann um eine Verletzung der Kniescheibensehne. Ist der Schmerz direkt hinten in der Kniekehle, könnte eine Baker-Zyste dahinter stecken. Dabei handelt es sich um eine Ausstülpung am Kniegelenk, die zumeist im Ergebnis mit einem Schaden im Inneren des Kniegelenks entsteht. Schmerzt das Knie unspezifisch überall, so kann es entzündet sein, sich um Rheuma oder Arthrose handeln. Weiterhin kann auch die Haut am Knie schmerzen, errötet oder erwärmt sein. Das kann beispielsweise nach schmerzhaftem Wegknicken wegen eines Kreuzbandrisses oder ein Überstreckungsschmerz nach einem Meniskusriss passieren.


Bei vielen Knieerkrankungen schmerzt es bei Belastungen

Belastungsspezifische Schmerzen sind bei vielen Knieerkrankungen typisch. So sind Schmerzen nach Ruhephasen, nächtliche Schmerzen und Steifheit typisch für eine Gelenkarthrose. Schmerzt das Knie auch in Ruhephasen längere Zeit, könnte das ein Anzeichen für Rheuma sein. Typisch für eine Schleimbeutelentzündung sind starke Schmerzen beim Treppensteigen (bergauf). Es könnte sich auch um einen Knorpelschaden der Gelenkscheibe handeln. Bergab Treppensteigen ist für eine Kniearthrose oft unerträglich. Kinder und Jugendliche haben im Verhältnis relativ oft Knieschmerzen. Dabei kann es sich um Wachstumsschmerzen handeln, die harmlos sind. Es können aber auch bösartige Tumore eine Rolle spielen.

Nicht jede Knieerkrankung muss gleich operiert werden

Die Schlüsselloch-Operation ist in Deutschland die zweithäufigste Operation bei Arthrose. Doch die Fachwelt denkt bereits um, da mittlerweile bekannt ist, dass diese Operationen bei reinem Knieverschleiß wenig helfen. Empfohlen wird eher gelenkschonender Sport wie Schwimmen oder Radfahren, den er spült Gelenkschmiere ins Knie. Die Implantation eines künstlichen Kniegelenkes gehört zu den häufigen operativen Eingriffen. Sie wird durchgeführt, wenn die Arthrose schmerzhaft wird und konservative Behandlungsverfahren wie Krankengymnastik, moderater Sport, Medikamente und Spritzenbehandlungen zur Linderung nicht mehr ausreichen. Nicht jede Knieerkrankung muss jedoch gleich operativ behandelt werden. Oft können auch Salben und eine gute Bandage am Knie Linderung verschaffen.

Bandagen stabilisieren und geben dem Knie einen sicheren Halt

Ein schmerzendes Knie kann sich instabil anfühlen oder geschwollen sein. Eine funktionell gut sitzende Bandage am Knie kann die Mobilisierung unterstützen und bietet einen sicheren Halt. Die Kniescheibe wird dadurch entlastet und Schmerzen am Meniskus reduziert. Bandagen nennt man auch Schutzverband oder Stützverband. Sie bieten einen besonderen Schutz, wenn das Knie verletzt oder überstrapaziert ist. Eine Kniebandage stützt und entlastet das Gelenk, sie wärmt und schützt vor äußeren Einwirkungen. Kniebandagen können auf zwei verschiedene Arten genutzt werden. Zur Vorbeugung oder zur Therapie. Gerade bei bestimmten Sportarten, wie Fußball oder Handball, bietet sich das vorbeugende Tragen einer Kniebandage an. Verletzungen des Knies entstehen beim Sport auch durch schnelle Abstoppbewegungen, plötzliche Bewegungsabläufe und Verdrehungen. Eine Kniebandage festigt und unterstützt das Knie in allen Bewegungen. Kniebandagen dienen auch der Therapie von Erkrankungen und können vom Arzt verschrieben werden. Wirkungsvoll helfen sie beispielsweise bei Arthrose oder der Verletzung von Menisken, Bändern und Sehnen am Gelenk.

Salben können bestimmte Knieschmerzen lindern

Die Behandlung von Knieschmerzen orientiert sich immer an der Ursache. Oft hilft es schon, das Knie zu kühlen und eine geeignete Salbe aufzutragen, die entzündungshemmend und durchblutungsfördernd wirkt. Sobald man Schmerzen im Knie empfindet, sollte man es möglichst schonen und in keinem Fall weiter stark belasten. Halten die Schmerzen im Knie mehrere Tage an, ist ein Arztbesuch empfehlenswert. Für die Ursachendiagnostik stehen dem Arzt dann verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, auch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall. Salben werden häufig als Mittel der Selbstmedikation genommen. Sinnvoller ist es jedoch, nach Diagnose der Knieverletzung den Arzt zu bitten, eine bestimmte Salbe zu empfehlen. Jede Salbe hat andere Wirkstoffe und deckt nur einen bestimmten Bedarfsfall ab.

Knieschmerzen nicht auf die leichte Schulter nehmen

Knieschmerzen entstehen nicht nur plötzlich nach einem konkreten Unfallereignis. Sie können sich auch schleichend entwickeln und schrittweise steigern. Viele versuchen dann, diese Beschwerden am Knie durch Selbstmedikation zu beheben. Sie nutzen Umschläge und Salben, vielleicht auch Bandagen. Sie scheuen jedoch den Gang zu einem Arzt. Diese Entscheidung kann bei einer harmloseren Knieverletzung folgenlos sein. Es kann sich aber auch um einen Kreuzbandriss, einen Haarriss im Knochen, angerissene Sehnen oder eine andere, ernstzunehmende Verletzung handeln. Es zählt dann jeder Tag, um einen möglichst guten Behandlungserfolg zu sichern. Der Gang zu einem Arzt bei Knieschmerzen ist in jedem Fall ratsam.

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