Es gibt wohl kaum ein Kind, das nicht schon einmal eine Schürfwunde an Beinen, Armen oder im Gesicht hatte. Sei es beim Fahren mit dem Fahrrad, Roller oder beim Stürzen auf dem asphaltierten Schulhof. Aber auch Erwachsene tragen häufig eine Schürfverletzung am Körper, beispielsweise beim Skaten im Sommer oder beim Ausrutschen eines vereisten Gehweges im Winter, davon. Diese Schürfwunden, aber auch kleine Schnitte oder Wunden nach medizinischen Eingriffen, können sich bei mangelnder Wundversorgung entzünden. Das Resultat sind nässende Wunden.

Nässende Wunden – was ist darunter zu verstehen?

Sehr oft entstehen nässende Wunden durch Abschürfungen der Epidermis, der oberen Hautschicht. Charakteristisch für diese Verletzungen sind punktförmige Einblutungen in die Haut. Diese entstehen durch das Abreißen kleinster Blutkapillaren während der Verletzung der Hautoberfläche. Dadurch kommt es zu starken Blutungen und ein relativ starkes Nässen der Wunde. Die bei der Verletzung freigelegten Nervenenden verursachen teilweise sehr starke Schmerzen. Nicht ungefährlich sind eventuellen Verunreinigungen der Wunden durch Schmutzpartikel. Diese können sich fest in die Haut eingerieben haben. Keime können ungehindert in die Wunde eindringen und zu weiteren Wunden oder Geschwüren führen. Die Wunde entwickelt sich zu einer nässenden Wunde.

Nässende Wunden sollten besonders behutsam versorgt werden!

Nässende Wunden sollten besonders behutsam versorgt werden!

Aber auch bei schweren Verletzungen der Hautschichten, des Knochengerüstes oder nach Operationen entstehen Wunden. Ebenso können Abszesse, Geschwüre, Furunkel, Quetschungen und Verbrennungen schlecht heilen. Oftmals sind es Keime und Bakterien, die zu Infektionen führen. Das Ergebnis sind nässende Wunden, die von einem Arzt in Augenschein genommen werden sollten.

Wie werden nässende Wunden richtig behandelt?

Nässende Wunden werden in

  • leicht nässend Wunden
  • stark nässende Wunden
  • chronisch nässende Wunden

unterschieden. Da diese aus unterschiedlichen Symptomen heraus entstehen, sind diese auch differenziert zu behandeln. Bevor mit der Behandlung der Wunden begonnen wird, sind die Hände gründlich zu waschen und zu desinfizieren. Noch besser ist das Tragen von Einmalhandschuhen. Dadurch wird das Infektionsrisiko gemindert.

Die Versorgung von leicht nässenden Wunden

Bevor es an die direkte Behandlung einer nässenden Wunde geht, ist diese von Fremdkörpern, wie kleine Steinchen, Stofffasern etc., und Schmutz zu befreien. Am besten ist eine Spülung der Wunde mit kaltem oder lauwarmem Wasser. Handelt es sich aber um tief sitzende Fremdkörper, sind diese von einem Arzt entfernen zu lassen. Anschließend ist sie zu desinfizieren. Dafür eignet sich Jod am besten. Handelt es sich um eine kleine nässende Wunde, dann reicht zur Behandlung der Wunde ein Pflaster aus. Innerhalb von wenigen Tagen sind leicht nässende Wunden meist verheilt. Sind die Wunden größer, reicht ein Pflaster nicht. Diese sind mit sterilen Wundauflagen und einem Verband zu versehen.

Die Behandlung von stark nässenden Wunden

Stark nässende Wunden können sehr störend sein. Das austretende Sekret verklebt oftmals nicht nur die Wunde mit dem Verband, sondern teilweise auch die Kleidung. Deshalb sind Verbände zur Abdeckung der stark nässenden Wunde nicht empfehlenswert. Angeraten wird das Auflegen feuchter und steriler Kompressen. Auf die Ränder der Wunde ist jedoch vorher Wundsalbe aufzutragen. Das Auftragen von Salbe direkt auf die Wunde, sollte vermieden werden, da diese dadurch verschlossen wird. Resultierend daraus kann das Wundsekret nicht abfließen. Des Weiteren tritt keine Luft an die Wunde. Luftverschlossene Wunden sind der ideale Nährboden für Bakterien. All dies hat einen langwierigen Heilungsprozess zur Folge.

In seltenen Fällen wird auch noch Puder zur Wundversorgung angewendet. Es sollte jedoch von seiner Verwendung abgesehen werden. In Verbindung mit dem Wundsekret kommt es zu einer Verklumpung. Also keinen Verband, Pflaster oder Wundpuder auf eine stark nässende Wunde, sondern feuchte und spezielle sterile Kompressen. Diese verhindern zum einen eine bakterielle Besiedlung der Wunde und zum Anderen nehmen sie das Wundsekret auf. Die Wundheilung wird dadurch gefördert. Der Heilungsprozess liegt bei diesen Wunden bei maximal einem Monat.

Chronisch nässende Wunden versorgen

Wenn eine nässende Wunde nach vier Wochen noch nicht verheilt ist, kann man davon ausgehen, dass in der Regel eine ernsthafte Erkrankung der Grund dafür ist. Man spricht in diesen Fällen von einer chronisch nässenden Wunde. Krankheiten, die für den schlechten Heilungsprozess verantwortlich sein können, sind unter anderem:

  • Infektionen,
  • Durchblutungsstörungen,
  • Autoimmunerkrankung,
  • Immunschwäche,
  • chronische Erkrankungen, wie Diabetes,
  • Druckgeschwüre, besonders bei liegenden Menschen, die nicht aufstehen können.

Chronisch nässende Wunden sind auf jeden Fall von einem Arzt begutachten und die Ursache feststellen zu lassen. Außerdem ist mit diesem die weitere Behandlung zu abzusprechen. Angaben zur Dauer des Heilungsprozesses sind bei chronisch nässenden Wunden nicht möglich. Diese hängt von ihrer Ursache ab. Der Arzt kann aber nach Diagnostizierung und Begutachtung nach der voraussichtlichen Heilungsdauer befragt werden.

Welche Gefahren bestehen bei nässenden Wunden?

Eine große Gefahr bei nässenden Wunden besteht darin, dass Keime in die offene Wunde und in die Blutbahn gelangen können. War die Wunde verunreinigt oder war die Ursache ein schmutziger Gegenstand, ist die Gefahr der Infektion sehr groß. Anzeichen für eine infizierte nässende Wunde sind:

  • pulsierende oder klopfende Schmerzen,
  • Hautrötungen,
  • Schwellungen,
  • Eiteraustritt und
  • Druckempfindlichkeit.

Treten diese Symptome innerhalb von 24 Stunden auf, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um eine Wundinfektion handelt. In diesem Fall muss sofort ein Arzt aufgesucht werden, da eventuell eine antibiotische Therapie notwendig sein könnte.

Eine Wundinfektion kann auch zu einer Tetanusinfektion, auch Wundstarrkrampf genannt, führen. Deshalb ist der Tetanusimpfstatus zu prüfen. Wenn der Impfschutz nicht mehr gegeben ist, ist er unbedingt aufzufrischen.

Im schlimmsten Fall können sich nässende Wunden zu einer lebensbedrohlichen Sepsis ausweiten. Symptome dafür sind:

  • Fieber,
  • Übelkeit,
  • Herzrasen (Tachykardie),
  • überhöhte Atemfrequenz (Tachypnoe) und
  • Schüttelfrost.

Hier kommt man an einer sofortigen systematischen Gabe von Antibiotika nicht vorbei. Diese soll die Bakterienanzahl drastisch reduzieren. Das Gleichgewicht zwischen Bakterien und Immunabwehr soll dadurch wieder erreicht werden. Die Dauer des Heilungsprozesses bei chronisch nässenden Wunden hängt von dessen Verlauf ab.

Wann ist es bei einer nässenden Wunde ein Arztbesuch unumgänglich?

Bei stark nässenden und chronisch nässenden Wunden sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Hierbei besteht eine erhöhte Gefahr des Eindringens von Keimen, die zu einer Infektion führen können. Im schlimmsten Fall kann dadurch eine Tetanusinfektion (Wundstarrkrampf) oder eine Sepsis (Blutvergiftung) ausgelöst werden. Eine antibiotische Therapie durch den Arzt wird meist notwendig.

Aber auch bei einer starken Verschmutzung mit Vorhandensein von Fremdkörpern, wie Splitter und Steinchen, ist die Wunde ärztlich zu versorgen. Es besteht eine erhöhte Infektionsgefahr. Diese Wunden müssen möglicherweise unter Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) durch den Mediziner gereinigt werden.

Haben sich nässende Wunden infiziert, kommt der Patient an einem Arztbesuch nicht vorbei. Dieser führt in diesem Falle eine chirurgische Basistherapie, die sogenannte Wundrevision, durch. Hierbei wird festgestellt, wie tief und wie weit vorgedrungen die Wundinfektion ist. Außerdem prüft er, ob nekrotisches (abgestorbenes) Gewebe vorhanden ist, das operativ entfernt werden muss. Infizierte Wunden werden meist mit Antibiotika therapiert und gehören in die Hand eines Arztes.

Kurz zusammengefasst:

Unterstützt die Wundauflage den natürlichen Heilungsprozess, desto weniger Komplikationen treten beim Verschluss der nässenden Wunde auf. Eine ordentliche Wundversorgung ist das A und O einer guten Heilung und Vorbeugung von Infektionen. Das gilt für leicht nässende Wunden ebenso wie für stärker nässende und chronische Wunden. Sinnvoll ist es, nicht nur bei Symptomen, die auf eine Infektion oder Sepsis hinweisen, den Arzt aufzusuchen. Auch bei größeren verschmutzten Wunden ist dies anzuraten. Des Weiteren wird die richtige Therapie zur Heilung durch den Mediziner eingeleitet.

 

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