Verschiedene Szenarien sind möglich, die letztlich dazu führen, dass der kleine Fortsatz am unteren Ende der Wirbelsäule bricht. In jedem Fall muss aber eine große Kraft punktuell auf das Steißbein wirken, um einen Knochenbruch zu bewirken – an Osteoporose erkrankte Personen sind allerdings für jede Art von Fraktur extrem anfällig und stellen auch hier eine Ausnahme dar.

Ein klassisches Unfallszenario, das mit einem Steißbeinbruch endet, ist das Ausrutschen auf Eis und Schnee im Winter, das einen ungebremsten Sturz auf den Po zur Folge hat. Sich neben einen Stuhl zu setzen und nach hinten zu fallen, ohne sich abstützen zu können, ist eine weitere Möglichkeit, sich das Steißbein zu brechen. Relativ häufig kommt es auch zu Steißbeinbrüchen beim Wintersport: Eislaufen kann zum Sturz auf den Po führen. Beim Skilaufen sorgen die eigenen Skier oftmals dafür, dass der Aufprall bei einem Sturz so heftig ausfällt, dass das Steißbein bricht. Eine andere der häufigen Unfallursachen für Steißbeinbrüche lauert fast in jedem Haus: die Treppe. Wer auf einer Treppe beim Abwärtsgehen ausrutscht, knallt in der Regel ausgerechnet mit dem Steißbein auf die Kante einer Stufe. Abgesehen von Unfällen ist der klassische Tritt in den Hintern (noch dazu, wenn er mit einem harten Schuhwerk ausgeführt wird), dazu in der Lage, ein Steißbein zu brechen.

Die hier genannten Beispiele stellen nur eine kleine Auswahl der Möglichkeiten dar, wie man sich sein Steißbein brechen kann. Angesichts der langen und schmerzhaften Leidenszeit, die bei einem Steißbeinbruch vor dem Patienten liegt, sollte jeder sich überlegen, wie die persönlichen Unfallrisiken minimiert werden können, um es gar nicht erst zu einem Unglück kommen zu lassen. Angemessen rutschsicheres Schuhwerk draußen und im Haus sind buchstäblich ein erster Schritt dabei.

Was ist das Steißbein?

Das Steißbein ist wirklich das Letzte – zumindest, wenn man die menschliche Wirbelsäule betrachtet. Die gliedert sich vom Kopf aus abwärts in folgende Abschnitte:

  • Halswirbelsäule
  • Brustwirbelsäule
  • Lendenwirbelsäule
  • Kreuzbein
  • Steißbein

Hals-,Brust- und Lendenwirbel sind dabei typische Wirbelkörper mit Gelenken und Dornfortsatz. Die Wirbel des Kreuzbeins dagegen sind verwachsen und einerseits Bestandteile der Wirbelsäule, andererseits gehören sie zum knöchernen Becken. Das Steißbein besteht aus einer unterschiedlichen Zahl verschmolzener Wirbel: Es können drei bis fünf sein. Sie stellen den Überrest einer früher bei den menschlichen Urahnen vorhandenen Schwanzwirbelsäule dar. Funktionslos ist das Relikt aus längst vergangenen Tagen jedoch nicht: Am Steißbein setzen Muskeln und Bänder an, die mit dem Becken verbunden sind – und genau da liegt das Problem, wenn es zu einem Steißbeinbruch kommt.

Woran merkt man, dass das Steißbein gebrochen ist?

Auf einem gebrochenen Steißbein kann niemand sitzen, weil das einfach zu schmerzhaft ist. Auch das einfache Gehen tut extrem weh. Nur eine Röntgenaufnahme kann eindeutig eine Fraktur, also einen Bruch nachweisen. Der Gang zum Arzt bleibt einem also nicht erspart, aber im Wartezimmer wird sich ein Patient, der mit Verdacht auf ein gebrochenes Steißbein gekommen ist, nicht hinsetzen können.

Wie therapiert man einen Steißbeinbruch?

Mit Geduld und Schonung. In seltenen Fällen wird operiert, was bedeutet, dass das Steißbein im Rahmen einer Resektion („Rückschnitt“) entfernt wird. Aber das geschieht nur bei Patienten mit chronischen Schmerzen im Steißbeinbereich; der Erfolg ist ungewiss.

Ein sogenanntes Ringkissen kann Patienten das Sitzen erleichtern, indem der Druck bei der Belastung des Gesäßes im Sitzen von der Steißbeinregion abgelenkt wird. Leider sorgen die Muskeln und Bänder des Beckens, die dort ansetzen, dafür, dass das Steißbein trotz aller Schonung nicht wirklich zur Ruhe kommt. Starke Schmerzen werden bei einem Steißbeinbruch deshalb auch mit Schmerzmitteln (Analgetika in Tablettenform oder auch schmerzstillende Spritzen direkt ins Steißbein) behandelt. Darüber hinaus hilft es, die Steißbeinregion zu kühlen. Die Kälte betäubt einerseits den Schmerz und sorgt andererseits nach Entfernung des Kühlpakets dafür, dass die abgekühlte Region stark durchblutet wird. Die gesteigerte Durchblutung hat natürlich auch Auswirkungen auf das geschädigte Knochenmaterial: Die Versorgungslage dort wird durch eine hohe Durchblutung extrem gut, was die Heilung des Knochens beschleunigen kann.

Wichtig ist es bei einem Steißbeinbruch dafür zu sorgen, dass die Verdauung regelmäßig und der Stuhl weich ist. Sollte das nicht der Fall sein, ist Patienten ganz schnell klar, warum beides wichtig ist: Pressen beim Stuhlgang tut höllisch weh.

Den Bluterguss schnell wieder loswerden

Ein Unfall mit einem Steißbeinbruch hat meist auch in den ersten Tagen bis zu etwa zwei Wochen einen heftigen Bluterguss in der Steißbeingegend zur Folge. Wenigstens gegen den Bluterguss kann man aktiv etwas unternehmen. Behutsam Sportgel aufzutragen hilft, den Abbau des Ergusses zu beschleunigen. Aber Achtung: Das Gel nicht zu nahe am After verteilen! Es brennt auf Schleimhäuten. Unkonventionell, aber äußerst effektiv: Mit einem Staubsaugerrohr – wenig Saugkraft einstellen! – kann man den Erguss an die Hautoberfläche ziehen. Dort wird er schneller abgebaut. Am schnellsten geht das übrigens unter UV-Licht-Einfluss, weil UV-Strahlen den roten Blutfarbstoff, das Hämoglobin, zersetzen. Vielleicht gibt es ein Fenster, durch das daheim die Sonne scheint und das es ermöglicht, die nackte Kehrseite gelegentlich diskret bescheinen zu lassen. Wenn der Bluterguss verschwunden ist, erfahren Patienten die erste Erleichterung, was ihre Schmerzbeschwerden angeht.

Wie lang halten die Beschwerden bei einem Steißbeinbruch an?

Ist das Steißbein voll gebrochen, dauern die Beschwerden über Monate an. Auch ein angebrochenes Steißbein wird über mehrere Wochen dafür sorgen, dass Sitzen zunächst praktisch unmöglich ist; mit Hilfsmitteln wie dem Ringkissen können Patienten nach einiger Zeit wieder sitzen. Feste Zahlen im Sinne von: „Nach drei Wochen kann ein Patient wieder schmerzfrei gehen, nach drei Monaten wieder ohne Kissen sitzen“ gibt es nicht: Der Heilungsverlauf ist individuell sehr verschieden. Es gibt leider auch Fälle, bei denen die Schmerzen chronisch werden oder ein Wiederauftauchen von Beschwerden Jahre nach dem Unfallereignis. Bei vielen Patienten klingen die Beschwerden jedoch gut ab, wenn diese sich nach einem Unfall entsprechend schonen.

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