Ein 13-jähriges Mädchen sucht in einem anonymen Gesundheitsforum ängstlich um Hilfe nach. Es macht sich Sorgen über etwas, das es beim Duschen ertastet hat: „Hallo… also… unter meiner rechten Brustwarze ist ein ziemlich dicker Knoten… muss ich mir Sorgen machen?!“ In aller Regel muss ein so junges Mädchen nicht befürchten, dass es sich bei dem seltsamen Knotengebilde um einen bösartigen Tumor handeln könnte.
Gerade unter dem Ansturm der Hormone in der Pubertät kommt es bei Heranwachsenden – auch bei Jungen übrigens – häufig zu Schwellungen und Verhärtungen im Brustbereich, die harmlos sind und sich in der Regel schnell wieder zurückbilden. Bösartiger Brustkrebs hingegen tritt selten schon bei Kindern und Jugendlichen auf. In Deutschland wurde in den vergangenen Jahren kein einziger Fall registriert. Doch völlig ausgeschlossen ist eine Erkrankung sogar bei Kleinkindern nicht.

So jung war bisher keine Patientin

Dieser Fall sorgte über Kanada und die USA hinaus für Schlagzeilen. Aleisha Hunter war gerade erst drei Jahre alt geworden, als die Ärzte bei dem kanadischen Mädchen die erschreckende Diagnose stellten: Brustkrebs – im bereits fortgeschrittenen Stadium. So jung war bis zu diesem Zeitpunkt – es war Dezember 2008 – weltweit noch nie zuvor ein Mensch an Brustkrebs erkrankt. Auch seither ist kein vergleichbarer Fall bekannt geworden.

Das junge Leben der kleinen Aleisha konnten die Ärzte in Kanada nur mit einer Amputation des kompletten Brustgewebes retten. Die lebensgefährliche Krankheit war bei dem kleinen Mädchen zunächst gar nicht entdeckt worden. Als die Mutter einige Monate zuvor einen erbsengroßen Wulst an Aleishas Brust bemerkt hatte, war sie zunächst von einer harmlosen Ursache ausgegangen. Im Krankenhaus beruhigte man die junge Mutter ebenfalls: Es sei wohl eine Zyste. Auf jeden Fall nichts Gefährliches. Melanie Hunter ging mit ihrem Töchterchen beruhigt wieder heim.

Auf vierfache Größe gewachsen

Doch die vermeintlich harmlose Schwellung wuchs in den Folgewochen bis auf die vierfache Größe weiter an. Die Dreijährige klagte unter Weinen über ständige heftige Schmerzen. Bis die Eltern erneut auf eine gründliche Untersuchung im Krankenhaus bestanden – und mehrere Tests ergaben schließlich den schlimmen Befund: Der Knoten in Aleishas Brust war tatsächlich ein bösartiger Krebstumor. Ihre Mutter stand unter Schock. Sie hätte niemals gedacht, erklärte sie später gegenüber kanadischen Zeitungen, dass schon so kleine Kinder Brustkrebs bekommen könnten.

In der Tat scheint schon das körperliche Entwicklungsstadium eines Kindes verlässlich gegen Brustkrebs zu sprechen. Am häufigsten sind Frauen über 30 Jahre betroffen. Tumore entwickeln sich bekanntlich im Drüsengewebe der weiblichen Brust und maßgeblich unter Einfluss des Sexualhormons Östrogen. Junge Mädchen, erst recht Kinder, haben noch kaum Gewebe um ihre Drüsen herum, und Sexualhormone spielen bei ihnen überhaupt noch keine Rolle. Entsprechend gering ist glücklicherweise das Brustkrebsrisiko bei Kindern. Doch es steigt mit jedem Jahr, in dem sich unter dem Einfluss der Sexualhormone der Busen des jungen Mädchens ausbildet.

Chancen und Risiken einer Therapie

So selten Brustkrebs bei Heranwachsenden und Kindern auch ist, so birgt ein bösartiger Tumor doch gleichzeitig für den kindlichen Körper besonders große Gefahren. Ein erst wenige Jahre junger Organismus ist noch nicht so robust und abgehärtet wie der eines Erwachsenen. Er verfügt noch nicht über eine vollständig ausgebildete Immunabwehr und reagiert auf starke Medikation – die bei einer Krebserkrankung oftmals unumgänglich ist – ungleich empfindlicher als der Organismus eines Erwachsenen, der meist schon einige Krankheiten erfolgreich bekämpft und seine Selbstheilungskräfte meist dadurch gestärkt hat.

An Ärzte und Krebskliniken stellen kindliche Patientinnen und Patienten daher ganz besondere Anforderungen. Es gilt, Behandlungsformen und Medikationen zu finden, die den empfindlichen Organismus so wenig wie möglich zusätzlich noch belasten. Das Problem besteht darin, richtig abzuwägen – zwischen den Heilungschancen der Therapie und den Schäden, die durch sie entstehen. Vor dieser Herausforderung stehen Mediziner natürlich immer auch schon bei Erwachsenen. Und dieses Problem haben die Fachkliniken immer auch schon bei Kindern, die an Krebs erkranken: Doch Brustkrebs ist bei Kindern eben derart selten, dass bisher kaum Erfahrungswerte vorliegen. Hingegen bricht zum Beispiel Leukämie – Blutkrebs – relativ häufig schon in jungen Jahren aus, und es sind inzwischen viele Behandlungsmethoden speziell für Kinder entwickelt und erprobt worden.

Enorme Belastung für das Immunsystem

Jede Krebstherapie – und wenn sie auch noch so schonend ist – setzt dem ohnehin geschwächten Körper stark zu und belastet insbesondere das Immunsystem sehr. Bestrahlungen etwa, die einem erwachsenen Krebspatienten in hoher Dosis verabreicht werden, kann ein Kind überhaupt nicht vertragen. Doch wählen die behandelnden Ärzte deshalb eine geringere Dosis, richten die Strahlen vielleicht nichts gegen den Tumor aus – schwächen aber trotzdem die Immunabwehr weiter, so dass nichts gewonnen ist, sich der Zustand des kranken Kindes eher noch verschlimmert. Und eine Operation ist auch nicht immer möglich. Im Falle der kleinen Aleisha war das zum Glück anders: Der dreijährigen Krebspatientin aus Kanada konnte die Totalamputation des Brustgewebes, das junge Leben retten.

Wichtigkeit der Früherkennung und Symptome

Um den Krebs erfolgreich zu behandeln und möglichst vollständig besiegen zu können, ist es notwendig, den Tumor schon im frühesten Stadium zu bekämpfen. Deshalb sollten schon Mädchen in der Pubertät darauf achten, ob sie an – oder in – ihrer wachsenden Brust Anomalien bemerken. Frauen ab 30 Jahren sollten sich ebenfalls nicht allein auf die jährliche Vorsorgeuntersuchung verlassen (die sie natürlich gewissenhaft wahrzunehmen haben). Frauenärzte empfehlen jeder Frau zusätzlich, ihre Brüste immer wieder zwischendurch abzutasten, und sei es nur kurz: Etwa beim Duschen, beim Eincremen oder morgens vor dem Spiegel beim Anziehen. Die Wichtigkeit, Tumore so früh wie möglich zu erkennen, muss immer wieder nachdrücklich betont werden.

Zu den Symptomen, die auf einen Brusttumor hindeuten, zählen neben Knoten und Verhärtungen folgende Krankheitszeichen:

  • Verfärbungen und Deformierungen der Brustwarze;
  • „Einbuchtungen“, „Dellen“ in der Brusthaut;
  • Entzündungsherde an Warze oder Brusthaut;
  • Spannungs- und Druckgefühle in der Brust, ähnlich denen kurz vor Beginn der Menstruation;
  • Austritt von Flüssigkeit (weißlich, gelblich) oder Blut aus der Brustwarze;
  • Allgemeines Gefühl von Schwäche und Taumeligkeit: Diese kann zusammen mit einem oder mehreren der oben genannten Symptome, aber auch separat auftreten.

Alle diese Beschwerden können letztlich auch andere Ursachen haben: Selbst der gefürchtete Knoten in der Brust bedeutet nicht automatisch immer gleich „Krebs“, sondern es kann sich einfach auch um normale körperliche Umbauprozesse handeln. Dennoch sollte auch bei leisem Verdacht auf Brust- oder einen anderen Krebs der direkte Weg zum Arzt führen, um den Befund sofort abzuklären. Denn wenn der Brusttumor bereits Tochtergeschwülste, Metastasen, gebildet hat, wenn der Krebs also „gestreut“ hat – etwa in anderen Organen oder den Lymphknoten – dann wird es sehr schwer, diese aggressive Krankheit noch dauerhaft zu besiegen.

 

 

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