Eine Schwangerschaft ist für die werdenden Eltern ein spannendes Ereignis. Diese Vorfreude kann jedoch schnell getrübt werden, wenn der Arzt die Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft einstuft. Werdende Eltern geraten deshalb regelmäßig in große Sorge um ihr ungeborenes Kind. Eine Risikoschwangerschaft bedeutet aber nur sehr selten, dass akute Komplikationen vorliegen.

Wann ist die Schwangerschaft mit Risiko behaftet?

Während einer Schwangerschaft gibt es zahlreiche Standarduntersuchungen in festgelegten Zeiträumen, bei denen der Verlauf der Schwangerschaft genau geprüft und überwacht wird. Diese Untersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen. Sollten bei diesen Vorsorgeuntersuchungen Unregelmäßigkeiten auftreten, oder die Vorgeschichte der Schwangeren entsprechend ausfallen, kann die Schwangerschaft vom behandelnden Arzt als Risikoschwangerschaft im Mutterpass vermerkt werden. Für diese Einstufung existieren ganz bestimmte Kriterien, wie etwa chronische oder akute Krankheiten der werdenden Mutter. Je nach Situation kann ein stationärer Aufenthalt oder bestimmte Verfahren der pränatalen Diagnostik nötig werden. In jedem Fall wird eine Risikoschwangerschaft noch intensiver bewacht und zusätzliche Untersuchungen angeordnet, die ebenfalls von der Krankenkasse getragen werden. Werdende Eltern sind durch eine Risikoschwangerschaft häufig sehr geschockt und verunsichert, sie fürchten das schlimmste. Allerdings ist diese Einstufung in erster Linie eine reine Vorsichtsmaßnahme und bedeutet nur selten, dass das Kind ernsthaften gesundheitlichen Schaden nimmt. Durch die Einstufung „Risikoschwangerschaft“ wird lediglich ausgedrückt, dass ein erhöhtes Risiko für verschiedene Probleme besteht, nicht dass diese auch eintreten. Das erhöhte Risiko ergibt sich durch statistische Auswertungen von Komplikationen in der Schwangerschaft. Da inzwischen anhand von über 50 Kriterien geprüft wird ob eine Risikoschwangerschaft vorliegt, werden immer mehr Schwangerschaften als solche eingestuft. Studien haben ergeben, dass heute 3 von 4 Schwangerschaften als Risikoschwangerschaft eingestuft werden, andere Quellen bennen sogar 80% Risikoschwangerschaften. In der Mehrzahl solcher Schwangerschaften kommt es allerdings nicht zu Komplikationen für Mutter oder Kind und das Baby kommt völlig normal und gesund zur Welt. Weiterführende Informationen rund um Risikoschwangerschaften und deren Vorbeugung sind hier zu finden.

Kriterien für eine Risikoschwangerschaft

Es gibt einige Kriterien, durch die eine Schwangerschaft automatisch von Anfang an als Risikoschwangerschaft bezeichnet wird. Dabei ist der sonstige Gesundheitszustand der werdenden Mutter nicht relevant.
Diese Faktoren sind:

  • Das Alter der werdenden Mutter
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Vorausgegangene Fehlgeburten
  • Komplikationen bei früheren Geburten
  • Rhesus-Unverträglichkeit
  • Vorausgegangene Geburt mit Kaiserschnitt
  • Mehr als 4 vorige Geburten
  • Chronische Erkrankungen
  • Diabetes
  • Übergewicht
  • Anhaltender Medikamenten-, Drogen-, Alkohol- und Nikotinkonsum
  • Erbkrankheiten in der Familie

Viele Schwangere sind verwundert wenn sie nur aufgrund ihres Alters, ohne Berücksichtigung des sonstigen Gesundheitszustandes, als Risikoschwangerschaft eingestuft werden. Ist die Schwangere noch unter 18 Jahre alt oder über 35 und Erstgebärende, zählt sie als Risikoschwangere. Werdende Mütter über 40 Jahren gelten grundsätzlich auch als Risikoschwangerschaft, unabhängig davon ob sie schon Kinder geboren haben. Diese Einstufung leitet sich aus statistischen Erhebungen ab. So besteht bei älteren Müttern ein erhöhtes Risiko auf Gestose oder Schwangerschaftsdiabetes während der Schwangerschaft. Ebenso treten hier häufiger Chromosomenstörungen und Gendefekte auf. Bei jungen Schwangeren ist dagegen das Risiko von schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck deutlich erhöht.

Doch nicht jede Schwangerschaft ist von Anfang an eine Risikoschwangerschaft, es können auch mit der Zeit Umstände eintreten, die zu dieser Einstufung führen. Während der regulären Vorsorgeuntersuchungen wird der Arzt anhand von Fragebögen den allgemeinen Gesundheitszustand der Frau erfassen. Bei bestimmten Merkmalen erhöht sich das Risiko für Komplikationen und somit wird die Schwangerschaft zu einer Risikoschwangerschaft.
Während der Schwangerschaft können folgende Ursachen dazu führen, dass die Einstufung „Risikoschwangerschaft“ erfolgt:

  • Verzögertes Wachstum des Babys
  • Ungewöhnlich großes Wachstum des Babys
  • Fruchtwasserveränderungen
  • Akute Infektionen
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Baby in Steißlage

Je nach Diagnose werden zusätzliche Untersuchungen angeordnet, die bei einer normalen Schwangerschaft nicht erfolgen. Für diese speziellen Untersuchungsmethoden besteht bei einer normalen Schwangerschaft keine medizinische Notwendigkeit, deshalb werden diese auch nicht von der Krankenkasse übernommen. Bei einer Risikoschwangerschaft erweitern sich also die Kassenleistungen zusätzlich zu den Standarduntersuchungen um mögliche Probleme frühzeitig erkennen zu können. Die werdenden Eltern haben also das größte Maß an Sicherheit und Überwachung, damit Komplikationen erst gar nicht auftreten. Welche Diagnoseverfahren im konkreten Fall sinnvoll und nötig sind, muss der Arzt jeweils individuell im ausführlichen Gespräch mit den werdenden Eltern klären.

Risikoschwangerschaft – was gibt es zu beachten?

Werdende Mütter, die als Risikoschwangerschaft eingestuft wurden, sollten in jedem Fall alle zusätzlich empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen bei Ihrem Frauenarzt in Anspruch nehmen. Bei Risikoschwangerschaften können Vorsorgeuntersuchungen schon vor der 32. Schwangerschaftswoche häufiger als alle 4 Wochen bzw. nach der 33. Schwangerschaftswoche häufiger als alle 14 Tage angeordnet werden. Auch können mehr Ultraschalluntersuchungen durchgeführt werden, liegt keine Risikoschwangerschaft vor, werden üblicher Weise nur 3 Ultraschalluntersuchungen in der gesamten Schwangerschaft vorgenommen. Um mögliche Komplikationen frühzeitig zu entdecken, ist es wichtig diese Untersuchungen auch wahrzunehmen. Die Krankenkassen übernehmen bei Risikoschwangerschaften in der Regel diese zusätzlichen Untersuchungen vollständig, die sonst von den werdenden Eltern selbst finanziert werden müssen. So wird zwischen der 11. und 13. Schwangerschaftswoche die sogenannte Chorionzottenbiopsie durchgeführt, durch die genetische Besonderheiten wie Trisomien und verschiedene Stoffwechselerkrankungen nachgewiesen werden können. Ist hierbei der Befund unklar, wird zusätzlich eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) durchgeführt. Im Zeitraum zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche kann zudem die Nackenfaltenmessung durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung können genetische Erkrankungen wie das Down-Syndrom oder spezielle Herzfehler erkannt oder ausgeschlossen werden. Welche Untersuchungen durchgeführt werden, liegt jedoch immer in der Entscheidung der werdenden Mutter. Im Zweifel kann auch hierbei schon eine Hebamme gute Unterstützung bei der Entscheidungsfindung bieten.

Vorbeugung einer Risikoschwangerschaft

Nicht allen Faktoren, die zu einer Risikoschwangerschaft führen, kann vorgebeugt werden. Wirklich beeinflussbar sind im Vorfeld und während der Schwangerschaft lediglich Übergewicht und der Konsum von Nikotin, Alkohol, Drogen oder Medikamenten. Während der Schwangerschaft sollte jedoch mehr denn je auf eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Ruhephasen aber auch Bewegung geachtet werden.