Plötzlicher Kindstod – neue Erkenntnisse
Der plötzliche Kindstod ist einer der traurigsten und unheimlichsten Schicksalsschläge, der eine junge Familie ereilen kann. Gerade eben ging es dem Neugeborenen noch gut, plötzlich atmet es nicht mehr und es ist nichts mehr zu machen. Plötzlicher Kindstod ist eine offizielle Todesursache, doch das reicht betroffenen Eltern nicht, um Frieden zu finden. Ein Säugling kann doch nicht einfach so sterben? Diese Fragen beschäftigen Eltern in der Zeit danach – und natürlich auch, wie das hätte verhindert werden können. Der PKT ist ein Phänomen, das laufend erforscht wird, um ihn in Zukunft hoffentlich besser vermeiden zu können.

Was ist plötzlicher Kindstod?

Plötzlicher Kindstod ist das Versterben von Kindern im ersten bis zweiten Lebensjahr, ohne dass es eine krankheitsbedingte oder anderweitige Erklärung dafür gibt. Die meisten Todesfälle treten im ersten Lebensjahr, meist sehr kurz nach der Geburt auf. Ab dem zweiten Lebensjahr wird der plötzliche Kindstod schon wesentlich seltener. Im Jahr 2014 betraf der PKT 0,17 ‰ aller Kinder, es ist also heutzutage ein sehr seltenes Phänomen. Zwischenzeitlich sind Risikofaktoren bekannt geworden, die Säuglinge dafür prädestinieren. In den meisten PKT-Fällen war mindestens einer dieser Risikofaktoren festgestellt worden. Plötzlicher Kindstod betrifft eher männliche als weibliche Säuglinge und ereignet sich gehäuft in den Wintermonaten sowie im zweiten bis vierten Lebensmonat des Säuglings.

Welche Risikofaktoren sind heute bekannt?

Zu den neuen Erkenntnissen rund um den PKT gehört eine Liste von Risikofaktoren, die den Säugling gefährden können. Dazu gehören unter anderem:

  • eine ältere Mutter
  • Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht
  • schlechter Gesundheitszustand des Säuglings
  • ein am plötzlichen Kindstod verstorbenes Geschwisterkind des Vaters oder der Mutter
  • polytoxikomaner Drogenkonsum der Mutter während der Schwangerschaft
  • Passivrauchen vor und nach der Geburt
  • Überhitzung und starkes Schwitzen im Schlaf
  • Schlafverhalten (Nestchen als Bettumrandung, Schlafen in Bauchlage sowie auf einem Kissen, Zudecken des Kopfes mit einer Bettdecke, Schlafen im eigenen Zimmer fernab der Eltern)
  • Verzicht auf Stillen
  • männliches Geschlecht des Säuglings

Ob das Schlafen im Bett der Eltern ein Risiko darstellt, ist momentan noch umstritten. Eine sehr neue Erkenntnis ist, dass Schlafapnoe schon beim Säugling auftritt. Fällt etwa tagsüber eine längere Atempause auf, kann sich das im Schlaf wiederholen. Der Säugling fängt dann nicht mehr von alleine mit der Atmung an – es sei denn, er kann geweckt werden.

Lässt sich plötzlicher Kindstod vermeiden?

In den meisten Fällen, wenn nicht gerade Zigaretten und Drogen im Spiel waren, sind Mutter oder Vater am Versterben eines Säuglings schuld. Trotzdem tröstet das betroffene Eltern so gut wie gar nicht und sie wollen diesen Schickschalsschlag am liebsten ganz vermeiden. Einen wertvollen Beitrag dazu, dass dem Säugling nichts passiert, können sie mit folgenden Schritten leisten:

  • Schlafplatz im Schlafzimmer der Eltern (nicht zwingend in ihrem Bett)
  • Stillen
  • Verzicht auf Zigaretten und Drogen in der Schwangerschaft und danach
  • Schlafsack statt Kopfkissen und Bettdecke
  • atmungsaktive Matratze und Schlafzimmertemperatur unter 20°C gegen starkes Schwitzen
  • kein Nestchen (Bettumrandung)
  • Rückenlage zum Schlafen, wenn der Säugling das zulässt

Bei gesunden Säuglingen lässt sich das Risiko dadurch signifikant senken. Mütter, die nach Bekanntwerden der Schwangerschaft Hilfe brauchen, um von Zigaretten oder Drogen loszukommen, erhalten diese Hilfe bei ihrem Gynäkologen. Dieser berät auch zur Einrichtung des Kinderzimmers und kann im Einzelfall den Eltern Hilfe an die Hand geben, wenn ihr Baby zu früh geboren wird und dadurch zum Risikofall wird. Insbesondere wird er sie über neue Erkenntnisse informieren, die vielleicht heute noch nicht bekannt sind.

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