Auf vielen Lebenswegen läuft nicht immer alles so, wie es sich der Mensch denkt. Bestimmte Situationen belasten die Psyche und wirken sich auf das Wohlbefinden aus. Dann „geht etwas an die Nieren“ oder „man hat viel um die Ohren“. Auf diese innere Einladung reagiert der Körper. Akuter als auch chronischer Tinnitus ist eine weitverbreitete Krankheit, die die Betroffenen an den Rand der Geduld bringen. Akupunktur bei Tinnitus kann unter bestimmten Voraussetzungen die Beschwerden lindern, wenn nicht sogar heilen.

Was ist Tinnitus?

Jeder kennt Ohrklänge, die plötzlich auftreten und sogleich auch wieder vorbeigehen. Bei einigen Patienten nisten sich die Töne über Tage in Kopf und Ohr ein. Die akuten Leiden sind dann so groß, dass Migräneanfälle die Folge sein können. Ist der Anstoß bekannt, bringt eine schnelle Behandlung durch einen Arzt rasche Linderung. Trotzdem ist der Auslöser nicht immer so ohne Weiteres zu finden. Ignoriert der Patient die Ohrtöne über einen längeren Zeitraum hinweg, siedelt sich der Ton oder das Geräusch dauerhaft in einem bestimmten Bereich des Gehirns an.

Brummen, Sirren, Glockentöne oder ein Pochen sind dann als chronisch zu bezeichnen, wenn sie länger als sechs Monate vorhanden sind. Die Warnzeichen des Körpers sind ebenso different, wie ihre jeweilige Ursache. Nicht selten ist der Tinnitus ein Signal des Organismus auf berufliche Überbelastung, private Sorgen, Auslöser, wie Stoffwechselerkrankungen oder eine blockierte Halswirbelsäule. Erst in den letzten Jahren wurde nachgewiesen, dass ungünstig angefertigter Zahnersatz und Zahnfüllungen zum Knirschen (Bruxismus) führen.

Dabei verkrampft sich die Schläfen- und Nackenmuskulatur. Im Zusammenspiel mit diesen Faktoren begünstigen diese Spasmen eine übermäßige Belastung der Kiefergelenke und sind daher der Grund für das Knacken oder Pfeifen. In seltenen Fällen besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Multiplen Sklerose, Hirntumoren, Blutarmut oder zu niedriger Blutdruck und der Tinnituserkrankung.

Sensible Menschen reagieren bei fortgeschrittenem Leidensweg mit Depressionen. Diese sind geprägt durch Interessenlosigkeit an Beruf, Freunden, Hobbys und der Familie gegenüber. Im Berufsfeld kann dies zur Berufsunfähigkeit führen. Angstzustände führen zu körperlichen Beschwerden, die eine eindeutige Diagnose erschweren. Bei Depressionen im Zusammenhang mit einem chronischen Tinnitus ist eine psychotherapeutische Behandlung unterstützend hilfreich.

Nebenerscheinungen bei Tinnitus

Durch den permanenten Geräuschpegel leiden Betroffene unter Ein- und Durchschlafstörungen. Der Schlafmangel kann auf Dauer zu gravierenden Leistungseinbußen führen, mit Konzentrationsabfall und chronischen Kopfschmerzen. Schlafmittel und Alkohol sind keine geeigneten Mittel und beinhalten eine latent erhöhte Suchtgefahr.

Tinnitus aus Sicht der westlichen Medizin

Nach Auffassung der westlichen Medizin sind die Ursachen des Tinnitus mehrschichtig. Hierzu zählen im Einzelnen oder in Verbindung auftretende Beschwerden:

  • Erkrankungen des Ohres
  • Verspannungen des Nackens
  • Schulterreißen
  • Bruxismus und Kiefergelenkprobleme
  • übermäßige Lärmbelästigung
  • berufliche und/oder private Nervenanspannung
  • Medikamentenabhängigkeit
  • Alkoholabusus

Tinnitus in der TCM

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) steuern und regeln die Nierenmeridiane die Lebensessenz – die Verteilung der Körperflüssigkeiten. Die Nieren beeinflussen Gewebe, Gelenkfluid, die Gehirntätigkeit und die Aufgabe der Ohren. Tinnitus kann demnach die Auswirkung einer Nierenempfindlichkeit sein, die durch Alkoholmissbrauch, Rauchen, Stress und falsche Ernährung zustande kommt.

Die TCM unterscheidet zwischen einem Mangel oder einem Überschuss der Energie. Ein erfahrener Akpunkteur untersucht zunächst diese Zusammenhänge. Gibt es eine spürbare Kälte in der Nierengegend, treten als Begleiterscheinung auch Kreuzschmerzen, Hexenschuss, Kniebeschwerden, Hypothyreose – und Tinnitus auf.

Bei Frauen stehen Probleme mit dem Unterleib oft in einem engen Zusammenhang mit den „kalten Nieren“. Typisches Anzeichen ist auch das Ausbleiben der Regel und häufiger Harndrang bis hin zum Tinnitus. Neben Nachtschweiß und Schlaflosigkeit ist meist der Überschuss an Wärme das entgegengesetzte Anzeichen. Innere Unruhe tritt ebenso auf, wie das Ohrensausen.

Akupunktur verstehen lernen

Akupunktur gehört zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Akupunktur gehört zur Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Die Anwendung der Akupunktur im Westen hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Sie hat sich inzwischen zu einer Standardtherapie entwickelt, insbesondere bei chronischen Problemen und in der Schmerztherapie. Als Indikation spielen Bluthochdruck, psychosomatische Herzbeschwerden, Depression, klimakterische Beschwerden und Tinnitus eine wichtige Rolle. Akupunktur ist ein Teilgebiet der chinesischen Medizin, die auch Atem- und Meditationsmethoden wie Qi Gong umfasst. Nach der Vorstellung des chinesischen Systems wird durch gezielte Reizung von Akupunkturpunkten eine spezifische therapeutische Wirkung erzielt. Sie ist aber nicht alleine auf die Therapie beschränkt, sondern kennt ein ganzheitliches diagnostisches System. Eine Akupunkturbehandlung beruht auf einer funktionellen Diagnose im chinesischen Sinne.
Prophylaktische Methoden begleiten eine Behandlung mit den Nadeln. Qi Gong und Tai Chi stoßen in der westlichen Medizin auf zunehmendes Interesse. Die leicht zu erlernenden Konzentrationsübungen werden immer häufiger von Laien erlernt und angewendet. Auf dem Gebiet der chronischen Schmerztherapie bietet die Akupunktur ein Gegengewicht zur hoch technisierten Expertenmedizin der westlichen Welt.

Die Kassen übernehmen einen Teil der Kosten

Auf lange Sicht ist die Akupunktur bei Tinnitus eine preiswerte Alternative. Sie ist ökonomisch eine günstigere Lösung, da die jahrelange Medikamenteneinnahme, zum Beispiel bei Migräne oder Schlafstörungen, und die diagnostischen Kontrollen im Krankheitsverlauf deutlich teurer sind. Das haben auch die Krankenkassen erkannt. Mittlerweile übernehmen sie auf Antrag einen großen Teil der Kosten der Akupunkturtherapie. Die medikamentöse Therapie führt bei bestimmten Erkrankungen nur zu einer Linderung der Beschwerden, nicht zur Heilung. Mit Akupunktur behandelte Patienten zeigten einen dauerhaften Erfolg bei nur wenigen Behandlungen, ohne dass Nebenwirkungen eintraten.
Die Akupunktur bietet im Vergleich zur westlichen Medizin große Vorteile und führt häufig zu einer dauerhaften Heilung. Dies beruht in erster Linie auf dem anderen Konzept der traditionellen chinesischen Medizin.
Alles Lebendige enthält eine Lebenskraft als Grundlage des Lebens. Das Fließen dieser Kraft nennen die chinesischen Ärzte Qi.
Sie ist für die Gesundheit des Körpers verantwortlich. Sind diese Energien im Gleichgewicht, sind auch die lebensfördernden und lebenserhaltenden Kräfte aktiv.

Akupunktur bei Tinnitus

Tinnitus ist eine Wechselwirkung verschiedener Zusammenhänge. Ohne diese zu verstehen, ist eine Heilung schwer möglich. Um die Verbindungen zu erfassen, führt der Behandler eine umfassende klinische Untersuchung durch und erhebt eine ausführliche Anamnese.
Akupunktur zeigt eine gute Wirkung bei der Erkrankung aller Sinnesorgane. Ohrgeräusche (Tinnitus), Schwerhörigkeit und Sehschwäche können in wenigen Behandlungen eine erfolgreiche Heilung zeigen. Nach der chinesischen Vorstellung gehört das Ohr zum Funktionskreis der Niere. Daneben bestehen enge Verbindungen zwischen dem Ohr und dem Drei-Erwärmer-Meridian, der das Ohr umkreist. Starke Wirkung zeigen auch die entsprechenden Fernpunkte.Akupunkturbehandlungen sind situationsabhängig. Je nach Beschwerden und dem Erfolg der bisherigen Behandlungen legt der Akupunkteur verschiedene Punkte fest. Die wichtigsten Stichstellen liegen auf dem Ohraußenrand, am Ohrläppchen und auf dem Ohrknorpel. Hilfspunkte an den Augenbrauen und unterhalb der Nase auf der Oberlippe unterstützen die Wirkung. Bei der Akupunktur bei Tinnitus gilt es, Störzonen zu ermitteln, die für einen Erfolg beseitigt werden müssen. Dazu zählen die Mandeln, die Mundhöhle mit den Zähnen und die Nasennebenhöhlen. Die ermittelten Zonen legen dann die bestmöglichen Punkte für den auftretenden Tinnitus-Typ fest. Das Leber-Qi wird reguliert, das Nieren-Yin unterstützt. Bereits nach fünfzehn bis zwanzig Anwendungen reduzieren sich die Ohrgeräusche.

Die Technik

Bei der Akupunktur bei Tinnitus verwendet man Gold- und Silbernadeln. Die meisten verwendeten Nadeln für die klassische Akupunktur sind filiforme Nadeln. Sie bestehen aus einer Spitze, dem Nadelstiel und dem Nadelgriff, der mit einem dünnen Silberdraht umwickelt ist. Die dünnen Nadeln haben eine Länge von 25bis 50 Millimetern.
Der Patient nimmt eine stabile Position im Liegen ein, damit er sich entspannen kann. Beim schnellen Einstechen in die Haut spürt der Patient nur einen geringen Schmerz. Die Einstichtiefe kann je nach der Körperregion und der Lokalisation einige Millimeter betragen. Nach dem Nadelstich verweilen die Akupunkturnadeln 10-15 Minuten im Körper und müssen schmerzfrei liegen. In dieser Zeit sollte sich der Patient nicht bewegen.
Typische Empfindungen bei der manuellen Stimulation, wie Taubheitsgefühl, Kribbeln, Druck, Kälte- und Hitzegefühl werden als die De-Qi-Sensation bezeichnet und sind charakteristisch für eine richtig ausgeführte Akupunktur. Auch ein Gefühl ähnlich einer Elektrisierung kann empfunden werden. Es ist nicht selten, dass das Gefühl entlang eines Meridians zieht. Man spricht auch von Leiterbahnphänomen.
Zu jeder Akupunktur gehört auch die manuelle Stimulation der Nadeln. Die chinesische Vorstellung unterscheidet drei Arten. Das Drehen, Heben und Senken der Nadeln. Von der manuellen Stimulation der Nadeln mit deutlichem De Qi-Gefühl hängt die Wirksamkeit der Akupunkturbehandlung ab. Je nach Ziel der Behandlung unterscheiden die Akupunkteure drei Nadelungen.
Das Tonisieren wird durch dünne Nadeln erreicht, die in Meridianverlauf angesetzt werden. Hier reicht eine geringe Stimulanz bei langer Verweildauer die Wirkung. Das Anwendungsgebiet des Tonisierens besteht bei Erkrankungen vom Schwächetyp.
Andersherum verhält es sich bei der Ableitung. Die Methode der Sedierung ist gekennzeichnet durch kräftige manuelle Stimulation und eine kurze Verweildauer. Die Stichrichtung verläuft hier gegen den Meridianverlauf.
Eine ausgeglichene Nadelung wird angewendet, auch wenn die Ursache der Erkrankung immer noch unklar ist. Diese Anwendung liegt zwischen dem Tonisieren und der Ableitung.

Fazit

Akupunktur bei Tinnitus erreicht die größten Chancen auf eine vollkommene Heilung, je früher der Patient seine Beschwerden durch einen Spezialisten behandeln lässt. Die Heilungserfolge bei chronischem Tinnitus sind mit 50 % als gut zu bezeichnen, die Aussicht auf Erfolg ist bei einem beginnenden Ohrgeräusch wesentlich höher. Bestehen die Beschwerden länger als drei Tage, klärt ein HNO-Arzt die weiteren Behandlungsschritte.
Bei stressbedingtem Tinnitus sind autogenes Training, Qi Gong und andere Entspannungstechniken von hohem Wert.
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