Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt, selbst T-Shirts sind mittlerweile aus organischer Baumwolle. Nicht verwunderlich, dass damit auch der Kosmetik-Markt für natürliche Produkte wächst. Denn mit Naturkosmetik verbindet man biologische Erzeugnisse, Verzicht auf Farb- oder Konservierungsstoffe und wirksame, beruhigende Pflege.

Was genau ist Naturkosmetik?

Naturkosmetik - Die nachhaltige Alternative

Naturkosmetik – Die nachhaltige Alternative
(© Corinna Gissemann – Fotolia.com)

Eine einheitliche Begriffsdefinition oder Regelung dazu, welches Produkt sich Naturkosmetik nennen darf und welches nicht, gibt es bislang nicht. Die Vermarktung und damit die Beschreibung des Begriffes erfolgt vielmehr durch die Hersteller selbst. Mit freiwilligen Angaben über Zusatzstoffe und Versprechen an den Verbraucher möchten diese zeigen, dass sie Wert auf gewisse Grundsätze legen.

Dabei zeichnet sich Naturkosmetik häufig durch folgende Merkmale aus:

  • Verzicht auf synthetische Erzeugnisse
  • Verwendung von Pflanzenstoffen
  • Freiheit von Konservierungsmitteln
  • Verzicht auf synthetische Weichmacher wie Parabene
  • Bio-Produktion der natürlichen Rohstoffe
  • Keine Verwendung von Erzeugnissen aus der Erdölproduktion wie Paraffine oder Silikone

Dazu kommt der Trend, rein pflanzliche, also vegane Produkte anzubieten bzw. so weit wie möglich auf tierische Erzeugnisse zu verzichten. Andere Produkte, wie etwa Parabene, werden gezielt weggelassen, weil sie in Verruf geraten sind oder Verdacht auf kanzerogene (krebsfördernde) Eigenschaften besteht.

Welche Philosophie steckt dahinter?

Die Botschaft der Naturkosmetik-Industrie ist klar: Es geht um Nachhaltigkeit. Der Verbraucher soll die Gesichtscreme auftragen, ohne über Tierversuche oder schädliche Inhaltsstoffe nachdenken zu müssen. Er soll sich keine Sorgen um seine Gesundheit machen müssen – im Gegenteil: Die Produkte sind oft gestaltet wie Medizinprodukte, werden teilweise auch über Apotheken vertrieben und zeigen dem Verbraucher, dass es hier nicht nur um Kosmetik, sondern auch Pflege und Gesundheit geht.

Diese Idee ist gut und findet auch große Resonanz. Wie bei vielen Kosmetika bleibt jedoch die Frage offen, wie viel Wirkstoff, ob nun pflanzlich oder tierisch, überhaupt enthalten ist, ob und welchen Einfluss dieser auf den Körper hat und in welcher Relation Kosten und Leistung bei den Produkten stehen. Denn Naturkosmetik hat ihren Preis. Was auf der Inhaltsangabe steht, muss der Wahrheit entsprechen. Für die Sicherheit aber, dass auf eventuell schädliche oder nicht nachhaltig erzeugte Produkte verzichtet wird, wird der Verbraucher zur Kasse gebeten.

Ist Naturkosmetik gesünder?

Vielleicht sollte man fragen: Ist Naturkosmetik weniger schädlich? Denn „gesund“ bedeutet, dass ein Produkt einen aktiven Beitrag zum Wohlbefinden leistet – ein sehr weit gefasster Begriff. Wohlbefinden kann auch ein angenehmes Gefühl auf der Haut sein.

Interessanter wäre es, würde man sich mit Schäden befassen, die durch Pflegeprodukte verursacht werden können. Doch dazu gibt es kaum brauchbare Statistiken. Viele Inhaltsstoffe sind nur im Verdacht, schädlich zu sein. Wer hier auf der sicheren Seite sein will, ist also mit etwas mehr Vorsicht am besten beraten. Das bedeutet den Verzicht auf synthetische Zusätze und somit ist die Naturkosmetik klar im Vorteil. Auch das ökologische Gewissen ist ein nicht zu vernachlässigender Aspekt. Denn selbst wenn Naturkosmetik nicht wesentlich besser wäre als gewöhnliche, dann bliebe immer noch die nachhaltige Verarbeitung mit positivem Effekt auf die Umwelt.

Die Wirksamkeit der Pflanzenstoffe außen vor gelassen, kann man also sagen, dass Naturkosmetik durchaus weniger schädliche oder potentiell ungesunde Stoffe enthält. Damit ist sie ein Beitrag zu einer nachhaltigen Lebensweise und zu dem oft besser verträglich. Naturkosmetik ist außerdem meist hypoallergen, also für Allergiker geeignet, denn auf Farbstoffe und Konservierungsmittel wird weitgehend verzichtet.

Welche Zertifikate oder Kontrollen gibt es für Naturkosmetik?

Eine allgemeine EU-Richtlinie regelt Herstellung und Umgang mit Kosmetika. Für Naturkosmetik selbst gibt es jedoch keine eigene Verordnung. Viele Naturkosmetik-Hersteller greifen deshalb zur Kennzeichnung und Zertifizierung ihrer Produkte auf freie Institute oder das eigene Labor zurück. Eine Möglichkeit der Zertifizierung in Deutschland bietet der BDIH (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel e.V.).

Der Verband prüft die Kosmetika auf Haut- und Umweltverträglichkeit. Unternehmen, die sich der Kontrolle unterziehen, erhalten dann das Prüfzeichen „Kontrollierte Natur-Kosmetik“. Andere Verbände haben wieder andere Zertifikate für ihre Expertise. In jedem Fall wirkt ein zertifiziertes Produkt mit Bio-Siegel, Vegan-Stempel oder dem Logo einer bundesweiten Organisation vertrauenswürdiger.

Eine Zertifizierung zeigt zumindest das Interesse einer Marke an nachweisbarer Qualität und dem Einhalten der Packungsversprechen.

Fazit

Der größer werdende Markt für Naturkosmetik hat durchaus seine Berechtigung, denn viele Verbraucher wünschen sich nachhaltig hergestellte Produkte, die gesund und wirksam sind. Über die Wirksamkeit lässt sich streiten, das ist jedoch bei herkömmlicher Kosmetik nicht anders. Die Nachhaltigkeit wiederum ist nachweisbar und wird auch in den allermeisten Fällen real umgesetzt. Die entsprechenden Produkte erkennt man am Bio-Siegel oder anderen Zertifikaten.