AntibiotikaOb Blasenentzündung oder Blutvergiftung – Antibiotika werden häufig und gerne in deutschen Praxen verschrieben. Seit ihrer Erfindung gehören sie zu einer wichtigsten pharmakologischen Stütze der modernen Medizin. Da sie sich gegen vielfältige Leiden einsetzen lassen und zuverlässig wirken, gehören sie zu jenen Präparaten mit den stärksten Verkaufszahlen. Sie setzen genau da an, wo Bakterien sich sonst hemmungslos ausbreiten würden und führen relativ beständig zur Ausheilung. Allerdings können Antibiotika nur dann wirken, wenn sie gegen die richtigen Krankheitserreger eingesetzt werden. Auch kann der Kampf gegen Keime nur dann gewonnen werden, wenn bei der Einnahme einige Regeln beachtet werden.

Dagegen helfen Antibiotika

Pauschal lässt sich sagen, dass Antibiotika gegen Bakterien wirken – nicht jedoch gegen Viren. Sie dämmen verschiedenste bakterielle Infektionskrankheiten zuverlässig ein und sind heute ein wichtiges Therapeutika. Ob Lungenentzündung, Mittelohrentzündung oder vereiterte Nasennebenhöhlen – Antibiotika können innerhalb weniger Tage den Infekt ausheilen lassen.

Diese Antibiotika gibt es

Generell unterscheidet man zwischen zwei Arten von Antibiotika. Die Gruppe der bakteriostatischen Präparate dämmt die Ausbreitung der Bakterien im Patienten ein, tötet die Keime allerdings nicht ab. Sie wirken meist etwas sanfter auf den Körper, haben weniger Nebenwirkungen aber auch eine gedrosselte Durchschlagskraft.
Daneben gibt es die Gruppe der bakteriziden Antibiotika. Sie dringen in die Zellwand des Keimes ein und töten den Erreger dadurch ab. Diese Gruppe der bakterizid wirkenden Antibiotika unterteilt sich nochmals in einzelne Unterarten. Sie wirken dann ganz individuell auf einzelne Bakterienarten und greifen treffsicher nur diese ausgewählten Erreger an. Dazu muss man allerdings wissen, um welchen Bakterienstamm es sich genau handelt.
Im praktischen Umgang mit Erkrankten haben Ärzte aber häufig keine Möglichkeit, einen Abstich zu nehmen und im Labor den exakten Krankheitserreger auswerten zu lassen. Deshalb werden üblicherweise sogenannte Breitband-Antibiotika verschrieben. Sie wirken bakterizid und decken viele typischen Bakterienstämme gleichermaßen ab.
Liegt allerdings eine hartnäckige Erkrankung vor die einer genauen Aufklärung des Erregers bedarf, so kann nach der Laboruntersuchung ein ganz spezifisch nur darauf wirkendes Mittel eingesetzt werden. So wirken beispielsweise die bekannten Penicilline nur gegen Streptokokken und Pneumokokken, oder Makrolide nur gegen gefährliche Legionellen.

Wogegen helfen Antibiotika nicht?

Streng genommen helfen sie weder gegen Viren noch gegen Pilze. Diese wiederum lassen sich jedoch mit Virostatika und Antimykotika gut behandeln.
Um sicher zu gehen, um welchen bakteriellen Erreger es sich genau handelt, müssen weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Dies lässt sich mit einem Abstrich des erkrankten Gewebes, einer Urinprobe oder einer Blutentnahme feststellen. In der Praxis zeigt sich zudem, dass einige Erkrankungen, die von Viren oder Pilzen hervorgerufen werden, von einem bakteriellen Infekt nach kurzer Zeit abgelöst werden. Daher überkreuzen sich die Behandlungsmöglichkeiten manchmal.
Bei den meisten typischen Erkrankungen der kalten Monate, also bei einem grippalen Infekt beispielsweise, liegen zumeist Viren als Auslöser vor.

Das sind die Gefahren

Für den behandelnden Arzt wie für den Patienten ist es auf den ersten Blick kaum zu erkennen, ob der Erkrankte nun an einem Bakterium leidet oder an einem Virus. Häufig folgt auf eine Infektion mit einem Virus, wie bei einem typisch grippalen Erkältungsinfekt, nach einigen Tagen anschließend eine bakterielle Entzündung. Demgemäß verlangen viele Menschen präventiv eine antibiotische Therapie von ihrem behandelnden Arzt, ohne genau zu wissen, ob sie an einem Bakterium leiden oder an einer nicht zu behandelnden Viruserkrankung.

Dieses Gießkannenprinzip, indem generell gegen jeden Infekt ein Antibiotikum eingesetzt wird, fördert jedoch seit einigen Jahren die Resistenzen der Bakterien. Da sie sich an die häufig verschriebenen Wirkstoffe gut gewöhnen konnten, mutieren sie. Dieses Phänomen wird international immer wieder beobachtet und kommt vor allem in Ländern mit hohen medizinischen Standards vor. Dann können harmlose bakterielle Infektionen sogar zum Tode führen, weil kein Mittel mehr helfen kann. Diese aggressiv auftretenden Bakterienstämme nennt man multiresistente Keime.
Doch so schlimm muss es nicht immer kommen. Die meisten Menschen leiden während der Einnahme viel mehr unter den typischen Nebenwirkungen, die diese Präparate hervorrufen können. Zu den Hauptnebenwirkungen zählen Allergien, eine ausgelaugte und zerstörte Darmflora oder sich anschließende Pilzinfektionen.
Auch können Wechselwirkungen auftreten. Vor allem beim gleichzeitigen Konsum von Kaffee kann es zu Herzklopfen und Schwindel kommen. Zudem reagieren einige Antibiotika mit Mildprodukten wie Milch, Käse, Joghurt und Quark und verlieren ihre Wirksamkeit. Daneben gibt es eine negative Kombination bezüglich dem gleichzeitigen Genuss von Orangensaft und dem Medikament.

Es muss nicht immer aus dem Labor stammen – natürliche Alternativen gegen Entzündungen

Es gibt viele pflanzliche Alternativen zum Antibiotikum

Es gibt viele pflanzliche Alternativen zum Antibiotikum

Die gute Nachricht ist: ein starkes Immunsystem kann sich gegen Bakterien meist recht gut selbst zur Wehr setzen. Symptome wie Fieber oder Abgeschlagenheit sollten deshalb eher mit Augenmaß toleriert werden. Dann ist der Körper nämlich oft bereits in einem aktiven Status und drängt die Bakterien selbstständig zurück, indem er die weißen Blutkörperchen vermehrt als Fresszellen einsetzt.
Daneben suchen immer mehr Menschen nach natürlichen Alternativen. Folgerichtig rücken altbekannte Arzneipflanzen zunehmend in den Fokus der Pharma-Industrie. Der Vorteil für den Konsumenten ist, dass diese Präparate ihre Wirksamkeit in Studien klar belegen mussten. Diese Medikamente beruhen auf Extrakten traditioneller Heilpflanzen, sind jedoch pharmakologisch aufbereitet. So finden sich hilfreiche Arzneien gegen Enteritis und Colitis (Entzündungen der Darmwand) wie Morbus Crohn darunter, Mittel gegen Erkältungskrankheiten (Sonnenhutwurzel und Färberhülsenwurzelstock), Tabletten gegen Schwellungen der Nasennebenhöhlen oder zur besseren Wundheilung nach Operationen (Bromelain). Auch gegen die typischen Frauenleiden wie Blasenentzündung, Wechseljahrsbeschwerden (Johanniskraut) oder Menstruationsschmerzen (Cimicifugawurzelstock) werden Medikamente angeboten.
Doch können diese Arzneipflanzen auch selbst zuhause genutzt werden. So ist es kein Geheimnis mehr, dass Lebensmittel wie Cranberry, Brunnenkresse, Meerrettich oder Knoblauch besondere Eigenschaften in sich tragen, die Bakterien und teilweise auch Viren wirksam eindämmen können. Wurden Mütter früher noch belächelt, wenn sie dem kranken Kind ein Zwiebelpäckchen aufs Ohr legten, so weiß man heute, dass diese und andere Pflanzen tatsächlich heilendes Potential in sich tragen. Ebenfalls lässt sich beispielsweise eine schmerzhafte Magenschleimhautentzündung gut mit Senfölglycosiden behandeln, die ganz natürlich in Weisskohl oder Brokkolisprossen vorkommen.

Diese Heilpflanzen sollten Sie kennen (von A bis Z):

  • Aloe Vera
  • Arnika
  • Brunnenkresse
  • Ceylon-Zimt
  • Efeu
  • Eisenkraut
  • Gewürznelken
  • Goldrute
  • Kamille
  • Kapuzinerkresse
  • Knoblauch
  • Meerrettich
  • Papaya
  • Pfefferminze
  • Ringelblume
  • Salbei
  • Schafarbe
  • Sonnenhut
  • Süßholz
  • Teebaum
  • Thymian
  • Umckaloabo
  • Wacholder
  • Weißer Senf
  • Zwiebel

Die Lösung liegt so nah – Entwicklungserfolge beim Kampf gegen multiresistente Keime

Weltweit forschen Wissenschaftler mit Hochdruck daran, wie Antibiotikaresistenzen besser umgangen werden könnten. Dass man dabei nicht in die Ferne schweifen muss, stellte sich kürzlich heraus. So fanden Wissenschaftler der Uni Tübingen und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung 2016 heraus, dass in der menschlichen Nase ein potentieller Wirkstoff schlummert, der multiresistente Keime eindämmen könnte. Die Forscher entdeckten, dass unterschiedliche Bakterienstämme der Nasenhöhle sich scheinbar gegenseitig so in Schach halten können, dass ein natürlicher und gesunder Lebensraum entsteht. Diese menschliche Mikroflora könnte der Nährboden sein, um zukünftig antibiotische Wirkstoffe nach demselben Prinzip synthetisch herstellen zu können. Damit könnte man in einigen Jahren Patienten, die unter einer umfangreichen Infektion mit multiresistenten Keimen leiden, gezielt mit eben jenen Bakterienstämmen besiedeln.

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